27.03.2023

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

Interview. Interspar-Österreich-CEO Johannes Holzleitner spricht im Interview über das Geschäft mit veganen Fleischersatz. Zudem kritisiert Holzleitner, dass Kund:innen für Pflanzendrinks mehr Steuern zahlen müssen als für Milch und erläutert, warum die Spar-Gruppe keine rein veganen Stores plant.
/artikel/interspar-chef-johannes-holzleitner-interview
Interspar
Johannes Holzleitner | (c) Interspar

Seit Anfang des Jahres produziert die Spar Österreich-Gruppe in den eigenen TANN-Fleischbetrieben in St. Pölten und Wernberg in Kärnten Fleischersatzprodukte. Ingesamt wurden knapp drei Millionen Euro in entsprechende Maschinen und Anlagen investiert. Zum Start werden sieben Produkte unter der Eigenmarke „Spar Veggie“ angeboten, die auf Basis von Erbsen bzw. Erbsen-Protein hergestellt werden.

Im Interview erläutert der CEO von Interspar Österreich, Johannes Holzleitner, welche Wachstumschancen die Spar Österreich-Gruppe im Plant-Based-Bereich sieht. Holzleitner verfügt über mehr als 23 Jahre Erfahrung im österreichischen und internationalen Lebensmittelhandel. Vor seiner Zeit als Interspar-Österreich-Geschäftsführer hat Holzleitner den Bereich Lieferantenpolitik und Sortimentsstrategie bei Spar geleitet und war Initiator von „Young & Urban by Spar“ – ein Programm, das auf Partnerschaften mit Startups im Food- und Non-Food-Bereich abzielt.


Zu Jahresbeginn sorgte ein Artikel von Bloomberg für Aufsehen. Darin wird unter anderem kritisiert, dass Fleischersatzprodukte ihren wirtschaftlichen Erwartungen nicht gerecht werden. Wie schätzen Sie die Relevanz von Fleischersatzprodukten ein – lediglich eine Modeerscheinung oder ein fixer Bestandteil unserer künftigen Ernährung?

Fleischersatz ist definitiv keine Modeerscheinung. Wir wissen, dass sich ungefähr acht Prozent der Österreicher:innen vegetarisch ernähren. Und jeder Dritte ernährt sich teilweise fleischlos beziehungsweise flexitarisch. Somit ist es ein Zeitgeist, dem wir auch entsprechen. Wenn wir den Bloomberg-Artikel heranziehen, dann ist der Blickwinkel vielleicht ein anderer. Für die Investoren war Fleischersatz wahrscheinlich ein Flop, weil die Erwartungen einfach viel zu hoch waren. 

Sie verfügen über 20 Jahre Erfahrung im Bereich der Sortimentspolitik bei Spar. Wie hat sich die Nachfrage nach Fleischersatz in den letzten Jahren verändert?

Vor 20 Jahren war natürlich keine Rede von Fleischersatzprodukten. Dieser Trend ist erst in den letzten paar Jahren entstanden. Aus ganz unterschiedlichen Motiven wollen sich Menschen heutzutage fleischlos ernähren. Dazu zählen das Tierwohl, der Klimaschutz, aber auch das körperliche Wohlbefinden. Mit der Technologie, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, ist auch das Bewusstsein gegenüber Fleischersatzprodukten gestiegen. Zudem haben sich Startups mit ihren Produkten am Markt etabliert, die diesem Trend entsprechen können. 

Bei Fleischalternativen haben sich auch die Technologien sehr dynamisch entwickelt; das zeigen auch die Zutatenlisten. Vor fünf Jahren waren Konsument:innen oftmals mit langen E-Nummern konfrontiert. Mittlerweile sind wir zum Glück schon viel weiter. Jetzt gibt es sehr saubere Produkte, ohne E-Nummern und ohne Zusatzstoffe. Das ist toll, weil man sich damit tatsächlich sehr gut vegan und vegetarisch ernähren kann. Auch in Bezug auf Geschmack und die Mundhaptik hat sich viel getan.

Spar produziert in den eigenen TANN-Werken mittlerweile selbst Fleischersatzprodukte. Was waren die Beweggründe dafür?

