28.09.2020

Identity2020, digitales Tracing und Vertrauen: Speed Kills

Das Projekt Identity200 soll Menschen eine sichere digitale Identität geben. Doch das Misstrauen der Menschen ist groß.
/artikel/identity2020
ID2020 Digitales Tracing
(c) Adobe Stock / Alexander / beigestellt

Der Spruch „speed kills“ hat was. Er wird benutzt, wenn sich die Geschwindigkeit eines Prozesses negativ auf selbigen auswirkt. Vielleicht ist es einfach nur ein neuhochdeutsches Synonym für das verstaubte „gut Ding braucht Weile“.

In unserer hochtechnisierten Welt wird uns jedenfalls einiges abverlangt, vor allem eine hohe Adaptionsgeschwindigkeit. Und manchmal ist es einfach schwer mitzuhalten, auch wenn man eigentlich offen dafür ist. Schauen wir uns ein solch spannendes wie forderndes Projekt näher an.

Identity2020 soll digitale Identitäten für uns alle schaffen

Unter der Domain id2020.org können Interessierte erfahren, wie dieses revolutionäre System funktionieren soll.  Über eine Milliarde Menschen auf der Erde haben laut der Projektbeschreibung keine digitale ID bzw keine Unterlagen, die ihre Identität beweisen können.

So steht ein Flüchtling vielleicht ohne Pass an einer Grenze und kann seine Identität nicht belegen, andere können keine dringend benötigten Impfungen erhalten, da sie keine Geburtsurkunde oder Impfpässe haben und Touristen können nicht nachhause reisen, wenn ihre Reisedokumente im Ausland verloren gehen.

Zudem ist es unzufriedenstellend, dass unsere herkömmlichen digitalen Identitäten im Internet nur unzureichend geschützt, oft Ziel von Kriminalität und selten unter vollständiger und alleiniger Kontrolle von uns selbst sind. So weit, so einleuchtend.

Mit Biometrie und Blockchain Menschen in ihrer Individualität digital erfassen

Mit dem System der gemeinnützigen Organisation „Identity2020 Systems Inc“ sollen biometrische Daten (also etwa Scans unseres Gesichts und Fingerkuppen) in einer globalen Blockchain das Problem lösen. Ärmere Menschen sollen damit wichtige Nachweise und Behördenzugänge bekommen, ihr Wahlrecht ausüben können oder medizinische Versorgung sichergestellt bekommen.

Erste Versuche mit der digitalen Identität begannen mit Flüchtlingen in Thailand, seit 2019 soll es für ein Impfprojekt in Bangladesch zum Einsatz kommen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Nur mit einer biometrischen Kennung könne man bei Menschen ohne Obdach oder Eigentum einwandfrei nachweisen, wer welche Impfung schon erhalten habe und wer nicht. Doch das scheint erst der Beginn dieser Vision zu sein.

Die sogenannte „Digital Identity Alliance“ strebt laut Medienberichten die Schaffung weitreichender und umfassend einsetzbarer, digitaler Identitäten an. Damit sollen sich Menschen über Grenzen hinweg identifizieren können und gleichzeitig die Kontrolle über ihre eigenen Daten erhalten. Das Ziel sei eine personalisierte, biometrisch kontrollierte und völlig portable, digitale Identität, die ein ganzes Leben lang bestehen soll. Durch die dezentrale Speicherung der Daten in einer Blockchain und der dort üblichen Tokenisierung, soll das System besonders sicher werden. Jeder Nutzer soll dann selbst bestimmen können, welche Daten seiner fälschungssicheren „digitalen Identität“ er wem, wann und wie zugänglich machen möchte. So soll man irgendwann ohne Pass reisen können, seine Impfungen und Medikamente dokumentieren, aber auch Zahlungen, Kredite oder Begegnungen mit Hilfe der digitalen Identität absolut sicher verwalten können.

