20.10.2016

Koller: „Manchmal tun sie mir leid und manchmal beneide ich sie“

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich auch die Medienlandschaft. Der Wandel bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich, denen sich Medienunternehmen zukünftig stellen müssen. Auch anders herum sind Startups auf mediale Berichterstattung angewiesen. Nikolaus Koller erklärt im Brutkasten-Gespräch, wie beide Bereiche von einander profitieren können.
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Nikolaus Koller ist Leiter des Instituts für Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien.

Die Frage, wie Neue Medien den traditionellen Journalismus verändern, ist derzeit Gegenstand manch‘ hitziger Diskussion. Nikolaus Koller ist Experte für die Vernetzung beider Bereiche. Derzeit leitet er das Institut für Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien der WKW, zuvor war Koller Ressortleiter der Karriere-Redaktion bei der Tageszeitung „Die Presse“.

Woher kommt Ihr Interesse an Startups?

Als ich noch Ressortleiter bei der Presse war, habe ich gesagt, man muss sich auch journalistisch mehr mit Menschen beschäftigen, die sich selbständig machen. Das war ungefähr 2010. Dann habe ich redaktionell viel darüber geschrieben, obwohl es damals allgemein noch nicht so viele Beiträge über Startups gegeben hat. Ich habe auch sehr schnell ein paar Leute aus der Branche kennen gelernt. Bezogen auf meinen derzeitigen Job denke ich, dass das Thema Selbständigkeit auch im Journalismus im Zusammenhang mit „freien“ Journalisten immer wieder auftaucht. Ich glaube, dass dem österreichischen Journalismus die großen Medienmodelle und die Startup-Geschichten fehlen. Generell habe ich aber natürlich sicherlich einen Faible für Startups. Und ich habe auch einige Freunde, die in der Szene sind. Die tun mir manchmal sehr leid und manchmal beneide ich sie.

Setzen sich auch die nicht-elektronischen Medien mit dem Thema Startups auseinander?

Nein, und das auch zurecht. In meiner Definition ist ein Startup ein auf den technischen Bereich fokussiertes, stark skalierbares und nicht auf eine regionale Nische einsetzbares Unternehmen. Insofern denke ich, dass die Leute, die sich für das Thema interessieren, eher einen digitalen Zugang haben und digitale Medien und digitale Tools nutzen – auch um miteinander zu interagieren weil es ja teilweise um Distanzen geht, die international überbrückt werden müssen. Diese Digitalbrücke ist dementsprechend schon sinnvoll. Natürlich braucht man aber auch hin und wieder etwas Gedrucktes. Ein Tech-Fokus ist aber sicherlich da.

Fehlt der österreichischen Medienlandschaft der Zugang zum Thema Startups?

Wenn man vor einigen Jahren über Startups schreiben wollte, wurde man eher belächelt. Keiner konnte die Bedeutung des Themas wirklich einordnen. Inzwischen hecheln viele Kollegen der einen oder anderen Geschichte hinterher und beißen sich die Zähne an Gründern aus. Es gibt einige sehr gute Versuche von Medienunternehmen, über Startups zu berichten. Prinzipiell ist es aber sehr schwer, dieses technologiegetriebene Thema für eine breite Masse anschaulich zu machen. Das beginnt bei den Begrifflichkeiten. Ich hab nicht nur einmal gelesen, dass zum Beispiel ein neues Restaurant auch als Startup bezeichnet wurde. Aber ich glaube, wenn man in den Bundesländern irgendwo auf der Straße nachfragt, was Startup wirklich bedeutet, werden die meisten nichts sagen können. Insofern ist auch das Erklären dazu ein bisschen schwierig.

Redaktionstipps

Wieso setzen sich in Österreich so wenige Menschen mit Startups auseinander?

Die Angst vorm Scheitern ist hier sicher ein Thema. Aber ich bemerke, dass sich das zumindest in den Köpfen von einigen wenigen gewandelt hat. Früher war ein Ausstieg aus einer Firma nach einer Karriere als Führungskraft mit Mitte bis Ende 30 noch undenkbar, um dann ein Startup zu gründen. Das ist zwar auch jetzt eher ein Minderheitenprogramm, aber es wird mehr. Dabei zeigt sich eine gewisse Frustration für die alten Unternehmen. Natürlich sind gelernte Österreicher eher risikoavers. Den Hype und die Aufbruchstimmung erlebt man bei Startup-Events. In der Gesamtbevölkerung wandelt sich das auch ein bisschen, aber nicht fundamental.

