07.04.2020

Höhle der Löwen: Fitness-Startup wartet mit Fußball-Weltmeister auf

In dieser Folge von "Die Höhle der Löwen" gab es ein Startup, das bereits über vier Millionen Euro in sein Produkt gesteckt hat. Eines das Bademode aus Geisternetzen produziert. Und eines mit einem Gepäckträger fürs Fahrrad. Zudem ließ sich ein Fußball-Weltmeister blicken, um seine Unterstützung für pitchende Gründer kund zu tun.
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Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Investorin Dagmar Wöhrl nimmt die Einlegesohlen von "Fleximed" unter die Lupe.
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Der erste in der „Höhle der Löwen“ war Carl Heinze. Er stellt mit Carryyygum den vermutlich kleinsten Gepäckträger der Welt vor. Mit der Gummiband-Konstruktion sollen sich kleinere Gegenstände schnell am Fahrradlenker einspannen und sicher transportieren lassen: „Mein nützliches Fahrrad-Gimmick passt nahezu an jeden Fahrradlenker und wiegt dabei nur 33 Gramm“, sagt der Gründer. Bisher widmete sich der Münchner nur nebenberuflich seinem Startup. Um das zu ändern, sucht er einen strategischen Investor und fordert 150.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

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15 Jahre später am Rad

Nach einem recht angenehmen und souveränen Pitch vom Gründer durfte Handels-Experte Ralf Dümmel bei der Demonstration des Produkts mitwirken und eine Runde im Studio drehen. Das Zweirad-Comeback des Jurors nach 15 Jahren ohne in die Pedale getreten zu haben, endete beinahe in einem Sturz. Das Vorführobjekt, ein langes Baguette, überstand allerdings den Test ohne Makel.

Transparenz beim Patent

Bemerkenswert war, dass Heinze auf der Produkt-Verpackung seinen Patentprozess – noch am Laufen – transparent auswies. Damit wollte er andere vom Kopieren seines Carryyygums abschrecken. „Schlau“ nannte das Medien-Investor Georg Kofler, während es Ex-Miss-Germany Dagmar Wöhrl als spannend empfand.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Carl Heinze präsentierte mit „Carryyygum“ den kleinsten Gepäckträger der Wellt und bat Investor Ralf Dümmel gleich zum Test.

Kein umsatzstarkes Produkt?

Kofler hatte ein Fantasie-Problem sich dieses kleine Produkt als eines vorzustellen, das für vier, fünf Millionen Euro Umsatz sorgt. Konzernchef Nils Glagau meinte, dass Carryyygum bei einer größeren Transportleistung wie einem „Einkaufssackerl“ nicht nützlich sei. Dies bejahte der Gründer, meinte aber, sein Use-Case wären spontane Erledigungen, wie mal schnell ein Buch ausleihen oder die Jacke wegpacken.

Alle raus außer Dümmel

Wöhrl und Kofler waren die ersten beiden, die sich verabschiedeten. Multi-Investor Carsten Maschmeyer hatte bedenken, dass der Markt zu klein sei. Zudem würde er ein gewisses Feuer beim Gründer vermissen. Auch er war raus. Ihm folgte Glagau und ließ Dümmel über.

Hohe Forderung bei „Höhle der Löwen“

Der Löwe sah es wieder einmal wie öfter in dieser Staffel anders als die restlichen Löwen. Er glaubte an eine große Zielgruppe und meinte zu wissen, was der Gründer brauche. Er bot 150.000 Euro allerdings für 40 Prozent. Er sah die Firmenbewertung als zu hoch und müsste einiges an Arbeit ins Startup stecken, so seine Begründung. Deal für Carryyygum.

Trainingskonzept mit Coaching-App

Der nächste in der „Höhle der Löwen“ war Fritz Grünewalt. Mit FitterYOU hat er ein Trainingskonzept in die Sendung mitgebracht, das eine Kombination aus Motivation, personalisierter Trainingsmatte und Coaching-App darstellt, die Usern das Personal-Trainer-Konzept erschwinglich machen soll.

Individualisierte Trainings-Intelligenz

Eine individualisierte Trainings-Intelligenz beachtet dabei Verletzungen, Sitzgewohnheiten, ausgeübte Sportarten und mehr, um jedem User das passende Training auszuspielen. Dazu hat der Gründer die sogenannte „Mat“ entwickelt, die – abgestimmt zur Körpergröße – anzeigt, ob die Ausführung der gezeigten Übungen effektiv ist – also Füße, Knie, Hände auf den richtigen Positionen sind.

