26.04.2021

„Höhle der Löwen“: Schaumdrucke, Schokocreme und Stabilität der Fotomacher

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um einsetzbare Pflanzentöpfe, palmölfreie Nusscreme und Kindergesundheit. Zudem zeigte ein Startup, wie man Motive auf Schäume druckt, während ein anderes die Stabilität von von Fotografen im Sinn hatte.
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Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Frank W. Hempel - Antonia und Alexander Cox (Foto) zeigten Inevstor Carsten Maschmeyer ihren Pottburri.
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Die ersten die sich in die Höhle der Löwen wagten – die es online auf TVNOW und immer Montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren die Geschwister Antonia und Alexander Cox. Beide sind mit einem grünen Daumen auf die Welt gekommen. Seit über sechzig Jahren führt ihre Familie eine Gärtnerei und auch sie haben eine große Leidenschaft für Blumen. Genervt hat die beiden aber immer wieder der Abfall, der durch Einweg-Plastikblumentöpfe entstanden ist. Deshalb haben sie Pottburri entwickelt: einen biologisch abbaubaren Blumentopf, der mit eingepflanzt werden kann. Er besteht zu großen Teilen aus Sonnenblumenschalen, die ein Abfallprodukt der Lebensmittelproduktion sind. Mirko-Organismen zersetzen den Topf unter den natürlich gegebenen Bedingungen in der Erde zu Biomasse. Am Ende soll er vollständig biologisch abgebaut sein und keinerlei Schadstoffe oder Mikroplastik in der Erde hinterlassen. Die Forderung: 150.000 Euro für 12,5 Prozent Beteiligung.

Geringe Marge

Den Pitch führte der männliche Part des Gründerpaars in einem Sonnenblumenkostüm, was gleich zu Beginn zu einer guten Stimmung unter den Investoren sorgte. Diese hielt als Alexander Cox vorführte, wie einfach die Einpflanzung mit einem Pottburri sei. Medieninvestor Georg Kofler meinte danach, wüsste man es nicht, man würde den Topf des Startups für einen aus Plastik halten. Multi-Investor Carsten Maschmeyer strich nach Nachfrage heraus, dass der Topf in den b2b-Bereich gehöre. Dies bestätigten die Gründer und erklärten, dass sie ihr Produkt für 28 Cent das Stück an den Profigartenbau – allerdings bei rund 21 Cent Produktionskosten – verkaufen würden. Dies traf die Löwen – allerdings bloß kurz.

Potburri, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Frank W. Hempel – Antonia und Alexander Cox aus Straelen präsentierten mit „Pottburri“ einen Pflanzentopf aus Sonnenblumenschalen zum Eingraben.

Die Investoren erfuhren von bisher eine Million verkauften Stück, was einen Umsatz von 280.000 Euro ergab. Man rechne mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro in drei Jahren. Diese Behauptung unterlegte Alexander Cox mit Zahlen: Er plane in den nächsten drei Jahren 2,7 bis drei Prozent des gesamten Marktes abzugreifen. Und das mithilfe eines Löwen, der sie in den Handel bringen solle, um den Endkunden zu erreichen. Danach stieg Kofler als selbsternannter Pflanzen-Amateur, aber mit Lob, aus.

Die Power der Löwen

Klug war, dass die Gründer herausstrichen, dass es „etwas anderes wäre, wenn ein Löwe in Verhandlungen mit dabei säße“, als wenn nur seine Schwester und er es täten. Man bräuchte starke Überzeugungs-Power. Nach dieser Aussage stand Maschmeyer auf und gesellte sich zu Konzernchef Nils Glagau. Währenddessen stieg Beauty-Queen Judith Williams aus – oder besser gesprochen, war kurz davor zu gehen, als sie der Gründer unterbrach. Und euphorisch meinte, mit ihr und ihrem Gesicht könnte man Frische in einen veralteten Markt bringen. Die Investorin blieb aber dabei, und verabschiedete sich, da sie kein Netzwerk in dem Gartenbereich habe.

Abhängigkeiten

Ein kleiner Dorn im Argumentationsfleisch der Gründer wurde die Erkenntnis, dass sich Potburri in einer Abhängigkeit von einem Entwicklungspartner befand, der ein weltweites Patent auf die Töpfe habe. Spannend wurde es, als Alexander Cox erklärte, dass sie sich (zum Zeitpunkt der Aufzeichnung) in Verhandlungen um eine Verlängerung der Exklusivitätsrechte mit ihrem Partner befänden.