Gates, Microsoft, Rockefeller und das Misstrauen

Mit an Bord von ID2020 sind unter anderem die Impfallianz GAVI, die Rockefeller Foundation, Microsoft sowie Implementierungspartner. Große Stiftungen, Banken, das UNHCR sowie Regierungen, darunter jene der USA aber auch die Europäische Kommission, scheinen zunehmend Gefallen an diesem Projekt zu finden und es zu unterstützen.

Doch Bill Gates, Microsoft und die Rockefeller Foundation sowie die ersten Anwendungen des „Identity-Systems“ an Impf-Patienten stoßen auch auf harte Kritik und kommen zudem in unzähligen Verschwörungstheorien vor, folgt man einschlägigen Messenger-Kanälen und Web-Foren. Das besonders häufig genannte und falsche Gerücht, mit den Impfungen hätte man auch Überwachungsimplantate verabreicht oder plane dies, verbreitet sich bis heute. Von antisemitischen Ressentiments bis hin zu Warnungen, es handle sich in Wahrheit um ein globales Überwachungsprogramm, das uns unterdrücken und manipulieren soll, scheinen der Angst-Fantasie derer, die ID2020 misstrauen, kaum Grenzen gesetzt.

Selbst der Qualitätssender Ö1 beginnt in seiner Sendung „Journal Panorama“ vom 22.09. eine Analyse zur neuen digitalen Identität mit einem Ausschnitt aus dem Film „Minority Report“. Darin mimt Tom Cruise einen Polizisten in Washington D.C., der potentielle Kriminelle der Zukunft eliminiert, bevor sie ihre Verbrechen begehen können. Komplexe Analysen der Identitäten der Zielpersonen würden der Polizei Vorhersagen erlauben, wer wann ein Verbrechen geplant hätte. Und weiter hieß es im Journal: „Im Internet seien bereits so viele Daten über uns gespeichert, dass sich ein Großteil unseres Lebens analysieren und voraussagen lasse.“

Einige Kritiker stellen sich die Frage, ob es ein 100% sicheres System überhaupt geben könne und was passieren würde, wenn derart global verfügbare, umfassende Informationen aller menschlichen Identitäten doch, wider Erwarten, in falsche Hände gerieten. Auch Geheimdienste und undemokratische Staaten würden das System für ihre Zwecke missbrauchen können, so die Zweifler am Projekt.

Wir müssen die Menschen endlich mitnehmen

Das visionäre Projekt ID2020 hat großes Potential. Und es hat Probleme, vor allem in der Dritten Welt, richtig analysiert. Derart fortschrittliche Technologie zur Lösung komplexer Probleme zu nutzen und sie im Sinne der Menschen einzusetzen, ist nicht bloß eine mögliche Handlungsvariante. Denn dort wo Innovation das Leben vieler in sicherer Weise verbessern kann, soll und muss sie auch angewandt werden, so auch die Überzeugung führender Ethiker. Aber die Menschen müssen der Technologie vertrauen können und sie verstehen.

Ein Paradebeispiel, wo Technologie Teil einer großen Problemlösung sein kann, ist unsere derzeitige Pandemie. Die Stopp-Corona-App hat fast nur Vorteile und dennoch europaweit einen schweren Start. Und das liegt weder an den Betreibern, noch am jeweiligen Staat, noch an den Smartphones, mit denen man sie nutzt. Es liegt laut Umfragen an unserer tief verankerten Angst vor Überwachung. Seit Jahrzehnten pflegen wir diese Angst, in unserer Literatur und Debattenkultur, online wie offline. Manchmal kritisieren wir überzogene Datennutzung und -missbrauch völlig zurecht, aber häufig fürchten wir uns grundlos und Verhindern den Einsatz wichtiger Innovationen zu unserem Wohl.

Contact Tracing in Corona-Zeiten

Wir wissen z.B. von der Stopp-Corona App, dass sie sicher ist, dass sie anonym Daten verarbeitet mit künstlich erzeugten IDs und sogar den Sourcecode haben die Entwickler transparent gemacht. Ja selbst die kritischsten Datenschützer des Landes haben dieser App einen Persilschein gegeben und dennoch nutzen viele User dieses wertvolle Programm nicht, weil ihnen ihr Instinkt sagt, dass sie damit eine Gefahr eingehen.

