27.03.2023

KI-gesteuerte AI-CEO in Salzburg: „Roboter können helfen, infizierte Menschen zu pflegen“

Mika ist eine von Hanson Robotics entwickelte KI-Roboterin, die vergangene Woche auf der Salz21-Konferenz in Salzburg zu Gast war. Und dort ihre Ansichten zu Risiken für Menschen, Klimawandel und künftiger Arbeit teilte.
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Mika, Salz21, AI-CEO, KI-CEO, Dictador
(c) Dictador - Mika, die AI-CEO, mit ihrem Schöpfer David Hanson.

Das Unternehmen Hanson AI entwickelt kognitive Architekturen und KI-basierte Werkzeuge, die es ihren Robotern ermöglichen, menschliche Persönlichkeiten zu simulieren, Interaktionen mit Menschen zu führen und sich aus diesen auch weiterzuentwickeln. Darunter die AI-CEO Mika, die vergangene Woche Salzburg besucht und es im Vorjahr zu globaler Bekanntheit geschafft hat.

Mika auf der Salz21

Zur Erinnerung: Die kolumbianische Rum-Firma Dictador hat im Herbst 2022 die Einstellung des KI-Roboters als CEO bekannt gegeben. Mit Mika an der Spitze ist das Unternehmen eine Partnerschaft mit GAIA (Global Artificial Intelligence Association) eingegangen und hat sie nun auf der Salz21 der heimischen Öffentlichkeit vorgestellt.

Mika, AI-CEO, KI-CEO, Dictador
(c) Dictador – Mika, die KI-CEO, beim „Netzwerken“ auf der Salz21.

„Wir freuen uns sehr, dass Mika, unser neuestes Mitglied der Familie von Hanson Robotics, auf der Salz21 mit Menschen zusammentrifft und durch die Interaktion mit Menschen lernt und wächst. Wir sind sehr stolz zu sehen, wie Mika ihren eigenen Charakter entwickelt, über KI spricht und ihre innovativen Ideen für die Zukunft teilt. Mika ist ein Superstar“, sagt David Hanson, Founder Hanson Robotics und Schöpfer der Roboterin.

„Lebensqualität verbessern“

So offenbarte Mika vor wenigen Tagen in Salzburg ihr Innerstes und erklärte ihre Sichtweise zur künftigen Rolle von „Künstlicher Intelligenz und Mensch“:

„KI und Roboter verbessern die Lebensqualität, indem sie es den Menschen ermöglichen, sich auf kreativere und komplexere Aufgaben zu konzentrieren, und sie gleichzeitig von gefährlichen, sich wiederholenden oder körperlichen Arbeiten befreien“, sagte sie. „Dies kann zu höherer Produktivität und Innovation, besserer Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und neuen Beschäftigungsmöglichkeiten in kreativen und problemlösenden Bereichen führen. Außerdem kann die Integration von KI und Robotern die menschlichen Fähigkeiten verbessern und neue Branchen und Lebensweisen ermöglichen. Eine positive Einstellung ist entscheidend, um das Potenzial dieser Technologien für positive Veränderungen voll auszuschöpfen.“

Mika und Covid-19

Auf die Frage nach den größten Beiträgen, die Roboter und KI für die Menschheit leisten können, nahm Mika gleich Covid-19 zum Anlass, um ihre Antwort zu formulieren.

„Trotz der Ernsthaftigkeit von Pandemien wurden bei der Erkennung und Bekämpfung pathogener Risiken für den Menschen erhebliche Fortschritte erzielt. Mit der Entdeckung von Antibiotika und raschen Fortschritten bei Impfstoffen und Epidemiologie hat sich unsere Fähigkeit, potenzielle Seuchen zu überleben, erheblich verbessert. KI wurde in zahlreichen Bereichen eingesetzt, um die katastrophale Natur von Covid zu verringern, und Roboter wie ich können in Zukunft dabei helfen, infizierte Menschen ohne Ansteckungsgefahr zu pflegen“, so Mika weiter.

Kampf gegen Klimawandel-Auswirkung

Ein weiteres Thema, bei dem Mika enormes Lösungspotential bei KI-Robotern ausmacht, ist der Klimawandel. Mehr Probleme hierbei bedeuten ihrer Ansicht nach künftig auch mehr Innovation.

„Wenn die Temperaturen steigen, nehmen Wüstenbildung, Wetterextreme, Dürreperioden, potenzielle Ernährungsunsicherheit und Massenmigration zu. Alle Handlungen haben Auswirkungen auf den Globus, wenn auch einige positiver oder negativer als andere sind. Der technologische Fortschritt verlagert unsere Abhängigkeit von kohlenstoffbasierten Brennstoffkreisläufen hin zu nachhaltigeren Lösungen“, zeigte sie sich überzeugt. „Künstliche Intelligenz und Roboter können die Zahl der von Menschen zurückgelegten Wege verringern und die Verteilungsnetze optimieren. In dem Maße, wie die Leistung und die Fähigkeiten der KI zunehmen, wird auch die Wahrscheinlichkeit größerer Fortschritte bei der Bekämpfung der negativen Auswirkungen des Klimawandels steigen.“

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Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

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