09.09.2019

Startups in Japan: Exit aus dem Schatten von Nintendo und Sony

Die Startupszene in Japan blüht langsam auf. Lange Zeit stand sie im Schatten von Konzernen wie Sony und Nintendo, die für Erfolg und Wohlstand standen. In den letzten Jahren drängen jedoch Erfolgsstories von Internet-Playern und e-Commerce-Startups mehr in die kollektive Wahrnehmung. Es entsteht ein Markt, der Chancen für österreichische Startups bietet. Der brutkasten war daher im Frühjahr 2019 mit einer Wirtschafstdelegation vor Ort und hat den Markt genauer unter die Lupe genommen.
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Die japanische Startup-Szene löst sich langsam vom Stigma des Scheiterns und wagt mehr. (c) Ingomar Lochschmidt

Österreich und Japan verbindet eine große Gemeinsamkeit, die nun neu entdeckt wurde: Die Liebe zu qualitativ-hochwertigen Produkten, die die Republik und das Kaiserreich ökonomisch näher zusammen bringen und heimischen Unternehmen neue Chancen ermöglichen, in Asien Fuß zu fassen.

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Japan gilt als Land, das zwischen Tradition und Hoch-Technologie hin und her pendelt. Ordnung und Penibilität sind die Maxime, die den Inselstaat zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt gemacht haben. Eigentlich keine idealen Voraussetzungen für Ideale wie Disruption und das Aufschütteln des Marktes, die oftmals die Firmen-Seele von Startups darstellen. Es überragt der Wunsch nach der Sicherheit eines Corporate-Postens oder eines Jobs im öffentlichen Sektor. Doch die Zeiten ändern sich –  und somit auch die Wahrnehmung und Einstellung zur Startup-Szene in Japan. Das Land der aufgehenden Sonne scheint trotz demographischer Krisen zu erwachen.

der brutkasten als Teil der österreichischen Wirtschaftsdelegation

Von diesem Umstand konnte sich der brutkasten vor Ort ein Bild machen. Gemeinsam mit einer österreichischen Wirtschaftsdelegation – darunter Mariana Kühnel, Stv. Generalsekretärin bei der WKÖ und Michael Otter, Chef der Aussenwirtschaft Austria und ausgewiesener Japan Experte, die die Reise organisiert haben, begleitet unter anderem von Carina Magreiter, Leitung Global Incubator Network Austria, Georg Kopetz, CEO TTTech, Peter Mittelbauer, CEO Miba, und Michael Zettel, CEO Accenture DACH. Dort stießen Beobachter auf wirtschaftliche Schwierigkeiten, die aber für Startups neue Chancen bieten können.

Alternde Bevölkerung

Der Problemfall: Einer der bedeutsamsten Trends, der Japan über die kommenden Jahrzehnte in allen Bereichen treffen wird, ist die rasante Alterung der Bevölkerung in Kombination mit einem massiven Bevölkerungsrückgang über die nächsten Jahrzehnte. Bemerkenswert dabei sind zwei Zahlen: Der Anteil an Senioren (über 65 Jahre) wird bis 2030 auf 38,8 Prozent ansteigen. Parallel dazu soll der prognostizierte Anteil der Erwerbsbevölkerung bis 2050 auf 51,5 Prozent sinken.

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Ein Effekt dieser demographischen Umwälzung ist der rasante Anstieg der Sozialausgaben, wie Pensionszahlungen, Gesundheits- und Pflegeausgaben. Mehr als ein Drittel des japanischen Budgets wird bereits dafür verwendet. Da dies trotzdem nicht ausreicht, wird Altersarmut zum immer größeren Problem für die dortige Gesellschaft.

Markt passt sich dem Altersproblem an

Damit einhergehend verändert sich auch die Ökonomie in diversen Bereichen. Das rasante Altern führt zu Änderungen in der Nachfrage bei vielen, auch trivialen Gütern. Brillen, Lese- und Hörhilfen sowie medizinische Geräte im Allgemeinen erleben eine Hochkonjunktur.

Die medizinische Forschung geht noch stärker in Richtung Krebsfrüherkennung und -bekämpfung; Forschungsprojekte gegen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen werden vernachlässigt. Hauseinrichtungen, die barrierefreie Zugänge und ein seniorengerechtes Wohnen ermöglichen, werden von Anfang an in Neubauten mitgedacht.

