Wiener Startup „Jactio.com“ erhält fünfstellige Förderung der Wirtschaftsagentur Wien
Das Wiener Startup "Jactio.com" hat eine Online-B2B-Plattform entwickelt über die KMU aus dem DACH-Raum mit Stahlbauproduzenten und Lieferanten aus der CEE-Region verbunden werden. Die Wirtschaftsagentur Wien förderte das Unternehmen nun mit einem fünfstelligen Betrag.
Stahlbauteile zählen zu den wichtigsten Warengruppen im Einkauf von heimischen KMU, die im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus tätig sind. Die Teile werden unter anderem verstärkt aus dem CEE-Raum bezogen. Wie Andreas Janisch, Gründer von „Jactio.com“, erläutert, sei der Zuliefermarkt in Osteuropa jedoch sehr segmentiert. Dahingehend sei es für KMU oftmals sehr zeitaufwändig den richtigen Lieferanten zu finden. Zudem müssen Produktionskapazitäten, Qualitätskriterien und Auslastung vorab geklärt werden. Informationen bezüglich den Produkten sind darüber hinaus nur schwer zu finden, da die meisten Lieferanten aus dem CEE-Raum zu klein sind, um einen eigenen Vertrieb in der DACH-Region zu etablieren.
Gemeinsam mit seinem Co-Founder Jacob Jenauth hat sich Janisch zum Ziel gesetzt, dieses Problem zu lösen – genauer gesagt mit einem Online-B2B-Marktplatz, der heimische KMU aus dem DACH-Raum mit Stahlbaulieferanten aus dem CEE-Raum verbindet. Für die Weiterentwicklung und das weitere Wachstum der Plattform hat das Startup nun eine fünfstellige Förderung von der Wirtschaftsagentur Wien erhalten. Über die genau Summe wurde Stillschweigen vereinbart. Gegenüber dem brutkasten erläuterte Janisch, dass sich der Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich bewege.
„Durch die Innovationsförderung der Wirtschaftsagentur Wien können wir Jactio.com nun technologisch auf die nächste Stufe heben, um die Usability für Lieferanten und Auftraggeber zu erhöhen. Im Mittelpunkt steht dabei weiterhin der persönliche Service, den wir mit Statusmeldungen in Echtzeit und wertvollen Zusatzinformationen ergänzen werden“, so Janisch.
Weiterentwicklung der Plattform
Künftig soll laut Janisch ein intelligentes Matching die Anfragen mit den hinterlegten Lieferantenprofilen abgleichen und durch selbstlernende Algorithmen eine schnelle Vorauswahl geeigneter Anbieter treffen. Zudem soll das frische Kapital in die Weiterentwicklung der Plattform fließen, wobei insbesondere die Usability und die Abwicklungsgeschwindigkeit verbessert werden soll.
Nachdem die Vorankündigung dazu vergangenes Jahr international Aufsehen erregt hatte, setzte Öklo sein "Urin-Bier" nun mit der Brauerei Erzbräu um. Die Marketing-Aktion mit gerade einmal 2.500 Flaschen soll vor allem auf das Thema Wasserverschwendung aufmerksam machen.
Nachdem die Vorankündigung dazu vergangenes Jahr international Aufsehen erregt hatte, setzte Öklo sein "Urin-Bier" nun mit der Brauerei Erzbräu um. Die Marketing-Aktion mit gerade einmal 2.500 Flaschen soll vor allem auf das Thema Wasserverschwendung aufmerksam machen.
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo
Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.
„Aufs Patriarchat pinkeln“
Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.
Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo
Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel
Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.
Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.
Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“
Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.
Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.
Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations
Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“
Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“
Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.
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