24.07.2020

Biohacking und Genmanipulation: Auf der Suche nach dem „Homo Deus“

Implantate, ausgefallene Trainingsmethoden und Genmanipulation ermöglichen dem Menschen, seinen wertvollsten Besitz umzuprogrammieren: Den eigenen Körper. Doch wie weit darf Biohacking gehen?
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Phantom Athletics: Biohacking aus Österreich
Biohacking aus Österreich: Phantom Athletics erschwert absichtlich das Atmen. (c) Phantom Athletics

Behutsam setzt Patrick Kramer die Spritze zwischen Daumen und Zeigefinger an, injiziert einen NFC-Chip unter die Haut seines Gegenübers, tupft ein wenig das Blut ab – und schon ist die Welt um einen weiteren „Cyborg“ reicher. Also um einen Menschen, der sein biologisches Ich mit Technologie verschmilzt. Laut Kramers Visitenkarte ist er „Chief Cyborg Officer“ des Unternehmens Digiwell. Als solcher hat er es sich zur Mission gemacht, Menschen in verschiedenen Aspekten des Biohackings zu unterstützen.

Wozu das gut sein soll? Der implantierte NFC-Chip kann frei programmiert werden, sodass man darauf zum Beispiel seine Kontaktdaten speichern oder damit smarte Türschlösser öffnen kann. „Es gibt ganze Familien, die zu mir kommen, weil sie zuhause ein Smart Home haben und keine Hausschlüssel mehr verwenden wollen. Oder Rechtsanwälte und Ärzte, die für ihre Kanzleien und Arztpraxen einen sicheren Zugang mit digitalen Schlüsseln wollen“, sagt Kramer: „Andere Menschen wollen Digitalisierung auf einem neuen Level erfahren und wissen, wie es ist, eine digitale Schnittstelle im eigenen Körper zu haben.“

Der Markt dafür ist größer, als man glauben mag: Laut Kramer besitzen weltweit 350- bis 400.000 Menschen solche Implantate, er selbst hat bisher rund 2500 Implantate gesetzt. Und NFC-Chips sind dabei nicht das Ende der Fahnenstange: Im Repertoire von Digiwell finden sich über 20 verschiedene Implantate, die verschiedene Funktionen ermöglichen – von solchen, die unter der Haut leuchten, über Implantate zur Messung der Körpertemperatur bis zu Magnet-Implantaten, die beim händischen Ertasten einer Stromleitung oder der Aktivierung eines Induktionsherds helfen. Klingt nach Cyberpunk? Für Kramer, der selbst mehrere Implantate hat, ist das schlichtweg Alltag.

Biohacking: Der Körper als Marktplatz für Startups

Dabei wäre es zu kurz gegriffen, den Aspekt der Biohackings bloß auf das Implantieren von Chips zu reduzieren, wie Kramer erläutert. Denn während es bei den Chips darum geht, über Technologie unter der Haut Schnittstellen zwischen dem eigenen Körper und der digitalen Welt zu schaffen, gibt es noch drei weitere Bereiche: Das Manipulieren des Körpers mit Fitness-, Ernährungs- und Lifestyle-Ansätzen,  das Drucken organischer Materie via 3D-Bioprinting und das Verändern der eigenen DNA.

Und hier ergeben sich wiederum neue Geschäftschancen für Startups, wie Kramer betont. „Es gibt wahnsinnig viele Startups in diesem Bereich – seien es welche mit Fokus auf Nahrungsergänzungsmittel, auf Fitnessgeräte, auf spezielle – legale! – Pilze, und so weiter“, sagt er: „Wir haben in dieser Hinsicht längst nicht den Gipfel erreicht. Es gibt Prognosen, laut denen die Branche jedes Jahr bis zu 20 Prozent wachsen wird. Es ist also ein spannendes Feld mit vielen Facetten, bei dem verschiedene Disziplinen zusammenkommen.“

Als Beispiele nennt Kramer Unternehmen wie Brain Effect, Bulletproof oder Flowgrade, welche Nahrungsergänzungsmittel produzieren. Oder das Startup „The Odin“, welches Kits zur Manipulation der eigenen genetischen Codes mit Hilfe der CRISPR-Technologie vertreibt. Das Verfahren ermöglicht eine vergleichsweise günstige und einfache Editierung von Genmaterial. „Der Markt ist aber so riesig und wächst so stark, dass es genug Platz für alle gibt“, sagt Kramer.

