Hydrogrid: Wiener Scaleup schließt Series-A-Runde in Höhe von 8,5 Mio. Dollar ab
Das Wiener Energy-Scaleup Hydrogrid rund um CEO Janice Goodenough holt für die weitere Expansion frische Eigenkapitalmittel in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Den Lead in der jüngsten Series-A-Runde haben Inven Capital und Karma Ventures inne.
Mit seiner Software zur Echtzeit-Steuerung von Wasserkraftwerken ist das 2016 gegründete Wiener Scaleup Hydrogrid derzeit in sieben Ländern vertreten – darunter Norwegen, Italien und Indien. Wasserkraftwerksbetreiber könnten mit der Technologie des Scaleups unter anderem vollautomatisiert auf Wetterereignisse reagieren oder die Preisbildung der Energie im Blick behalten. Aufgrund der Effizienzsteigerungen sollen mit der Software im Vergleich zum manuellen Betrieb von Kraftwerken Stromerzeugnisse um bis zu zehn Prozent gesteigert werden können – so zumindest das Versprechen von Hydrogrid.
Eigenkapitalmittel in Höhe von 8,5 Millionen Dollar
Für das weitere Wachstum konnte das Scaleup nun eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 8,5 Millionen Dollar abschließen. Die Finanzierungsrunde wurde von den neuen Gesellschaftern Inven Capital und Karma Ventures angeführt und von den bestehenden Investoren CNB Capital und SET Ventures unterstützt.
Inven Capital ist ein europäischer VC-Fonds mit einem Volumen von 500 Mio. Euro, der sich auf Klimaschutzinvestitionen in der Spätphase in Europa und Israel konzentriert. Untersützt wird der Fonds unter anderem von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Karma Ventures fokussiert sich auf Investitionen in europäische Deep-Tech-Unternehmen. Seit der Gründung 2016 hat der VC Investitionen in mehr als 20 Unternehmen getätigt.
Das Team von Hydrogrid | (c) Hydrogrid
Erst Anfang Februar 2022 beteiligte sich der Energy-VC SET Ventures aus den Niederlanden am Unternehmen (brutkasten berichtete). Dem vorausgegangen war bereits ein Millionen-Investment 2020 – damals unter dem Lead von Constantia New Business (brutkasten berichtete). Über die Verteilung der neuen Eigentumsverhältnisse machte Hydrogrid vorerst keine Angaben. Auch im Firmenbuch sind sie noch nicht abgebildet.
Wachstumskurs von Hydrogrid soll fortgesetzt werden
Das frische Kapital erlaubt dem Startup laut Aussendung „in neue Märkte zu expandieren“. Um welche Märkte es sich konkret handelt lässt das Startup allerdings noch offen. Erst im Sommer dieses Jahres holte sich das Sclaeup einen Großauftrag aus Skandinavien vom norwegischen Unternehmen Småkraft. (brutkasten berichtete) Zum Start wurde die Hydrogrid-Software in 16 Kleinwasserkraftwerken in Norwegen und Schweden eingesetzt. Insgesamt betreibt Småkraft über 220 Wasserkraftwerke.
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.
Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.
Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.
“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”
Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.
Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.
Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens
Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”
Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.
Von drei auf 13 Standorte
Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.
Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.
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