Automation und Frauen

Auch die schleichende Verknappung von Arbeitskräften wird zum Problem. Versuche, mit mehr Automation und verstärktem Einsatz von Frauen am Arbeitsplatz (Japan hat eine der niedrigsten Beschäftigungsraten von Frauen in der OECD) scheinen dem nur zeitlich begrenzt entgegen steuern zu können, wie unter anderem aus einem Bericht von Michael Otter verfassten Bericht der Aussenwirtschaft Austria namens „Japan – Neudefinition einer globalen Wirtschaftsmacht – Chancen für Österreichs Unternehmen“ hervorgeht. Als Beispiel: Im mittleren Management sind nur etwa 11,9 Prozent und in Vorständen 1,1 Prozent der Mitarbeiter weiblich.

Kurz gesagt: Die anhaltenden Probleme der japanischen lokalen Wirtschaft sind auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen, darunter der Verfall lokaler Industriezweige, die Landflucht junger Menschen (Urbanisierung), der demografische Wandel, sowie die finanzielle Situation der kommunalen Haushalte.

In knapp 40 Jahren 40 Millionen Japaner weniger

Geht dieser Trend weiter, so befürchten Experten das Verschwinden von rund der Hälfte der 1800 Gemeinden Japans in den nächsten Jahrzehnten. Die gesamte Bevölkerungszahl sinkt zudem seit Jahren: 2018 folgte der achte und stärkste Rückgang in Folge (um 448.000 Personen) seit Zählungsbeginn, wie der „Guardian“ berichtete.

Das „japanische National Institut für Bevölkerung und soziale Sicherheitsforschung“ hatte 2013 bereits gewarnt und eine Rückgang bis 2060 um 40 Millionen Japaner prognostiziert.

JEFTA und seine 600 Millionen

Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Gemeinsamkeiten wurden mit dem Freihandelsabkommen JEFTA zwischen der EU und Japan, das am 1. Februar 2019 in Kraft getreten ist, die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen diesen beiden wichtigen Handelsräumen gestärkt.

Damit solle die überwiegende Mehrheit der Zölle abgeschafft werden, die jährlich nach Japan exportierenden europäischen Unternehmen Kosten von einer Milliarde Euro verursachten. Mit diesem Abkommen entstand auf der globalen Landkarte die drittgrößte Freihandelszone der Welt mit über 600 Millionen Einwohnern.

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Technologisch federführend

Allen demographischen und ökonomischen Problemen zum Trotz, darf man nicht außer Acht lassen, dass in Japan nicht alles im Argen liegt. Besonders im Segment der Technologie zählt das Land zu den federführenden Nationen der Welt.

Einige geplante Projekte der nahen und fernen Zukunft unterstreichen diese Behauptung. Darunter der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Tokio und Nagoya, mit späterer Anbindung Osakas (Realisierungszeitrahmen: 2027). Weiters plant der Inselstaat bis 2030 ein Solarkraftwerk im Orbit der Erde und eine autarke Unterwasserstadt namens „Ocean Spiral“ mit bis zu 5.000 Bewohnern.

Games und Smart City

Zudem gilt Japan als Spiele-Entwickler-Mekka. Dafür sorgen Gaming-Firmen wie Sony, Nintendo und Bandai-Namco. Sie bedienen die rund 68 Millionen Spieler, die den japanischen Gaming-Markt zum drittgrößten weltweit machen.

Auch Smart City-Thematiken und Urban Mobility sind im Aufwind. Südlich von Tokio erprobt etwa Panasonic das smarte Wohnen und hat mit der Fujisawa SST (Sustainable Smart Town) eine 500 Millionen Euro-schwere Superstadt erbaut.

Roboter gegen Pflegenotstand

Eine weitere wirtschaftliche Triebfeder in Japan stellt der Bereich der Robotik dar. Firmen wie Fanuc, Yaskawa Motoman, Denso Robotics, Kawasaki Robotics und Kawada Robotics haben das Land zu einem der führenden in dieser Branche gemacht.

