28.01.2026
ZWISCHEN KARIBIK UND EUROPA

Illegales Onlinegeschäft mit der Abnehmspritze: eine Spurensuche

Online-Medizin boomt. Diese brutkasten-Recherche beleuchtet einen Anbieter aus der Karibik, der in Österreich aktiv ist, und stellt ihm andere Modelle gegenüber.
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Das Online-Medizin-Angebot nimmt zu, nicht jedes ist auch seriös. (c) brutkasten / Canva

Der Alltag ist voll, der Druck hoch, die Geduld gering. Wer wenig Zeit hat, sucht nach Abkürzungen und findet sie scheinbar überall. Abnehmspritzen mit GLP-1-Wirkstoffen, Mittel gegen Erektionsprobleme, Medikamente gegen Haarausfall oder Präparate für Herz und Kreislauf werden heute nicht mehr nur in Arztpraxen verschrieben, sondern zwischen Instagram-Stories und Suchanzeigen beworben. Ein paar Klicks sollen reichen, um Probleme zu lösen, für die früher langwierige Arztwege nötig waren.

Gerade in Österreich stößt dieses Geschäftsmodell jedoch an Grenzen. Telemedizin ist erlaubt, aber streng reguliert. Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen nicht einfach online verkauft werden, die ärztliche Verantwortung ist klar definiert. 

ein Screenshot einer online Werbung
Werbungen wie diese, werden durch Dokteronline in den sozialen Medien geschaltet.

Von der Karibik nach Österreich

Wer online nach Abnehmspritzen oder Potenzmitteln sucht, stößt schnell auf das Angebot von Dokteronline und dessen Werbung in sozialen Medien. Schon auf der Startseite wird Hilfe bei Übergewicht und anderen Problemen versprochen. Das Informationsangebot ist umfangreich, das Präparat lässt sich selbst auswählen, vom Starterset bis zum Sparpaket.

Wir wählen ein Produkt und füllen den Fragebogen aus. Alles verstanden, gesund, bereit für die Veränderung. Wenige Stunden nach der Zahlung stellt eine rumänische Notfallmedizinerin ein Rezept aus. Der Vorgang ist auf der Plattform nachvollziehbar, kurz darauf folgt der Versandlink.

Fünf Tage später liegt das Paket vor der Tür. In einer silbernen Kunststofftasche, zwischen inzwischen warmen Kühlpads, befindet sich eine Abnehmspritze samt Nadeln und Anleitung. Es stellt sich heraus: Das Präparat ist echt, die Apotheke existiert.

Ein persönliches Gespräch mit der Ärztin findet nicht statt. Ein Identitätsnachweis wird nicht verlangt, weiterer Kontakt bleibt aus, abgesehen von der Möglichkeit, sich selbst zu melden. Die Dosierung ergibt sich aus einer Tabelle auf der Website und entspricht der Herstellerempfehlung.

Nach wenigen Tagen folgt bereits eine Erinnerung zur Nachbestellung, inklusive Rabatt. Dazwischen treffen Empfehlungen und weitere Werbung ein.

Screenshot eines Webshops mit Abnehmspritzen
Auswahl an Abnehmpräparaten im Dokteronline Webshop.

Wer ist dieser ominöse Online-Doktor?

Das Impressum der Website führt auf die karibische Insel Curaçao, Teil des Königreichs der Niederlande, die als Offshore-Finanzplatz gilt und im Zusammenhang mit den Panama Papers internationale Erwähnung fand. Auf gängigen Kartendiensten lässt sich tatsächlich ein kleines Büro der „eMedvertise N.V.“ ausfindig machen. Als vertretungsberechtigte Person sowie als Mitglied des medizinischen Beirats wird Herr M. (Name der Redaktion bekannt), ein Hausarzt, angeführt.

Wer nach Herrn M. sucht, findet wenig. Ein offizielles Foto ist nur über Umwege zu finden, seine medizinische Zulassung lässt sich prüfen. Er scheint zu existieren.

