16.09.2019

Nach dem 57-Millionen-Euro-Exit an Xing: Jobplattform Honeypot startet in Österreich

Im April verkauften die Honeypot-Gründer ihr Startup an New Work, vormals bekannt unter dem Namen Xing. Im Rahmen der internationalen Expansion ist Wien nun die erste Station. Kein Wunder, denn mit den Schwesterunternehmen Prescreen und kununu ist man hier schon in guter Gesellschaft.
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Honeypot
Die Honeypot-Gründer Kaya Taner und Emma Tracey. (c) Honeypot

Im April dieses Jahres hat das börsennotiere Unternehmen New Work (ehemals Xing) die Developer-Plattform Honeypot übernommen. Der Kaufpreis: 57 Millionen Euro – davon 22 Millionen Euro Basiskaufpreis, plus zusätzliche Earn-Out-Zahlungen in Höhe von 35 Millionen Euro über die nächsten drei Jahre, wenn ambitionierte Ziele erreicht werden.

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Der Kauf ist nicht nur für die Honeypot-Gründer Emma Tracey und Kaya Taner ein großer Deal, sondern zugleich auch die bisher größte Übernahme in der Firmengeschichte von New Work. Die Gründer Emma Tracey und Kaya Taner bleiben beide weiterhin im operativen Geschäft tätig. Honeypot bleibt eigenständig, mit eigener Marke, eigenem Management und eigenem Team. Und nun wird auch die internationale Expansion vorangetrieben – wobei Österreich eine zentrale Rolle spielt.

Österreich als erste Station der internationalen Expansion

Ab heute, 16. September, ist Österreich für Honeypot der erste neue Auslandsmarkt nach den bereits bestehenden Ländern Deutschland und Holland. Insgesamt will Honeypot in den kommenden drei Jahren zehn neue Märkte erobern – darunter Frankreich, Spanien, Portugal und die skandinavischen Länder. Das Büro in Wien wird zu Beginn rund zehn Mitarbeiter haben. Unter anderem sind  TourRadar, Mysugr und Wikifolio bereits als B2B-Kunden mit an Bord.

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Doch warum zuerst Österreich? „Weil Wien die zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum ist und schon jetzt 25 Prozent unserer Kandidaten deutschsprachig sind“, sagt Taner im Gespräch mit dem brutkasten: So könne man Synergieeffekte nutzen. Außerdem, nebenbei bemerkt: Mit Prescreen und kununu haben zwei weitere Unternehmen ihre Wurzeln in Wien, die später von Xing übernommen wurden. Man ist hier also in guter Gesellschaft.

Etwa 100.000 Entwickler leben und arbeiten in Österreich, davon rund 83.200 in Wien. Und trotzdem gibt ein Drittel der Unternehmen in Österreich an, Probleme dabei zu haben, IT-Developer zu finden, erläutert Taner die hiesige Marktsituation: Er ortet in Österreich derzeit 10.000 unbesetzte IT-Stellen, davon 8000 in Wien.

Honeypot dreht den Bewerbungsprozess um

Genau diesem Problem widmet sich Honeypot, welches als IT-Plattform für Developer agiert und dabei eine andere Vorgehensweise verfolgt als die großen Anbieter der HR-Branche: Denn hier bewerben sich nicht die Developer bei den Unternehmen, sondern umgekehrt. Dabei legen die Developer ein Profil an, welches nach einem Screening-Prozess anschließend online gestellt wird. Die Unternehmen können die Entwickler anschließend direkt kontaktieren. Die Profile sind dabei nur für drei Wochen sichtbar, so dass keine veralteten Profile online stehen. „Die Unternehmen sehen dadurch nur Developer, die wirklich eine Nachricht erwarten“, sagt Taner: „Dadurch habe wir eine Antwortquote von rund 95 Prozent.“

Ein weiterer Bonus von Honeypot gegenüber anderen Anbietern ist, dass sie sehr stark in der Communnity verwurzelt sind. Dazu gehört etwa, dass sie eigene Events veranstalten und sogar selbst Dokumentarfilme produzieren, welche die spezifischen Interessen der Community widerspiegeln – wie etwa die untenstehende Doku über GraphQL. „Wir wissen, was Entwickler wollen“, sagt Taner. Das unterscheide Honeypot auch von der Konkurrenz, betont er: Sein Unternehmen erreiche die Community besser.

Auch in Wien, so Taner, soll die Community unter anderem durch Events und die Präsentation von Dokumentarfilmen über diverse Open Source-Projekte ausgebaut werden. Schon vor dem Österreich-Start gab es dem Unternehmen zufolge hunderte Anmeldungen durch Developer auf der Plattform.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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