Fußball-Weltmeister Schürrle als Investor

Unterstützt wurde der Gründer dabei vom deutschen Fußball-Weltmeister und Investor André Schürrle: „Ich habe die App und die Matte lange getestet und habe einfach gemerkt, dass ich eine Riesenfreude entwickelt habe, jeden Tag ein neues individuelles Programm zu bekommen“, berichtet der Fußball-Profi per Video-Übertragung. Die Forderung: 500.000 Euro für zehn Prozent.

4,5 Millionen Euro ins Startup gesteckt

Nach der Vorstellung machte Nils Glagau gleich bei einer Trainingssession des Startups mit, in das der Gründer bereits 4,5 Millionen Euro gesteckt hat, wie er preisgab. Dabei hat das FitterYOU-Team in drei Monaten bisher 160.000 Euro Umsatz erwirtschaftet.

Schürrle sagt „Hallo“

Wöhrl und Maschmeyer störten sich am mangelndem Feedback der Matte, die nicht wirklich eine Korrektur am Übenden vornehme. Zudem meinte Maschmeyer, der bisherige Umgang mit Geld missfiele ihm – für den Betrag müsste man viel weiter sein. Die Gründer versuchten danach die negative Stimmung mit ihrer Videobotschaft von Schürrle wettzumachen. Bei Dümmel half es nichts. Er stieg so wie Wöhrl aus. Am Ende blieb, nachdem auch Glagau und Maschmeyer weg waren, nur Kofler über. Dem jedoch war ein Einstieg zu riskant. Kein Deal für FitterYOU.

Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Investor Nils Glagau beim Workout mit der „FitterYOU“-App von Luisa Konga, Fritz Grünewalt und Mike Steverding.

Eine Wienerin in der „Höhle der Löwen“

Die Wienerin Barbara Gölles hat ein Label namens Margaret and Hermione erschaffen. Und erklärt: „Ich mache Bade- und Sportmode. Aber nicht irgendwelche. Die Bikinis, Badeanzüge und Sportteile sind aus Plastikmüll gefertigt“, sagt sie. Besonders die alten, verlorenen Fischernetze, auch Geisternetze genannt, treiben in den Meeren und täglich werden davon tausende von Tonnen aus den Ozeanen gefischt.

Expansion im Sinn

„Ein spezielles Verfahren verarbeitet diesen Müll zu einem Garn und daraus wird dann der Stoff für Margaret and Hermione gefertigt“, erklärt die Wienerin die Besonderheit ihrer Herstellungsweise. Ihre Modelle sind auf die unterschiedlichen Körperformen zugeschnitten und sollen einen hohen Tragekomfort bieten. Durch die saumlose Verarbeitung gibt es kein Einengen und Einschneiden. Die Designerin möchte mit ihrem Unternehmen expandieren. Sie fordert 120.000 Euro für 20 Prozent Firmenbeteiligung.

Zu wenig Umsatz für Thelen

Nach dem Pitch und dem Auftritt von Vorführ-Models lobte Wöhrl die Verarbeitung der Badebekleidung. Thelen fand das Vorhaben Plastik aus dem Meer zu fischen und anderweitig zu nutzen großartig, der erhoffte Umsatz von 60.000 Euro reichte ihm aber nicht. „Wir werden damit keine 100 Leute beschäftigen können“, sagte er und stieg aufgrund mangelnder Skalierbarkeit des Produkts aus.

Fokus auf Bademode

Auch Ralf Dümmel verabschiedete sich als potentieller Investor, während Judith Williams nach einer Erweiterung der Produkt-Palette fragte. Die Gründerin würde sich aber vorerst auf eine Sparte, Bademode, konzentrieren, später könne man andere Dinge andenken.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Barbara Gölles (r.) aus Wien versucht mit „Margaret and Hermione“ und ihrer Bademode aus recycelten Fischernetzen die Meere etwas sauberer zu machen.

Änderung des Zielmarktes?

Danach kapitulierte Georg Kofler vor dem schwierigen Bikini-Business und war als dritter Investor draußen. Williams zählte alle möglichen Probleme auf, die sie in der Bademoden-Branche kenne und schlug vor, das Firmen-Konzept zu überdenken. Bekleidung für den Alltag, so ihr Ratschlag.

Doch noch ein Angebot

Dagmar Wöhrl blieb über. Und machte tatsächlich ein Angebot: 120.000 Euro für 25 Prozent. Barbara Gölles nahm an. Deal für Margaret and Hermione.

