06.04.2020

Österreich kann und muss jetzt zum Krisengewinner werden

Kommentar. Österreich handelte in der Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus schneller als viele andere Länder. Das schafft nun die Möglichkeit, die Maßnahmen deutlich früher aufzulockern. Aber das reicht nicht. Jetzt heißt es in die Zukunft investieren.
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Österreich und Coronavirus - auf dem Weg zum Krisengewinner
(c) Adobe Stock - Kitty

Beschäftigt man sich etwas mit der grausamen Arithmetik, die uns in den vergangen Wochen ständig begleitet, dann wird klar: Dass Österreich ein bis eineinhalb Wochen vor vielen anderen Ländern entschiedene Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriff, wird der Alpenrepublik nach hinten hin deutlich mehr Zeit verschaffen. Es ist die exponentielle Wachstumskurve in Ländern ohne Einschränkungen, die dafür sorgt, dass in dieser einen Woche ungefähr dreimal so viele Infektionen erfolgen, wie in der gesamten Zeit davor (bei einem Verdopplungszeitraum von drei Tagen, wie in Österreich vor dem Shutdown der Fall). Die anderen Länder sind also nicht einfach eine Woche hinten nach – ihre Maßnahmen müssen erheblich länger Dauern, um die Ausbreitung im gleichen Ausmaß in den Griff zu bekommen. Das wird erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben und Österreich die Chance verschaffen, zum Krisengewinner zu werden.

+++ Hintergründe und News zum Coronavirus +++

Die Auflockerung beginnt viel früher

Die österreichische Regierung kündigte heute tatsächlich die Schrittweise Auflockerung der Maßnahmen beginnend nach Ostern an. Andernorts kann man davon nur träumen. In den bislang am stärksten von der Krise geschüttelten Ländern Italien, Spanien und Frankreich wird es sowieso deutlich länger dauern. Und weitere große Volkswirtschaften wie das Vereinigte Königreich, die Niederlande und vor allem die USA haben den Peak der Katastrophe noch vor sich und werden noch einmal viel länger brauchen, bis sie (flächendeckend) auflockern können.

Entspannung hier – weitere Anspannung dort

Während sich die wirtschaftliche Lage hierzulande also bereits nach und nach entspannen wird (leider nicht in allen Branchen, vor allem der Tourismus leidet weiter), werden in vielen anderen Ländern weiterhin täglich an sich gesunde Unternehmen in die Insolvenz schlittern, weil sie trotz etwaiger Staatshilfen nicht durchhalten. Während in Österreich im Rahmen des „neuen Normalzustands“ wieder Umsätze in während des Shutdowns blockierten Branchen gemacht werden, wird es in anderen Ländern weitere Kündigungswellen geben, weil es sich einfach nicht mehr ausgeht. Sprich: Während die österreichische Wirtschaft wegen der Coronakrise schrumpfen wird (Schätzungen dazu bewegen sich momentan um die Minus zwei Prozent beim BIP), wird es in vielen anderen Ländern eine maßgeblich größere Schrumpfung geben.

Krisengewinner wird man nicht automatisch

Das alleine macht das Land aber nicht zum Krisengewinner. Im Gegenteil: Schadenfreude hat – abgesehen davon, dass sie moralisch daneben ist – noch nie jemanden weitergebracht. Und daran, dass wichtige Handelspartner hart von der Coronakrise getroffen werden und an Kaufkraft einbüßen, gibt es nichts Positives. Eine große Chance ergibt sich durch den zuvor beschriebenen Vorsprung Österreichs aber trotzdem: Das Land kann nun in wirtschaftlichen Bereichen international massiv aufholen, in denen es bislang massiv hinten nach war. Und gerade in Branchen, die von der Krise besonders hart getroffen werden, könnte es sich auszahlen, heimische Unternehmen noch etwas „durchzufüttern“ – denn die internationale Konkurrenz verschwindet nach und nach.

Mit der „koste es, was es wolle“-Devise“ zum Krisengwinner

Dazu bedarf es aber weiterer, großer Investitionen – von staatlicher und von privater Seite (wobei hierzu staatliche Unterstützungsmodelle anzudenken sind). Es wäre ein klassisch antizyklischer Ansatz, mit dem die „koste es, was es wolle“-Devise der Regierung (die durch das Aussetzen der Maastricht-Kriterien der EU ermöglicht wird) auf sinnvolle Weise noch etwas weitergeführt werden könnte, um Unternehmen nicht nur zu retten, sondern in dieser entscheidenden Zeit zu stärken.

Fortschritt statt Rückschritt für das Startup-Ökosystem

Befürchtungen, dass etwa das heimische Startup-Ökosystem durch die Coronakrise um zehn Jahre zurückgeworfen wird, könnte man mit Bemühungen kontern, es stattdessen ein paar Jahre nach vorne zu katapultieren. Darüber, was es dazu bräuchte, gab es in den vergangenen Jahren ausführliche Studien und Forderungskataloge. Es ist aber nicht nur die Politik am Zug, sondern vor allem auch private Investoren, die gerade jetzt die Chancen sehen sollten.