Darauf schüttelte Maschmeyer wieder im Stuhl sitzend in Richtung Glagau den Kopf. Und ein sicher geglaubtes Angebot drohte zu platzen. In der Zwischenzeit hatte Handelsexperte Ralf Dümmel das Gespräch übernommen und gab einen Ratschlag, dass man nicht ständig verhandeln dürfe, sondern den Topf-Entwickler „committen“ sollte, indem man Umsatzziele vertraglich regele – und sich bei Erreichen jener die exklusiven Nutzungsrechte automatisch verlängern.

„Ein Hammer“, aber…

Mit dem Wort „sensationell“ schaltete sich Maschmeyer wieder ein. Die Nachhaltigkeit wäre gut, jedoch die Abhängigkeit weniger. Er stieg daher aus. Glagau sah es nicht ganz so streng, fand den Topf „Hammer“, ging aber dennoch ohne Angebot. Er sei in dieser Welt nicht beheimatet.

Die guten schlechten Nachrichten aus der „Höhle der Löwen“

Dümmel hingegen meinte, er habe schlechte Nachrichten für das Gründer-Duo. Es würde ganz viel Arbeit auf sie warten, wenn sie nur wollen würden. Er bot 150.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung. Nach einer kurzen Beratungsrunde und eigentlich ohne Zweifel sagten die Beiden zu. Deal für Potburri.

Fünf Jahre Bewerbung zahlt sich aus

Die zweite in der Höhle der Löwen war Ebru Erkunt, die es seit fünf Jahren Bewerbung dieses Mal in die Show geschafft hatte. Die Zeit vor der Einladung in die Löwenhöhle hat die Gründerin genutzt, um an ihrem Produkt zu arbeiten. Sie präsentierte ihre HaselHerz-Welt: eine Nuss-Nougat-Creme in Bio-Qualität ohne Palmöl und Industriezucker. Ihre Aufstriche gibt es in drei Sorten und auch zwei verschiedene Schokoriegel sind in ihrem Sortiment. Sie forderte 80.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

Höhle der Löwen, haselherz, haselHerz
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Ebru Erkunt hat mit Haselherz Aufstriche für Nussliebhaber entwickelt, die auf Palmöl verzichten wollen.

Die äußerst gerührte Gründerin zeigte offen ihre Freude und weckte besonders jene von Williams, als sie all ihre süßen Produkte vorstellte. Und umgarnte die restlichen Investoren mit ihrem Charme. Dann kam die Kostprobe. Maschmeyer und Kofler meinten, im Vergleich zum Marktführer, würde HaselHerz etwas herber schmecken. Der Multi-Investor sagte aber zugleich, dass es ja mehrere Geschmäcker gebe, während sein Südtiroler Sitznachbar glaubte, die Produkte seien etwas pointierter und in Konkurrenz zum üblichen Verdächtigen der Branche weniger massentauglich.

Umsatz gesunken

Erkunt konterte mit der neuen, bewussten Zielgruppe, die auf Dinge wie weniger Zucker und dergleichen achten würden. Allerdings erklärte die Gründerin danach, dass sie aktuell bei 43.000 Euro Umsatz liegen würde, das Jahr davor aber bereits 83.000 Euro erreicht hatte.

Erste Absagen

Erkunt erklärte, dass sie Probleme mit einem Produzenten gehabt habe, der ihre bestellten Waren nicht geliefert hatte. Danach nannte Williams die Pitcherin resilient. Maschmeyer hingegen stieg aus. Glagau sah beim Preis (über fünf Euro für ein Gläschen) ein Problem. Und ging auch ohne Angebot.

Die Gründerin gab nicht auf, hielt einen kleinen Monolog über ihre Widerstandsfähigkeit und ihr, bis zum Einbruch, organisches Wachstum. Dies lockte Kofler lobende Worte hervor. Er habe jedoch zu großen Respekt vor der Schokoladen-Branche. Ein Löwe weniger.

Doch noch ein Angebot für HaselHerz

Dümmel und Williams zogen sich anschließend zur stillen Besprechung zurück. Williams zeigte nach dem Treff großen Respekt vor der Gründerin, meinte aber, sie wäre die Falsche für HaselHerz. Dümmel ging als Letzter in den Bewunderungs-Modus über, meinte, dass man an einigen Dingen schrauben müsse und bot 80.000 Euro für 25 Prozent. Deal für HaselHerz.

Startup-Gründung als Lichtblick einer schweren Zeit

Die nächsten in der Höhle der Löwen waren Angelo und Sandro Torcia. Die beiden Brüder sind die Gründer von Coffee Colorato. 2017 hatte Angelo die Idee Getränke als Marketing-Tool zu nutzen. Doch dann verstarb die Mutter der beiden mit 49 Jahren an Krebs. Der Schicksalsschlag hat die Brüder zusammengeschweißt. Der Lichtblick in dieser Zeit war die Gründung ihres Startups, wie sie sagten.