Allein im Dienstleistungssektor solle laut der „New Energy and Industrial Technology Development Organization“, einem staatlich gestützten Think Tank, der Robotics-Markt 2020 auf 44 Milliarden Euro wachsen (Vergleich 2015: 3.1 Milliarden Euro). Eine Notwendigkeit, denn nach jüngsten Schätzungen der Regierung wird Japan bis 2025 einen Pflegenotstand von rund 370.000 fehlenden Arbeitskräften aufweisen.

Startups: Raus aus dem Schatten

Womöglich sind all diese Entwicklungen und Krisen der Grund, warum die dortige Startup-Szene ihre Chance sieht, aus dem Schatten der etablierten Konzerne zu wachsen. Eine Entwicklung, die auch österreichische Startups mit Falkenaugen betrachten sollten.

James Riney, Geschäftsführer von 500 Startups Japan, hat etwa im Vorjahr in einem Interview mit CNBC erzählt, dass Japaner lange Zeit das Gründen eines Unternehmens nur als eine Art „Plan B“ gesehen haben. Startup-Talente zu finden, wäre schwer gewesen, da unter der Arbeiterschaft Japans lange eine Aversion zum Risiko herrschte. Doch die neue Generation bekommt die Erfolge der digitalen Big Player mit und übernimmt sie als Idole.

Die Schaffung von Mentoren und Investoren

Unternehmen wie Mercari, Rakuten, DeNA, GREE und Mixi gelten unter den jungen  Menschen als Vorbilder und haben Mentoren und Investoren kreiert, die in early-stage Startups investieren. „Und jene Erfolgsgeschichten rücken medial immer mehr in den Fokus. Sie ziehen immer mehr junge Leute in die Startup-Welt hinein“, wird Tetsu Nakajima, CIO von Mistletoe, bei CNBC zitiert.

Das Stigma des Scheiterns löse sich langsam auf und viele Top-Absolventen der Universitäten starten Praktika bei Startups. Japanische Arbeiter würden heutzutage in einer Welt aufwachsen, in der Innovation von Unternehmen wie Facebook, Uber oder Airbnb komme, so Riney: „Sie haben – im Gegensatz zur Generation ihrer Eltern –  niemals eine Welt gesehen, in der Wohlstand und Erneuerung von Sony, Nintendo oder ähnlich traditionellen Firmen getrieben werden“.

Ein Roboter, sie alle zu pflegen…

Bei der wachsenden Entwicklung der Startup-Szene muss man jedoch auch erkennen, dass etablierte Unternehmen den Zahn der Zeit erkannt haben und auf Zukunftstechnologien setzen. Der Autokonzern Honda etwa hat mit Asimo einen kleinen Roboter erschaffen, der der Star bei der Präsentation für die österreichische Delegation war.

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(c) Honda – Japan setzt bei der Altenpflege auf Roboter wie Asimo.

Asimo wurde in zwei Dekaden langer Arbeit erschaffen und kann auf ebenerdigen wie unebenen Flächen gehen und laufen. Auch Treppensteigen gehört zum Repertoire des Roboters. Er hört auf Sprachbefehle und kann Gesichter erkennen. Zudem kartographiert Asimo sein Umfeld und weicht Hindernissen aus. Honda zeigt damit deutlich, dass auch traditionelle Player, die Notwendigkeit digitaler Anpassung erkannt haben.

HealthTech als Fokus-Thema

Eine Entwicklung, die auch bei den Rahmenbedingungen für Startups nicht anhält. Im April 2018 wurde etwa der Shonan Health Innovation Park gegründet, mit dem ein „co-location ecosystem“ erschaffen wird, das Wissenschaftler, Experten der Industrie, Entrepreneure und den öffentlichen Sektor zusammenbringt.

Auf 330.000 Quadratmetern inklusive Accelerator, Inkubator und Venture Capital soll die japanische Health Innovation neuen Schwung erhalten. Aktuell ist der Park Heimat für rund 50 Startups und öffnet sich auch für den internationalen Zustrom.

Klinische Studien für Health-Startups in Japan möglich

Zudem gibt es etwa für heimische Health-Startups große Chancen, an sich sehr kostspielige klinische Studien im Nagoya University Hospital günstig zu ergattern, wie Ingomar Lochschmit, österreichischer Wirtschaftsdelegierter der WKO in Tokio, erklärt: „Unser Abkommen mit einer der führenden Universitätskliniken Japans war ein wichtiger Schritt für die österreichische Pharmaforschung, vor allem außerhalb der in unserem Land vertretenen Großkonzerne. Wir haben im Mai 2018 ein Abkommen ‚For a Strategic Partnership for the Cooperation in Innovative Drug Developement‘ mit dem Nagoya University Hospital unterzeichnet und damit eine schon früher begonnenen Zusammenarbeit formalisiert“, sagt er.