Krisengewinner als Retter in der Not

Darüber hinaus kann Österreich den Erfolg in der Coronavirus-Bekämpfung dazu nutzen, sein Image international weiter zu verbessern und damit etwa noch relevanter für Ansiedlungen internationaler Unternehmen zu werden. Eine deutliche Image-Verbesserung wäre auch damit möglich, nun anderen Ländern, die tiefer in der Krise sind, zu helfen. Das wird vielleicht auch notwendig sein, denn Krisengewinner sind üblicherweise nicht sehr beliebt – es sei denn, sie werden auch zu Rettern in der Not.

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(c) Verena Nageler

Mit vierundzwanzig habe ich einen großen Teil meines Ersparten in ein Wiener Mobility-Startup gesteckt. Verrückt, ich weiß, aber ich habe verdammt viel gelernt, als ich am Tisch mit namhaften Business Angels aus Österreich und VCs wie Elevator Ventures, Uniqa Ventures und dem aws Gründerfonds sitzen durfte. Die Firma hieß goUrban, eine Plattform für Car- und Micro-Mobility-Sharing und für die Digitalisierung von Firmenflotten. Im September 2024 wurde goUrban von Wunder Mobility übernommen.

Geblieben ist mir aus dieser Zeit vor allem eine Lektion. Sie kommt in der aktuellen Debatte über autonomes Fahren fast nie vor: Ein Fahrzeug ist noch kein Geschäftsmodell.

Beim Sharing entscheidet nämlich nicht die App. Fahrzeuge wollen geladen, gereinigt, gewartet und umverteilt werden. Sie müssen dort stehen, wo in zwanzig Minuten jemand sucht. Stehen sie falsch, kosten sie Geld. Sind sie defekt, ist die Kund:in weg. Bleibt die Auslastung aus, hilft die beste Technologie nichts.

Beim autonomen Fahren ist und wird das nicht anders sein. Die Person am Steuer kann verschwinden. Der Betrieb bleibt ja trotzdem.

Die USA und China machen es logisch, aber anders

Die USA und China skalieren autonome Mobilität dort, wo Dichte, große Flotten und zahlungsbereite Kund:innen zusammenkommen. Das Robotaxi ist als individuelles Produkt gedacht und fährt zuerst in den Gebieten, in denen sich der Betrieb rechnet. Das ist logisch und funktioniert dort auch.

Bei uns sind die Voraussetzungen andere. Wir haben ein dichtes öffentliches Netz, starke Verkehrsverbünde und die politische Erwartung, dass Mobilität auch dort funktioniert, wo sie sich betriebswirtschaftlich nicht ausgeht.

Ein europäisches Waymo zu bauen, löst diese Frage nicht. Der Bahnhof im Seitental, der Weiler am Dienstagabend, der Tourismusort im November: Da fehlt kein weiteres einzelnes Fahrzeug. Da fehlt das System, das dieses Fahrzeug in den öffentlichen Verkehr einhängt.

Die spannendste europäische Position liegt für mich deshalb nicht im Technologie-Layer. Sie liegt bei denen, die Flotten betreiben, Nachfrage bündeln, Fahrten disponieren, Fahrzeuge laden und warten, Schnittstellen zu den Verbünden bauen und Gemeinden, Betriebe und Behörden an einen Tisch bekommen. Also bei der unglamourösen Arbeit.

Ohne Nachfrage keine Skalierung

Autonome Fahrzeuge rechnen sich erst, wenn sie regelmäßig fahren. Und genau hier wird der Tourismus unterschätzt.

Eine Destination bündelt Nachfrage räumlich und zeitlich. Samstagvormittag kommen die Gäste an denselben zwei, drei Bahnhöfen an. Sie fahren zu einer überschaubaren Zahl an Unterkünften, Bergbahnen, Veranstaltungsorten und Ausflugszielen. Diese Wege sind planbarer als die einer beliebigen Stadtbevölkerung. Wir sehen das in unseren Daten immer wieder.

Ein einzelnes Hotel wird trotzdem nie eine autonome Flotte aufbauen. Eine Region kann es. Sie kann die Nachfrage aus Beherbergung, Freizeitwirtschaft, Bevölkerung und öffentlichem Verkehr zusammenlegen. Aus einzelnen Fahrten wird ein Bediengebiet, aus dem Pilotprojekt ein Angebot, das bleibt. Und die Einheimischen fahren mit. Das ist der Punkt, an dem Konnektivität das Leben am Land wieder attraktiver macht.

Nur: Irgendwer muss diese Struktur aufsetzen. Wer übernimmt die Buchung? Wer garantiert den Anschluss, wenn der Zug 18 Minuten Verspätung hat? Wer zahlt die schwachen Zeiten? Wem gehören die Daten? Wer haftet, wenn eine Fahrt ausfällt? Und wer entscheidet, ob das Fahrzeug zum gut ausgelasteten Bahnhof fährt oder zum Betrieb am Ende des Tals?