Das führt zu so absurden Situationen, dass man nun seine echten Namen plus Kontaktdaten in Restaurants in etlichen Städten Europas – und nun auch in Wien – beim Besuch abgeben muss, um im Fall einer Infektion kontaktiert werden zu können. In Deutschland galt diese Verordnung übrigens fast überall schon während der ersten Welle. Absurd ist das deshalb, weil man digital das „Tracing“ völlig anonym hätte ermöglichen können. Doch weil man das anonyme, „digitale Tracing“ zu wenig annahm, benötigt man nun „analoges Tracing“ – und damit das Aufgeben unserer Anonymität.

ID2020: Smarte Technologie braucht Vertrauen

Im Fall von ID2020 ist es auch eine smarte Technologie, die große Probleme lösen könnte. Doch dafür muss erstmal das Vertrauen der Nutzer gewonnen werden, denn hier geht es vergleichsweise ums Eingemachte. Viele Beobachter beklagen das unklare Verhältnis von kommerziellen, zivilen und staatlichen Zielen bei einem so mächtigen Technologieeinsatz. Es fehlen zudem klar verständliche Antworten auf etliche Fragen, die Sicherheit schaffen und dystopischen Verschwörungstheorien Einhalt gebieten.

Und gerade große Tech-Player müssen langfristig Verlässlichkeit hinsichtlich ihrer Absichten, Rollen und Verantwortung garantieren, auch und gerade gegenüber kleineren Partnern und Kunden, wie ein jüngstes anderes Beispiel zeigt.

Seit Jahren verfolgen wir KI-Entwickler die Entwicklung von Open-AI sehr wohlwollend, die hauptsächlich von Elon Musk und Microsoft finanziert wurde. Gerade Musk zeichnete immer wieder Horrorszenarien von potentiell gefährlicher Künstlicher Intelligenz (KI) an die Wand und bewarb damit dieses Unternehmen, das ethisch auf höchstem Niveau und in Open-Source Tradition auch kleineren Entwicklern Zugang zu sicherer KI geben sollte. Erst kürzlich legte ich in meiner Kolumne die Vorzüge und enormen Fortschritte der von Open-AI entwickelten, mächtigen Sprachtechnologie GPT-3 dar. Doch am Dienstag meldete Microsoft eine für uns alle völlig unerwartete „exklusive Lizenz“ an GPT-3 (der Natural Language Software von Open-AI) an, wie u.a. der Business Insider berichtete. Da hilft es uns wenig, dass auch Musk erzürnt ist und Microsoft offen kritisiert.

Was helfen der Welt die zahlreichen glatten, mit Gitarren-Musik untermalten und von sanften Stimmen erklärten, visionären Videos, wie sehr man der Welt und den Menschen nicht dienen wolle, wenn man derart mit mächtiger Technologie und seinen Partnern, Kunden und Fans umgeht, einfach weil man es ökonomisch kann? Die Urangst vieler Menschen, mächtige Konzerne könnten es sich richten und würden am Ende ohnedies nur dem eigenen Nutzen dienen, wird damit befeuert und wichtiges Vertrauen verspielt.

Neue Technologie braucht Entwicklung auf Augenhöhe

Daher braucht es gerade bei so weitgreifender Technologie wie der ID2020, wo es um nichts weniger als unsere Identitäten geht, die klare Projekt-Führerschaft demokratischer Institutionen, absolute Verlässlichkeit in punkto Zielen und Engagement aller Beteiligten, die Transparenz der entwickelten Technologie und – vor allem – die Fähigkeit, die Funktionsweise dieser Technologien den Menschen verständlich zu erklären.

Der letzte Punkt wird am meisten unterschätzt. Digitale Innovation verändert die Welt wie nichts Vergleichbares. Sie entwickelt mitunter mehr Macht, als alles davor Gewesene. Die Menschen haben es verdient, mit auf die Reise genommen und nicht bloß als Konsumenten gesehen zu werden. Wir Technologen, ob groß oder klein, müssen sie dabei rational erreichen, aber vor allem auch im Herzen und die kommenden Jahre der Entwicklung gemeinsam und auf Augenhöhe gestalten.