Rückkehr eines alten Bekannten

Für Jörn Gutowski ist es bereits sein zweiter Auftritt in der „Höhle der Löwen“. 2016 stellte er sein Konzept „Try Foods“ vor und konnte in der Sendung überzeugen. Auch wenn der Deal damals mit Frank Thelen anschließend nicht umgesetzt werden konnte, möchte er den Investor wieder für sich gewinnen. Gemeinsam mit Zeevi Chaimovitch stellt er ein neues Food-Produkt den Löwen vor: Kofu.

Alternative zu Tofu

Dabei handelt es sich um eine vegane, glutenfreie und einfache Alternative zu sojabasiertem Tofu. Es besteht ausschließlich aus Wasser, Kichererbsen, Salz und Gewürzen. Man kann Kofu braten, backen oder in der Suppe kochen. Die Gründer bieten den Löwen zwölf Prozent Unternehmensanteile für 150.000 Euro.

Lob fürs Produkt in der „Höhle der Löwen“

Das Founder-Duo servierte den Löwen ihre drei Kofu-Varianten, Falafel, Smoky und pur, und erzählte, dass sie in vier Monaten über 10.000 Stück ihres Produkts verkauft hätten. Die Juroren ließen nach der Kostprobe Worte wie „tolle Konsistenz“, „schmeckt wie gepresstes Kartoffelpüree“ und „knusprig“ fallen.

Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Chaimovitch (l.) und Jörn Gutowski, der bereits zum zweiten Mal vor die Löwen tritt, haben mit „Kofu“ eine Tofu-Alternative aus Kichererbsen entwickelt.

Die fatale Firmenstruktur

Thelen merkte an, dass das erste Startup des Gründers, „Try Foods“, nicht skalierbar war. Dies hätte der Gründer mit seinem neuen Startup verstanden. Alles lief gut, bis Gutowski offenbarte, dass er 14 Prozent des Unternehmens halte, Ideengeber Chaimovich 59,5 Prozent inne habe und ein Tofu-Produzent über 26 Prozent verfüge.

„Poison Pill“

Thelen erklärte, dass er eigentlich kurz davor war zu investieren, aber nun könne er es nicht. Der Juror brachte zum zweiten Mal in der Staffel den begriff „poison pill“ ins Spiel und sagte, dass es eines der wichtigsten Dinge für ein Unternehmen wäre,  die Produktion günstig, skalierbar und hochwertig zu halten. Diesen Baustein an einen Gesellschafter abzugeben, dass wäre ein Interessenskonflikt.

Exodus der Investoren

Maschmeyer meinte, man könne bei diesem Firmen-Aufbau, wenn gewünscht, gar keine Ausschreibung machen, da dies vom Gesellschafter direkt mit einem Veto verhindert werden könnte. Danach gab es von allen Investoren große Bedenken wegen des dritten Teilhabers. Thelen, Glagau und Dümmel stiegen aus.

Kühlkette als weiteres Problem

Maschmeyer tat es ihnen nach. Dies ließ Judith Williams als letzt mögliche Investorin über. Sie hatte ein anderes Problem und störte sich an der benötigten Kühlkette des Produkts – dies würde den Markt minimieren. Sie war raus. Kein Deal für Kofu.

Sohle mit Federstahlkern

Peter Mucha und sein Bruder Werner haben mit Fleximed eine Einlegesohle in die „Höhle der Löwen“ mitgebracht, die sich an den Vorteilen des Barfußgehens orientiert und damit die natürliche Funktion des Fußes stärken soll. Der Druck des Körpergewichts wird gleichmäßig auf den ganzen Fuß verteilt und vermindert dadurch hohe punktuelle Belastungen des Vorfußes. In der Längsrichtung des Fußes ist die Sohle uneingeschränkt beweglich, so dass der normale Abrollgang unterstützt wird. Der integrierte Federstahlkern gibt Stabilität, sodass der Vorderfuß nicht mehr durchbrechen kann

Verbesserte Körperhaltung

Insgesamt soll Fleximed für eine Entlastung des gesamten Bewegungsapparates sowie für eine gelenkschonende Verbesserung der Körperhaltung sorgen. Das Angebot der Gründer an die Löwen: 140.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Werner (l.) und Peter Mucha präsentierten mit „Fleximed“ eine innovative Einlegesohle mit integriertem Federstahlkern.

