16.04.2018

Innovation – und dann? Skalierung als „fehlendes Stück im Puzzle“

Beim Accenture InnovationsForum 2018 im Wiener Future Camp wurde nicht mit knackigen Aussagen gespart. Die Kern-Message: Innovation im Unternehmen kann nicht einfach nebenbei erledigt werden.
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Accenture InnovationsForum 2018
(c) Georg Krewenka: Mark Turrell auf der Bühne beim Accenture InnovationsForum 2018

„Innovation sollte im Unternehmen nicht Kostenbringer, sondern Profitbringer sein“, sagt Mark Turrell, Futurist, Innovation Architect und Young Global Leader des World Economic Forums. Er trat am 11. April als Keynote-Speaker beim Accenture InnovationsForum 2018 im Wiener Future Camp auf. Seine Aussage scheint auf den ersten Blick selbstverständlich. Doch tatsächlich sieht es in vielen Unternehmen anders aus. Man würde sich häufig zu stark auf die Kreativität, die Idee und das Protoyping fokussieren, meint Turrell. Und das bringe zu wenig Skalierbarkeit.

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Die zwei größten Irrtümer der Innovation

Er rät zum radikalen Perspektiven-Wechsel. „Innovation heißt einfach, neue Dinge zu tun, die Wert bringen“, sagt er. Die Skalierung passiere dabei in kleinen Schritten. Ist es also eine so simple Weisheit, mit der Innovationsprozesse in Unternehmen zum Erfolg gebracht werden können? In der Umsetzung ist sie dann eben offenkundig nicht so simpel, weiß auch Turrell: „Die Skalierung ist das fehlende Stück im Innovation-Puzzle“, sagt er. Er spricht damit auf isolierte „Innovations“-Prozesse in Unternehmen an, die letztlich im Sand verlaufen. Das bringt auch Accenture Österreich Country Managing Director Michael Zettel auf den Punkt, wenn er sagt: „Die vermeintlichen Vorbilder Uber, Airbnb & Co sowie Design-Thinking-Workshops ohne Folgeschritte sind die zwei größten Irrtümer der Innovation“. Für die Accenture-Kunden sei die Frage, wie Innovation tatsächlich gelänge, eine der größten Herausforderungen.

„Selbstbewusste Bescheidenheit“ als Schlüssel

Folgt man Turrell, ist es unabdingbar für den Erfolg, dass die Management-Ebene bereits von Beginn an in Innovationsprozesse involviert ist. Dann ginge es darum, kleine, smarte Maßnahmen zu setzen, mit dem Ziel, mit möglichst geringem Aufwand möglichst große Ergebnisse zu erzielen. Es brauche dazu „confident humility“ – frei übersetzt „selbstbewusste Bescheidenheit“ – also die Stärke, nicht die scheinbar prestigeträchtigsten, sondern stattdessen die effizientesten Innovationsprojekte anzugehen. Auch Zettel gibt eine klare Devise aus: „Innovation muss vor allem im Kerngeschäft angewendet und innerhalb der Organisation gelebt werden“. Und wie man die Innovation ins Kerngeschäft hineinbekomme, sei letztlich auch bei den Accenture-Kunden die große Frage.

Skalieren wie „Fifty Shades of Grey“

Wie also bringt man die Innovationen zum Skalieren? „Entscheidend ist, dass man nicht zuerst das Produkt baut und es dann zu skalieren versucht, sondern das man es zum Skalieren designt“, sagt Turrell. Als Beispiel bringt er im Gespräch mit dem Brutkasten nicht etwa ein innovatives Produkt, sondern das Buch „Fifty Shades of Grey“. „Es ist ein ganz schreckliches Buch, aber alles daran – beginnend beim Cover-Foto – ist auf Skalierung ausgelegt“, sagt er. Das wichtigste sei bei diesem „Design to scale“ sei, bereits am Beginn des Prozesses klare Ziele zu definieren – mögen diese nun Kundenzahlen, Produktion oder Umsatz betreffen. „Wenn versucht wird, ein Produkt im Nachhinein zu skalieren, scheitert das oft, weil es einfach zu teuer ist, um es an den Mann zu bringen, oder weil es in der Umsetzung zu aufwändig ist“, sagt Turrell.

Mark Turrell und Michael Zettel im Video-Interview:

Die „Kundenbrille“ aufsetzen

Nach der Keynote-Speech von Mark Turrell beim Accenture InnovationsForum 2018 präsentierten drei österreichische Unternehmen, wie sie erfolgreich Innovation in ihrer Organisation umsetzen. Harald Kollmann, der in der ÖBB als Projektmanager des CEO die Innovationsagenden vorantreibt, meint, dass der erste Schritt zur Innovations-Bereitschaft schon in der Selbstwahrnehmung passiere: „Bin ich ein Eisenbahnunternehmen oder ein Mobilitäts-Dienstleister?“ Man müsse die Unternehmenskultur darauf ausrichten. Dies passierte in der ÖBB mit dem eigenen Open Innnovation Lab, das „Raum, Methodik und Ökosystem ist“, so Kollmann. „Wir setzen dort die Kundenbrille auf, um neue Lösungen zu entwickeln.“

+++ Fokus: Corporate Innovation +++

Design- statt technologiegetrieben

Danach ging es in einem Vortrag von Stefan Häbich, Managing Director Bee One GmbH über Innovationsprozesse bei der Erste Bank. Einer der Erfolgsfaktoren sei, so Häbich, die Unabhängigkeit. Bee One wurde 2012 als eigenes Unternehmen von und für die Erste gegründet – mit dem Auftrag „ein Banking wie es euch gefällt“ zu entwickeln. Das sei die Geburtsstunde von George gewesen. Warum George so erfolgreich ist, erklärt Häbich damit, dass es nicht technologiegetrieben, sondern designgetrieben entwickelt worden ist. Und aus damals 15 Mitarbeitern sind heute 200 geworden.

Skalierung als „Kultur- und Kopfthema“

Den Abschluss als Redner machte beim Accenture InnovationsForum 2018 Oliver Holle, Founder und CEO von Speedinvest. Er beleuchtete das Skalierungs-Thema aus der Venture Capital-Perspektive. Scaling sei seiner Erfahrung nach ein „Kultur- und Kopfthema“, sagt Holle. Man müsse das eigene Potenzial richtig einschätzen können. Er erkennt in vielen Unternehmen, dass die Herangehensweise an Innovation nicht stimmt. „Viele Innovationsabteilungen operieren mit kleinen Marketing-Budgets“, sagt er. Dabei hätten Corporates etwas, das Startups nur selten haben: Expertise. Diese gelte es zu nutzen.

+++ Interview mit Oliver Holle: “Entweder glaubt man dem Markt oder nicht” +++

Impressionen vom Accenture InnovationsForum 2018:

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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