26.08.2025
NATURWUNDER

Komptech: Steirische Technologie schützt australisches Great Barrier Reef

Einer der führenden Süßkartoffelproduzenten Australiens setzt auf Know-how aus der Steiermark: Die Maschinen des Frohnleitner Umwelt- und Recyclingsunternehmen Komptech verarbeiten Bioabfälle zu Dünger. Die steirische Technologie unterstützt dabei, eines der größten Naturwunder der Welt zu schützen.
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Komptech
© Unsplash/Yanguang-lan - Das 2.300 km lange Ökosystem umfasst Tausende Riffe und Hunderte Inseln, die aus über 600 verschiedenen Stein- und Weichkorallen bestehen.

Man muss wissen: Bundaberg ist Australiens Süßkartoffel-Hochburg. Dank des subtropischen Klimas können hier fast das ganze Jahr über Süßkartoffeln gepflanzt und geerntet werden. Rund 70 Prozent der nationalen Produktion stammen daher aus dieser Region. Bekannt ist die Stadt jedoch vor allem auch als südliches Tor zum Great Barrier Reef, das 1981 von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde: Nur 60 Kilometer trennen Bundaberg vom größten Korallenriff der Welt. Komptech aus der Steiermark wird in diesem Zusammenhang nun eine bedeutende Rolle zuteil.

Komptech: Organische Abfälle zu Humus

Der Schutz dieses 344.000 Quadratkilometer großen Ökosystems ist nicht nur für Korallen und Fische entscheidend, sondern hat auch Auswirkungen auf die regionalen Landwirtschaftsbetriebe: Da Süßkartoffeln dem Boden besonders viele Nährstoffe entziehen, sind Dünger und Humus unverzichtbar – Kunstdünger ist wegen der Nähe zum Riff jedoch keine Option. Auch auf Druck der australischen Regierung setzen Unternehmen wie Greensill Farming deshalb auf Kompostierung – und somit auch auf Know-how aus der Steiermark: Maschinen von Komptech aus Frohnleiten verwandeln Bioabfall in Humus, der auf den weitläufigen landwirtschaftlichen Flächen Australiens ausgebracht wird.

„Unsere Maschinen leisten einen wichtigen Beitrag, um den Einsatz von Kunstdünger in der Region um das Great Barrier Reef zu verhindern. Indem organische Abfälle zu hochwertigem Humus verarbeitet werden, schließen wir Kreisläufe: Aus Grünschnitt, Ästen oder Gartenabfällen entsteht ein natürlicher Dünger, der die Böden langfristig fruchtbar hält und gleichzeitig verhindert, dass potenziell gefährliche Düngereste unkontrolliert ins Grundwasser oder ins Meer gelangen“, erklärt Ewald Konrad, Vertriebsdirektor des 700-köpfigen Unternehmens. „Für die Landwirtschaftsbetriebe bedeutet das stabile Erträge und für das Riff weniger Belastung durch Stickstoff und Phosphor.“

Crambo, Topturn und Nemus

Insgesamt sind drei verschiedene Komptech-Maschinen dafür in „Down Under“ im Einsatz. Zuerst zerkleinert „Crambo“ sämtliche Holz- und Grünabfälle, ehe der bis zu 420 PS starke und knapp 20 Tonnen schwere „Topturn“ die Arbeit aufnimmt: Die Frohnleitner Entwicklung mischt das Material durch, bringt Sauerstoff ins Innere und sorgt dafür, dass sich Temperatur und Feuchtigkeit gleichmäßig verteilen.

Das Trommelsieb „Nemus“ sorgt schlussendlich für den gewünschten Feinheitsgrad des Materials – der nährstoffreiche Humus wird danach direkt auf den Feldern ausgebracht. Dass am anderen Ende der Welt steirische Kompetenzen gefragt sind, sei eigenen Worten nach vor allem der Performance der Maschinen geschuldet: Die 100 Meter langen Mieten (aufgeschichtete Haufen von organischem Material) werden in weniger als sechs Minuten umgesetzt bzw. durchmischt.

In zehn Jahren rund drei Mrd. Euro investiert

Der Schutz des Riffs ist nicht nur im Interesse der Region und des Bundesstaates Queensland, sondern von nationaler Bedeutung und im Fokus internationaler Umweltschutzorganisationen. Allein Australien und Queensland haben seit 2015 knapp drei Milliarden Euro in Programme für den Schutz des Great Barrier Reefs investiert.

