Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“
Interview. Der Brutkasten sprach mit Fritz Jergitsch, Gründer des Satiremagazins Die Tagespresse über die Zukunft der Satire, die Digitalisierung und die Tagespresse als Startup.
Fritz Jergitsch ist ein Profi, wenn es um Fake News geht. Bei seinen eigenen Artikel legt der Gründer von Österreichs erfolgreichstem Satiremagazin, Die Tagespresse, jedoch Wert darauf, dass sie als frei erfunden ausgewiesen sind. Diesen Gefallen tut der Öffentlichkeit nicht jeder, weiß Jergitsch. Er widmet dem Thema Fake News daher einen Vortrag bei der Moving Forward Conference am 10. November in Wien. Im Interview sprach der Brutkasten mit Jergitsch über Fake News, die Zukunft der Satire, Digitalisierung und die Tagespresse als Startup.
Du wirst bei der Moving Forward Conference über Fake News sprechen. Wie passt das Thema auf eine Zukunfts-Konferenz?
Fake News gab es immer schon. Derzeit nehmen sie mit Falschmeldungen im Netz eine neue Form an. Wie man mit dieser digitalen Form umgeht, könnte durchaus großen Einfluss auf die Zukunft haben. Wer weiß, vielleicht war die Wahl von Donald Trump ja nur der Anfang?
Wie siehst du die Zukunft der Satire? Wie geht die Tagespresse mit der Digitalisierung um?
Wir stehen wohl kurz vor Schwarz-Blau. Die Zukunft der Satire sieht also rosig aus. Wir sind digital groß geworden. Digitalisierung ist für uns keine Herausforderung mit der man umgehen muss. Digitalisierung ist unser größter kompetitiver Vorteil. Ohne Digitalisierung gäbe es uns nicht. Wir kennen das Leben vor dem Internet nicht.
„Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung irgendwann, wenn es Algorithmen gibt die bessere Witze schreiben.“
Und was ist aus der Digitalisierung für euch herauszuholen? Haben künstliche Intelligenz, Blockchain und Co. Satire-Potenzial?
Keine Ahnung. Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung irgendwann, wenn es Algorithmen gibt die bessere Witze schreiben.
Ihr habt schon einige Beiträge zu Startups gebracht. Woher kam die Idee dazu? Ist die Tagespresse selbst eine Art Startup?
Ja, wir sehen uns selbst ein wenig als Startup und sind selbst in einem Büro mit zwei anderen Startups. Logischerweise steht da ein Tischfußballtisch drinnen, und eine Kaffeemaschine. Alle tragen bunte Socken, usw… Wir schreiben ja nicht nur Artikel, sondern machen uns auch viele Gedanken um Monetarisierung, wo wir gezwungen sind einen eigenen Weg zu gehen.
„Unser zukünftiges Geschäftsmodell hängt davon ab, worauf wir Autoren künstlerisch Lust haben.“
Einer dieser Wege ist euer Native Add-Modell? Wie läuft es? Wie wird sich euer Geschäftsmodell entwickeln?
Das läuft ziemlich gut. Immer mehr Werber entdecken diese Möglichkeit. Das Kunden-Feedback macht uns sehr zufrieden, und unsere Leser nehmen die Advertorials an. Wie sich unser Geschäftsmodell entwickeln wird kann ich derzeit nicht sagen. Das hängt zu einem Großteil davon ab, worauf wir Autoren künstlerisch Lust haben.
Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark
Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark
Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.
Es wurlt in der Larvenkiste des österreichischen Scaleups Reploid: Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden hier seit einigen Tagen gemästet. Sie ahnen natürlich nicht, dass sie bald eine wichtige Rolle im Kreislaufkonzept dreier Jungunternehmen spielen werden.
Zuerst aber dorthin, wo alles begonnen hat: an den NOI Techpark in Bozen, Südtirol. Auch hier wurlt es, nur bringen statt Insektenlarven Startups Leben in das 12 Hektar große Innovationsviertel. Aktuell arbeiten 76 Unternehmen, 37 Startups, drei Forschungsinstitute, vier Fakultäten der Freien Universität Bozen und insgesamt 2.400 Menschen hier gemeinsam für nachhaltigen Fortschritt. Man tüftelt in den Laboren an Prototypen, vernetzt sich auf Events, feilt beim Spaziergang über den 2017 eröffneten Campus, der sich inzwischen stark vergrößert und weiterentwickelt hat, an der nächsten Idee. Was Gründer:innen hier aber am meisten schätzen: das weitreichende Netzwerk.