Bilder auf Kaffeeschaum drucken

Nach über vier Jahren Entwicklungsarbeit später präsentierten sie den Löwen ihren speziellen Kaffeedrucker für personalisierte Getränke. Die Technologie ermöglicht es jedes Motiv – ob Logo, Foto oder Schriftzug auf den vorgefertigten Kaffee zu drucken. Die Patronen sind gefüllt mit geschmacksneutraler Lebensmittelfarbe, womit jede schaumige Oberfläche individuell gestaltet werden kann. In ihrem Portfolio gibt es einen stationären Drucker namens „Coloranino“ sowie mit dem „Cignature“ eine mobile Variante, an die man per App Bilder senden kann. Zu ihrer Zielgruppe gehören Gastronomiebetriebe, Cateringfirmen, Hotels oder sogar Autohäuser. Für neue Produktentwicklungen sowie Marketing- und Vertriebsaktivitäten benötigten die Gründer-Brüder 175.000 Euro und boten 15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Höhle der Löwen Coffee Colorato
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Angelo und Sandro Torcia stellten mit Coffee Colorato einen Getränkedrucker vor, mit dem man Kaffee- oder Bierschaum mit gewünschten Motiven bedrucken kann.

Bei der Vorführung im Studio beeindruckte das Founder-Duo mit einem live-gedruckten Kaffee, der den Schrifzug „Deal?“ auf der schaumigen Oberfläche trug. In einer anderen Tasse sah man das Gesicht von Familien-Investorin Dagmar Wöhrl.

Hoher Umsatz überzeugt „Höhle der Löwen“-Juroren

Kofler wollte für den Kaffeeverkäufer den Mehrwert wissen und erhielt als Antwort, dass Kunden heutzutage alles über Social Media teilen und somit Gratis-Werbung machen würden. Den Preis für die mobile Variante von 999 Euro und für die große Version 1.999 Euro empfanden die Löwen zuerst als zu hoch, hörten dann aber von einem Umsatz von 510.000 Euro in knapp 18 Monaten am Markt, bloß mit dem „Coloranino“.

„Marry me“ überzeugt

Kofler stieg dennoch als erster aus, er respektierte die Zahlen, glaubte aber, dass es schwer wäre zu wachsen. Die Gründer erzählten danach von einem Tiramisu und einem Wackel-Pudding, die sie beide bedruckt hatten. Und so Heiratenden auch als mögliche Zielgruppen innehätten. Darauf ging auch Glagau, als sich Wöhrl und Maschmeyer zur Beratung zurückzogen. Dümmel war bereits davor ohne Angebot gegangen. Maschmeyer ließ sich noch einmal bedienen und wollte von den Gründern einen weiteren Druck gezeigt bekommen. Nachdem er und die Löwin Wöhrl im Studio „marry me“ im Kaffee lasen, boten beide insgesamt 175.000 Euro für 25 Prozent Anteile. Deal für Coffee Colorato.

Der älteste Gründer der „Höhle der Löwen“

Der vorletzte in der „Höhle der Löwen“ war der 83-jährige Fotograf Gert Wagner. Der Filmemacher hat im Auftrag internationaler Marken und Magazine die ganze Welt bereist. „Eine Grundvoraussetzung für ein gelungenes Foto ist, dass es scharf ist“, erklärte der Erfinder des flexiblen Autofokus. Diese Technik findet sich heute in allen Kameras und Smartphones wieder. Doch das ist nicht die einzige Erfindung des 83-Jährigen. Gemeinsam mit seinem Sohn Tobias gründete er 2016 die Firma Swift Design, und sie entwickelten verschiedene Gadgets für Filmemacher und Fotografen.

Steadify
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Gert (l.) und Tobias Wagner haben mit Steadify_einen Kamerastabilisator für Film und Fotografie entwickelt.