Dass jemand mit angeblich internationalem Apothekennetzwerk online nahezu unsichtbar bleibt, wirkt dennoch irritierend. Recherchen zeigen ihn bei Golfaufenthalten in der Dominikanischen Republik und auf Curaçao. Zwar taucht das offizielle Foto auf Websites früherer medizinischer Kongresse auf, die Einbindung dürfte jedoch erst nachträglich erfolgt sein. Naheliegend ist daher, dass die inzwischen übernommenen Domains später missbräuchlich genutzt wurden, um Seriosität vorzutäuschen.

Regelmäßige Besuche europäischer Partnerapotheken erscheinen vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich. Wir suchen daher nach seinem Team.

Die Apotheken

Laut Website von Dokteronline arbeitet das Unternehmen mit zugelassenen Apotheken in der gesamten EU sowie in Großbritannien zusammen. Die Redaktion von brutkasten hat sich auf die Suche nach diesen Partnerapotheken gemacht und mit Eigentümer:innen gesprochen. In einem Chat sichert Dokteronline uns zu, dass der Versand der Präparate durch die Apotheken nach Österreich legal sei.

Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) in Österreich teilt diese Auffassung nicht. Auf Anfrage von brutkasten erklärt die Behörde: „Ausländischen Onlineapotheken ist es nur gestattet, in Österreich zugelassene Arzneimittel zu versenden. Grundsätzlich bieten legale Onlineapotheken rezeptfreie Arzneimittel an. Der Verkauf von rezeptpflichtigen Arzneimitteln ist in Österreich für Versandapotheken nicht erlaubt. Legale Versandapotheken müssen auch Beratung anbieten.“

Zudem weist das BASG auf das Erkennungszeichen seriöser Onlineapotheken hin, ein grün-weißes Logo mit der jeweiligen EU-Landesflagge. (Nähere Informationen) 

Das grüne Sicherheitslogo steht für legale Onlineapotheken. (c)BASG

Die Argumentation, Dokteronline fungiere lediglich als Vermittler und hafte daher nicht für die rechtlichen Beschränkungen, die für Apotheken gelten, sieht das Bundesamt kritisch. Auch die von uns befragten Partnerapotheken zeigen sich irritiert, zumal sie nach eigenen Angaben im Vorfeld nie über diese rechtliche Einschätzung informiert worden seien.

In weiten Teilen der EU ist der Onlinehandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten unter strengen gesetzlichen Auflagen zulässig. Österreich nimmt hier jedoch eine Sonderstellung ein und gehört zu den wenigen Mitgliedstaaten, die den Versand sowie den Import rezeptpflichtiger Arzneimittel aus dem Ausland an Privatpersonen grundsätzlich verbieten. Eine ähnlich restriktive Regelung besteht etwa in Spanien. Jüngere Entscheidungen der EU-Rechtsprechung stellen diese nationale Sonderrolle zwar zunehmend infrage, vorerst bleibt das österreichische Verbot jedoch aufrecht.

Der größte Betreiber von Onlineapotheken innerhalb der EU, Redcare Pharmacy N.V. (“Shop Apotheke”), betont, man verstehe sich als wichtiges Zusatzangebot zu etablierten Apotheken und wolle bestehende Versorgungslücken schließen. Auf Anfrage von brutkasten erklärt Martina Egger, Director Country Management Österreich: „Wir respektieren die aktuelle Rechtslage in Österreich, halten das generelle Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten aber für nicht mehr zeitgemäß. Wir sprechen uns klar für eine kontrollierte Liberalisierung aus, mit strengen Qualitäts- und Sicherheitsauflagen, verpflichtender pharmazeutischer Beratung, E-Rezept-Integration und behördlicher Aufsicht.“

Der Betreiber einer Dokteronline-Partnerapotheke zeigt sich nach der Konfrontation durch brutkasten mit der Gesetzeslage betroffen und erzählt von einer schwierigen Zusammenarbeit. Man habe Aufträge ordnungsgemäß abgearbeitet und sei davon ausgegangen, dass das EU-Recht auch für Österreich gelte, zumal Dokteronline dies zugesichert habe. Zudem berichtet die Apotheke von fehlender Transparenz bei den notwendigen Patient:inneninformationen.