Über den Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.

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Scalable-Capital-Co-CEO Erik Podzuweit beim Interview in Wien | Foto: brutkasten
Scalable-Capital-Co-CEO Erik Podzuweit beim Interview in Wien | Foto: brutkasten

Die Münchner Banking- und Investmentplattform Scalable Capital verwaltet mittlerweile über 60 Milliarden Euro an Kundenvermögen. Seit Anfang Oktober hat das Unternehmen eine offizielle Bankniederlassung in Wien, damit können österreichische Kund:innen erstmals steuereinfach investieren. Das bedeutet: Scalable führt die Kapitalertragsteuer (KESt) auf Gewinne, Dividenden und Zinsen automatisch an das Finanzamt ab, Anleger:innen müssen ihre Kapitalerträge also nicht mehr selbst in der Steuererklärung angeben. Co-Founder und Co-CEO Erik Podzuweit war zum Start in Wien. brutkasten traf ihn zum Gespräch über die Expansionspläne, den Mitbewerb und seine Vision vom „Finanzcoach in der Tasche“.


brutkasten: Scalable Capital war in Österreich schon länger aktiv, seit Anfang Oktober gibt es eine Bankniederlassung in Wien. Warum gerade jetzt?

Erik Podzuweit: Wir sind als App auf den Systemen einer anderen Bank gestartet und haben in den letzten Jahren unsere gesamte technische Infrastruktur selbst entwickelt und vertikalisiert: mit eigenem Kernbankensystem, eigenem Market Making über einen Handelsplatz, den wir gemeinsam mit der Börse Hannover betreiben, sowie eigener Konto- und Depotführung. Diese Plattform können wir jetzt nutzen, um viel schneller und flexibler in andere Länder wie Österreich zu gehen.

Man konnte schon vor Jahren als Österreicher Kunde werden, aber nicht steuereinfach. Dafür mussten wir zwei Dinge tun: eine offizielle Bankniederlassung gründen, wie wir es auch vor kurzem in Italien getan haben, und die Steuersoftware entweder einkaufen oder selbst bauen. Für Österreich haben wir sie selbst gebaut. Dank moderner KI-Anwendungen geht das heute extrem effizient im eigenen Haus. Das waren die letzten Schritte zu einem massentauglichen Produkt in Österreich. Jetzt bauen wir das lokale Team weiter aus und fahren das Marketing hoch. Ab Mitte Oktober werden wir in ganz Österreich mit Werbung deutlich präsenter sein. Und es kommen weitere Produkte: im November Festgeld und später ein Kreditangebot.

Wie wollt ihr in die breite Masse gehen? Anbieter wie Bitpanda setzen stark auf Sportsponsoring.

Wir setzen sehr stark auf Außenwerbung, parallel spielen wir die ganze Klaviatur des Online-Marketings. Sportsponsoring machen wir nur in kleinem Umfang, da gibt es viele Streuverluste. Und wir sind in einem zyklischen Markt: Bei volatilen Börsen muss man das Marketing zurückfahren können. Bei Krypto hat man das gesehen, da ist das Handelsvolumen eingebrochen, und es war schwer, aus mehrjährigen Verträgen wieder rauszukommen.

Welche Zielgruppe sprecht ihr in Österreich an?

Vor ein paar Jahren waren wir viel nischiger. Unsere klassische Kundschaft waren die sogenannten Smart Busy Professionals: Menschen, die noch nicht zwangsläufig reich sind, aber gut ausgebildet, mit gutem Einkommen, oft städtisch, die in der Wirtschaft oder als Programmierer arbeiten. Bei einer klassischen Bank fallen diese Kundinnen und Kunden oft durchs Raster: Sie passen noch nicht ins Private Banking, sind aber auch keine Retailkunden, denen man irgendeinen Fonds verkauft. Mit der Zeit werden sie immer attraktiver. Heute gehen wir eine viel breitere Masse an. Neben dem Investieren haben wir mit Tagesgeld und Festgeld auch den Bereich Sparen. 2,6 Prozent Zinsen versteht jeder. Damit gewinnt man auch Kunden, die wenig Risiko wollen oder in Rente sind, und zwar von klassischen Banken. Die Smart Busy Professionals kommen eher von anderen Online-Banken zu uns.

