26.07.2023

ImageBiopsy Lab: Wiener Startup erhält EU-Zulassung für Wirbelsäulen-KI

Das Wiener Startup ImageBiopsy Lab nutzt künstliche Intelligenz (KI) für Diagnosen in der Medizin. Ein Software-Tool zur Erkennung von Wirbelsäulenerkrankungen erhielt nun eine Zertifizierung nach der EU-Medizinprodukteverordnung - und kann damit am europäischen Markt starten.
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Die ImageBiopsy-Lab-Gründer v.l.: Christoph Götz, Philip Meier, Richard Ljuhar.
Die ImageBiopsy-Lab-Gründer v.l.: Christoph Götz, Philip Meier, Richard Ljuhar | Foto: ImageBiopsy Lab

Das Wiener KI-Startup ImageBiopsy Lab hat ein Faible für Tiere – zumindest, was die Namensgebung für die Analysemodule ihrer Software-Tools angeht. Jenes für Hüftanomalien heißt beispielsweise „Hippo„, das Modul zur Beurteilung des Knochenalterse nennt sich „Panda“ und jenes zur Erkennung von stillen Wirbelbrüchen „Flamingo“.

Nun gab das Unternehmen den europäischen Marktstart eines Tools für Wirbelsäulenerkrankungen bekannt. Der folgerichtig ebenfalls wieder tierische Name: Squirrel. Möglich wird der Marktstart, weil ImageBiopsy Lab eine sogenannte CE-Zertifizierung nach der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) erhalten hat.

„Die MDR-Zertifizierung dient als bedeutende Validierung der Qualität unseres Squirrel-Moduls. Wir sind stolz darauf, diesen Meilenstein erreicht zu haben und freuen uns, IB Lab Squirrel dem europäischen Markt zur Verfügung stellen zu dürfen“, kommentiert IB-Lab-CEO Richard Ljuhar.

„Squirrel“ hilft bei Diagnose der Rückgratverkrümmung Skoliose

„Squirrel“ bietet laut ImageBiopsy Lab ein umfassendes Set an automatisierten Messung für die Beurteilung und die Quantifizierung der Skoliose, einer Form von Rückgratverkrümmung. Diese zu bestimmen, ist gar nicht so einfach. Üblicherweise wird dazu der sogenannte Cobb-Winkel gemessen.

Das Problem dabei: Diese Messungen unterliegen starken tageszeitlichen Schwankungen, wie das Startup unter Verweis auf klinische Studien argumentiert. Mit „IB Lab Squirrel“ sollen diese Messungen standardisiert und automatisiert werden. So soll Skoliose zuverlässiger diagnostiziert werden können.

Die dem Tool zugrunde liegende KI hat das Wiener Unternehmen an einem Datensatz mit über 17.000 Röntgenbildern trainiert. Die Messergebnisse von „Squirrel“ entsprechen laut ImageBiopsy Lab klinischen Standards. Sie werden in unterschiedlichen Output-Formaten zur Verfügung gestellt und können so laut dem Unternehmen von medizinischen Fachpersonal einfach überprüft werden.

US-Studie bestätigte „Hippo“-Modul von ImageBiopsy Lab

ImageBiopsy Lab wurde 2016 von Richard Ljuhar gemeinsam mit Christoph Götz und Philip Meier gegründet. Das Unternehmen entsand als unabhängiges Projektteam der Wiener High-Tech Schmiede Braincon Technologies. Zu den Investoren von ImageBiopsy Lab zählen unter anderm APEX Ventures und der aws Gründerfonds, die bereits 2018 einen insgesamt siebenstelligen Betrag in das Startup investiert hatten.

Ende 2022 attestierte eine Studie der University of Texas Southwestern dem IB-Labs-Modul „Hippo“ eine Zeitersparnis von bis zu 90 Prozent im Vergleich zu menschlichen Diagnosen (brutkasten berichtete). Dieses Modul wird zur Diagnose von Hüftdysplasien eingesetzt – einer Entwicklungsstörung, bei der die Knochen des Hüftgelenks nicht richtig ausgerichtet sind.