In den vergangenen Monaten seien teilnehmende Apotheken nicht mehr systematisch darüber informiert worden, welche weiteren Medikamente Patient:innen einnehmen, Angaben, die im Rahmen einer Rezeptanforderung üblicherweise verpflichtend gemacht werden müssen. Man habe mittlerweile Sorge um eine verlässliche Arzneimittelüberwachung.

Von der Karibik nach Nordbrabant

Zentraler Ansprechpartner sei durchgehend ein Büro in Breda in den Niederlanden (Provinz Nordbrabant) gewesen, das unter dem Namen “eHealth Ventures Group” firmiere und von CEO Vincent Peeters geleitet werde. Über diesen Standort seien Vereinbarungen, operative Fragen und die laufende Kommunikation abgewickelt worden. Mit Herrn M. habe man hingegen nie Kontakt gehabt, sein Name sei in keinem Dokument aufgeschienen.

Ergänzend habe es fallweise Austausch mit COO Marrit van Distel sowie administrativen E-Mail-Kontakt mit einem Serviceteam in Curaçao gegeben.

Anhand dieser Informationen lässt sich ein Netzwerk von mindestens fünf Unternehmen identifizieren, die unterschiedliche medizinische Beratungs- und Vermittlungsangebote betreiben. Auf den offiziellen Webseiten wird auch „Dokteronline“ als seit 2004 bestehendes Best Practice angeführt, mit mehr als 2,3 Millionen Konsultationen.

Vom ominösen Herrn M. fehlt dabei jede Spur. Stattdessen wird plötzlich ein anderer Name genannt: Maarten Jan Reijnders. Er soll Dokteronline, damals noch „The Online Doctor“, als Hommage an einen an MS (Multiple Sklerose) erkrankten Freund gegründet haben. Mittlerweile scheint Reijnders sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und dem Immobilienbereich zugewandt zu haben, unter anderem auch in Curaçao.

Dafür tauchen CEO Vincent Peeters und COO Marrit van Distel wiederholt auf. Peeters haben wir im Zuge der Recherche mehrfach kontaktiert, bislang jedoch ohne Antwort.

Unternehmensnetzwerk wie im text

Der Doktor und das Gesetz

Die Unternehmen rund um Dokteronline sind in den Niederlanden seit Jahren Gegenstand behördlicher und gerichtlicher Verfahren. Im Fokus standen Untersuchungen der Gesundheitsaufsicht IGJ zur Bewerbung und Vermittlung verschreibungspflichtiger Medikamente über Online-Plattformen.

Gegen das für dokteronline.com verantwortliche Unternehmen wurden Verwaltungsstrafen verhängt, die der Raad van State bestätigte. Streitpunkte waren unter anderem die Ansprache niederländischer Konsument:innen, die Außendarstellung des Angebots und die arzneimittelrechtliche Einordnung der Plattform.

Zudem kam es 2016 zu einem medienrechtlichen Verfahren. eMedvertise N.V. und eHealth Ventures versuchten per Eilantrag, die Ausstrahlung eines Beitrags der niederländischen TV-Sendung „Rambam“ zu verhindern, der auf verdeckten Recherchen beruhte und das Geschäftsmodell von Dokteronline thematisierte. Das Gericht wies den Antrag ab.

Der Bedarf bleibt

Dass die Nachfrage nach Telemedizin steigt, ist unbestritten. Auch deshalb können unseriöse Anbieter so viele Kund:innen gewinnen. Dass medizinische Onlineberatung aber auch anders organisiert werden kann, zeigt das Wiener Startup Haelsi, bekannt für seine hybriden Gesundheitszentren (brutkasten berichtete). Seit kurzem bietet Haelsi auch ein Online-Abnehmprogramm mit GLP1-Präparaten an.

