27.05.2021

Report: Diese 5 Gründe könnten den Goldpreis bis auf 4.800 Dollar steigen lassen

Der "In Gold We Trust"-Report von Incrementum für 2021 sieht die Welt in einem "monetären Klimawandel" - der unter anderem durch höhere Inflationsraten und dauerhaft negative Zinsen gekennzeichnet ist.
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Gold-Experte Ronald-Peter Stöferle
Gold-Experte Ronald-Peter Stöferle | Foto: Incrementum

Für die meisten Goldanleger ist er ein Fixpunkt im Jahr – der „In Gold We Trust“-Report des Liechtensteiner Vermögensverwalters Incrementum. Am Donnerstag präsentierten Mark Valek und Ronald-Peter Stöferle die diesjährige Ausgabe. Die beiden Gold-Experten sehen die Welt vor einem „monetären Klimawandel“ – einem vielschichtigen Paradigmenwechsel in der Fiskal- und der Geldpolitik.

Dessen Folgen: Höhere Inflationsrate, negative Realzinsen – und ein steigender Goldpreis. „Die erhöhten Teuerungsraten werden eben nicht so schnell vorübergehen. Sie sind nicht temporär, wie uns die Notenbanker im Moment alle erzählen“, sagte Stöferle bei der Studienpräsentation in Wien. Die Realzinsen – also die Zinsen bereinigt um die Teuerung – seien der „wahrscheinlich wichtigste Einflussfaktor“ für den Goldpreis – und sie würden „auf Jahre hin im negativen Terrain verbleiben“, führte Stöferle weiter aus. Dies würde zu einer Flucht in Sachwerte führen. Neben Gold könnten seiner Meinung nach auch Rohstoffe und Silber besonders profitieren.

Goldpreis zog 2020 bis Sommer an und fiel dann zurück

Im Vorjahr war der Goldpreis in US-Dollar gerechnet um 25 Prozent gestiegen, in Euro um rund 15 Prozent. „Gold hat in einem sehr volatilen und extrem turbulenten Jahr seine Qualitäten als solider und verlässlicher Verteidiger und Beweis gestellt“, sagte Stöferle. Auf den Ausbruch der Coronakrise hatte der Goldpreis zunächst negativ reagiert. In den Folgemonaten zog er jedoch deutlich an und stieg im August bis auf 2.075 US-Dollar – zumindest wenn man nicht um die Inflation bereinigt, war dies ein Allzeithoch. Auch in vielen anderen Währungen erreichte er nominale Rekordstände. „Gleichzeitig fielen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf ein Tief“, erläutert Stöferle.

Ab dem Sommer ging es für den Goldpreis dann wieder abwärts: „Seither sind die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen gestiegen und im Gleichlauf ist der Goldpreis wieder heruntergekommen“, führt der Edelmetall-Experte aus. Im bisherigen Jahresverlauf 2021 liegt das Edelmetall mit aktuell 1.900 Dollar knapp im Plus. In Euro betrachtet ergibt sich seit Jahresbeginn leicht im Minus.

Rufe nach Deckelung von Anleihenzinsen

Aufgrund der steigenden Anleihenzinsen seien schon im Vorjahr Rufe laut geworden, die US-Notenbank solle den Zinsanstieg doch begrenzen, führt Stöferle aus. Steuert die Zentralbank neben den kurzfristigen Zinsen auch mittel- oder langfristige, spricht man im Fachjargon von „Yield Curve Control“. Genau dies werde „früher oder später, implizit oder explizit“ auch kommen, ist Stöferle überzeugt. Der Grund: Die hohen Staatsschulden. Die Staaten seien mittlerweile so hoch verschuldet, dass ihre Anleihen nur mehr von den Notenbanken aufgekauft werden können, glaubt Stöferle. In den meisten Ländern seien die Schuldenstände so hoch wie nie zuvor in Friedenszeiten.

Mit einer nachhaltigen Zinswende sei daher noch weniger zu rechnen als in der Vergangenheit. „Es ist wahrscheinlicher, dass Rapid Wien die Champions League gewinnt als dass wir nachhaltig und signifikant positive Realzinsen sehen werden“, sagt der Fußballfan Stöferle. Negative Realzinsen seien allerdings das beste Umfeld für den Goldpreis.

Auch in Zukunft sind massive geldpolitische Unterstützungsmaßnahmen der Zentralbanken für die Konjunktur zu erwarten. „Der große Unterschied zur Finanzkrise 2008/09 ist, dass wir diesmal auch unvorstellbar große fiskale Stimuli sehen“, sagt Stöferle mit Bezug auf die Hilfspakete der Regierungen, die zu den Stützungsmaßnahmen der Notenbank noch dazukämen.

Unter anderem auch deswegen sehen die Autoren den „monetären Klimawandel“ gekommen. Dieser kennzeichent sich vor allem durch fünf grundlegende Punkte:

1. Budgetäre Nonchalance

Konservative Haltungen in der Budgetpolitik seien mittlerweile längst über Bord geworfen worden, sagte Mark Valek bei der Studienpräsentation. Hätte in der Eurozone nach der Griechenland-Krise noch das Credo der „schwäbischen Hausfrau“ geherrscht, würden sich die Regierungen nun zunehmend in der Rolle als „Big Spender“ gefallen, heißt es in dem Report. Beschränkungen wie die US-Schuldenobergrenze, nationale Schuldenbremsen und die europäischen Maastricht-Kriterien seien ausgesetzt, großzügig interpretiert oder schlichtweg ignoriert worden.