Konkret heißt das, dass das AußenwirtschaftsCenter Tokio der Universitätsklinik österreichische Medikamenten-Neuentwicklungen nennen kann, die dann von den Wissenschaftern der Uniklinik begutachtet werden.

„Dadurch ist es uns bereits geglückt, dort zwei österreichischen Unternehmen klinische Studien zu ermöglichen, und das mit Förderung Japans, das heißt so gut wie gratis für die österreichischen Firmen“, so Lochschmitt. Interessierte können sich bei der WKO nähere Informationen holen.

Memorandum of Understanding

Österreich möchte sich nicht zuletzt deswegen als verlässlicher Partner etablieren. Bereits 2018 wurde ein „Memorandum of Understanding“ in Tokio signiert und somit den Innovationsaustausch zwischen Österreich und Japan gestärkt.

Mit dem Abschluss der Kooperationsvereinbarung mit EDGEof (ein Game Changers Studio, spezialisiert auf Joint Ventures, unter der Leitung von Alex Odajima) möchte GIN Austria (Global Incubator Network) die Zusammenarbeit intensivieren. Ziel der Kooperation ist es, den Zugang zum japanischen Markt für österreichische Jungunternehmen einfacher zu gestalten.

Aus dem Archiv: Mariana Kühnel, Generalsekräterin-Stellvertreterin Wirtschaftskammer Österreich und Michael Otter, Leiter der Außenwirtschaft Austria der WKÖ, über die innovative Unternehmensszene in Japan

GIN für heimische Startups als Partner in Japan

„Japan ist ein unterschätztes Land“, sagt Carina Margreiter von GIN Austria, „und verfügt über einen riesigen Markt. Jedoch ist es besonders für Startups auf sich allein gestellt schwer, den Markteintritt zu schaffen. Die Sprache ist eine große Hemmschwelle. Man braucht jemanden, der hilft und die richtigen Kontakte herstellen kann. Deshalb sind wir froh, für österreichische Startups da zu sein.“

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(c) GIN – Carina Magreiter ,Programmleiterin GIN Austria, beim Unterzeichnen des Memorandum of Understanding

Bisher elf österreichische Startups in Tokio

Bisher waren elf Startups in Tokio im Rahmen des GIN goAsia-Programms. „Neben allgemeinen Workshops – Startup Ecosystem Japan, Cultural Differences, Legal&Tax, How to do business in Japan – liegt der Fokus des Programms auf individuellen B2B-Meetings für die teilnehmenden Startups mit Corporates, Investoren oder Kooperationspartnern. Jedes teilnehmende Startup bekommt sein maßgeschneidertes Programm und wurde auch von den Kollegen des AC Tokio zu den einzelnen B2B-Terminen begleitet“, erklärt Magreiter.

Zu bisherigen österreichischen Success-Stories erzählt Magreiter von einer e-Learning-Plattform für Musikschüler, die einen Markteintritt in Tokio plant und sich aktuell mit GINs Akzeleratorenpartnern im Gespräch befindet.

Zudem konnten drei AI-Startups im Rahmen des goTokyo – Individual zur TechBIZKON II im November 2018 reisen, wie der brutkasten berichtete. Ein weiteres Startup im AR-Bereich konnte bereits einige Projekte mit Museen und Galerien in Tokio umsetzen.

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(c) Ingomar Lochschmidt – Der brutkasten mit der österreichische Delegation beim Besuch des Game Changers Studio EDGEof.

Call for Tokyo

Für den nächsten und vorerst letzten Call for goTokyo 2019 werden bis Mitte September noch „late stage“ Startups gesucht.

Bei diesem 2-wöchigen Accelerator-Programm wird Startups die Möglichkeit geboten, ihre Internationalisierung in Asien voranzutreiben. Anmelden können sich Startups aus den Bereichen HealthTech, MedTech, Life Science, BioTech, Fitness & Lifestyle.