Im Gespräch mit brutkasten beschreibt Co-Founder Felix Faltin das Programm als „wirklich ärztlich geführtes Programm für medizinische Gewichtsreduktion“, mit digitalen Prozessen, aber „mit klarer ärztlicher Verantwortung“. Der entscheidende Unterschied liege nicht im Kanal, sondern in der Verantwortungskette: „Das Problem hier ist nicht, dass Medizin digital oder online umgesetzt wird. Das Problem ist, dass bei unseriösen Alternativen eine ärztliche Verantwortung fehlt.“

Bei Haelsi stehe „immer zuerst die medizinische Entscheidung und nicht das Rezept oder nicht das Medikament“ an erster Stelle. Auf eine ausführliche Online-Anamnese folge ein Arztgespräch, danach eine engmaschige Betreuung samt Verlaufskontrolle und klaren Abbruchkriterien. Selbst nach Fragebogen und Termin könne ein Rezept verweigert werden. Sollte jedoch ein Präparat verschrieben werden, ist dieses selbständig über eine Apotheke zu beziehen.

Die haelsi-Gründer Christopher Pivec und Felix Faltin | (c) haelsi
Die Haelsi-Gründer Christopher Pivec und Felix Faltin | (c) haelsi


Faltin betont dabei, die Verabreichung von GLP 1-Präparaten, sei keine “Lifestyle-Abkürzung”, sondern „ein hochwirksamer medizinischer Eingriff und gehört als solcher auch gescheit begleitet“. Die Spritze allein sei „ein mögliches Werkzeug“, aber „keine Lösung“. Plattformmodelle, die auf tabuisierte, schambesetzte Themen setzen, würden hingegen oft genau diese Abkürzung versprechen. „Das sind Themen, wo die Leute sich vielleicht auch beim Arzt des Vertrauens nicht trauen, das anzusprechen“, sagt Faltin. Daraus folge aber kein Freibrief für rezeptbasierte Schnelllösungen: „Das sind alles Medikamente und die sollten nicht ohne medizinische Begleitung verkauft werden.“

Gleichzeitig schließt Haelsi eine Weiterentwicklung des Modells und Angebots nicht aus. Denkbar sei perspektivisch auch eine Zusammenarbeit mit etablierten, regulierten Zustellern oder Apothekenpartnern, sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen dies zulassen und die medizinische Verantwortung gewahrt bleibt.

Ziel sei es, den ärztlich begleiteten Weg für Patient:innen praktikabler zu machen, nicht ihn abzukürzen. Das Online-Angebot verstehe sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zur physischen Versorgung, sondern als Ergänzung zu bestehenden Arztpraxen und Gesundheitszentren, dort, wo Zeitmangel, Scham oder Alltagsrealitäten den Zugang sonst erschweren würden.

Auch preislich kann das seriöse Angebot mithalten. brutkasten Recherchen zeigen, dass Dokteronline den Patient:innen oft teurer kommt, als es etwa über Haelsi der Fall wäre. Dabei wird das Präparat in den Niederlanden mutmaßlich günstiger eingekauft.

Gegenüber brutkasten zeigt sich der Hersteller Novo Nordisk besorgt. Abnehmspritzen seien Medikamente, die „nur über offizielle Vertriebskanäle mit gültigem Rezept“ erworben werden sollten und auch die Gewährleistung der erforderlichen Kühlkette sei nur bei solchen Stellen garantiert. „Das Diabetesmedikament Ozempic, sowie die Adipositasmedikamente Saxenda und Wegovy sind verschreibungspflichtige Medikamente und sollten daher in Österreich nur in Apotheken und bei Ärzt:innen mit Hausapotheke bezogen werden“ heißt es von Herstellerseite.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel behandelt Fragen rund um Telemedizin und Online-Gesundheitsangebote und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden steht in Österreich rund um die Uhr die Gesundheitsnummer 1450 zur Verfügung. In akuten Notfällen wählen Sie bitte den Rettungsnotruf 144 oder den europaweiten Notruf 112.