Einmal andersherum: Wie wichtig ist Medienarbeit für Startups?

Sehr wichtig. Man muss Medienarbeit für Startups allerdings definieren. Startups haben ja beschränkte Ressourcen. Zeitlich, finanziell und teilweise auch was das Know-How angeht. Ich denke, die wichtigste Kommunikation für junge Unternehmen ist sicher nicht klassische Öffentlichkeitsarbeit, sondern Marketing und Werbung. Es geht vor allem um den Bekanntheitsgrad bei Kunden und Investoren. Viele Investoren meinen, Startups funktionieren, wenn die Chemie im Team stimmt. Ich glaube aber auch, dass die Personen selbst Sichtbarkeit brauchen. Bei der Umsetzung ist wie gesagt vieles von den Ressourcen abhängig. Dass man eine PR-Agentur beauftragt, ist wahrscheinlich in den meisten Fällen utopisch. Es geht daher eher um die Präsenz in digitalen Medien wie Facebook etc.
Startups können ihre Medienarbeit sicherlich dahingehend verbessern, sich ein bisschen strategischer aufzustellen. Wenn man sagt, man möchte am österreichischen Markt reüssieren, dann muss man sich zunächst anschauen, wer dort die wichtigsten Player der Medienlandschaft sind. International kann man es wahrscheinlich als kleine drei Mann Bude sowieso vergessen.

Werden Soziale Medien darum ein immer größerer Konkurrent von traditionellen Medien?

Alle Studien, die ich kenne, zeigen, dass junge Menschen bedeutend digitaler und interaktiver Medien nutzen, als es die Generation davor gemacht hat. Man sieht das ja in Statistiken, die zeigen, wie viele Zugriffe auf einen Artikel über Facebook kommen. Insofern ist es natürlich notwendig, sich mit Sozialen Medien auseinanderzusetzen. Das Problem ist, dass die großen US-amerikanischen Monopolisten da ihre eigenen Spielregeln haben und man sich schnell in einem zwiespältigen Verhältnis befindet, wie stark man sich dorthin auslagern sollte. Das Rieplsche Gesetz sagt zwar, dass kein Medium ganz ausstirbt, aber man sieht eine Prioritätenveränderung. Österreich ist aber sicher in der Wahrnehmung und Entwicklung dieser Digitalisierung etwas langsamer gewesen.

Wird deshalb die zu nehmende Digitalisierung als Bedrohung empfunden, oder als Chance?

Das hängt vom jeweiligen Standpunkt ab. Diejenigen, die sich gut damit auskennen, sehen sie als große Chance. Stellen Sie sich vor, sie wollen eine Kampagne machen. Das können Sie über Soziale Medien mit einem Bruchteil des Aufwands und der externen Unterstützung durch Agenturen passgenau machen. Für jene, die sich damit nicht auseinander gesetzt haben, ist es aber natürlich eine Bedrohung.

Wird sich die Art, wie Medien arbeiten, durch die Digitalisierung weiter verändern?

Natürlich. Wir haben schon vor Ewigkeiten davon gesprochen, dass man als Journalist multimedial ausgebildet sein sollte. Man muss nicht in allen Bereichen Superstar sein aber der Zugang, in ein paar Ebenen mehr zu denken, ist da und der geht nicht mehr weg, weil sich das Publikum daran gewöhnt hat und es immer mehr technische Möglichkeiten gibt, diese Dinge auch auszuspielen.
Auf der anderen Seite muss man sagen, man hat als Konsument auf Basis von Blogs und Bürgerjournalismus viel mehr Möglichkeiten. Wenn das Zielpublikum mehr Auswahlmöglichkeiten hat, muss man sich auch mehr anstrengen.

Können Sie sich vorstellen, selbst zu gründen?

Ich habe schon mehrmals mit dem Gedanken gespielt. Natürlich ist das Thema Gründen für Menschen mit meinem Hintergrund immer ein Thema. Das Thema Selbständigkeit wird sich zukünftig in fast jeder Erwerbskarriere von Akademikern einmal aufkommen, ob mit einem Startup oder nicht.