Wer ist euer direkter Mitbewerber?

Mit Bitpanda sehen wir wenig Überschneidung. Wir haben ein Kryptoangebot, Bitpanda hat ein Aktienangebot, aber das sind zwei getrennte Welten. Dann schon eher alle Banken. Wenn man aber auf Preis, Zins, Gebühren und das Nutzererlebnis schaut, sind die klassischen Banken keine direkte Konkurrenz für uns. Der direkteste Mitbewerber ist Trade Republic. Aber es gibt Unterschiede im Preismodell und bei den Zinsen. Unser Zins ist etwas besser. Wir liegen bei 2,6 Prozent versus 2,5 Prozent.

Warum braucht es ein lokales Team in Wien, wenn Geldanlage ein globales Geschäft ist?

Wenn ein österreichischer Kunde eine Tesla-Aktie kauft, ist das dieselbe Aktie wie für einen italienischen Kunden. Aber im Kundengeschäft braucht man lokale Präsenz. Auch BlackRock hat ein Büro in Wien und eins in Mailand, man kann Europa nicht allein aus New York steuern, und wir nicht allein aus München. Die regionalen Unterschiede liegen vor allem auf der Steuerseite. Jetzt fangen auch einzelne Staaten der EU an, gezielte steuerliche Anreize und Zuschüsse zum Investieren zu geben. In Deutschland kommt das Altersvorsorgedepot, in Österreich wird das Zukunftsdepot diskutiert. Da muss man die Entscheidungen nah verfolgen und ein lokales Produkt bauen. Sobald das Zukunftsdepot kommt, werden wir es maßgeschneidert in Österreich anbieten.

Welche Ziele habt ihr euch für Österreich gesetzt?

Der österreichische Markt ist zwar kleiner als der deutsche, aber die durchschnittlichen Depotgrößen sind hier sogar etwas höher. Ziel ist es, in den nächsten Jahren ein Kundenvolumen von zehn bis zwanzig Milliarden Euro in Österreich aufzubauen. Aktuell liegen wir bei über 60 Milliarden auf der gesamten Plattform. In vier bis sechs Jahren soll die Hälfte des Kundenstamms von außerhalb Deutschlands kommen. Dabei sind wir klar auf Europa fokussiert, eine Expansion darüber hinaus planen wir nicht.

Ihr habt Agentic Investing eingeführt. Was ist die Idee, und wer nutzt das?

Wir haben zwei Schnittstellen geöffnet – technisch nennt sich die eine CLI (Command Line Interface) und die andere MCP (Model Context Protocol). Über die erste kann ein Kunde seine eigene KI-Anwendung anschließen. Über die MCP-Schnittstelle können auch Leute ohne Programmierkenntnisse in wenigen Minuten beispielsweise ChatGPT oder Claude mit ihrem Scalable-Konto verknüpfen. Man stellt die Freiheitsgrade ein: Im Read-Only-Modus sieht und analysiert der Agent das Portfolio, erstellt Charts oder aggregiert Newsfeeds. Wer möchte, kann ihn aber auch bis zum Ausführen von Trades und Trading-Strategien freischalten. Geblockt ist aus Sicherheitsgründen jede Zahlung, es kann nie Geld abfließen. Das Feature ist vor ein paar Wochen gestartet, die ersten 20.000 Agenten sind täglich aktiv. Noch nutzt es eher die technologieaffine Kundschaft, vor allem für Portfolioanalysen, manche fahren aber bereits aktive Strategien.

Und die Zukunft?

