24.05.2021

„Höhle der Löwen“: Tod, Schmerzen und ein Geldbörsenpflaster

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um Skill-Aneignung, diebstahlsichere Geldbörsel und Sticks gegen Wundreib-Schmerzen. Zudem wollte ein Startup Kork als Universal-Material etablieren, während ein anderes vom Tod sprach.
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Höhle der Löwen, Sumemrsaver, evertree, The Makery, BodyWallet,
(c) TVNOW / Frank W. Hempel - Denise Hahn hat eine Lösung gegen ein sommerliches Schmerzproblem.
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Der erste in der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – war Jasper Kolb von The Makery. Die digitale Plattform vermittelt zahlreiche handwerkliche und kreative Workshops. Sie bringt lokale Kreative, Künstler und Experten zusammen, die ihr Wissen und ihre Leidenschaft teilen möchten. Die Anbieter können die Workshops im eigenen Namen und in eigener inhaltlicher und preislicher Gestaltung durchführen. So finden sich auf der Plattform fast 500 verschiedene kreative Erlebnisse zu Themen wie Handwerk, Kochen oder Nachhaltigkeit. Für den 34-Jährigen, der aktuell noch bei Zalando arbeitet, ist sein Startup ein Herzensprojekt. Um seine Plattform groß zu machen, benötigte er 250.000 Euro und wollte dafür 15 Prozent seiner Anteile abgeben.

Handwerk, Naturkosmetik & Achtsamkeit

Die als Einzelperson oder Gruppenevent buchbaren Kurse drehen sich um Malen, Zeichnen, Basteln, Gestalten, Handwerk, Naturkosmetik, Kochen und sogar Achtsamkeit oder Geschenke. Sie sind generalistisch oder anlassbezogen zu Geburtstagen, Firmenfeiern, Junggesellinnenabschieden oder Teamevents. Aktuell in Zeiten von Corona sind persönliche Workshops nicht erlaubt, weshalb es mittlerweile auch ein Onlineangebot gibt. Die meisten Kurse sind dabei für Anfänger geeignet. Wer Blumen pflanzen möchte, Kokedamas erstellen, Siebdruck erlernen, nachhaltiger leben, vegan kochen und essen, fotografieren oder sich sonst wie kreativ betätigen möchte, kann die entsprechenden DIY-Boxen auch für Zuhause bestellen.

Höhle der Löwen, The Makery
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Jasper Kolb präsentierte mit The Makery eine Plattform für handwerkliche und kreative Workshops.

Bisher hat das Startup 150.000 Euro Umsatz gemacht und setzt auf eine innovative Technologieplattform, die stetig im Sinne der Kurs-Anbieter weiter entwickelt wird. LEH-Experte Ralf Dümmel gefiel zwar die Energie des Gründers, er gab aber kein Angebot ab, da er der falsche Partner für das Thema wäre. Beauty-Queen Judith Williams sah es ähnlich und ging ebenfalls ohne Intention einzusteigen. Konzernchef Nils Glagau meinte auch, dass er dem Gründer den Schub, den er benötigen würde, nicht bieten könne. Danach kämpfte Kolb, malte das Bild, dass jedes Unternehmen in Sachen Teambuilding und Events bei The Makery fündig werden könne. Familien-Unternehmerin Dagmar Wöhrl erfuhr danach, dass Marketing eine Hemmschwelle für den Founder sei. Jene hielt sich nach dieser Information vornehm zurück und verwies auf Medien-Profi Georg Kofler.

Die Verhandlung in der „Höhle der Löwen“

Derjenige war in seiner ersten Folge der „Höhle der Löwen“ bei ArtNight als Investor eingestiegen und hatte bereits gute Erfahrungen in diesem Segment. Er bot 250.000 Euro für 24,5 Prozent Beteiligung. Nach einem kurzen Telefonat kehrte Kolb mit einem Gegenangebot zurück. Er würde 20 Prozent abgeben. Schlussendlich einigte man sich auf 21 Prozent Beteiligung. Deal für The Makery.