Masken-Menschen – nicht nur in Zeiten von Corona

Neben den erwähnten Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Österreich ein weiteres Startup, welches auf das „softe“ Biohacking – also ohne Implantate und ohne Eingriffe in die Gene – setzt: Das Salzburger Unternehmen Phantom Athletics. Dieses bietet eine über Mund und Nase verlaufende Maske auf, die einem beim Sport das Atmen – durch einen Regler kontrolliert – erschwert. Dadurch soll die Atemmuskulatur gestärkt werden. „Eine gestärkte Atemmuskulatur hilft dir, eine bessere Leistung beim Sport zu erbringen,“ heißt es dazu auf der Wesbite des Unternehmens.

Klingt nach Spinnerei? Unter Sportlern scheint diese Herangehensweise gar nicht so abwegig zu sein: Das Startup konnte Spitzensportler wie Eintracht Frankfurt-Spieler Stefan Ilsanker, Karate-Weltmeisterin Alisa Buchinger oder Kickboxing World Champion Andy Souwer als Testimonials gewinnen. 2018 holte man sich den Sport-Innovationspreis ISPO Award in der Kategorie Technologie und Innovation. Und Im Mai 2020 pitchten die Founder in der Puls4-Gründershow „2 Minuten 2 Millionen“ – was wiederum eine entsprechende Awareness in der österreichischen Bevölkerung für das Thema schafft.

Vor laufender Kamera sammelte Phantom Athletics 380.000 Euro von vier Investoren ein. Allerdings wurde der Abschluss der Verhandlungen anschließend vorerst auf Eis gelegt, wie Gründer Dominique Wenger dem brutkasten erzählt. Der Grund ist – wie so oft in den vergangenen Wochen – das Coronavirus. „Die Investoren sind in vielen Unternehmen dabei und müssen sich vorrangig darum kümmern,“ sagt Wenger. Er ist jedoch optimistisch, dass die Gespräche wieder ins Laufen kommen, da sich die Situation hierzulande wieder etwas beruhigt hat. 

(c) Phantom Athletics

Zugleich ist Corona ein Faktor, der Phantom Athletics zu einer Adaption des eigenen Produkts verholfen hat. Denn das Startup produziert nun zusätzlich zum Hauptprodukt Masken mit eingebautem Filter, damit sich Sportler besser im Freien sicher bewegen können. „Wir haben unsere Maske mit Hilfe der deutschen Firma GKD, einem Spezialisten für Metallfiltergwebe, adaptiert. Zusätzlich bietet sie auch Schutz vor Pollen“, sagt Wenger. Als Medizinprodukt ist die Maske damit zwar nicht zugelassen, aber das fünflagige Filtermaterial des Herstellers GKD ermögliche die Filterung von durchschnittlich 88,9 Prozent aller Partikel bis zu einer Größe von 2μm. Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt: Früher wurde man für das Tragen einer Maske in der Öffentlichkeit mit skeptischen Blicken bedacht – im Jahr 2020 gehört es hingegen zum guten Ton.

Die Trainingsmaske ohne Filter kostet 100 Euro, mit Filter erhöht sich der Verkaufspreis auf 125 Euro. Das Unternehmen arbeitet inzwischen an weiteren Produkten, um die Effizienz von Trainings zu erhöhen – darunter eine „Trainingsweste“ mit Gewichten, die das Workout erschweren soll.

Das Für und Wider der Genmanipulation

Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien

Der radikalste Eingriff in den eigenen Körper ist aber wohl nicht das Trainieren mit Maske oder das Implantieren von Chips, sondern der Eingriff in die eigenen Gene. Für weltweites Aufsehen sorgte dabei der chinesische Forscher He Jiankui. Er hatte 2018 angegeben, ein Gen verändert zu haben, um zwei Kinder vor einer HIV-Infektion zu schützen. Ein Neurobiologe von der University of California vermutet jedoch, dass der chinesische Forscher mit diesem Eingriff auch das Gehirn der beiden Mädchen beeinflusst haben könnte – sie könnten dadurch eventuell ein besseres Gedächtnis haben. Andere US-Forscher wiesen wiederum darauf hin, dass dieser genetische Eingriff auch eventuell einen negativen Einfluss auf die Lebenserwartung der Mädchen haben könnte und dass die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit bei einer Grippe-Infektion erhöht sein könnte.  He Jiankui wurde in China zu drei Jahren Haft sowie einer Geldstrafe verurteilt.