GIN Austria

GIN Austria wird unter der Leitung der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) von der Österreichischen Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung finanziert.

Ziel der Initiative ist es, die drei Zielgruppen Startups, Inkubatoren und Investoren in den Zielgebieten Israel, Hong Kong, Singapur, Südkorea, China und Japan zu vernetzen, um das Innovationspotential Österreichs zu fördern.

goAustria & goAsia

Startups werden mit Programmen (goAustria für internationale Startups, goAsia für österreichische Startups) in ihrer Internationalisierung unterstützt. Für Investoren bietet das GIN Austria Programm sowohl Co-Investment Möglichkeiten als auch Pitching- und Matchmaking Events in Österreich und Asien an. Zusätzlich vernetzt GIN Austria österreichische Startups individuell mit Kapitalgebern und Unternehmen in den GIN-Zielländern.

+++ Wiener Startup mostly.AI gewinnt Pitching-Wettbewerb in Tokio +++

3,1 Milliarden Handelsvolumen mit Japan

Speziell in Bezug auf Japan hat diese Initiative für Österreich enorme Bedeutung. Mit einem jährlichen Handelsvolumen von knapp unter vier Milliarden Euro ist Japan der zweitwichtigste Wirtschaftspartner Österreichs in Asien. In der Hitparade der österreichischen Exportmärkte außerhalb Europas liegen nur die USA und China vor Japan.

Die Exporte ins Land der aufgehenden Sonne erhöhten sich 2018 laut Aussenwirtschaft Austria um rund elf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Zugleich stiegen die Einfuhren aus Japan um 8,9 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Knapp 80 österreichische Unternehmen verfügen über eigene Niederlassungen in Japan, hauptsächlich für den Vertrieb und die Wartung ihrer Produkte.

20, 30, 40 bis 2020

„Bis zum Jahr 2020, dem Jahr der olympischen Sommerspiele in Tokio, möchten wir 20 Prozent mehr österreichische Unternehmen zum Japan-Export motivieren, 30 Prozent mehr japanische Investitionen in Österreich anbahnen und 40 Prozent mehr österreichische Unternehmen im Technologiebereich betreuen“, schreibt das AußenwirtschaftsCenter Tokio in einer Aussendung.

Das oben genannte Strategiepapier führt 14 Maßnahmen an, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen. Darunter etwa der Ausbau von Kooperationen im Bereich Open Innovation, Trend- und Technologiescouting, Wirtschaftsmissionen (B2B-Gespräche) und Showcase Events.

Boost für Jungunternehmer

Aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister hebt die positive Wirkung der neuen Kooperation hervor: „Die Zusammenarbeit zwischen Asien und Österreich trägt maßgeblich zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich bei. Japan ist nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Großkonzerne ein lukrativer Markt für Startups, der insbesondere in der High-Tech Industrie überzeugt“.

Auch FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth sieht die Intensivierung der Zusammenarbeit als Boost für die heimische Szene: „Mit den Programmen des Global Incubator Networks (GIN) werden Jungunternehmer gezielt unterstützt, ihre Ideen sowie Innovationen über die nationalen Grenzen hinaus auszutauschen und ihr Netzwerk zu vergrößern.“

Aus dem Archiv: Michael Otter,  CEO von AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA, und Rafael Rasinger, Head of Startups / New Corporates, im Live Gespräch über die aktuellen Schwerpunkte, den Standort Wettbewerb und österreichische Schlagkraft am globalen Wirtschaftsparkett.


⇒ EdgeOf

⇒ GIN Austria

⇒ Aussenwirtschaft JAP

⇒ Zur Anmeldung für goTokyo 2019

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Die Fahne der EU (c) Adobe Stock

Im aktuellen „European Innovation Scoreboard 2026“ der Europäischen Kommission behauptet sich Österreich im oberen europäischen Mittelfeld. Mit einer Innovationsleistung von 113 Prozent des EU-Durchschnitts im Jahr 2026 belegt das Land wie schon im Vorjahr den achten Rang unter den EU-Mitgliedstaaten und verbleibt in der Klasse der sogenannten „Strong Innovators“. Langfristig verzeichnet Österreich zwar einen Zuwachs der Innovationskraft von 8,9 Prozentpunkten gegenüber dem Basisjahr 2019, im Vergleich zu 2025 gab der nationale Gesamtindex jedoch um 2,3 Prozentpunkte nach. Diese Abschwächung spiegelt eine wirtschaftliche Dynamik wider, die infolge anhaltender externer Schocks und gestiegener Betriebskosten an internationaler Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat.

