18.05.2016

JobCheck App: Erste Hilfe bei Personalengpass

Innerhalb von dreißig Minuten von der Stellenausschreibung zum Mitarbeiter? Das ist die Vision von Simon Sattlegger, dem Gründer der JobCheck App. Im Brutkasten-Interview erzählt er, warum mit seinem Produkt eine Marktlücke gefüllt wird und warum oft kein Bewerbungsprozess nötig ist.
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(c) JobCheck - Gerade in der Gastronomie ist die App ein beliebtes Tool

Apps zur Jobssuche sind derzeit gefragter denn je. Erst kürzlich sorgte der Einstieg des Portals karriere.at bei Hokify für Schlagzeilen. Die JobCheck App unterscheidet sich aber von herkömmlichen Portalen. Wie? Das erklärt Gründer und CEO Simon Sattlegger im Interview.

Wie ist die Idee zur JobCheck App entstanden?

Der Hintergrund ist der: Ich komme aus der Gastronomie, da bin ich seit 2010 tätig. Wir sind ein sehr kleiner Betrieb mit 14 Mitarbeitern. Aber die Gastronomie ist eine sehr personalintensive Branche. Wenn jemand spontan ausfällt, hat man ein großes Problem, auch bei Urlaub oder Krankheit. Sehr kurzfristig Aushilfspersonal zu finden, ist schwierig. Das AMS vermittelt zum Beispiel gar keine geringfügigen Kräfte. In der Gastronomie brauch ich zum Aufsperren einen Koch und zwei Kellner, das muss funktionieren, sonst kann man den Betrieb im Prinzip nicht aufsperren.

Wenn jemand kündigt, beträgt die Kündigungsfrist in der Branche auch nur 14 Tage. Schreibt man die Stelle aus, muss man aber immer warten, bis einmal Bewerbungen da sind, die muss man dann einmal aussortieren und so weiter. Irgendwie hab ich mir gedacht, da muss es eine bessere Lösung geben. Dann hab ich mich mit meinem Facilitator Peter zusammengesetzt, der auch damals schon in der App-Entwicklung tätig war. Und so haben wird die JobCheck-App kreiert, ich mit der Idee und Peter mit dem Know-How zur Umsetzung.

Der Unterschied ist, dass wir ein Produkt entwickeln wollten, bei dem der Bewerbungsprozess komplett ausfällt.

Es gibt schon zahlreiche Job-Apps am Markt. Was unterscheidet JobCheck von den Konkurrenzprodukten wie z.B. Hokify?

Wir konzentrieren uns auf Kleinbetriebe in personalintensiven Branchen. Mit JobCheck füllen wir eine Lücke weil es hauptsächlich um Jobs geht, für die man nur niedrig qualifiziert sein muss, also für Aushilfs- und Teilzeitjobs. Wir werden wahrscheinlich nie Akademiker vermitteln, sondern eher Kassierer oder Kellner. Unsere Hauptzielgruppe sind daher Studenten, die das einfach nebenbei machen wollen.
Hokify hat mittlerweile ja umgesattelt, die waren ursprünglich auch eher ein Produkt für Studienabgänger. Der Unterschied ist, dass wir ein Produkt entwickeln wollten, bei dem der Bewerbungsprozess komplett ausfällt.

Wie funktioniert das?

Die App ist so konzipiert, dass der Arbeitgeber einen Job ausschreibt und im besten Fall innerhalb von dreißig Minuten wirklich die Person vor Ort hat, ohne großen Bewerbungsprozess, den man in den betreffenden Branchen meist auch gar nicht braucht. Zum Beispiel ein Lebenslauf einer Kassiererin, die geringfügig acht Stunden bei der Kassa steht, das ist wirklich nicht aussagekräftig. Die Bewerbungen, die ich gelesen habe, waren dann auch zu 80 Prozent aus dem Internet kopiert. Ich habe mir gedacht, da müssen wir irgendetwas anderes machen. Deshalb haben wir bei JobCheck im Prinzip das Bewerberprofil neu aufgebaut: Die Arbeitsuchenden geben nur demographische Daten ein, dann Präferenzen, also Vorlieben, wo die Person gern arbeiten würde, also Ort und Branche. Und ihren Erfahrungsgrad. Anhand dieser Kriterien bekommt der Bewerber dann auch die Jobangebote. So findet schon einmal die erste Vorsortierung statt. Wir haben einen Matching-Algorithmus, Arbeitgeber und Bewerber bekommen nur die Jobangebote, die von uns schon einmal vorsortiert wurden und die dann passen.

Redaktionstipps

Wie können Arbeitgeber dann sicher gehen, entsprechend qualifiziertes Personal zu finden?

Wir haben ein Bewertungssystem eingebaut, da können Arbeitgeber die Bewerber beurteilen. Je besser die Bewertung, umso höher werden sie gerankt. Wir haben auch einige Hürden drinnen, damit sich das System selbst reinigt: Wenn Arbeitnehmer für einen Job verbindlich zusagen und dann nicht erscheinen, kann der Arbeitgeber das sofort melden, dann wird der Bewerber abgemahnt und beim zweiten Mal fliegt er aus dem System hinaus.

Wie wird JobCheck finanziert?

Bis jetzt haben wir uns selbst finanziert, aus Eigenkapital und Förderungen.Wir sind derzeit zu zweit und haben ein paar externe Berater. Im Moment reden wir mit Investoren. Da wir jetzt noch in der Beta-Phase sind, ist die App noch komplett kostenlos. Für Bewerber wird sie auch kostenlos bleiben, und die Arbeitgeber werden pro ausgeschriebenem Job einen kleinen Betrag zahlen. Das ist aber erfolgsunabhängig. Es ist vergleichbar mit einem Zeitungsinserat: Man muss einmal zahlen, wenn man ausschreibt und ob es dann zu einer Zusage kommt oder nicht, das können wir nicht garantieren.

100 Prozent sind technisch nie ganz möglich, aber knapp an den 100 Prozent wollen wir schon sein.

Gibt es schon Pläne für die Zukunft?

Die App gibt es jetzt für Android und iOS. In Kürze wird die Web-App herauskommen. Und wir wollen in weiterer Folge die App auch wirklich als Personalplanungsprogramm aufziehen. Man soll auch die eigenen Mitarbeiter in die App integrieren können. Ein Gastronom kann bei Auftragsspitzen im eigenen Kreis ausschreiben und der erste, der arbeiten will, kann sofort zusagen und den Job fixieren. Derzeit haben wir etwa 1000 Bewerber und 1000 Arbeitgeber dabei, die meisten aus dem Raum Graz. Mit Wien haben wir begonnen, das ist uns dann aber ein bisschen zu viel geworden. Bevor wir wirklich groß ausrollen und mit den nächsten größeren Städten starten, wollen wir technisch alles optimieren. Dann kann man sich marketingmäßig ein bisschen mehr auf Wien und Salzburg konzentrieren, und dann eben die anderen Hauptstädte. Am wichtigsten ist, eine gute Qualität abzuliefern. 100 Prozent sind technisch nie ganz möglich, aber knapp an den 100 Prozent wollen wir schon sein.

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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