Unterschieden wird dabei zwischen somatischer Gentherapie, bei der Veränderungen an der eigenen DNA nicht vererbt werden, und Keimbahn-Gentherapie. „Es besteht international breiter Konsens, somatische Gentherapie zu erforschen und weiter zu entwickeln, aber aktuell Keimbahntherapien gesetzlich noch zu verbieten – in Österreich ist das auch gesetzlich so geregelt“, sagt dazu Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien.

Über die genauen Wechselwirkungen all der Gene des Menschen weiß die Wissenschaft noch relativ wenig

Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien

Auch für die Anwendung somatischer Gentherapie brauche es entsprechende ethische Regeln, betont Hensgtschläger: „Ich schließe mich aber dem breiten internationalen Konsens an, die Anwendung von Keimbahn-Gentherapie aktuell noch abzulehnen,“ sagt er. Denn die Technologie ist noch nicht vollständig ausgereift. Genome Editing verursacht noch sogenannten Off-Target-Effekte – unerwünschte genetische Veränderungen im Genom. Zudem gibt es noch andere biologische und ethische Argumente gegen Keimbahntherapie. Zum Beispiel können verschiedene Merkmale von Veränderungen in einem einzelnen Gen beeinflusst werden – viele Gene haben mehr als eine Aufgabe. Andererseits kann ein Merkmal auch von mehreren Genen beeinflusst bzw. mitgesteuert werden. „Über die genauen Wechselwirkungen all der Gene des Menschen weiß die Wissenschaft noch relativ wenig“, sagt Hengstschläger: „Das bedeutet, dass es sein kann, dass man die Konsequenzen von bestimmten genetischen Eingriffen für einen Menschen bzw. die Nachkommen noch sehr schwer abschätzen kann.“

Zugleich sieht auch Hengstschläger Potenzial für Innovation durch Startups, indem verschiedene Ansätze kombiniert werden. Ein Beispiel aus seinem Fach: Künstliche Intelligenz, DANN-Sequenzierung und Medizin. Die Gruppe um Stephen Kingsmore vom Rady Children´s Institute for Genomic Medicine in San Diego filtert etwa über ein Textverarbeitungsprogramm die medizinisch relevanten Befunde aus elektronischen Patientenakten und gleicht die entsprechenden DANN-Sequenzdaten mit einer neu entwickelten Software ab. Mit diesem Ansatz war es ihnen möglich, in wenigen Minuten entsprechende krankheitsverursachende DNA –Varianten aus Millionen von Varianten vorzuschlagen. 

Homo Deus: Der Mensch spielt Gott

„So vielversprechend solche ganz neuen Ansätze sind, so sehr braucht es allerdings auch hier eine entsprechende ethische Auseinandersetzung“, ergänzt Hengstschläger – und verweist hier auf das Buch „Home Deus“ des israelischen Historikers Yuval Noah Harari.

In seinem Buch erläutert Harari, dass die Menschen früher an allmächtige Götter glaubten. Mit dem Siegeszug des Humanismus rückten die fiktiven Götter jedoch in den Hinter- und der Mensch als mächtiges Wesen in den Vordergrund. Mit den neuen Mitteln, so Harari, könnte ein neuer „Homo Deus“ entstehen, welcher gegen Krankheiten immun ist, besonders stark oder besonders intelligent ist und deutlich länger lebt als herkömmliche Menschen. Das wiederum wirft neue Fragen auf: Was bedeutet es für die Gesellschaft, wenn sich reichere Menschen „kaufen“ können, dass sie 150 Jahre alt werden? Oder dass sie ihr Bewusstsein konservieren können und somit den Tod endgültig besiegen? Was heute noch nach einer Dystopie im Stil der Netflix-Serie „Altered Carbon“ klingt, könnte die Gesellschaft in Zukunft weiter auseinanderreißen als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

„Was wäre so schlimm daran, wenn wir uns alle unsere Wunsch-Augenfarbe aussuchen könnten?“