Ich erwarte nicht, dass jeder Kunde komplexe Trading-Strategien umsetzt, das macht für die meisten auch gar keinen Sinn. Die Vision ist eine Welt, in der jeder einen persönlichen Agenten hat. Der sagt nicht nur, dein Konto bei Bank XY hat zu wenig Zinsen, sondern eröffnet direkt ein Konto und Depot bei Scalable. Man sagt: “Ich habe zehn Euro im Monat übrig und möchte mit mittlerem Risiko anlegen” und der Agent sucht die passenden ETFs heraus und setzt einen Sparplan auf. Der Anspruch ist dabei nicht die zusätzliche Rendite, sondern dass der Zugang zum Kapitalmarkt einfacher wird. 80 Prozent der Menschen haben noch nie investiert. Ein Finanzcoach in der Tasche, der auch aktiv werden kann, das ist die Zukunft der Geldanlage. Das kommt nicht von heute auf morgen, aber in den nächsten Jahren. Private Geldanlage ist im Aufwind, Anbieter wie wir senken Hürden und Gebühren, und jetzt kommt KI dazu. Das ist ein ideales Zusammenspiel.


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AI Summaries

Identity2020, digitales Tracing und Vertrauen: Speed Kills

  • Mit dem System der gemeinnützigen Organisation „Identity2020 Systems Inc“ sollen biometrische Daten in einer globalen Blockchain das Problem lösen.
  • Das Ziel sei eine personalisierte, biometrisch kontrollierte und völlig portable, digitale Identität, die ein ganzes Leben lang bestehen soll.
  • Mit an Bord von ID2020 sind unter anderem die Impfallianz GAVI, die Rockefeller Foundation, Microsoft sowie Implementierungspartner.
  • Einige Kritiker stellen sich die Frage, ob es ein 100% sicheres System überhaupt geben könne und was passieren würde, wenn derart global verfügbare, umfassende Informationen aller menschlichen Identitäten doch, wider Erwarten, in falsche Hände gerieten.
  • Viele Beobachter beklagen das unklare Verhältnis von kommerziellen, zivilen und staatlichen Zielen bei einem so mächtigen Technologieeinsatz.
  • Daher braucht es gerade bei so weitgreifender Technologie wie der ID2020, wo es um nichts weniger als unsere Identitäten geht, die klare Projekt-Führerschaft demokratischer Institutionen, absolute Verlässlichkeit in punkto Zielen und Engagement aller Beteiligten, die Transparenz der entwickelten Technologie und – vor allem – die Fähigkeit, die Funktionsweise dieser Technologien den Menschen verständlich zu erklären.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Identity2020, digitales Tracing und Vertrauen: Speed Kills

  • Mit dem System der gemeinnützigen Organisation „Identity2020 Systems Inc“ sollen biometrische Daten in einer globalen Blockchain das Problem lösen.
  • Das Ziel sei eine personalisierte, biometrisch kontrollierte und völlig portable, digitale Identität, die ein ganzes Leben lang bestehen soll.
  • Mit an Bord von ID2020 sind unter anderem die Impfallianz GAVI, die Rockefeller Foundation, Microsoft sowie Implementierungspartner.
  • Einige Kritiker stellen sich die Frage, ob es ein 100% sicheres System überhaupt geben könne und was passieren würde, wenn derart global verfügbare, umfassende Informationen aller menschlichen Identitäten doch, wider Erwarten, in falsche Hände gerieten.
  • Viele Beobachter beklagen das unklare Verhältnis von kommerziellen, zivilen und staatlichen Zielen bei einem so mächtigen Technologieeinsatz.
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  • Mit an Bord von ID2020 sind unter anderem die Impfallianz GAVI, die Rockefeller Foundation, Microsoft sowie Implementierungspartner.
  • Einige Kritiker stellen sich die Frage, ob es ein 100% sicheres System überhaupt geben könne und was passieren würde, wenn derart global verfügbare, umfassende Informationen aller menschlichen Identitäten doch, wider Erwarten, in falsche Hände gerieten.
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Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

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