Incus: Wiener Startup baut Technologie für Leben auf dem Mond – Test erfolgreich
Das Wiener 3D-Druck-Startup Incus hat sich auf Lösungen zur additiven Fertigung von Hochleistungsmetallen spezialisiert. Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) konnte nun erfolgreich ein gemeinsames Projekt für künftige Mond-Missionen abgeschlossen werden.
Insgesamt 18 Monate lang forschte das Wiener Startup Incus mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und weiteren Partnern an einem Gemeinschaftsprojekt, um den Einsatz von 3D-Druck für künftige Mond-Missionen zu testen. Das bereits 2021 gestartete Projekt zielte darauf ab, die Machbarkeit der Verarbeitung von Altmetallen auf dem Mond zu untersuchen. Unter anderem erforschte Incus, inwiefern sich recycelte Materialien, wie Weltraumschrott, für den 3D-Druck einsetzen lassen, um in weiterer Folge Ersatzteile herzustellen. In Zukunft soll die Technologie laut Incus auch „menschliche Besiedlung auf dem Mond unterstützen und verbessern“ – brutkasten berichtete über das sogenannte „LMM-Verfahren“.
Mondstaub als Herausforderung
Das Projekt wurde nun nach 18 Monaten erfolgreich abgeschlossen, wie das Startup bekannt gab. „Dieses Projekt hat bewiesen, dass die LMM-Technologie in der Lage ist, recyceltes Pulver als Ausgangsmaterial zu verwenden und einen nachhaltigen abfallfreien Arbeitsablauf zu ermöglichen“, so Gerald Mitteramskogler, CEO von Incus.
Incus CEO Gerald Mitteramskogler | (c) Incus
Die größte Herausforderung für die additive Fertigung auf dem Mond ist laut Incus die raue Mondumgebung, einschließlich der Atmosphäre, der Schwerkraft, der Temperatur, der Strahlung und der möglichen Kontamination durch Mondstaub. Das Projekt umfasste auch die Entwicklung eines umweltfreundlichen Bindemittels. Zudem sollte ein abfallfreier Arbeitsablauf ermöglicht werden.
„In Anbetracht der Herausforderung, Menschen auf den Mond zurückzubringen und eine Basis zu errichten, gewinnt das Thema deutlich an Dynamik. Projekte wie das kürzlich von Incus und Projektpartnern abgeschlossene zeigen, dass Fertigungsmethoden sehr gut geeignet sind, um ein solches Vorhaben zu unterstützen“, so Martina Meisnar, Material- und Prozessingenieurin bei der ESA.
Incus schloss Series-A-Runde ab
Kurz nach dem Projektstart im Herbst 2021 gab Incus zudem den Abschluss einer Series-A-Finanzierungsrunde bekannt. Über die genaue Investitionssumme wurde damals allerdings Stillschweigen vereinbart. An der Runde beteiligte sich unter anderem AM Ventures. Dieser zählt zu den führenden Risikokapitalgesellschaften im Bereich des industriellen 3D-Drucks – mehr darüber könnt ihr hier nachlesen.
voidsy: Wie ein Welser DeepTech-Startup den Blick unter die Oberfläche bringt
Das Welser Startup voidsy prüft mit seinem 3D V-ROX-System berührungslos, ob in Compositebauteilen für Luftfahrt, Automotive und Windkraft verborgene Defekte stecken, und macht so sichtbar, was unter der Oberfläche liegt. brutkasten hat das Unternehmen in Wels besucht und mit CEO Holger Plasser über die Technologie und weiteren Wachstumspläne gesprochen.
voidsy: Wie ein Welser DeepTech-Startup den Blick unter die Oberfläche bringt
Das Welser Startup voidsy prüft mit seinem 3D V-ROX-System berührungslos, ob in Compositebauteilen für Luftfahrt, Automotive und Windkraft verborgene Defekte stecken, und macht so sichtbar, was unter der Oberfläche liegt. brutkasten hat das Unternehmen in Wels besucht und mit CEO Holger Plasser über die Technologie und weiteren Wachstumspläne gesprochen.
Wer voidsy besuchen will, muss in Wels nicht weit gehen. Nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt, in einem unscheinbaren, ehemaligen Bahngebäude, hat das Startup seit dem Sommer 2025 sein Quartier bezogen. In der angeschlossenen Lagerhalle stapeln sich die Test-Bauteile der Kund:innen, manche mehrere Meter lang. Viele bestehen aus jenem Compositematerial, das in der Luft- und Raumfahrt längst Standard ist: Im Inneren verbirgt sich eine feine Wabenstruktur, leicht und zugleich hochfest. Genau auf die zerstörungsfreie Prüfung solcher Materialien hat sich voidsy spezialisiert.