Wir sind als Lebensmittelhändler ganz nah am Puls der Zeit und spüren die Bedürfnisse der Konsument:innen sehr genau. Natürlich sehen wir einen sehr starken Trend zu Fleisch-Alternativen. Unser Spar-Produktionsbetrieb TANN ist einer der größten Fleischverarbeiter und Fleischproduzenten in ganz Österreich. Auf Initiative von zwei Mitarbeiterinnen in der Lebensmitteltechnologie wurden hier entsprechende pflanzliche Alternativen entwickelt. Dazu zählen etwa vegane Toastblockscheiben – das ist ein Novum in Österreich. Mein persönliches Highlight ist der vegane Leberkäse, den es aktuell in ausgewählten Interspar-Standorten gibt. Ich persönlich finde, dass die Leberkäs-Semmel einfach einer der größten Genussartikel der österreichischen Esskultur ist. Und wenn das auch vegan geht, dann ist es ausgezeichnet. 

Welche Zutaten verwenden Sie bei Fleischersatzprodukten?

Natürlich haben wir darauf geachtet, dass wir eine sehr kurze und einfache Zutatenliste haben. Für unsere Produkte, die wir in unserer eigenen Produktion produzieren, verwenden wir bevorzugt Erbsen oder Erbsen-Basis.

Haben Sie bei der Produktion von Fleischersatz teilweise auch mit Lieferschwierigkeiten von Rohstoffen zu kämpfen?

Aktuell habe ich davon noch nichts gehört. Ich muss aber fairerweise zugeben, dass wir auf dem Feld jetzt noch nicht so lange aktiv sind. In den letzten Wochen und Monaten haben wir damit begonnen, Produkte zu produzieren und sie in eine Testphase zu geben. Dabei rollen wir sie Stück für Stück aus. Insofern haben wir auf der Seite der Rohwaren noch keine Beschaffungsprobleme. Dahingehend möchte ich an die österreichische Landwirtschaft appellieren, dass wir auch die entsprechende Produktion von genanntem Gemüse oder pflanzlichen Produkten brauchen und natürlich sehr gerne österreichische Rohware verarbeiten. 

Haben Sie sich bei der Produktion von Fleischersatz Wachstumsziele gesetzt? 

Nein, wir haben uns keine Wachstumsziele gesetzt. Wir sind sehr agil am Markt und nehmen das, was auf uns zukommt. Wenn wir spüren, dass im Bereich der Fleischalternativen noch mehr Konsumentenbedürfnisse vorhanden sind, dann gehen wir diesen Bedürfnissen nach. Wir spüren uns Schritt für Schritt in den Markt hinein. Ich glaube, ein Startup macht es ähnlich. Es erfindet ein Produkt und schaut dann, ob es angenommen wird. Dazu zählen beispielsweise die Sortenvielfalt, die Packungsgröße oder die Geschmacksrichtung. Hier ist es sehr wichtig auch als Traditionsunternehmen eine gewisse Flexibilität und Agilität zu haben und permanent auf den Markt zu reagieren. 

Welche Effekte hat die Inflation auf den Preis von Fleischersatzprodukten?

Ja, natürlich ist es so, dass uns die Inflation im Lebensmittelbereich trifft. An dieser Stelle möchte ich einen Appell an alle Beteiligten richten, Preiserhöhungen hintanzuhalten. Als Lebensmittelhändler ist es unsere Aufgabe für unsere Kund:innen das Leben leistbar zu halten. Insofern versuchen wir, die Preise niedrig zu halten. Ich würde sagen, die Inflation spielt aktuell eher der veganen Ernährung in die Karten, weil die Preisentwicklung bei Fleisch sehr dynamisch ist. 

Grundsätzlich stagniert der Absatz beim Fleisch und ist leicht rückläufig. Es werden auch andere Produkte gegessen. Vielleicht nicht mehr ganz so viel Filet, sondern eher mehr Faschiertes. Im veganen Bereich geht es stark vorwärts, weil sich immer mehr Menschen vegan ernähren. Diese Entwicklung ist unabhängig von der Inflation. Die Steigerungsraten sind im vegetarischen und veganen Bereich sehr hoch. Natürlich ist das Niveau bei Fleisch ganz anders, weil es ein Hauptnahrungsmittel unserer Zeit ist. Bis wir hier einen Niveauausgleich erzielt haben, ist es allerdings noch ein langer Weg.

Wie wird sich in den nächsten fünf Jahren das vegane und vegetarische Sortiment weiterentwickeln? 

Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann nur sagen, wir reagieren sehr agil auf die Bedürfnisse der Konsument:innen. Wenn wir sehen, dass es bestimmte Produktkategorien gibt, die hier mehr Nachfrage auslösen, dann richten wir uns danach. Als Spar Österreich-Gruppe haben wir bereits 2012 unsere Spar-Eigenmarke “Spar Veggie“ gegründet. Wir sind damit auch die bekannteste vegane beziehungsweise vegetarische Eigenmarke auf dem österreichischen Markt. Ergänzt wird das um Startup-Produkte. Dazu zählen beispielsweise Veganista, Neni oder Veganz.

Vegane Ernährung endet allerdings nicht beim Fleisch. Einen sehr großen Trend sehen wir bei Pflanzendrinks. Das liegt nicht nur am Tierwohl, sondern vor allem auch am persönlichen Gesundheitsempfinden. Viele Menschen haben Laktoseintoleranzen oder andere Beschwerden bei Milch-Eiweißprodukten. Hier ist es sehr hilfreich, wenn es Alternativen wie Hafermilch oder Kokosmilch gibt. 

Aktuell gibt es auch Forderungen, die Steuer von pflanzlichen Milchalternativen der Milch anzupassen. Wie stehen Sie dazu? 

Diese Frage ist ganz klar mit Ja zu beantworten. Ich wüsste nicht, warum Kund:innen für Pflanzendrinks mehr Steuern zahlen sollten als für Milch. Ich wüsste auch nicht, wieso ein Hanfbauer, ein Erbsenbauer oder ein Sojabauer mit einer höheren Steuerlast oder einem unattraktiveren Steuersystem belastet sein sollte, als ein Milchbauer. Der Steuersatz sollte bei diesen beiden Kategorien auf alle Fälle angeglichen werden. 

Im vergangenen Jahr hat einer ihrer Mitbewerber einen rein veganen Supermarkt eröffnet. Wann erleben wir die erste rein vegane Filiale in der Spar-Gruppe?

Wir werden keinen eigenen veganen Store eröffnen. Wir verfolgen eine ganz andere Strategie. Wir haben rund 80 Interspar-Standorte inkl. unserer Maximärkte in Salzburg und Oberösterreich, wo wir jeden Tag in Österreich 2.700 Produkte auf vegetarischer und veganer Basis präsentieren. Das ist das größte Sortiment, das es nicht nur an einem Standort gibt, sondern in ganz Österreich.

Ein anderes Thema: Wann werden wir das erste Laborfleisch am österreichischen Markt erleben?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich bin mir nicht sicher, wie zukunftsträchtig diese Technologie ist. Ich glaube aber, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis das tatsächlich massenfähig ist. Und ob es dann noch das große Bedürfnis nach Fleischalternativen gibt, ist fraglich. Vielleicht sind Fleischersatzprodukte auch eine Brückentechnologie. Unsere Kinder und Kindeskinder haben vielleicht gar nicht mehr das Bedürfnis nach einer Fleischhaptik oder nach einem Fleischgeschmack. Sie werden sich mit ganz anderen Produkten ernähren, ob das jetzt Tofu oder die Linse ist. Und dann brauchen wir vielleicht auch kein Laborfleisch mehr. Als Investor wäre ich in diesem Bereich etwas zurückhaltend.


Deine ungelesenen Artikel:
vor 22 Stunden

IV-Chefökonom Christian Helmenstein zum Wiener KI-Zentrum: „Regeln ohne Anwendung bleiben Papier“

Interview: Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung und Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung Economica, begrüßt Wiens Pläne für ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der UNO. Im Interview spricht er über die Chancen für den Standort Österreich und erklärt, warum globale KI-Regeln auch praktisch angewendet werden müssen.
/artikel/iv-chefoekonom-christian-helmenstein-zum-wiener-ki-zentrum-regeln-ohne-anwendung-bleiben-papier
vor 22 Stunden

IV-Chefökonom Christian Helmenstein zum Wiener KI-Zentrum: „Regeln ohne Anwendung bleiben Papier“

Interview: Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung und Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung Economica, begrüßt Wiens Pläne für ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der UNO. Im Interview spricht er über die Chancen für den Standort Österreich und erklärt, warum globale KI-Regeln auch praktisch angewendet werden müssen.
/artikel/iv-chefoekonom-christian-helmenstein-zum-wiener-ki-zentrum-regeln-ohne-anwendung-bleiben-papier
KI-Zentrum Wien
Christian Helmenstein; Chefökonom der Industriellenvereinigung | © IV.