Dreimal ein Konzernchef am Laufband

Nach dem Pitch wurde Glagau zu einem „Lauf-Experiment“ gebeten. Er ging ohne Schuhe über ein Laufband, das die Druckverteilung beim Gehen misst und darstellt. Dies wiederholte der Löwe mit eigenem Fußwerk und schlussendlich ein letztes Mal mit der Fleximed-Sohle. Das Ergebnis: eine Entlastung im Ballenbereich mit deutlich flüssigerer Bewegung.

Stabilität im Stöckelshuh

Danach waren die restliche Löwen mit Testen dran. Dagmar Wöhrl meinte, dass sie sogar in High Heels stabiler stehe. Nils Glagau stieg jedoch kurz danach aus, in zweieinhalb Jahren 5000 verkaufte Stück von Fleximed waren ihm zu wenig.

Kämpfende Gründer in der „Höhle der Löwen“

Maschmeyer meinte, man müsse das Produkt zu sehr „erklären“ und verabschiedete sich ebenfalls. Die Gründer gaben nicht auf und lenkten den Fokus auf Online-Marketing und Video-Testimonials. Bei Wöhrl half das nicht viel – auch sie zeigte kein Interesse am Produkt. Social-Media-Experte Georg Kofler indes sympathisierte mit dem Startup. Und bot 140.000 Euro für 33 Prozent.

Aus zwei mach drei – und wieder zwei

Ralf Dümmel sah im Vergleich zum Online-Bereich viel interessantere Märkte. Teleshopping und Drogerien etwa. Auch er machte das gleiche Angebot. Die Gründer jedoch, statt sich zu entscheiden, hatten eine andere Idee: sie wollten beide Löwen haben und boten beiden jeweils 24,5 Prozent Anteile. Kofler lehnte ab, er fürchte zu viele Abstimmungsschwierigkeiten beim Teleshopping. Daher kam es zum Deal mit Dümmel.


⇒ Carryyygum

⇒ FitterYou

Margaret and Hermione

⇒ Kofu

⇒ Fleximed

⇒ DHDL zum nachsehen auf TVNOW

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Innox-Gründer Hans Sailer. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Wer Innovationsmanagement hört, denkt an Methoden, an Design Thinking, Scouting, Stage Gates. Hans Sailer nennt etwas anderes zuerst: Empathie. Ohne Draht in die Fachabteilungen und in den Vorstand komme man nicht weit, weil dort das Wissen liege. Sailer hat mit Innox ein Netzwerk aufgebaut, in dem sich Innovationsmanager:innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz austauschen, und dabei beobachtet, wie sich ihre Rolle laufend verändert hat: von Ideenmanagement über Open Innovation bis zum Corporate Venturing.


brutkasten: Was war der ausschlaggebende Grund, Innox zu gründen? Gab es eine Vision oder hat sich das organisch entwickelt?

Hans Sailer: Es hat keine Vision gegeben. Am Anfang war einfach ein Treffen von fünf Firmen, die sich austauschen wollten. Dabei waren A1, Magna, Siemens, Erste Bank und der ÖAMTC. Wir sind von einer Firma zur anderen gefahren und haben uns zum Beispiel angehört: Wie macht Siemens Innovation, welche weltweiten Ideen-Wettbewerbe gab es, was waren die Learnings? Mich hat das persönlich immer interessiert, ich hatte damals kein Geschäftsinteresse. Aus diesen fünf Firmen hat dann jeder gesagt: „Du, ich kenne da noch einen, kann die oder der mitgehen?“ So ist das über die Jahre gewachsen. Ich habe das fast zehn Jahre ohne Geschäftshintergrund gemacht, das war privates Vergnügen. Wir haben sogar eine Reise nach Hamburg gemacht und das Airbus Innovation Lab besucht.

Wann kam der Schritt in die Selbstständigkeit?

Irgendwann hat Casinos Austria gesagt: „Warum machst du dich nicht selbstständig?“ Da habe ich mir gedacht: Jetzt bin ich fünfzig. Wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie. Also habe ich gekündigt und mich selbstständig gemacht. Und dann ist es richtig losgegangen, weil ich gesehen habe, was passiert, wenn du deine ganze Energie konzentriert in eine Sache legst. Gleichzeitig kam die Pandemie. Ich habe geschaut: Was kann ich einem Innovationsmanager jetzt liefern, was er gut brauchen kann? Wir haben digitale Austausch-Treffen organisiert, bei denen Firmen erzählt haben, welche Plattformen sie verwenden. Und ich habe gesehen: Online erreichst du viel mehr Leute. Da ist es auch in Deutschland losgegangen. Die deutschen Firmen tauschen sich genauso gerne aus wie die Österreicher und die Schweizer.