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Europa-Chef von Philip Morris Marco Hannappel bei der Präsentation zum EU Economic Footprint 2026. © Philip Morris / Footprint study 2026

Die Solvay Library in Brüssel hat etwas festlich Anmutendes. Der Raum wird von indirektem Tageslicht durchflutet, dezentes künstliches Licht sorgt für eine heimelige Stimmung. Vorne stehen drei Talkshow-Sessel, der mittlere ist stark ausgeleuchtet. Auf ihm wird später der Europa-Chef von Philip Morris International, Marco Hannappel, Platz nehmen. Der weltweit führende private Tabakproduzent veranstaltet ein Event, bei dem er neben seiner EU-Wertschöpfung auch seine Transformation weg von herkömmlichen Zigaretten hin zu einer selbsternannten „rauchfreien Zukunft“ bewirbt. Wobei „rauchfrei“ hier E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel inkludiert.

Gleich vorweg: Philip Morris präsentiert in knapp 60 Minuten und auf 52 Seiten seinen EU Economic Footprint 2026, wobei die Daten von EY-Parthenon verarbeitet wurden. Die Marke, die zum Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk EY gehört, schreibt im Disclaimer: „Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Daten von uns nicht unabhängig geprüft oder verifiziert wurden. Daher übernimmt EYP keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Zuverlässigkeit oder Vollständigkeit der von PMI bereitgestellten Daten.“ Wenig überraschend fällt der Bericht sehr gut für den Tabakriesen aus. Philip Morris International liefere über 300 Milliarden Euro Gesamtbeitrag zur EU und sei für rund 0,4 Prozent des EU-BIP verantwortlich.

Alternative Produkte wie E-Zigaretten als „die bessere Wahl“

„Die Nachfrage nach den Nikotinprodukten ist da. Natürlich ist es immer am besten, gänzlich auf Tabak- und Nikotinprodukte zu verzichten. Für erwachsene Raucherinnen und Raucher, die andernfalls weiter rauchen würden, sind rauchfreie Alternativen die bessere Wahl als das Fortsetzen des Zigarettenkonsums“, erklärt Philip Morris Austria. Seine Antworten erhält brutkasten von der Presseabteilung.

Philip Morris versucht daher, eine Branche neu zu denken, und das nicht seit gestern, wie brutkasten berichtete. IQOS, Philip Morris’ eigene Marke für Tabakerhitzer, wurde vor über zehn Jahren in den Markt eingeführt. „Wenn es um innovative Produkte geht, dann ist IQOS unsere wichtigste Plattform. Wir entwickeln sie ständig weiter in Richtung höherer Leistung und geringerer Emissionen“, sagt Hannappel gegenüber brutkasten. Neu sind jedoch die Dimensionen, die Philip Morris erreicht. Im vierten Quartal dieses Jahres werden laut eigenen Angaben bereits 50 Prozent der Nettoumsätze in Europa mit alternativen Produkten erwirtschaftet.

Technologieunternehmen Philip Morris

Philip Morris möchte sich weg vom klassischen Tabakunternehmen und Zigarettenhersteller hin zu einem Technologieunternehmen entwickeln (brutkasten berichtete). So betreibt Philip Morris in Portugal ein Zentrum für generative KI, um globale Geschäftsabläufe zu unterstützen, wobei KI-Technologien eingesetzt würden, um die Entscheidungsfindung zu verbessern, Prozesse zu automatisieren und die Unternehmensleistung zu steigern. Für Philip Morris ein wichtiger Schritt, um die Transformation umsetzen zu können.

Im April dieses Jahres gab Philip Morris die Umgestaltung eines Werkes in Berlin-Neukölln bekannt. Anstatt Zigaretten zu produzieren, wird hier an Zukunftstechnologien wie KI oder Robotik gearbeitet.

Europa beschreibt Philip Morris International in seinem Bericht als globalen Hub für „Innovation, Produktion und Export“. Sein Zentrum für Innovationen betreibt Philip Morris International im schweizerischen Neuchâtel, wo Wissenschaftler und Ingenieure an den alternativen Produkten arbeiten. 2,2 Milliarden sollen hier zwischen 2021 und 2025 in die Forschung und Entwicklung investiert worden sein.