Im Büro hängt, fast wie ein Gruß an die Geschichte des Gebäudes, eine alte Bahnuhr in Blau an der Wand. Der Blick der Besucher:innen fällt aber zuerst auf etwas anderes: die Auszeichnungen entlang der Wand. 2025 holte voidsy beim Oberösterreichischen Landespreis für Innovation in der Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen Platz 1, im März 2026 folgte der Österreichische Gründungspreis Phönix in der Kategorie „Startup“. Sichtbare Belege dafür, dass aus der Ausgründung einer Forschungsgruppe der Fachhochschule Oberösterreich in wenigen Jahren ein ernstzunehmender DeepTech-Player geworden ist.
Eine dritte Dimension für die Materialprüfung
Gegründet wurde voidsy 2022 von CEO Holger Plasser gemeinsam mit den drei Co-Gründern Gernot Mayr, Günther Mayr und Gregor Thummerer, alle zuvor wissenschaftliche Mitarbeiter an der FH Oberösterreich am Campus Wels. Mit dem 3D V-ROX hat das Team ein System entwickelt, das Bauteile berührungslos auf innere Defekte untersucht. Die Besonderheit: Während herkömmliche Thermografiesysteme ein zweidimensionales Bild liefern, extrahiert die Software von voidsy eine dritte Dimension. „Damit weiß man nicht nur, dass ein Defekt da ist, sondern auch, in welcher Tiefe er liegt“, erklärt Plasser. Eine essenzielle Information, denn viele Bauteile werden repariert und nicht ersetzt.
(c) Voidsy
Gesucht werden Subsurface-Defekte, also Unregelmäßigkeiten unter der Oberfläche. Bei Compositematerialien sind das etwa Porosität, die in der Fertigung entsteht, oder Delaminationen, bei denen sich einzelne Materiallagen voneinander lösen, ausgelöst beispielsweise durch Vogelschlag oder Hagel. „Das Tückische ist, dass die Oberfläche nach dem Aufprall zurückfedert und mit freiem Auge nichts zu erkennen ist“, so Plasser. Im Inneren kann die Festigkeit aber kritisch geschwächt sein.
Mobil bis zum 110-Meter-Rotorblatt
Weil das System mobil ist, kann voidsy auch dort prüfen, wo Bauteile nicht ins Labor passen. In Frankreich und Spanien etwa inspiziert das Unternehmen Rotorblätter von Windturbinen, bei Offshore-Anlagen mit einer Länge von bis zu 110 Metern. Fokusmarkt bleibt aber die Luft- und Raumfahrt, wo gesetzliche Vorschriften eine hundertprozentige Prüfung verlangen.
(c) Voidsy
Seit dem ersten brutkasten-Porträt hat sich einiges getan. Im Juni 2025 erklärte voidsy die CE-Konformität, seither ist das europäische Seriengerät am Markt. Rund 15 Geräte hat das Unternehmen bislang verkauft. Aktuell arbeitet das Team an der UL-Zertifizierung für den US-Markt, wofür eigens Prüfer:innen aus den USA nach Wels anreisen. Patente hält voidsy in Europa, den USA, China, Hongkong und Japan.
Wie die aws-Förderung den Weg geebnet hat
Möglich gemacht hat diesen Weg auch eine durchdachte Förderstrategie. voidsy wurde über die Austria Wirtschaftsservice (aws) gefördert: Den Start machte das Programm aws Preseed DeepTech, mit dem das Startup die Grundlagen für seine Thermografie-Technologie legte. Aktuell befindet sich voidsy im aws Seedfinancing DeepTech. „Das hat uns die Möglichkeit gegeben, das Team so aufzustellen, dass wir den Proof of Concept aus dem Preseed über den Proof of Market hinaus zu den ersten Schritten in Richtung Markt führen konnten“, sagt Plasser.
Das aktuelle Projekt zielt auf die wirtschaftliche Umsetzung des 3D V-ROX-Systems für faserverstärkte Kunststoffe und andere Materialien ab. Aufbauend auf den Erfolgen des aws Preseed DeepTech soll das Seedfinancing die Skalierung und Marktdurchdringung vorantreiben und die industrielle Qualitätskontrolle effizienter und nachhaltiger gestalten. Über die finanzielle Unterstützung hinaus half die aws dem Startup schon früh bei der Ausarbeitung eines Schutzrechtskonzepts und des Geschäftsmodells.
Organisches Wachstum, offen für Gespräche
Den Großteil seines Wachstums finanziert voidsy aus dem Cashflow, organisch und profitabel. „Ich bin ein Freund des organischen Wachstums“, sagt Plasser. Für Investmentgespräche ist man dennoch offen, gerade aus dem US-Verteidigungsumfeld gebe es Interesse. Eine eigene US-Gesellschaft schließt Plasser mittelfristig nicht aus. Die Vision bleibt: einer der führenden Anbieter in der zerstörungsfreien Materialprüfung zu werden.
Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).
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