Ende Oktober schlug die Bundesregierung vor, ein internationales KI-Zentrum in Wien anzusiedeln. Es soll unter dem Dach der UNO stehen und Staaten, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen, um das Potenzial von KI auszuloten, ihre Risiken zu erforschen und gemeinsame Standards zu entwickeln.

KI als emotionales Thema

Eine Umfrage unter Österreichs KI-Experten zeigte größtenteils Zustimmung – siehe hier -, aber auch Kritik und mahnende Worte zur richtigen Vorgangsweise bei solch einem Vorhaben.

KI-Zentren, besonders Rechenzentren, stoßen global auf starke Ablehnung, benötigen sie doch enorme Mengen an Strom, Wasser und Flächen. Der Stern schrieb jüngst im Artikel mit dem Namen „Sie bauen Monster in unsere Landschaften“: „In Ohio sind es die neuen Schimpfwörter: Meta, Amazon, xAI, Google, OpenAI“. Darin wurden Rechenzentren als großes Politikum in den USA beschrieben und es wurde gezeigt, wie Anrainer:innen gegen solche Pläne ankämpfen.

In Österreich formierte sich Widerstand gegen das von Google geplante Datenzentrum in Kronstorf, wie der ORF in seiner Dokumentation „Google an der Enns: Der Streit ums Rechenzentrum“ Mitte September zeigte. Auch brutkasten fing damals Stimmen ein, die von „Standort-Fortschritt“ bis hin zu „Vasall Europa“ sprachen.

Bei dem Vorschlag hier handelt es sich explizit nicht um ein Datenzentrum, sondern um einen: „Ort, an dem Menschen aus der ganzen Welt gemeinsam daran arbeiten, das Potenzial von KI auszuloten, ihre Risiken zu verstehen und ihre Zukunft mitzugestalten“, wie Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) per Aussendung mitteilte.

Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, sieht in diesem Sinne in Künstlicher Intelligenz eine Schlüsseltechnologie unserer Zeit und erläutert, welche Rolle Österreich künftig dabei spielen könnte.


brutkasten: Herr Helmenstein, wie stehen Sie zu diesem Vorschlag der Bundesregierung ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der UNO nach Wien zu bringen?

Helmenstein: Die Initiative der Bundesregierung halte ich für einen ausgesprochen aussichtsreichen Vorstoß. Künstliche Intelligenz ist eine globale Schlüsseltechnologie, die nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern unsere gesamte Lebensrealität durchdringen wird und weder an Staats- noch an Branchengrenzen haltmacht. Ein solches Zentrum sollte dazu beitragen, die Risiken besonders leistungsfähiger KI-Modelle beherrschbar zu machen, zugleich aber helfen, ihre politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Chancen zu erschließen.

Als einer von vier Amtssitzen der Vereinten Nationen bietet Wien dafür hervorragende Voraussetzungen und kann sein Profil als Standort internationaler Organisationen weiter schärfen. Hier hat auch die Internationale Atomenergie-Organisation ihren Sitz, die in der Debatte über eine globale KI-Aufsicht wiederholt als Vorbild genannt wird. Sie verbindet seit Jahrzehnten die Kontrolle einer Hochrisikotechnologie mit der Förderung ihrer friedlichen Nutzung. Genau an diesem Doppelmandat sollte sich auch ein KI-Zentrum orientieren.

Institutionell bewegt sich die Initiative allerdings in einem Spannungsfeld zweier Taktfrequenzen: Neue KI-Modellgenerationen folgen einander im Abstand weniger Monate, internationale Vereinbarungen reifen über Jahre. Wer das eine Tempo mit dem anderen verwechselt, schreibt Regeln für die Technologie von gestern. Ein KI-Zentrum muss daher mit dem Innovationstempo Schritt halten können.

Welche Bedeutung hätte das für den Standort Wien und Österreich?

Ein solches Zentrum wäre ein erheblicher strategischer Standortgewinn. Österreich wird realistischerweise nicht zu den weltweit führenden Entwicklungsstandorten großer KI-Basismodelle (Foundation Models) wie beispielsweise LLMs zählen. Dieses Rennen entscheiden Volkswirtschaften mit anderen Kapital- und Rechenkapazitäten. Sehr wohl aber kann Österreich international eine führende Rolle dabei spielen, KI sicher und produktiv nutzbar zu machen.

Und die Rolle von Wien konkret?