Bei Komptech rechnet man nicht nur deshalb mit weiteren Aufträgen in Australien, erklärt Konrad: „Der Bedarf an zukunftsfähigen Lösungen steigt kontinuierlich – nicht nur im Bereich Kompostierung, sondern in der gesamten Kreislaufwirtschaft. Immer mehr Länder erkennen, dass nachhaltige Technologien keine Option mehr sind, sondern eine Notwendigkeit. Unsere Anlagen tragen dazu bei, Abfälle in wertvolle Ressourcen zu verwandeln und so Landwirtschaft, Kommunen und Umwelt gleichermaßen zu entlasten.“

Positive Effekte für Komptech

Insgesamt würde das Bewusstsein für Umweltschutz steigen. Mit positiven Effekten für Komptech, so der Vertriebsdirektor: „Mit unserem Know-how sind wir auf allen sieben Kontinenten der Welt vertreten. Dies spiegelt sich auch in unserer Exportquote wider: Mit 95 Prozent sind wir international widerstandsfähig aufgestellt und können wirtschaftliche Schwankungen besser kompensieren als Unternehmen, die von wenigen Märkten abhängig sind.“

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(v. l.) AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter, BrightFlare-CEO Markus Seme, GMAR-Präsidentin Ulrike Haslauer, DCCS-Geschäftsführer Thomas Edlinger, Joanneum Research-Geschäftsführer Heinz Mayer und AT Styria-Geschäftsführer Helmut Röck © Lukas Elsneg

Der Cluster AT Styria (Plattform Automatisierungstechnik Steiermark), ein branchenübergreifendes Netzwerk von 120 Unternehmen, die in der Automatisierungstechnik tätig sind, hat bei den „European Robotics and Automation Talks“ in Graz seinen Plan für eine Robotik-Testregion vorgestellt. Dort soll die nächste Robotergeneration unter realen Produktionsbedingungen bis zur industriellen Einsatzreife entwickelt werden.

Ziel: Industrielle Einsatzreife

Mit an Bord sind unter anderem Joanneum Research, TU Graz, FH Campus 02, Magna Steyr, der KI-Softwareanbieter DCCS und der Security-Spezialist BrightFlare. Über die „Area Süd“ werden Kärntner Partner eingebunden. Dazu kommen das slowenische Netzwerk SRIP Factories of the Future, das italienische DITEDI, mit dem im Juli 2026 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet wurde, sowie Bayern Innovativ.

Aus Sicht von AT-Styria-Vorsitzendem Herbert Ritter, der auch Vizepräsident der WKO Steiermark ist, wird KI-gestützte Robotik zur zentralen Standortfrage. „Wir wollen Kooperationen erzeugen, als Enabler wirken und dafür sorgen, dass neue Technologien schneller in den Betrieben ankommen“, sagt er.

18 Millionen Euro aus Horizon Europe

Das Konsortium bewirbt sich um das einzige europaweite Leitprojekt, das Horizon Europe für die industrielle Integration KI-gestützter Robotik vorsieht. Horizon Europe ist das Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union und läuft von 2021 bis 2027. Mit einem Budget von rund 95 Milliarden Euro ist es eines der größten Förderprogramme dieser Art weltweit. Gefördert werden Projekte, in denen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus mehreren Ländern zusammenarbeiten.

Die Ausschreibung öffnet im November 2026, dafür stehen rund 18 Millionen Euro bereit. Der Antrag soll im Frühjahr 2027 eingereicht werden, die Förderentscheidung fällt im Sommer. Bei einer Zusage könnte das Projekt 2028 starten.

Drei Pilotprojekte als Rückgrat

Geplant sind drei industrielle Pilotprojekte. Im ersten arbeiten humanoide Roboter an mehreren Arbeitsplätzen einer Fertigung, bedienen Maschinen und wechseln Werkstücke. Der zweite Pilot widmet sich der innerbetrieblichen Logistik mit autonomen mobilen Robotern. Im dritten übernehmen KI-Systeme Aufgaben in Qualitätskontrolle, Inspektion und Instandhaltung.

Heinz Mayer, Geschäftsführer von Joanneum Research, erklärt das Ziel: „Jeder Pilot setzt bei einem konkreten Engpass im Betrieb an. Am Ende steht eine klare wirtschaftliche und technische Bilanz: Welche Taktzeit erreicht das System, wie zuverlässig arbeitet es, welchen Integrationsaufwand verursacht es und wann rechnet sich die Investition? Genau diese Antworten brauchen Unternehmen, bevor sie eine neue Technologie in größerem Maßstab einsetzen.“

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