Was braucht ein guter Innovationsmanager, eine gute Innovationsmanagerin?

Das Wichtigste ist Empathie. Weil er oder sie Zugänge ins ganze Unternehmen braucht, ob zum Vorstand oder in eine Fachabteilung. Wenn man diesen Draht nicht aufbauen kann, wird es ganz schwierig, denn das Know-how liegt in den Fachabteilungen. Eine große Unterscheidung, die man machen muss: Bin ich Innovator:in oder bin ich Innovation Facilitator:in? Das war am Anfang oft stark verschwommen. Die Rolle der Innovationsmanager:innen hat sich seither laufend geändert und ändert sich gerade wieder extrem stark.

Inwiefern?

Als ich angefangen habe, gab es die ganzen Venturing-Bestrebungen noch gar nicht. Venturing ist in großen Firmen in der M&A-Abteilung passiert. Damals ging es in Corporates eher um Ideenmanagement-Plattformen und das Nutzen der internen Intelligenz, bald kam Open Innovation mit allen externen Stakeholdern, dann ist Design Thinking aufgekommen und ein verbessertes Trend- und Foresight-Management. Ab etwa 2015 kam das Venturing dazu, und plötzlich musstest du wissen: Wie kooperiere ich mit einem Startup? Wie bewerte ich ein Startup? Dieses Know-how hat ein Innovationsmanager vorher nie gebraucht. Das war auch für Corporates keine leichte Aufgabe, da ist viel Geld für diese Learnings ausgegeben worden.

Hans und Karin Sailer von Innox im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

In dem Zusammenhang fällt oft der Begriff „Innovationstheater“.

Da muss man vorsichtig sein. Natürlich kann man Sichtbarkeit überbetonen, dann ist es Theater. Aber wenn ich nicht sichtbar mache, was meine Innovationsabteilung leistet, werde ich nicht wahrgenommen, und dann arbeiten die Abteilungen auch nicht gerne mit mir. Das ist ein feiner Grat. Wir haben oft erlebt, dass die Sichtbarkeit über externe Medien größer war als intern: Ohne Artikel in einer Zeitung bist du in der eigenen Firma gar nicht aufgefallen. Bei denen, die nie etwas auf die Straße gebracht haben, bin ich beim Vorwurf des Innovationstheaters dabei. Aber das wollte auch nie jemand bewusst.

Wie ordnest du Corporate Venturing in Österreich im Vergleich zu Deutschland ein?

Die Deutschen sind ein bisschen mutiger, haben vielleicht auch mehr Geld und nehmen Dinge als Erste in die Hand. Projekte, die wir bei der Innovationsagentur Hyve in Deutschland gemacht haben, haben wir zwei Jahre später in Österreich umgesetzt. Das Venturing ist dort schneller losgegangen, aber auch bei uns wurde es in einigen Corporates ordentlich aufgezogen. Dass Venturing auch ein Hype war, ist unbestritten, und wie bei jedem Hype gibt es Gewinner und Verlierer. Aber man kann aus heutiger Sicht nicht sagen: Das bringt nichts, das muss zurückgefahren werden. Man muss fragen: Wie gut ist es gemacht worden? Wenn du etwas komplett Neues herausbringst, brauchst du mindestens sieben Jahre, bis du damit etwas verdienst. Diesen langen Atem haben wenige Firmen. Jede Firma muss für sich draufkommen, ob das Vehikel zu ihr passt. Nur weil es bei einer anderen funktioniert hat oder nicht, heißt das nichts für die eigene.

Welchen Stellenwert hat Innovation in der aktuellen Wirtschaftskrise?

Dass Innovation näher ans Kerngeschäft geführt wird, ist sichtbar. In Krisen wird üblicherweise viel zusammengefahren, das hat man in der Pandemie ganz stark gesehen. Aber es kommt der Punkt, an dem alle Firmen sagen: „Ohne Innovation werden wir das nicht schaffen.“ Dann werden Innovationsabteilungen wieder größer aufgestellt, und diese Schwankungen tun mir oft weh. Ganz schlimm ist es, wenn eine Abteilung komplett aufgelöst wird. Dann verlierst du oft die Personen, die die kurzen Wege in die Firma hatten. Bis sich das jemand Neuer wieder erarbeitet hat, vergehen zwei Jahre. Das wird oft übersehen, wenn man zusammenspart. Vorteile durch Innovation erhalte ich dann nicht schnell auf Knopfdruck.