Patrick Kramer, Biohacker

Kramer hat auf diese Bedenken eine sehr pragmatische Antwort: Die Kluft gebe es ohnehin schon heute. „Die einen können sich teure Klamotten leisten, die anderen nicht“, sagt er: „Wenn wir alle die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu diesen Technologien hätten, dann wäre das ein wesentlich fairerer Wettbewerb.“ Man solle vielmehr die Erforschung der entsprechenden Möglichkeiten vorantreiben. Denn dadurch könnten günstigere Therapien entwickelt werden – wodurch diese keine Frage des Geldes mehr wären, sondern sich die Zugänglichkeit für alle verbessere. „Auch ich möchte nicht, dass irgendwelche Supermenschen gezüchtet werden“, sagt Kramer: „Aber ich frage mich auch: Was wäre so schlimm daran, wenn wir uns alle unsere Wunsch-Augenfarbe aussuchen könnten?“

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Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche | (c) Grunpfnul vie Wikimedia Commons
Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche | (c) Grunpfnul vie Wikimedia Commons

„Mit der Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung legen wir das Fundament für die nächste Generation deutscher Weltmarktführer“, erklärt die deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, anlässlich des Beschlusses der Strategie im Bundeskabinett. Mit der Strategie will die deutsche Politik auf „geopolitische Verschiebungen, die digitale und grüne Transformation sowie der rasante Fortschritt in Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz“ reagieren, wie es im Papier heißt. Dieses versteht sich als eine politische Arbeitsagenda, die insgesamt 152 Einzelmaßnahmen in acht verschiedenen Handlungsfeldern bündelt. Das erklärte Ziel der deutschen Bundesregierung ist es, die Rahmenbedingungen entlang des gesamten Lebenszyklus innovativer Unternehmen zu verbessern – von der ersten Idee bis zur internationalen Expansion. Die Maßnahmen stehen allerdings unter dem Vorbehalt, dass Budget für sie vorhanden ist.

Zuletzt starke Gründungsdynamik

Das deutsche Startup-Ökosystem konnte trotz eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds zuletzt eine beachtliche Gründungsdynamik aufweisen. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Bundesrepublik mit 3.053 Startup-Gründungen einen historischen Rekordwert, was einem Zuwachs von 52 Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 entspricht. Getrieben wurde dieser Aufschwung insbesondere durch den anhaltenden Boom im Bereich der Künstlichen Intelligenz, auf den allein über 1.000 Neugründungen entfielen. Die nackten Rekordzahlen täuschen jedoch darüber hinweg, dass es dem deutschen Markt nach wie vor nicht ausreichend gelingt, erfolgreiche junge Firmen in die kapitalintensive Wachstums- und Skalierungsphase zu überführen. Mit rund 90 Euro Wagniskapitalinvestitionen pro Kopf im Jahr 2025 liegt die Investitionsaktivität in Deutschland signifikant hinter den führenden Märkten in den USA und Großbritannien zurück.

Risikokapital und das Hebeln privater Milliarden

Um das Abwandern vielversprechender Innovationen und den Ausverkauf ins Ausland zu verhindern, setzt die neue Strategie vor allem bei der Mobilisierung von privatem und institutionellem Kapital an. Ein zentrales Vorhaben ist die Fortführung und Weiterentwicklung der sogenannten WIN-Initiative. Laut dem Strategiepapier soll damit darauf hingearbeitet werden, die Zusagen privater Investoren für Investitionen in Wagniskapital und das Startup-Ökosystem auf 25 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln. Flankiert wird diese Absicht durch die nationale Umsetzung der überarbeiteten europäischen Solvency-II-Richtlinie, die es Versicherungsgesellschaften erleichtert, Kapitalanlagen als langfristige Aktieninvestitionen einzustufen. Dadurch sinken die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen für solche Risikokapitalinvestitionen drastisch von 49 auf 22 Prozent. Ergänzend ist die Bereitstellung von Bundesmitteln für eine Nachfolgegeneration des größten europäischen Dachfonds, den „Wachstumsfonds II“, über die KfW Capital geplant.