Im Schatten der Spitzenreiter

Angeführt wird das europäische Gesamtklassement unverändert von der Schweiz, die mit 141,3 Prozent des EU-Durchschnitts den innovativsten Standort des Kontinents darstellt. Innerhalb der EU-Grenzen sichert sich erneut Schweden die Spitzenposition (139 Prozent), gefolgt von Dänemark und den Niederlanden. Finnland, das in den Vorjahren fest zur Spitzengruppe der „Innovation Leaders“ zählte, verlor an Schwung und stürzte in die Leistungsklasse Österreichs ab.

Im Vergleich mit dem größten Handelspartner Deutschland (EU-Rang 9) hat Österreich zwar knapp die Nase vorn. Einige Diskrepanzen: Während Deutschland bei den forschungsbezogenen Staatsausgaben im öffentlichen Sektor auf Platz 5 liegt, belegt Österreich hier den hervorragenden dritten Platz. Bei der direkten und indirekten steuerlichen Forschungsförderung für Betriebe verweist Österreich den Nachbarn (Deutschland Rang 23) mit dem vierten Platz klar auf die hinteren Ränge.

Die Achillesferse: Wagniskapital und Skalierungsbarrieren

Für die heimische Startup- und Scaleup-Szene liefert das Scoreboard eine ernüchternde Bilanz in puncto Wachstumsfinanzierung. Als chronischer Schwachpunkt erweist sich einmal mehr der Bereich Venture Capital: Bei den Wagniskapital-Investitionen erreicht Österreich magere 47,9 Prozent des EU-Durchschnitts und belegt im EU-Vergleich lediglich Platz 15.

Diese strukturelle Finanzierungslücke schlägt sich auch im komplementären „European Startup and Scaleup Scoreboard“ (ESSS) nieder: Zwar wird Österreich dort mit 113,8 Prozent des EU-Durchschnitts auf Rang 10 als „High-performing“ eingestuft, die Erhebung attestiert dem Standort jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen einer hohen Startup-Dichte pro Kopf und einer gleichzeitig unterdurchschnittlichen Zahl an schnell wachsenden Unternehmen („Centaurs“ und „Unicorns“). Bereits im Zuge des letztjährigen Rankings stand die stagnierende Entwicklung im Fokus der Kritik, insbesondere im Hinblick auf strukturelle Finanzierungshemmnisse (brutkasten berichtete).

Spürbarer Rückgang bei KMU-Innovationen trotz starker Schutzrechte

Sorge bereiten zudem die Innovationsaktivitäten im KMU-Bereich. Der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die Produkt- oder Geschäftsprozessinnovationen einführen, ist mittelfristig deutlich zurückgegangen – ausgewiesen wird ein Minus von 24,4 Prozentpunkten bei Produkt- bzw. 21,2 Prozentpunkten bei Prozessinnovationen seit dem Jahr 2019. Demgegenüber steht eine traditionelle Stärke bei der Sicherung von geistigem Eigentum, wo Österreich im Bereich der intellektuellen Vermögenswerte im EU-Vergleich den hervorragenden zweiten Platz belegt.

Doch auch dieses Fundament zeigt Ermüdungserscheinungen: Seit 2019 verzeichneten die Designanmeldungen einen spürbaren Rückgang um 49,7 Prozentpunkte, während Patentanmeldungen (-16,8 Prozentpunkte) und Markenanmeldungen (-11,1 Prozentpunkte) ebenfalls schrumpften. Positiv hervorzuheben ist die enge Vernetzung im System bei den öffentlich-privaten Co-Publikationen (EU-Rang 3), wenngleich die Jobmobilität von hochqualifizierten Fachkräften in Wissenschaft und Technologie im Jahresvergleich um empfindliche 32,4 Prozentpunkte einbrach.