Das klingt weniger nach Zukunft als Sensorik und Fahrzeugmodelle. Wirtschaftlich entscheidet es mehr.

Menschen steigen nicht wegen der Technik um

Das beste Angebot scheitert, wenn es niemand nutzt. Und die Rolle des Klimabewusstseins wird dabei gehörig überschätzt.

Der Gast lässt das Auto nicht stehen, um ein guter Mensch zu sein. Er lässt es stehen, wenn die Alternative bequemer ist und er sich darauf verlassen kann. Wenn sie günstiger ist, umso besser.

Der Urlaub ist dafür ein guter Moment. Menschen sind aus ihren Routinen raus, probieren Sachen aus, organisieren ihre Wege ohnehin neu. Ob das zuhause nachwirkt, ist noch nicht ausreichend belegt, da würde ich mich nicht zu weit hinauslehnen. Für eine Destination reicht der Urlaub trotzdem: Hier lässt sich zeigen, dass es ohne eigenes Auto geht, ohne dass sich jemand einschränken muss.

Die Technologie macht es möglich. Genutzt wird sie erst, wenn sie im Alltag der Gäste die bequemere Variante ist.

Wer das System organisiert, dem gehört der Markt

Europa pilotiert viel und skaliert wenig. Das liegt nicht nur an Regulierung und technischer Vorsicht. Meistens fehlt jemand, der aus Fahrzeug, öffentlichem Verkehr, touristischer Nachfrage und regionaler Verantwortung ein Produkt macht.

Waymo wird uns das nicht bauen. Und auch kein europäischer Fahrzeughersteller wird entscheiden, wie der Gast vom Bahnhof in ein österreichisches Seitental kommt.

Die unternehmerische Chance liegt zwischen den Zuständigkeiten. Sie gehört denen, die Betreiber, Verkehrsverbünde, Destinationen, Gemeinden und Betriebe koordinieren und daraus ein Angebot machen, das an einem Dienstag im November genauso funktioniert wie am Anreisesamstag im Winter.

Wer damit anfangen will, braucht dafür übrigens kein autonomes Fahrzeug. Es reicht, in einer Region die Fragen von oben zu beantworten: Buchung, Anschluss, Finanzierung der schwachen Zeiten, Daten, Haftung. Wer das geklärt hat, ist bereit, wenn die Fahrzeuge kommen. Die anderen pilotieren dann noch.

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Österreich kann und muss jetzt zum Krisengewinner werden

  • Beschäftigt man sich etwas mit der grausamen Arithmetik, die uns in den vergangen Wochen ständig begleitet, dann wird klar: Dass Österreich ein bis eineinhalb Wochen vor vielen anderen Ländern entschiedene Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriff, wird der Alpenrepublik nach hinten hin deutlich mehr Zeit verschaffen.
  • Die anderen Länder sind also nicht einfach eine Woche hinten nach – ihre Maßnahmen müssen erheblich länger Dauern, um die Ausbreitung im gleichen Ausmaß in den Griff zu bekommen.
  • Durch den zuvor beschriebenen Vorsprung Österreichs ergibt sich eine große Chance: Das Land kann nun in wirtschaftlichen Bereichen international massiv aufholen, in denen es bislang massiv hinten nach war.
  • Dazu bedarf es aber weiterer, großer Investitionen – von staatlicher und von privater Seite.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Österreich kann und muss jetzt zum Krisengewinner werden

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  • Die anderen Länder sind also nicht einfach eine Woche hinten nach – ihre Maßnahmen müssen erheblich länger Dauern, um die Ausbreitung im gleichen Ausmaß in den Griff zu bekommen.
  • Durch den zuvor beschriebenen Vorsprung Österreichs ergibt sich eine große Chance: Das Land kann nun in wirtschaftlichen Bereichen international massiv aufholen, in denen es bislang massiv hinten nach war.
  • Dazu bedarf es aber weiterer, großer Investitionen – von staatlicher und von privater Seite.

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Österreich kann und muss jetzt zum Krisengewinner werden

  • Beschäftigt man sich etwas mit der grausamen Arithmetik, die uns in den vergangen Wochen ständig begleitet, dann wird klar: Dass Österreich ein bis eineinhalb Wochen vor vielen anderen Ländern entschiedene Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriff, wird der Alpenrepublik nach hinten hin deutlich mehr Zeit verschaffen.
  • Die anderen Länder sind also nicht einfach eine Woche hinten nach – ihre Maßnahmen müssen erheblich länger Dauern, um die Ausbreitung im gleichen Ausmaß in den Griff zu bekommen.
  • Durch den zuvor beschriebenen Vorsprung Österreichs ergibt sich eine große Chance: Das Land kann nun in wirtschaftlichen Bereichen international massiv aufholen, in denen es bislang massiv hinten nach war.
  • Dazu bedarf es aber weiterer, großer Investitionen – von staatlicher und von privater Seite.

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  • Dazu bedarf es aber weiterer, großer Investitionen – von staatlicher und von privater Seite.

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