Nicht gesucht – trotzdem gefunden
„Wer am NOI Techpark Fuß fasst, bekommt Zugang zu etablierten Akteuren und Investoren in Südtirol“, erklärt Manuel Mairinger, Managing Director und CEO von Reploid Italia. Das ursprünglich aus Österreich stammende Insekten-Scaleup hat sich bei der Expansion nach Italien wegen der hervorragenden Lage zwischen Österreich und Mailand für das Acceleration & Scale-up Programme des NOI Techpark als Launchpad entschieden. „Das NOI baut als renommierter Partner die Brücke zu potenziellen Kund:innen und Partner:innen, ganz ohne die Hilfe von Plattformen wie LinkedIn“, fügt der Reploid-Italia-CEO hinzu.
Mairinger weiß genau, wovon er spricht. Reploid Italia ist eines von drei am NOI inkubierten Jungunternehmen, die zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. Initiiert hat die Zusammenarbeit Sonja Tetter vom Team des Start-up Incubator. „Wir arbeiten sehr eng mit unseren Startups zusammen, kennen ihre Geschäftsmodelle, Technologien und Herausforderungen. Deshalb sehen wir relativ früh, wo eine Kooperation wirklich Mehrwert schaffen könnte“, erläutert Tetter. Gemeinsam wollen die drei Unternehmen zur regionalen Kreislaufwirtschaft in Bozen beitragen. Und hier kommt die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wieder ins Spiel.
Nach nur einer Woche sind die Larven laut Reploid mit rund 25 Millimetern ausgewachsen und überzeugen mit innerer Größe: Sie sind sehr reich an tierischem Protein. Das aus ihnen gewonnene Mehl kann einen Proteingehalt von über 62 Prozent aufweisen.
Das macht die Larven zum potenziellen Proteinersatz, vor allem im Futtermittelbereich, etwa für Fische. „Wir züchten Welse, das sind Fleischfresser“, erklärt Matthäus Kircher, Gründer von Solos. Das Südtiroler Startup betreibt Aquaponik und verbindet Fischzucht mit dem Anbau von Kräutern und Salat.
Das Prinzip dahinter: Die Fische reichern das Wasser durch ihre Ausscheidungen mit natürlichen Nährstoffen an, ein Biofilter leitet es ins Pflanzenbecken, wo Salat und Kräuter die Nährstoffe aufnehmen und das Wasser reinigen, bevor es zurück zu den Fischen fließt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf im Zeichen der Nachhaltigkeit.
Ein Punkt war Kircher dabei allerdings von Anfang an ein Dorn im Auge: das mit Fischmehl angereicherte Futter. „Bereits vor vier Jahren haben wir uns gefragt, wie wir tierische Proteine ohne Fischmehl verfüttern können“, erzählt er. Insekten bildeten schließlich die Lösung. Eine Studie ergab: Futtermischungen auf Insektenmehlbasis, angereichert mit Spirulina-Algen, lassen den Omega-3-Gehalt im Fischfilet höher ausfallen als bei herkömmlich gefütterten Tieren.
Hier kommt Reploid ins Spiel: Das Unternehmen implementiert modulare Anlagen, die sogenannten „ReFarm-Units“. Dort verarbeiten Larven der Schwarzen Soldatenfliege regionale Reststoffe zu Insektenprotein und -fett für Futtermittel- sowie Industrieanwendungen. Ein weiteres Nebenprodukt ist der Insektenfraß, also die Ausscheidungen, aus denen organischer Dünger entsteht. Den dritten Baustein liefert Kinsect: Das italienische Startup entwickelt Technologien für die industrielle Zucht der Fliege und liefert Eier sowie Junglarven.
Am Standort von Solos in Tramin greifen so die unterschiedlichen Kompetenzen ineinander: Die von Kinsect bereitgestellten Larven werden in einer Insektenmastanlage von Reploid mit Lebensmittelnebenprodukten wie Apfeltrester, Kartoffelschalen oder Altbrot gefüttert. Solos nutzt sie anschließend als nachhaltiges Futtermittel in der Fischzucht. So soll Fischmehl ersetzt, sollen organische Reststoffe sinnvoll verwertet werden. Neben den ökologischen Vorteilen ergeben sich durch das Vorzeigeprojekt und den realen Usecase natürlich auch wirtschaftliche Vorteile, von denen die drei Startups profitieren.
Es ist eine Kooperation im Namen der Kreislaufwirtschaft, die ohne den NOI Techpark nie zustande gekommen wäre. „Am NOI Techpark konnte diese Synergie organisch entstehen“, fasst Kinsect-CEO Giacomo Benassi zusammen. „Dank der Zusammenarbeit im selben Ökosystem konnten wir viel schneller Vertrauen zueinander aufbauen.“ Der NOI Techpark ermöglicht damit nicht nur grenzüberschreitende, sondern auch branchenübergreifende Vernetzungen, die Startups entscheidend weiterbringen.
Und so wurlt es weiter am NOI Techpark. Jedes Jahr kommen neue Startups zur NOI-Community dazu. Für den Herbst-Batch kann man sich noch bis zum 5. Oktober bewerben – vielleicht entsteht daraus bald die nächste erfolgreiche grenzüberschreitende Startup-Kooperation.
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