2. Verschmelzung von Geld- und Fiskalpolitik

Direkt damit verbunden: Die zunehmende Verschmelzung der Geldpolitik der Notenbanken mit der Fiskalpolitik der Regierungen. „In einem ungedeckten Geldsystem sollten die beiden Bereich strikt getrennt sein“, erläuterte Valek. Sinnbildlich für die Verschmelzung stünde die Ernennung der früheren US-Notenbank-Chefin Janet Yellen zur Finanzministerin in der Regierung von Joe Biden. In Italien wiederum ist der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, Ministerpräsident geworden.

3. Neue Aufgaben der Geldpolitik

Ein weiterer Aspekt des „monetären Klimawandels“, wie ihn Stöferle und Valek sehen: Zentralbanken nehmen zunehmend Aufgaben außerhalb ihrer Kernkompetenz Preisstabilität wahr – oder diskutieren dies zumindest. „Immer öfter gewinnt man den Eindruck, dass sich Notenbanker häufiger zu Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel oder Diversität zu Wort melden, als zu geldpolitischen Angelegenheiten“, heißt es dazu im Report. Außerdem werde vielorts neu definiert, was man überhaupt unter Preisstabilität verstehe. Die US-Notenbank hat die Definition ihres Inflationsziel bereits neu festgelegt – und zwar so, dass dieses als Durchschnittswerte zu verstehen ist und nicht als Obergrenze. Die EZB wird wohl folgen, vermuten die Autoren des Reports.

4. Digitale Zentralbankwährungen und dezentrale Kryptowährungen

Sowohl digitale Zentralbankwährungen als auch dezentrale Kryptowährungen seien ein weiterer Ausdruck des geldpolitischen Wandels, führte Valek weiter aus. Die von den Zentralbanken geplanten Digitalwährungen seien „ein Wolf im Schafspelz“, heißt es in dem Report. Sie würden die Umsetzung noch tieferer Negativzinsen oder auch die Zurückdrängung von Bargeld ermöglichen. Dies wäre „ein Meilenstein am Weg zum gläsernen Bürger“, schreiben die Autoren. Dezentrale Kryptowährungen dagegen seien nicht inflationierbar und es sei zu erwarten, dass sie in Zeiten des „monetären Klimawandels“ weiterhin florieren.

5. Neue Eiszeit zwischen Ost und West

Die Divergenz zwischen den USA und ihren Verbündeten einerseits sowie China und Russland auf der anderen Seite bestand zwar auch schon vor der Pandemie, heißt es im Report. Allerdings habe sie sich zuletzt weiter beschleunigt. Dies wirke sich auch auf die internationale Währungspolitik aus. „Das Streben nach neuen Handels- und Reservewährungen nimmt weiter zu“, schreiben die Autoren. Der Dollar verliere zunehmend an Relevanz.

„Pendel schlägt auf inflationären Druck um“

Diese fünf Aspekte haben nach Einschätzung der Autoren eines gemeinsam: „Alle haben aus unserer Sicht mehr inflationäre Auswirkungen als disinflationäre“, sagte Valek. Daher sei es wahrscheinlich, dass diese Punkte zu einer deutlich höheren Teuerung führen werden als sie in den vergangenen Jahren üblich war.

Darauf deute auch der Anstieg der US-Verbraucherpreise seit Jahresbeginn hin: „Wir kommen gerade erst aus dieser harten Rezession und an deren Ende sehen wir schon sehr erhöhte Inflationsraten, obwohl wir erst am Anfang der Öffnungsphase der Wirtschaft stehen“, sagte Valek. Das Inflationspendel habe im Vorjahr endgültig umgeschlagen und die inflationären Kräfte seien nun stärker als die deflationären.

Kursziel 4.800 Dollar bis 2030

Was bedeutet dies nun alles für den Goldpreis? In einem konservativen Basisszenario – ohne außergewöhnlich hohe Inflationsraten – erwarten die Autoren bis Ende des Jahrzehnts einen Preis von 4.800 Dollar. Sollte die Inflation jedoch stärker steigen, dann steige auch die Wahrscheinlichkeit, dass das für ein inflationäres Jahrzehnt berechnete Kursziel für 2030 erreichte werde – dieses liegt bei 8.900 Dollar. „Sollte die Teuerung in den kommenden Jahren signifikant steigen, sind aus unserer Sicht am Ende der Dekade auch fünfstellige Goldpreise denkbar“, heißt es im Report.

Wie wird sich der Goldpreis aber in diesem Jahr entwickeln? Dazu haben die Autoren implizite Wahrscheinlichkeiten vom Optionsmarkt herangezogen. Ihren Berechnungen zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit eines Goldpreises von 2.100 Dollar oder höher für Dezember 2021 bei 45 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Edelmetall bis auf 1.650 Dollar oder tiefer zurückfallen wird, beträgt dagegen demnach weniger als 5 Prozent.

Wie aber nun investieren?

Und wie soll man nun investieren? Dass die Autoren Gold empfehlen, liegt auf der Hand – aber sonst? „Sachgüter, insbesondere Aktien auf den richtigen Sektoren, Rohstoffe und Edelmetalle“ sollten eine „solide Basis“ eines Portfolios bilden, heißt es im Report. Bei Aktien sehen die Autoren vor allem gute Aussichten für Titel von Minen-Unternehmen. Für Anleihen wiederum wäre das erwartete Szenario dagegen sehr schlecht.

Und Kryptowährungen? Diese werden physisches Gold als Wertanlage nicht ablösen, erwarten Stöferle und Valek. Aber als Beimischung zu einem Gold-Portfolio sei Bitcoin sinnvoll. Das erwartete Inflations-Szenario sei „kompatibel mit weiter stark steigenden Preisen für Bitcoin“, heißt es im Report.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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