19.10.2017

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

Interview. Der Brutkasten sprach mit Fritz Jergitsch, Gründer des Satiremagazins Die Tagespresse über die Zukunft der Satire, die Digitalisierung und die Tagespresse als Startup.
/artikel/interview-fritz-jergitsch-tagespresse
(c) ORF / Hans Leitner: Fritz Jergitsch
kooperation

Fritz Jergitsch ist ein Profi, wenn es um Fake News geht. Bei seinen eigenen Artikel legt der Gründer von Österreichs erfolgreichstem Satiremagazin, Die Tagespresse, jedoch Wert darauf, dass sie als frei erfunden ausgewiesen sind. Diesen Gefallen tut der Öffentlichkeit nicht jeder, weiß Jergitsch. Er widmet dem Thema Fake News daher einen Vortrag bei der Moving Forward Conference am 10. November in Wien. Im Interview sprach der Brutkasten mit Jergitsch über Fake News, die Zukunft der Satire, Digitalisierung und die Tagespresse als Startup.

+++ Dinner mit U.S. Senatoren: Auftakt für die Moving Forward Conference +++


Du wirst bei der Moving Forward Conference über Fake News sprechen. Wie passt das Thema auf eine Zukunfts-Konferenz?

Fake News gab es immer schon. Derzeit nehmen sie mit Falschmeldungen im Netz eine neue Form an. Wie man mit dieser digitalen Form umgeht, könnte durchaus großen Einfluss auf die Zukunft haben. Wer weiß, vielleicht war die Wahl von Donald Trump ja nur der Anfang?

Wie siehst du die Zukunft der Satire? Wie geht die Tagespresse mit der Digitalisierung um?

Wir stehen wohl kurz vor Schwarz-Blau. Die Zukunft der Satire sieht also rosig aus. Wir sind digital groß geworden. Digitalisierung ist für uns keine Herausforderung mit der man umgehen muss. Digitalisierung ist unser größter kompetitiver Vorteil. Ohne Digitalisierung gäbe es uns nicht. Wir kennen das Leben vor dem Internet nicht.

„Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung irgendwann, wenn es Algorithmen gibt die bessere Witze schreiben.“

Und was ist aus der Digitalisierung für euch herauszuholen? Haben künstliche Intelligenz, Blockchain und Co. Satire-Potenzial?

Keine Ahnung. Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung irgendwann, wenn es Algorithmen gibt die bessere Witze schreiben.

Ihr habt schon einige Beiträge zu Startups gebracht. Woher kam die Idee dazu? Ist die Tagespresse selbst eine Art Startup?

Ja, wir sehen uns selbst ein wenig als Startup und sind selbst in einem Büro mit zwei anderen Startups. Logischerweise steht da ein Tischfußballtisch drinnen, und eine Kaffeemaschine. Alle tragen bunte Socken, usw… Wir schreiben ja nicht nur Artikel, sondern machen uns auch viele Gedanken um Monetarisierung, wo wir gezwungen sind einen eigenen Weg zu gehen.

„Unser zukünftiges Geschäftsmodell hängt davon ab, worauf wir Autoren künstlerisch Lust haben.“

Einer dieser Wege ist euer Native Add-Modell? Wie läuft es? Wie wird sich euer Geschäftsmodell entwickeln?

Das läuft ziemlich gut. Immer mehr Werber entdecken diese Möglichkeit. Das Kunden-Feedback macht uns sehr zufrieden, und unsere Leser nehmen die Advertorials an. Wie sich unser Geschäftsmodell entwickeln wird kann ich derzeit nicht sagen. Das hängt zu einem Großteil davon ab, worauf wir Autoren künstlerisch Lust haben.

+++ Warum Gründer Investoren-Meetings versemmeln +++


⇒ Link zur Satire-Page

Deine ungelesenen Artikel:
27.10.2026

Fawks AI-Gründerin: Von Indien über die IAEA zu einem KI-Startup, das Dialekte erkennt

Fawks AI, in Wien von CEO und CTO Neha Agarwal und COO Arun Gaurav gegründet, erhielt vom Austria Wirtschaftsservice für seine Spracherkennungs-Engine eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro.
/artikel/fawks-ai-gruenderin-von-indien-ueber-die-iaea-zu-einem-ki-startup-das-dialekte-erkennt
27.10.2026

Fawks AI-Gründerin: Von Indien über die IAEA zu einem KI-Startup, das Dialekte erkennt

Fawks AI, in Wien von CEO und CTO Neha Agarwal und COO Arun Gaurav gegründet, erhielt vom Austria Wirtschaftsservice für seine Spracherkennungs-Engine eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro.
/artikel/fawks-ai-gruenderin-von-indien-ueber-die-iaea-zu-einem-ki-startup-das-dialekte-erkennt
Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Tagespresse-Founder im Interview: „Womöglich vernichtet uns die Digitalisierung“