Philip Morris und Startups

Der Tabakriese setzt auch auf innovative Ideen von Startups. In dem Projekt „Be Leaf – Be The Future“ entwickeln sie Lösungen in den Bereichen der Agrartechnologie, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Ein Beispiel ist das bayerische Startup Bioplasmar, das eine biologisch abbaubare Alternative zu herkömmlichem Kunststoff herstellt.

Auch in der österreichischen Startup-Szene ist Philip Morris aktiv. Im Mai diesen Jahres erwarb das Unternehmen mit seiner Tochter Aspeya 5,7 Prozent von Waterdrop im Zuge einer Finanzierungsrunde von insgesamt über 100 Millionen Euro.

Zielgruppe: Keine neuen Raucher:innen

„Wenn du bei uns in Wien in die Boutique gehst und sagst ‚Ich hätte gern das Produkt‘, dann ist die erste Frage, die dir gestellt wird: ‚Bist du volljährig'“, erklärt Philip Morris Austria. Auch online will man entsprechende Altersüberprüfungen durchführen. In Österreich arbeitete Philip Morris daher an einem Pilotprojekt zur Altersschätzung per Gesichtserkennung. Auch hier soll KI unterstützen.

„Wenn du volljährig bist, wirst du beraten. Aber nur, wenn du die zweite Frage auch mit ‚Ja‘ beantwortest, und zwar: ‚Sind Sie Konsument von Nikotin- oder Tabakprodukten?'“, heißt es von Philip Morris Austria. Man wolle nicht die Firma sein, über die Menschen mit dem Rauchen beginnen.

Kurzum: Philip Morris präsentiert sich als Unternehmen, das verantwortungsvoll mit sensiblen Themen wie Nikotin umgeht.

Der offene Brief von Frankreich und Co.

Ein Grund dafür kann der wachsende politische Druck sein. Am 6. Oktober schrieben sieben EU-Staaten rund um Frankreich und Spanien einen offenen Brief an den EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, Olivér Várhelyi. Sie sehen Regulierungslücken in der Produkt- und Werberichtlinie der Tabakindustrie. Daher fordern sie einen Stopp, neue Produkte „mit Hilfe von aggressivem Marketing und unbegründeten Behauptungen über ein geringeres Risiko auf den europäischen Markt zu bringen, mit dem Ziel, (junge) EU-Bürger zum finanziellen Vorteil der Industrie abhängig zu machen.“ Außerdem fordern die EU-Staaten für alle Produkte ein Aromenverbot sowie ein vollständiges Verbot von Nikotinbeuteln.

Hannappel hat mittlerweile auf dem Podium Platz genommen, seine Präsentation ist vorbei und er beantwortet Fragen von Journalist:innen aus ganz Europa. Angesprochen auf ein Nikotinbeutel-Verbot in Ländern wie z. B. Frankreich antwortet er: „Meiner Ansicht nach sind Verbote nie eine gute Option, weil dann in einigen Fällen illegale Märkte entstehen und man die Möglichkeit verliert, die Konsumenten zu erreichen.“

Das Event stand zwar im Zeichen des Economic Footprint, zeigt aber auch eine Firma, die versucht, sich an eine veränderte Welt anzupassen. Die Marschrichtung hin zu alternativen Produkten will man weiter verfolgen. Hannappel meint, ein solches Event jedes Jahr machen zu wollen, um ein besseres Verständnis in Europa zu erzeugen. Jedenfalls wird Philip Morris gespannt nach Brüssel blicken. Denn die nächste richtungsweisende Entscheidung der EU-Kommission bezüglich der geplanten Überarbeitung des Rechtsrahmens soll noch bis Ende 2026 fallen.


Transparenzhinweis: Die Reise- und Aufenthaltskosten wurden von Philip Morris Austria übernommen. Auswahl und Bewertung der Themen erfolgten unabhängig davon.

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