30.04.2025
INSOLVENZ

Klarsicht.online vor dem Aus: Konkurs nach Millioneninvestment

Die Wiener Online-Plattform für Brillen und Optiker:innen, Klarsicht.online, muss Insolvenz anmelden. Und das trotz des jüngsten Investments von 900.000 Euro. Die Finanzierungsrunde wurde von mpoweru, Seven Ventures (ProSieben/Sat1 Group) und GMPVC angeführt – zusätzlich dazu gab es ein Medienvolumen von 20,8 Millionen Euro.
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Klarischt.online, Investment
(c) Alexander Zillbauer - Gabriela Colic und David Gevorkian von Klarsicht.online.

Für viele mag das vielleicht unerwartet kommen: Klarsicht.online muss Insolvenz anmelden. Erst vor zehn Monaten wurde das Wiener Startup noch beim EY Scaleup Award als Nominierter in seiner Kategorie „Software & Digital Transformation“ ausgezeichnet. Im Juni vergangenen Jahres konnte das Gründer-Duo Gabriela Colic und David Gevorkian in einer Finanzierungsrunde sogar noch 900.000 Euro für seine Expansionspläne einsammeln. Diese Pläne dürften nun hinfällig sein.

An vorherigen Runden beteiligten sich prominente Investor:innen wie die Unternehmerfamilie Gomernik, Markus Weiss (Managing Partner bei Minted) sowie Amir Preindl. 2022 stieg auch Kambis Kohansal Vajargah bei Klarsicht.online ein – brutkasten berichtete.

Hintergründe zur Insolvenz

Der Grund für die Insolvenz: Klarsicht.online ist nicht mehr in der Lage, seine laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Das Handelsgericht Wien hat daher ein Konkursverfahren gegen das Unternehmen eröffnet.

“Die Insolvenzursachen sowie die aktuellen Vermögensverhältnisse müssen im Zuge des Verfahrens erst überprüft werden”, teilt der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mit. “Es wird nunmehr im Rahmen des Insolvenzverfahrens das vorhandene Vermögen inventarisiert und geschätzt. Erst nach diesen Ermittlungen wird eine Stellungnahme zu den Befriedigungsaussichten der Gläubiger möglich sein.” Weitere Details zur Insolvenz liegen aktuell nicht vor.

Anmerkung: Klarsicht.online wurde um eine Stellungnahme gebeten. Sobald diese vorliegt, wird sie ergänzt.

Erfolgreicher Start

Gegründet wurde Klarsicht.online im Mai 2021. Über die Plattform bot das Startup Optiker:innen und Kund:innen unter anderem ein digitales Schaufenster, virtuelle Anproben, Telemedizin-Dienste sowie Unterstützung im Social-Media-Management und einen digitalen Verkaufsassistenten.

Die Vision des Gründerteams: die Digitalisierung der Optikerbranche im DACH-Raum vorantreiben. Und zunächst schien das auch zu funktionieren: „Wir haben bereits in den letzten eineinhalb Quartalen unser Wachstum verdreifacht. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind”, sagte Gevorkian noch im Jahr 2022 gegenüber brutkasten. Warum das Geschäftsmodell am Ende nicht tragfähig war, bleibt derzeit offen.

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© EY/Point of View - Die Sieger:innen des EY Entrepreneur Of The Year 2026.

Seit über 30 Jahren zeichnet EY in 60 Ländern ausgewählte Entrepreneur:innen für besondere Leistungen aus. Zu den Beurteilungskriterien der Fachjury zählen Wachstum, Zukunftspotenzial, Innovation, Mitarbeitendenführung und gesellschaftliche Verantwortung.

Entrepreneur Of The Year in vier Kategorien

„Beim diesjährigen EY Entrepreneur Of The Year 2026 wollen wir unter dem Motto ‚Shapers of the Future‘ jene Unternehmer:innen in Österreich auszeichnen, die mit Weitblick und Entschlossenheit Veränderungen anstoßen, die langfristigen Erfolg ermöglichen und gleichzeitig positive Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft setzen“, sagt Erich Lehner, Partner bei EY und Verantwortlicher für den Award in Österreich.

Der Unternehmerpreis wurde heuer von der Fachjury in vier Kategorien vergeben: „Innovation & Hightech“, „Handel & Konsumgüter“, „Dienstleistungen“ und „Social Entrepreneur“. Darüber hinaus wurde Johannes Ferner, Gründer von fiskaly und Sieger des EY Scale-up Award 2026, in der Kategorie „Start-ups“ ausgezeichnet.

Fiskaly entwickelt cloudbasierte Lösungen für die steuerliche Compliance von Transaktionen in Europa: Fiskalisierung, E-Invoicing, Archivierung und digitale Belege. Das 2019 in Wien gegründete FinTech unterstützt Unternehmen dabei, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Johannes Ferner verfolgt seit der Gründung die Vision, „Fiskalisierung und steuerliche Compliance in Europa einfacher, effizienter und zukunftssicher“ zu gestalten.

Bogianzidis gewinnt Social Entrepreneur

Mit öKlo-Gründer Niko Bogianzidis wurde eine weitere Persönlichkeit aus der Startup-Szene ausgezeichnet. Der Founder erhielt die Auszeichnung als „Social Entrepreneur“ des Jahres. Sein Startup entwickelt nachhaltige Sanitärlösungen und verfolgt das Ziel, Kreislaufwirtschaft im Sanitärbereich voranzutreiben.

Volker Fuchs von Test-Fuchs indes wurde in der Kategorie „Innovation & Hightech“ prämiert. Das Familienunternehmen hat sich seit seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg von einem regionalen Betrieb zu einem global agierenden Technologieunternehmen entwickelt und baut hochspezialisierte Testsysteme und technische Lösungen für internationale Industriekunden, insbesondere in der Luftfahrtbranche. Dabei werden Mechanik, Elektronik und Software unter einem Dach entwickelt und gefertigt. Fuchs wurde zudem ausgewählt, Österreich beim EY World Entrepreneur Of The Year Award im Juni 2027 zu vertreten.

Industrieanlagenbauer und Bäckerhandwerk

Die Kategorie „Dienstleistungen“ ging an Roman Zauner und Andreas Beck von der Zaunergroup, einem oberösterreichischen Industrieanlagen- und Rohrleitungsbauer, der auf die großen Industrien der Zukunft setzt. Zu den Meilensteinen zählen der Einstieg ins Data-Center-Geschäft, die Zusammenarbeit mit einem strategischen Partner und internationale Großprojekte, darunter Vorhaben für Google in Norwegen und Österreich.

In der Kategorie „Handel & Konsumgüter“ überzeugte Martin Auer, der mit seinem gleichnamigen Unternehmen traditionelles Bäckerhandwerk mit Gastronomie, Markenerlebnis und hohem Qualitätsanspruch verbindet. Wachstumsimpulse setzt er mit der Expansion nach New York und dem Ausbau des Gastronomie- und Kaffeegeschäfts.

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