Das Geldbörse-Pflaster

Die zweiten, die in der „Höhle der Löwen“ auftraten waren Christian Schranz und Axel Kosuch mit der Bodywallet. Ihre Idee schützt Wertsachen vor Diebstahl oder Verlust und klebt dabei wie ein Pflaster auf der Haut. Das Besondere soll sein: Es ist hautverträglich, atmungsaktiv, sicher und hält drei Tage, auch beim Baden oder Sport. Durch den Plastikzipper ist Bodywallet verschließbar und praktisch in der Handhabung. Zusammen mit einem Löwen wollen die beiden Gründer den Vertrieb und das Marketing voranbringen. Ihr Angebot: 100.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

Bodywallet
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – „Löwin“ Dagmar Wöhrl beim Testen der Geldbörse zum Kleben von Bodywallet.

Die Klebe-Geldbörse, die es im Set als Hochformat und Querformat gibt, ist für verschiedene Körperstellen geeignet, sollte allerdings von erkrankter oder empfindlicher Haut, Schleimhäuten, Mund und Nase ferngehalten werden. Kofler konnte in dem Produkt keinen Mehrwert erkennen und stieg relativ rasch aus. Das Startup hatte bisher über 50.000 Stück bei 48.000 Euro Umsatz verkauft. Diese Info führte dazu, dass Multi-Investor Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel meinten, die Bewertung wäre zu hoch. Die Gründer argumentierten, dass sie bei der Automatisierung der Produktion die Herstellungskosten um die Hälfte senken könnten, was die Marge verbessern würde.

Absagen für Klebetäschchen

Danach ging Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg ohne Deal-Vorschlag. Ihm folgte Maschmeyer, der auf sein Bauchgefühl hörte und der nächste Löwe war, der sich verabschiedete. Dümmel nannte das Produkt eine clevere Idee, sah Bodywallet im Handel beheimatet, störte sich aber an der Firmenbewertung und stieg aus. Danach versuchten die Gründer mit der Anschaffung von teuren Maschinen zu argumentieren, was bei Wöhrl nicht half. Sie zeige sich wenig begeistert und zweifelte die Funktionalität an. Kein Deal für Bodywallet.

Das Wundreibe-Problem

Die nächste in der „Höhle der Löwen“ widmeten sich Sommer, Sonne und luftiger Kleidung – allerdings mit einem leidigen Problem: Fast jede zweite Frau kenne das unangenehme bis schmerzliche Gefühl von wund geriebenen Stellen, wenn kein Stoff mehr die Haut schützt. Auch Denise Hahn hat Erfahrung mit diesen Schmerzen gemacht und entwickelte eine Lösung. Der Summersaver ist ein Anti-Wundreib-Stick, der Hautirritationen und Wundreibungen verhindern soll. Den cremigen Balsam einfach auf die empfindlichen Hautpartien wie die Oberschenkelinnenseiten oder die BH-Kontur auftragen und die Nutzer sollen so lang anhaltend vor Wundreibungen und Scheuerstellen geschützt sein. Für ihre Rezeptur verwendet sie natürliche Inhaltsstoffe wie z.B. pflegendes Kokos- und Mandelöl. Die Forderung: 250.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

Höhle der Löwen, Summersaver
(c) TVNOW / Frank W. Hempel – Denise Hahn hat mit Summersaver einen Anti-Wundreib-Stick entwickelt.

Hahn wies darauf hin, dass auch Sportler und Leute mit neuen Schuhen, wie Sneaker und Pumps, das Produkt nutzen, wenn die Füße scheuern. Der Zielmarkt wäre groß. Maschmeyer nannte die junge Frau eine Bilderbruchgründerin, er aber investiere nicht in Kosmetik. Danach zeichnete die Founderin heraus, wie sie ihr Produkt extra für die Frau konzipiert habe. Konkurrenzprodukte wie Strümpfe gegen das Scheuern oder Babypuder wären zu kompliziert oder unangenehm zu verwenden.

