07.02.2017

Der Bundeskanzler, seine Frau und die FPÖ

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(c) die Presse, Clemens Fabry: Eveline Steinberger-Kern

Zugegeben, ganz unerwartet kam das alles nicht. Der Bundeskanzler nennt Startups sein Steckenpferd und hat sie, wie man in der SPÖ gerne sagt, zur „Chefsache“ gemacht. Im „Plan A“ zur Zukunft Österreichs wird Startups sogar ein eigenes Kapitel gewidmet. Christian Kerns Frau, Eveline Steinberger-Kern, wiederum ist Gründerin der auf Startup-Initiativen spezialisierten Blue Minds Company. Es konnte nicht recht lange dauern, bis irgendwo Stimmen laut werden, die aus diesem Zusammenhang auf einen perfiden Plan des Ehepaars schließen.

Es passierte vergangenen Freitag als bekannt wurde, dass Wien ein 8000 m² großes Startup-Zentrum am Donaukanal bekommen wird, hinter dem unter anderem Steinberger-Kerns Blue Minds Company steht. Ein gefundenes Fressen für FPÖ-Mastermind Herbert Kickl. Es handle sich um eine Startup-Initiative von Kern für Steinberger-Kern, meinte er. Eine Rechtfertigung folgte prompt: Sie sei an WeXelerate wirtschaftlich nicht begünstigt, sagte Steinberger-Kern gegenüber der APA. Außerdem habe sie nicht vor, ihre beruflichen Aktivitäten aufzugeben.

Niemand ist heute in erster Linie Ehefrau und ein Ring am Finger eint im Jahr 2017 nicht einmal mehr zwangsweise die Konten.

Das ist gut so. Ehe, das mag den blauen Dunstkreis vielleicht überraschen, ist nämlich keine Personalunion. Niemand ist heute in erster Linie Ehefrau und ein Ring am Finger eint im Jahr 2017 nicht einmal mehr zwangsweise die Konten. Statt Kerns Startup-Initiative als Projekt zur Bereicherung unter Eheleuten anzusehen, sollte die FPÖ befürworten, dass neue Jobs entstehen.

Stattdessen bedient sie sich einer Strategie, die sie auch anwandte, als Claudia Reiterer, verheiratet mit Alexander Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl, zur Moderatorin der ORF-Diskussionssendung „Im Zentrum“ wurde. Eine Ehe mit einer bestimmten Person disqualifiziere die andere Person für die Ausübung ihres Jobs. Das wirft wichtige Fragen auf. Gilt es bei einer Verlobung nicht nur die Schwiegereltern, sondern auch die Karrierepläne des Partnes ganz genau kennenzulernen? Sollte man sich mit politisch ambitionierten Menschen überhaupt jemals verabreden, wenn man keine Zukunft in der Arbeitslosigkeit plant? Und letztlich: Wäre Norbert Hofer Präsident geworden, würde auf Anraten des Herrn Kickl das Land vergebens eine Amtszeit lang auf eine Reform bei der Altenpflege warten? Immerhin ist Frau Hofer in diesem Bereich tätig.

 

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Rainer Haude und Piotr Ciski | (c) Daniel Willinger
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Bereits 1967 gegründet, nutzen heute nach Unternehmensangaben rund 4.000 Anwender:innen in Österreich die Steuerberatungssoftware des Wiener Anbieters dvo Software. Die Lösung unterstützt Steuerberater:innen bei Kanzleimanagement, Honorarabrechnung, automatisierten Workflows, sicherer Kommunikation und Dokumentenmanagement sowie bei Finanzbuchhaltung, Steuern und Anlagenverzeichnis. Dabei kommt auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz, der Fokus liege auf Automatisierung, heißt es vom Unternehmen.

Marke, Team und Geschäftsführer bleiben

Nun gab die Firma die Übernahme durch den erheblich größeren polnischen Mitbewerber Symfonia Group bekannt. Ein Kaufpreis wurde dabei nicht genannt. Marke, Team und Ausrichtung auf den österreichischen Steuerberatungsmarkt sollen unverändert bleiben. Auch die Geschäftsführer Rainer Haude und Richard Theiß bleiben in ihren Positionen und halten künftig Anteile an der Muttergesellschaft.

DACH-Einstieg für Symfonia

Symfonia hat mehr als 55.000 Kunden, darunter 6.700 Steuerberatungskanzleien. „Mit dvo Software betritt Symfonia erstmals den DACH-Raum, und wir beabsichtigen, hier weiter zu wachsen“, kommentiert Piotr Ciski, CEO der Symfonia Group. „Dvo kennt die Anforderungen österreichischer Steuerberatungskanzleien genau. Wir bringen Know-how im Bereich Technologie sowie der Einhaltung regulatorischer und gesetzlicher Rahmenbedingungen mit.“

„Interessante Chancen“ im österreichischen Markt

Und Rainer Haude, Geschäftsführer von dvo Software, sagt: „Wir teilen Symfonias Fokus auf die Steuerberatungsbranche und das Ziel, die Produktivität in Steuerberatungskanzleien durch intelligente Software erheblich zu steigern. Wir können nun unser ohnehin schon ehrgeiziges KI-Investitionsprogramm bei dvo Software mit noch größerer Dynamik vorantreiben.“ Der österreichische Markt befinde sich derzeit in einer teilweise durch den Rückzug des deutschen Anbieters Datev hervorgerufenen Umbruchsphase und biete daher „interessante Chancen“.

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