22.10.2025
MEGA-INVESTMENT

Investment: Wiener Scaleup refurbed holt sich 50 Millionen Euro Kapital

Refurbed, der Online-Marktplatz für refurbished-Produkte, hat acht Monate nach einem 20-prozentigen Stellenabbau eine Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen Euro abgeschlossen. Damit möchte man in weitere europäische Märkte expandieren.
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refurbed-Gründer-Trio Peter Windischhofer, Jürgen Riedl und Kilian Kaminski | (c) refurbed
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Das Wiener Scaleup refurbed hat im Februar einen Stellenabbau von rund 20 Prozent seiner Belegschaft bekannt gegeben, hier nachzulesen. Weitaus bessere Nachrichten gab es im April, als man zwei Milliarden Euro Außenumsatz vermeldete. Nun verkündete das Wiener „Soonicorn“ ein Investment in Höhe von 50 Millionen Euro.

refurbed: US-Investor dabei

Mit dem frischen Kapital plant das Unternehmen, in weitere Märkte zu expandieren und unter anderem seine Präsenz in Großbritannien zu erweitern, wie das Online-Magazin Sifted berichtet. Angeführt wurde die Runde von Alex Zubillaga, einem US-Investor, der auch in Spotify und Wallapop investiert ist. Auch die spanische Riberas-Familie, Investor von Vinted, beteiligte sich. Bestehende Anteilseigner von refurbed – Speedinvest, Evli Growth Partners, Bonsai, Almaz und C4 Ventures, der Venture-Arm des britischen TV-Senders Channel 4 – nahmen ebenfalls an der Finanzierungsrunde teil.

“Wir freuen uns, refurbed dabei zu unterstützen, ihre europäische Führungsrolle in der Refurbishment-Kategorie auszubauen”, sagt Riberas. „Die Kombination aus Wachstumsgeschwindigkeit, Profitabilität und starken Partnerschaften mit bekannten Marken ist aus unserer Sicht einzigartig und ein Garant für refurbeds Langzeiterfolg. Unsere Investition in refurbed entspricht außerdem unserer Wertehaltung, nachhaltigere Konsumformen zu unterstützen.”

54 Mio. bereits 2023

Auch wenn es heuer das größte Investment der heimischen Startup-Szene ist, so ist diese Runde nicht die höchste der Firmengeschichte der Wiener: 2023 holte man 54 Mio. Euro in einer Series C. Im Juni teilte refurbed zudem mit, dass man die Profitabilität im gesamten Unternehmen – über alle elf europäischen Märkte hinweg erreicht habe.

Expansion in weitere europäische Märkte

CEO Peter Windischhofer zeigt sich erfreut über die aktuellen Entwicklungen: „Für refurbed war und ist 2025 ein wahrlich transformierendes Jahr. Wir haben unseren Wachstumskurs in allen Märkten fortgesetzt und haben im Vergleich zum Vorjahr 40 Prozent Wachstum verbuchen können. Außerdem haben wir vor unserem Zeitplan die Profitabilität über alle Märkte hinweg erreicht. All das ist klarer Beweis dafür, dass nachhaltiger Konsum in Europa und finanzielle Performance Hand in Hand gehen können. Jetzt ist die Zeit, um Refurbishment zum Mainstream zu machen.“

Und weiter: „Mit der aktuellen Finanzierung können wir die nächste Wachstumswelle einleiten und somit künftig noch mehr Konsument:innen in ganz Europa erreichen. Zusätzlich werden wir im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie auch unser Engagement bei der globalen E-Waste-Reduktion intensivieren. Schließlich ist E-Waste der am schnellsten wachsende Abfallstrom weltweit und ein globales Problem, dem wir auf unterschiedlichsten Ebenen begegnen müssen.“

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Die Atira-Co-Founder Florian Diegruber und August DuMont Schütte | (c) Atira
Die Atira-Co-Founder Florian Diegruber und August DuMont Schütte | (c) Atira

Vertriebsprozesse von Industrieunternehmen sind komplex: Zwischen CRM (Customer-Relationship-Management) und ERP (Enterprise-Resource-Planning) müssen Sales Engineers, Rechtsabteilungen, technisches Fachpersonal und das Commercial Team zusammenarbeiten, zahlreiche Seiten an Spezifikationen sichten und individuelle Unterlagen erstellen, bevor ein Angebot eingereicht werden kann. Die übliche manuelle Angebotslegung dauert daher oft Wochen bis Monate. Eine Automatisierung durch KI liegt also auf der Hand, ist aber alles andere als trivial.

Einzelnes System reicht nicht

„Das Sales-Engineering ist einer der umfangreichsten Workflows in der industriellen Fertigung, der mit Software bisher nie wirklich automatisiert wurde. Derzeit ist betriebskritisches Fachwissen auf Mitarbeiter:innen, Dokumente und nicht miteinander vernetzte Systeme verteilt“, sagt Florian Diegruber, CEO und Co-Founder des Münchner KI-Unternehmens Atira, das das Problem mit seiner Plattform lösen will. Diegruber war zuvor bei Palantir, sein Co-Founder August DuMont Schütte bei Google.

„Die gängige Annahme ist, dass ein einzelnes System diese Herausforderung lösen kann – mit echtem Umsatzeffekt für alle Kunden. Doch das Wissen, das tatsächlich zum Erfolg eines Deals führt, stammt aus der eigenen Angebotshistorie des Unternehmens, einem Gedächtnis, das mit jedem Projekt wächst“, erklärt Benjamin Erhart, General Partner in das Münchner VC UVC Partners. Dieser investierte nun zum wiederholten Mal beim Münchner KI-Unternehmen.

Orchestriertes Multi-KI-Agentensystem als Lösung

Das Unternehmen setzt dabei auf ein Multi-KI-Agentensystem, das Industrieunternehmen End-to-End vom Screening eingehender Anfragen über die Lösungskonfiguration bis zur Erstellung technischer und kommerzieller Angebotsinhalte unterstützen soll. 2025 am Markt gestartet, betreut man aktuell 15 Kunden, darunter nach eigenen Angaben „globale Konzerne mit mehr als einer Milliarde US-Dollar Jahresumsatz“. In ersten Projekten sei die Zeit für den Gesamtprozess um 80 Prozent reduziert worden, heißt es von Atira.

Nun schloss das Unternehmen seine Seed-Finanzierungsrunde über 15 Millionen US-Dollar ab. Den Lead übernahm dabei der US-VC Accel. Auch der Münchner Risikokapitalgeber UVC Partners, der sich in der Pre-Seed-Runde über 2,5 Millionen US-Dollar bereits beteiligt hatte, war wieder dabei. Hinzu kamen die Beteiligungsgesellschaften Fortino und Booom sowie die Einzelinvestor:innen Ann-Kristin Achleitner, Whirlpool-CEO Marc Bitzer, Markus Flik und Celonis-Co-Founder und Co-CEO Bastian Nominacher.

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