Zwei Deal-Angebote

Williams haderte, da die Gründerin erst 300 Stück verkauft habe. Außerdem müsse man an der Rezeptur arbeiten. Sie ging ohne Angebot. Hahn wies auf ihr tierversuchsfreie Produkt hin. Kofler zeigte sich begeistert, dass die junge Frau auf diese Idee gekommen sei und lobte die unternehmerische Kompetenz und Fantasie der Pitcherin. Er bot 250.000 Euro für 20 Prozent. Glagau reihte sich in das Lob ein, wollte aber nicht investieren. Dümmel hingegen bot das gleiche wie sein Südtiroler Kollege. Nach der Beratung mit einem Mentor und Unterstützer nahm Hahn Dümmel an Board. Deal für Summersaver.

Die Material-Vorstellung in der „Höhle der Löwen“

Rouven Brauers war der nächste in der „Höhle der Löwen“. Der Gründer ist leidenschaftlicher Surfer und Skateboarder. In den letzten 30 Jahren hat er über 10.000 Surfbretter gebaut und viel auf dem Gebiet geforscht. „In der Zeit bin ich auf ein Material gestoßen, welches mich sehr fasziniert hat. Und das ist Kork“, so Rouven, der mit Alexander Gebler im Studio pitchte und sagte: „Kork ist der Mantel der Korkeiche – mit faszinierenden Eigenschaften. Es ist wasserfest, gasdicht und isoliert sehr gut. Sowohl akustisch als auch thermisch.”

40 Millionen Zellen

Das Geheimnis liege in der Zellstruktur. In einem Kubikzentimeter Kork befinden sich 40 Millionen Zellen, die mit einem Gas-Luftgemisch gefüllt sind. Das mache Kork so leicht und so robust. Auch in puncto Nachhaltigkeit habe Kork Vorteile. „Beim Wachsen der Korkrinde nimmt diese viermal so viel CO2 auf, wie sie später bei der Weiterverarbeitung abgibt“, erklärte Gebler. Beide Founder haben ein Korkgranulat mit Kurzfasern und Harz verbunden. Dieser Faserverbund soll durch Stabilität, hohe Flexibilität, Dämpffähigkeit und Nachhaltigkeit überzeugen. Hardcork könne für die Luftfahrt, die Automobilbranche und in der Schiffsbranche, vor allem im Yachtbau, eingesetzt werden. Konkrete Anfragen lägen den Gründern bereits vor. Für die Expansion ihres Unternehmens benötigten sie 1.000.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Höhle der Löwen, Hardcork
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Rouven Brauers (l.) und Alexander Gebler präsentierten mit Hardcork einen stabilen Faserverbund aus Kork.

Maschmeyer erwies sich als Kork-Fan, während Dümmel das Skateboard ausprobierte. Danach erklärten die Gründer, dass sie sich als Materialmarke verstehen würden, mit der man Plastik und Ähnliches ersetzen könne. Sie bezeichneten sich als Alternative zur Spannplatte und Karbon. Und hätten VW als Auftragsgeber, um gemeinsam die Möglichkeiten von Hardcork zu testen.

Kofler und Wöhrl störten sich jedoch an der Bewertung. Die Gründer erklärten, dass sie im Business-Plan mit einem Umsatzvolumen von 2,5 Millionen Euro rechnen würden. Als Problem für die Löwen erwies sich dabei aber, dass es bis auf die Testreihe mit dem Autohersteller sonst keine Aufträge gebe. „Zu vage“, nannte es Wöhrl und ging. Dümmel folgte, es sei nicht sein Bereich.

Berechtigte Zuversicht?

Die restlichen Löwen konnten sich nur schwer mit der Zuversicht der Gründer anfreunden, was dazu führte, dass auch Glagau ohne Angebot ging. Kofler fand es schade, dass die beiden ihre Argumentation mit Zahlen nicht belegen konnten. Wieder ein Löwe weniger. Maschmeyer konnte nicht greifen, womit die Gründer nennenswerte wirtschaftliche Einnahmen machen wollen würden. Kein Deal für Hardcork.