Wien könnte sich als Knotenpunkt für KI-Governance, KI-Anwendungen und den damit verbundenen Technologietransfer etablieren. Der eigentliche wirtschaftliche Mehrwert entsteht allerdings nicht durch das Türschild einer weiteren internationalen Institution, sondern durch die Forschungsprojekte, Investitionen und Kooperationen, die sie auslöst. Ein Zentrum, das nur tagt, belebt den Kongresstourismus. Ein Zentrum, das prüft, forscht und Anwendungen begleitet, zieht internationale Spitzenkräfte, Forschungseinrichtungen sowie innovative Unternehmen und damit Wertschöpfung an.

Das Thema „Rechenzentren“ wird oftmals emotional und kontrovers diskutiert: Gibt es Einwände gegen das KI-Zentrum?

Gegen die Zielsetzung per se nicht, wohl aber gegen eine Umsetzung ohne klares Profil. Das Feld ist zum Teil bereits besetzt, auch innerhalb der UNO, die erst im Vorjahr ein wissenschaftliches KI-Panel und einen globalen Dialog über KI-Governance eingerichtet hat. Genf, Sitz der Internationalen Fernmeldeunion und im Juli Gastgeber der ersten Dialogrunde, ist ein ernstzunehmender Mitbewerber. Ein Wiener Zentrum braucht daher ein eindeutig abgegrenztes Mandat mit operativem Zusatznutzen.

Gerade die Einbettung in die UNO bietet dabei eine besondere Chance. Die EU hat mit dem AI Act ihr Hauptaugenmerk auf Regulierung gelegt und die Fristen für Hochrisikosysteme inzwischen verschoben, unter anderem, weil die notwendigen technischen Standards noch nicht vorlagen. Die UNO kann demgegenüber zusätzlich die Perspektive der Entwicklungs- und Schwellenländer einbringen und den Zugang zu KI sowie ihren Nutzen für die wirtschaftliche Entwicklung stärker in den Vordergrund stellen.

Was bedeutet das für den Umgang mit den KI-Großmächten?

Darin liegt auch ein Schlüssel, um die führenden KI-Nationen einzubinden, allen voran die USA und China. Sie gewinnt man durch den erkennbaren Nutzen gemeinsamer Standards, nicht durch zusätzliche Auflagen allein. Wir brauchen internationale Sicherheitsstandards, aber keine internationale Innovationsbremse.

Was müsste Wien konkret tun, um sich als Zentrum für die Entwicklung und praktische Anwendung von KI zu positionieren? Und auch um praxisnahe Anwendungen in Wirtschaft und Verwaltung einzubringen?

Vielversprechend wäre es, an vorhandene Kompetenzen in Wien anzuknüpfen. Mit der UNIDO ist bereits eine UNO-Organisation ansässig, die sich intensiv mit dem Einsatz von KI für nachhaltige industrielle Entwicklung beschäftigt. Sie betreibt gemeinsam mit Partnern in Shanghai ein KI-Exzellenzzentrum für Industrie und Produktion, das den Technologietransfer in Entwicklungsländer unterstützt, und treibt zugleich im eigenen Haus die Nutzung von KI voran.

Economica unterstützt die UNIDO bei der praktischen Implementierung von KI in ihren Arbeitsabläufen. Aus dieser Zusammenarbeit wissen wir, welch hoher Stellenwert konkreten Anwendungen über die grundsätzlichen Fragestellungen hinaus zukommt. Dabei bestätigt sich: Auch im öffentlichen Sektor hängt die Akzeptanz von KI davon ab, dass Prozessänderungen erklärt werden und sensible Daten unter eigener Kontrolle bleiben. Ein Wiener KI-Zentrum könnte daher eine besonders wertvolle Brücke schlagen: zwischen globaler Governance, technologischer Innovation und ihrer praktischen Umsetzung in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung.

Was bedeutet das schlussendlich für eine mögliche Ausrichtung des Zentrums?

Konkret hieße das, Sicherheitsstandards nicht nur zu formulieren, sondern an realen Anwendungen zu erproben und bewährte Lösungen in jene Länder zu tragen, denen dafür die Kapazitäten fehlen. Die besondere Chance Wiens liegt darin, zwei Welten zusammenzubringen, die einander bislang zu selten begegnen: die internationale Verständigung über die Spielregeln der KI und ihre konkrete Anwendung zur Steigerung von Produktivität, Wertschöpfung und Wohlstand. Regeln ohne Anwendung bleiben Papier. Anwendung ohne Regeln verspielt Vertrauen.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Interspar-Chef: „Unsere Kinder haben vielleicht gar kein Bedürfnis mehr nach Fleisch“