Neuer Fokus auf DefenceTech und Sicherheit

Zu den markantesten und zugleich politisch sensibelsten Neuerungen der Regierungsstrategie gehört die erstmalige, systematische Berücksichtigung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. In einer Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums heißt es von Ministerin Reiche, das Konzept verfolge das Ziel, das „Gründen zu erleichtern, das Wachstum zu beschleunigen und Innovation in Deutschland zu halten“. Für Startups aus dem Rüstungssektor wird im Rahmen des verbleibenden „Deutschlandfonds“ ein spezielles Direktbeteiligungsvehikel des Bundes geschaffen. Damit beabsichtigt die Bundesregierung, sich künftig erstmals direkt an jungen Unternehmen zu beteiligen, die Waffen herstellen, um deren Kapitalzugang zu sichern.

Neben der Rüstungsförderung adressiert die Strategie auch administrative Hürden, die im internationalen Vergleich als Standortnachteil gelten. Über das Hebelprojekt „Schneller Gründen“ soll bis Ende 2026 der Entwurf für ein Gründungsbeschleunigungsgesetz ausgearbeitet werden, um Anmeldeverfahren und die Vergabe von Steuernummern digital zu vereinheitlichen. Zudem unterstützt die deutsche Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission für die EU Inc., die als europäisch vereinheitlichte Rechtsform für grenzüberschreitend tätige Startups etabliert werden soll.

Kritik von mehreren Seiten

Trotz des breiten Maßnahmenpakets regt sich im deutschen Ökosystem und in den Verbänden auch Kritik an der strategischen Ausrichtung der Bundesregierung. Vor allem der starke Rüstungsfokus bei gleichzeitiger Vernachlässigung gesellschaftlicher Aspekte steht im Zentrum der Debatte. So wird etwa vom Bundesverband für Social Entrepreneurship in Deutschland (SEND e.V.) kritisiert, dass „soziale Gründungsvorhaben“ in der neuen Fassung überhaupt keine Rolle mehr spielen. Auch der Verband der Business Angels äußert Unmut und bezeichnet die fast ausschließliche Fokussierung auf Venture-Kapital als Finanzierungsinstrument als eine Maßnahme „an den Gründungsrealitäten vorbei“, da erfahrene private Geldgeber für die Nachhaltigkeit von Gründungen entscheidender seien.

Fachkommentare aus den Bereichen Bioökonomie und Nachhaltigkeit warnen zudem vor einem „Klumpenrisiko“ durch den engen Fokus auf Verteidigungstechnologien. Aus der Gründerszene selbst wird bemängelt, dass das ehemals politisch stark beworbene Vorreiterprojekt einer „Gründung in 24 Stunden“ sowie Erleichterungen für das „Gründen aus dem Beruf“ im finalen Papier nicht mehr auftauchen. Zudem weisen Industrievertreter darauf hin, dass zentrale Herausforderungen für innovationsintensive Branchen über die reine Startup-Finanzierung hinausgehen; es fehle an Impulsen für spätere Finanzierungsrunden, an regulatorischer Beschleunigung sowie am Ausbau industrieller Produktionskapazitäten. Ob die Strategie die Erwartungen der Praxis erfüllen kann, wird von Branchenbeobachtern auch aufgrund des Zeithorizonts bezweifelt: Dass mit der Umsetzung der Maßnahmen lediglich „noch in dieser Legislaturperiode begonnen“ werden soll, lasse kein hohes Tempo vermuten.

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Biohacking und Genmanipulation: Auf der Suche nach dem „Homo Deus“

  • Während es bei den Chips darum geht, über Technologie unter der Haut Schnittstellen zwischen dem eigenen Körper und der digitalen Welt zu schaffen, gibt es noch drei weitere Bereiche: Das Manipulieren des Körpers mit Fitness-, Ernährungs- und Lifestyle-Ansätzen,  das Drucken organischer Materie via 3D-Bioprinting und das Verändern der eigenen DNA.
  • Hier ergeben sich wiederum neue Geschäftschancen für Startups, wie Biohacker Patrick Kramer betont.
  • Als Beispiele nennt Kramer Unternehmen wie Brain Effect, Bulletproof oder Flowgrade, welche Nahrungsergänzungsmittel produzieren.
  • Der radikalste Eingriff in den eigenen Körper ist aber wohl nicht das Trainieren mit Maske oder das Implantieren von Chips, sondern der Eingriff in die eigenen Gene.

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