Endgültigkeit des Todes

Den Abschluss der Höhle der Löwen bildeten die Geschwister Helena und Andreas Hohnke. „Die Evertree-Urne lässt aus der Asche Verstorbener neues Leben in Form eines Baumes entstehen und trägt dabei auch noch ganz aktiv zum Klimaschutz bei“, erklärte Helena ihr Produkt. Als der Vater der Geschwister starb, wollten sich Beide mit der Endgültigkeit des Todes nicht zufrieden geben. Die Idee einer Urne, bei der aus der Asche eines verstorbenen Menschen oder Tieres ein Baum wächst und sie so in lebendiger Erinnerung bleiben, entstand.

Aus Friedhöfen Wälder machen

„Die Evertree-Urne spendet Trost und zwar in der schwersten Stunde eines Menschen. Zudem schützt sie noch aktiv das Klima, weil wir dadurch viele Bäume auf der ganzen Welt wachsen lassen wollen. Wir möchten aus Friedhöfen Wälder machen“, so die Gründer zu den Löwen. Es gibt aktuell fünf verschiedene Baumsamen zur Auswahl, die Evertree-Urne besteht aus einem neuartigen Biokunststoffgranulat und ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Je nach Bodenbeschaffenheit löst sie sich nach ca. sechs bis zwölf Monaten komplett auf und übrig bleibt ein Baum – eine lebendige Erinnerung. Das Angebot: 75.000 Euro für 33 Prozent Firmenanteile.

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(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Helena und Andreas Hohnke aus Düsseldorf brachten mit Evertree und ihrer Urne bei der aus der Asche ein Baum wächst das Thema Tod in die Sendung.

Nach einem der emotionalsten Auftritte der Sendegeschichte ging es um Zahlen und Fakten. Innerhalb der sechs Monate hatten die Gründer einen Facebook-Kanal aufgebaut und durchweg positives Feedback erhalten. Anschließend drehte sich der Diskurs um rechtliche Dinge. Eingeäscherte Tiere könnten in Deutschland auch im Garten bestattet werden. Bei Menschen wäre das in ganz Europa, außer in Österreich und ihrer Heimat, möglich. Auch in den USA ginge das. Allerdings gebe es im Nachbarland Bewegung in dieser Thematik. Aktuell würden sich die Gründer aber auf Tierbestattung fokussieren.

Problem menschlicher Bestattungen

Kofler ging ohne Angebot, er wolle nicht mit Bestattungen Geschäfte machen. Dümmel hingegen meinte, man könne sich ruhig mit dem Tod beschäftigen. Allerdings sei dies nicht sein Bereich. Maschmeyer sah es ein, dass die Idee bei Tieren funktionieren könne, aber bei menschlichen Bestattungen sehe er das nicht. Dem widersprachen die Gründer und argumentierten mit ihren Erfahrungen aus Gesprächen mit Kunden, die mit ihrer Trauer umgehen wollten. Der Multi-Investor nannte Evertree eine romantische Idee und einmalig, doch die Gründer bräuchten seiner Meinung nach keinen Venture Capitalist, der mitverdienen wolle.

Schwerer Markenaufbau

Wöhrl und Glagau wussten, dass die Grabbestattungen zurückgingen, teuer wären, und dass es Waldfriedhöfe gebe. Die Investorin erzählte von einem persönlichen Schicksalsschlag, der sie unvorbereitet getroffen habe. Sie wünschte sich, dass die Satzungen in Deutschland bereits anders wären und würde die Gründer mit Tier-Krematorien verbinden, aber ein Investment müsse sie ablehnen. Glagau als letzter Löwe zeigte sich als ein Mensch, der sich mit dem Tod beschäftigt. Er hatte Lust einzusteigen, auch wenn er einen schweren Weg in Sachen Markenaufbau sehe. Er bot die gewünschten 75.000 Euro für 33 Prozent. Deal für Evertree.

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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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