Das Transferproblem: Viel Input, zu wenig messbarer Output

Ein altbekanntes, strukturelles Paradoxon des österreichischen Innovationssystems bleibt die mangelnde Effizienz im Transfer von Forschungserfolgen in den Markt. Während das Land beim reinen Innovations-Input die dritthöchsten Investitionen in der EU verzeichnet, reicht es beim tatsächlichen Output nur für Rang 8. Besonders deutlich wird dies bei den Verkäufen von Marktneuheiten und firmeninternen Innovationen, bei denen das Land seit 2025 einen spürbaren Rückgang verzeichnet. Dem Standort gelingt es somit unzureichend, seine enormen Forschungsförderungen und Investitionen in marktfähige, produktivitätssteigernde Produkte zu übersetzen.

Digitalisierung und weitere Kernbereiche im Überblick

In den weiteren Dimensionen des Scoreboards zeichnet sich ein differenziertes Bild ab:

  • Digitalisierung (Rang 14): Ein widersprüchliches Feld. Die Verfügbarkeit von High-Speed-Internet hinkt mit Rang 23 im EU-Vergleich hinterher, hat sich jedoch seit 2019 um 174,7 Prozentpunkte verbessert.
  • Forschungssysteme & Human Ressources: Österreich verfügt über ein hochattraktives akademisches System (Rang 8), getragen von einem sehr hohen Anteil ausländischer Doktoratsstudierender (Rang 5). Bei den Human Ressources insgesamt reicht es wegen einer im EU-Vergleich geringeren Akademikerquote jedoch nur für Rang 14.
  • Nachhaltigkeit & Außenhandel: Während der heimische Öko-Innovations-Index mit 177,1 Prozent weit über dem EU-Schnitt von 127,5 Prozent liegt (beides gemessen an 2019), ist der konsumbedingte Treibhausgas-Fußabdruck fast 20 Prozent zu hoch. Zudem schwächelt Österreich massiv beim Export wissensintensiver Dienstleistungen.

Das politische Spannungsfeld: „Champions League“ vs. „Ergebnisverwaltung“

Die Interpretation des achten Platzes sorgt auf nationaler Ebene für teils konträre Statements von Politik und Wirtschaft. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer unterstreicht: „Das European Innovation Scoreboard zeigt klar: Österreich investiert überdurchschnittlich in Forschung und Innovation. Beim Output schöpfen wir dieses Potenzial aber noch nicht ausreichend aus.“ Mit Platz 3 beim Input und Platz 8 beim Output könne man sich nicht zufriedengeben; man müsse exzellente Forschung schneller in marktfähige Produkte übersetzen.

Innovationsminister Peter Hanke betont wiederum die Stabilität in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld: „Platz 8 im European Innovation Scoreboard ist ein starkes Zeugnis für den Innovationsstandort Österreich. Dieses Ergebnis kommt nicht von ungefähr: Es ist der Verdienst unserer Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der vielen klugen Köpfe in diesem Land.“ Er verweist auf das massive staatliche Investment von 5,5 Milliarden Euro durch den FTI-Pakt bis 2029. Stefan Harasek, Präsident des Patentamts, hält fest: „Diese starke Platzierung bestätigt einmal mehr: Österreich zählt in der sich nur zögerlich erholenden Wirtschaftsdynamik zu den Innovationsmotoren Europas und muss sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken.“

Eine gänzlich andere Tonlage schlägt die Industriellenvereinigung (IV) ein. Generalsekretär Christoph Neumayer warnt vor Selbstzufriedenheit: „Der Abstand zur europäischen Spitze droht zum Dauerzustand zu werden. Wir stecken mit Platz 8 im Mittelfeld fest.“ Wer ein „Innovation Leader“ werden wolle, müsse deutlich dynamischer agieren und an Geschwindigkeit zulegen. Neumayer zieht dabei einen sportlichen Vergleich heran: „Wer an die Spitze will, darf nicht nur auf Ergebnisverwaltung spielen. Champions entstehen durch Geschwindigkeit und Angriff, nicht in der Defensive.“

Auch Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), mahnt zur Bewegung: „Österreich behauptet sich im European Innovation Scoreboard 2026 erneut auf Rang 8 […] gleichzeitig zeigt das aktuelle Ergebnis aber auch, dass wir uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen dürfen.“ Der Vergleich mit 2023 – als Österreich noch bei knapp 120 Prozent des EU-Schnitts lag – zeige deutlich, dass zusätzliche Dynamik notwendig sei, um den Anschluss an die europäische Spitzengruppe nicht zu verlieren.

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