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v. l. n. r. Stefan Kampusch (AURIMOD GmbH), Leonardo Peikoff (KPMG), Daniela Haunstein, Nikolaus Futter (beide invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Christian Tauber (NEOALP), André Felker (backbone.one), Lea Krebs (fibionic GmbH), Michael Reip (openmaind) und Benjamin Behr (KPMG) | Foto beigestellt von KPMG

Der Austrian Tech Innovator wird von KPMG veranstaltet und soll österreichischen Startups und Scaleups eine Bühne vor Publikum aus Wirtschaft und Investor:innen bieten. Heuer ging der Sieg an die Aurimod GmbH. Das Unternehmen entwickelt ein tragbares Gerät zur Vagusnerv-Stimulation am Ohr, mit dem Schmerzen ohne Medikamente behandelt werden sollen.

„Unser Ziel ist, Betroffenen eine wirksame Ergänzung zu herkömmlichen Schmerzbehandlungen anzubieten. Mittels Vagusnerv-Stimulation am Ohr können Schmerzen wie beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Migräne oder akute postoperative Schmerzen nachhaltig behandelt werden“, erklärt Stefan Kampusch, CEO von Aurimod.

Seit Herbst letzten Jahres tritt das Unternehmen unter einer Doppelspitze auf: Manuel Leal Garcia, seit Mitte 2024 Head of Business Development, wurde zum Chief Commercial Officer und Co-Geschäftsführer neben Kampusch bestellt. Er verantwortet Vertrieb, Marketing und das internationale Geschäft, mit Fokus auf Deutschland, die Schweiz, Großbritannien sowie weitere europäische und nordamerikanische Märkte.

Ticket für den Global Tech Innovator

Mit dem Sieg hat sich Aurimod auch die Teilnahme am Global Tech Innovator gesichert. Dort tritt das Unternehmen gegen die Gewinner:innen der anderen teilnehmenden Länder an. Das internationale Finale findet zum sechsten Mal im Rahmen des Web Summit in Lissabon statt.

„Sichtbarkeit, ein starkes Netzwerk, professionelle Begleitung und ein klarer Blick auf den Markt können den entscheidenden Unterschied machen, um als Startup auch globale Reichweite zu erlangen“, sagt Benjamin Behr, Director im Bereich Advisory bei KPMG und Host des Abends.

Neoalp, fibionic und openmaind unter den Finalisten

Neben Aurimod standen vier weitere Unternehmen im Finale. Drei davon sind brutkasten-Leser:innen bereits bekannt:

Das Wiener Startup Neoalp entwickelt eine vendor-neutrale Operations-Plattform für industrielle humanoide Robotik. Anfang des Jahres berichtete brutkasten, wie das Startup Semperit bei der Einführung humanoider Roboter in der Fertigung unterstützt, gemeinsam mit Projektpartner Cancom.

Das Tiroler Startup fibionic aus Götzens setzt mit seinem patentierten Verfahren „fibionic fiber placement“ auf bionisch inspirierten Leichtbau: Fasern werden gezielt entlang realer Lastpfade ausgerichtet, das Vorbild sind Strukturen wie die Flügel einer Libelle. Im März holte sich das 2021 gegründete DeepTech-Startup drei Millionen Euro, angeführt von Redstone und Euregio+.

Das Grazer Startup openmaind arbeitet an einer KI-basierten Intelligence-Layer für industrielle Robotikprozesse. Die Software vernetzt autonome Transportroboter unterschiedlicher Hersteller in Produktionshallen und lässt sich per natürlicher Sprache steuern. Im Herbst 2025 stieg KaPa Ventures mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ein. Die Mitgründer Michael Reip und Christoph Zehentner hatten 2021 bereits ihr Unternehmen Incubed IT an Verizon verkauft.

Vierter Finalist war die backbone.one GmbH, die eine digitale Infrastruktur für erneuerbare Energie entwickelt und das Konzept „Energy-as-a-Currency“ verfolgt.

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