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„Diese Finanzierung markiert den Beginn der industriellen Skalierung von Oceanloop“, erklärt Fabian Riedel, Gründer und CEO des Aquakultur-Scaleups mit Sitz in München. Das 2023 durch eine Fusion entstandene Unternehmen kommunizierte nun eine große Finanzierungsrunde: Das Unternehmen hat sich Zusagen über bis zu 38,5 Millionen Euro gesichert, um die erste kommerzielle Riesenzackenbarsch-Zucht in Europa aufzubauen und seine softwaregesteuerte Kreislauftechnologie (Recirculating Aquaculture Systems, RAS) zu skalieren.

Millioneninvestment und riesiger EIB-Kreditrahmen

Die aktuelle Finanzierung besteht aus einem Investment und einer Kreditzusage. Angeführt wird die Eigenkapitalrunde von der Investmentfirma Hatch Blue und deren „Blue Revolution Fund“. Als strategischer Partner beteiligt sich zudem Stolt Ventures. Deren Muttergesellschaft Stolt-Nielsen bringt über 50 Jahre Erfahrung im Bereich der landgestützten Plattfischzucht in die Partnerschaft ein. Den maßgeblich größeren Anteil der Finanzierung stellt allerdings die Europäische Investitionsbank (EIB) im Rahmen einer Venture-Debt-Fazilität, also eines Kreditrahmens, über 32 Millionen Euro bereit. Dieser bereits 2024 vereinbarte Kredit wurde im Juli 2026 erweitert, um speziell die Zucht von Riesenzackenbarschen abzudecken. Abgesichert wird das Darlehen durch das InvestEU-Programm der Europäischen Union.

Zackenbarsch im Fokus, Garnelen in Planung

Der Fokus des Jungunternehmens liegt auf dem Riesenzackenbarsch, der vor allem in asiatischen Premium-Märkten für sein festes Fleisch und seine kulinarische Vielseitigkeit geschätzt wird. Mit der lokalen Produktion in Europa wolle man eine neue Premium-Kategorie für die Gastronomie etablieren und gleichzeitig eine nachhaltigere Alternative zu weit gereisten Importen bieten, heißt es vonseiten des Unternehmens in einer Aussendung. Da die verwendete Technologie modular aufgebaut und softwaregesteuert ist, bleibt sie hochgradig flexibel. Oceanloop forscht parallel an der landgestützten Garnelenzucht und führt bereits Lizenzgespräche für internationale Partnerschaften.

Zwischen Schleswig-Holstein und Gran Canaria

Die Skalierung erfolgt in zwei Schritten: Am bestehenden Entwicklungsstandort im schleswig-holsteinischen Strande bei Kiel läuft der kommerzielle Vertrieb über das Schwesterunternehmen Honest Catch bereits seit April 2026. Für das laufende Jahr wird mit einer Ernte von rund 20 Tonnen gerechnet, die im kommenden Jahr auf 40 Tonnen anwachsen soll. Noch vor Ende 2026 soll am Standort der Bau einer neuen Anlage mit einer Jahreskapazität von 250 Tonnen beginnen, die zugleich als Referenz- und Schulungszentrum dient. Ab 2029 ist schließlich der Bau einer industriellen Großanlage mit einer Kapazität von 2.000 Tonnen auf Gran Canaria geplant, wo eine Tochtergesellschaft das Vorhaben bereits vorbereitet.

„Erhebliches Interesse von Partnern“

„Landgestützte Aquakultur kann zu einer wichtigen zusätzlichen Säule der europäischen Fischversorgung werden“, betont CEO Riedel mit Blick auf die EIB-Finanzierung. Diese erlaube es dem Unternehmen, mit einer langfristigen Perspektive in Technologie und Biokapazitäten zu investieren, was durch rein klassisches Startup-Kapital nur schwer darstellbar sei. Georg Baunach, Gründer und CEO von Hatch Blue, attestiert dem Scaleup eine starke Marktstrategie sowie ein Team, „das technisches Fachwissen, biologisches Verständnis und geschäftliches Geschick vereint“. Auch CTO Bert Wecker sieht den Horizont weit über Europa hinausreichen: Die breitere Plattform sei für eine internationale Replikation konzipiert. „Wir sehen erhebliches Interesse von Partnern, die erstklassige Meeresfrüchte näher am Konsumort produzieren möchten, ohne die erforderliche Biologie, Technik, Software und betriebliche Expertise von Grund auf neu entwickeln zu müssen“, so Wecker.

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