Und welche Rolle spielt KI?

So ein gutes Hilfsmittel hatten wir noch nie. Ich glaube, dass das Innovationsmanagement dadurch gerade wieder eine spannende Rolle bekommt. Die IT ist der technologische Enabler, aber nicht die Abteilung, die für die Transformation sorgt. Innovationsmanager:innen werden in Zukunft Orchestratoren von mehreren KI-Agenten sein: ein Agent für Foresight, einer für Patentprüfungen, einer für Potenzialanalysen. Wofür du früher zwei Wochen oder einen Monat gearbeitet hast, das bekommst du plötzlich in ein paar Minuten. Dann wird die Entscheidungsgeschwindigkeit zum KPI: Wie schnell kann ich mich auf ein Thema festlegen? Innovationsmanager:innen brauchen künftig eine Ahnung von Vibe Coding und davon, wie man KI-Agenten bestmöglich verwendet. Aber genauso muss man wissen, wie die eigene Firma tickt. Nur weil eine neue Technologie kommt, ist sie nicht sofort erfolgreich. Es geht immer mit dem Tempo, in dem du die Transformation machst. KI alleine wird dabei aber auch nicht die eierlegende Wollmilchsau sein. Entscheidend wird das Thema Ownership: Wer schnallt sich Ideen um und läuft die notwendigen Extrameilen, und wie realisiert man sie dann gemeinsam? Da wird es weiter Menschen brauchen, die ihre Firmen gut kennen, Know-how und ein Feingefühl für People-Management haben.

Ihr habt Ende August wieder euer Summercamp veranstaltet, diesmal bei der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der FFG. Was ist die Idee hinter dem Format, und was waren heuer die wichtigsten Erkenntnisse?

Das Summercamp dient dem Zweck, sich mit möglichst vielen Innovationsmanager:innen aus anderen Unternehmen und anderen Branchen zu vernetzen, auf die man sonst nicht zugehen würde. Genau dieser Cross-Industry-Austausch ist wichtig, um neue Impulse zu bekommen und Partner für gemeinsame Projekte zu finden. Wir machen das mit interaktiven Übungen zu aktuellen Innovationsthemen, das ist ein bisschen wie zwei Tage intensives Speed-Dating mit ganz viel positiver Energie. Heuer waren wieder knapp 100 Personen dabei, die ihr Wissen teilen und offen über ihre Erfahrungen sprechen. In den Sessions ging es an den Beispielen AVL Creators Co-Lab und Wiener Stadtwerke um erfolgreiche Cross-Industry-Kooperationen, mit dem Lufthansa Innovation Hub um AI Augmented Leadership und mit Miele um Intrapreneurship versus Venture Building. aws und FFG stellten gemeinsam mit Infineon, Bionic Surface und XBC erfolgreiche Förderprojekte vor.

Unsere wichtigste Erkenntnis: Die Zusammenarbeit in Ökosystemen bringt Unternehmen viele Vorteile, dafür braucht es aber das Commitment aller Beteiligten, vor allem des oberen Managements, sowie eine gute Orchestrierung und moderierte Begleitung. Wir haben außerdem gesehen, dass Förderorganisationen Firmen mit ganz unterschiedlichen Services unterstützen, nicht nur mit Finanzierungen. Und KI bringt sehr unterschiedliche Erwartungshaltungen ins Unternehmen: Was sich das Management vorstellt und was in den Abteilungen tatsächlich möglich ist, liegt in der Praxis oft weit auseinander. Eine wesentliche Aufgabe der Innovationsabteilungen ist es, voranzugehen, gesichertes Wissen aufzubauen, mit der schnellen Entwicklung Schritt zu halten und eine vorteilhafte KI-Nutzung breit in der Firma zu etablieren.

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AI Summaries

Höhle der Löwen: Fitness-Startup wartet mit Fußball-Weltmeister auf

  • Carryyygum hat den vermutlich kleinsten Gepäckträger der Welt.
  • FitteYOU möchte den Personal-Trainer für jeden ermöglichen.
  • MARGARET und HERMIONE achten beim Baden auf saubere Meere.
  • Kofu-Mit-Gründer tritt bereits zum zweiten Mal vor die Löwen – allerdings diesmal mit „poison pill“
  • Sohlen-Startup hat die Qual der Wahl unter den Löwen.

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