Jetzt präsentieren der älteste Gründer in der Geschichte von „Die Höhle der Löwen“ und sein Spross ihren Kamerastabilisator Steadify. Ein übliches Stativ ist schwer und umständlich in der Handhabung. „Ehe man es aufgebaut hat, ist manch goldener Moment schon vorbei und dann funktioniert es auch nur auf festem Untergrund. Von all diesen Nachteilen wollten wir uns nicht mehr plagen lassen und haben eine Lösung entwickelt“, führte Tobias Wagner aus. Steadify – ein Stabilisator im Taschenformat – ist mit dem Gurt an der Hüfte anzulegen. Damit soll die Kamera stabil bleiben und scharfe Fotos und weiche Videoschwenks bei voller Beweglichkeit und viel Raum ermöglichen. Um ihr Produkt auf dem Markt zu etablieren, benötigten Vater und Sohn ein Investment von 350.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Kein Geld mehr…

Nach dem Pitch testete Hobby-Fotografin Wöhrl Steadify und zeige sich zufrieden mit der Handhabung. Bisher wurden innerhalb von eineinhalb Jahren am Markt rund 6.000 Stück verkauft. Nach einer Kickstarter-Kampagne wurde allerdings bei 200.000 US-Dollar an Einnahmen kaum etwas an den Kunden gebracht. Ein Werbepartner hatte einige Vorleistungen erbracht und ihnen eine „dicke Rechnung“ präsentiert. Zudem hatten sie bei ihrem chinesischen Produktionspartner bei 1.500 verkauften Stativen insgesamt 5.000 Stück bestellt. Das Problem sei jetzt der große Warenbestand bei sehr wenig Geld fürs Marketing.

Keine Zahlen, kein Investor

Da die Gründer keine genauen Umsatzzahlen nennen konnten, stieg Maschmeyer aus. Jene erklärten danach ihre Pläne für eine riesige Marketing-Kampagne. Was aber wenig half. Nico Rosberg meinte, er habe kein komplettes Vertrauen im betriebswirtschaftlichen Bereich der beiden Gründer. Dümmel hob das Produkt als sinnvoll und neuartig hervor, die Zielgruppe des Startups wäre jedenfalls nicht die seine. Auch er war weg.

Wöhrl sagte, dass es noch zu viele offenen Fragen gebe. Sie würde Kundin werden, aber wollte nicht investieren. Auch Williams strich die Wichtigkeit von Zahlen hervor, möchte man Investoren begeistern und blieb auch ohne Angebot. Kein Deal für Steadify.

Meditations-App für Kinder in der „Höhle der Löwen“

Die letzten auf der „Höhle der Löwen“-Bühne waren Jean Ochel, Ideengeber von Aumio, und seine Freunde Simon Senkl, Felix Noller und Tilman Wiewinner (30). Laut aktueller Studien zeigen rund ein Viertel aller Kinder psychische Auffälligkeiten. Das sind etwa sechs Kinder pro Schulklasse und in der Corona-Krise ist diese Zahl noch mal gestiegen. Leider bekommen aber nur die wenigsten Unterstützung, um mit Stress, Ängsten und Schlafproblemen umzugehen, wissen die Gründer. Daher haben sie eine App zur Entspannung und Meditation für Kinder entwickelt.

Spielerisch lernen

„Mit Aumio lernen Kinder in spielerischen Geschichten, Übungen und Meditationen, wie sie mit mentalen Herausforderungen umgehen können“, erklärte Jean Ochel. Es gibt verschiedene Kurse und Hörspiele, die speziell zur Linderung von Symptomen von ADHS, Einschlafproblemen oder Angstzuständen entwickelt wurden. Alle Kurse und Übungen basieren auf wissenschaftlich fundierten Methoden, die so auch in der Psychotherapie verwendet werden. Damit in Zukunft Kinderärzte und -therapeuten die App auf Rezept verschreiben können, soll die App auch als Medizinprodukt zertifiziert werden. Aumio ist eine Weltraumfigur, die erscheint, sobald die App gestartet wird. Ein Kurs besteht aus einer Reihe an Übungen, die zwischen fünf und sieben Minuten lang ist. Das Angebot: 150.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

Aumio, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – V.l.: Felix Noller, Jean Ochel, Tilman Wiewinner und Simon Senkl sind die Entwickelr von Aumio, einem digitalen Coach für Kinder mit psychischen Problemen.

Die Löwen machten mit den Gründern nach dem Pitch eine kurze Achtsamkeitsübung, die ein wenig an eine Fantasiereise aus Schulzeiten erinnerte. Glagau komplimentierte anschließend das Founder-Team und die sanfte Alternative im Vergleich zu Medikamenten für Kinder, wie früher Ritalin. Bei Aumio handelt es sich um ein Freemium-Modell, mit möglichem Monats-Abo um zehn bis 15 Euro pro Monat.

Als Medizinprodukt zertifizieren

Die Gründer betonten nochmal, dass sie kurz davor wären, ihre Medizinzertifizierung abzuschließen. In Deutschland gebe es eine gesetzliche Änderung, die den Namen „digitales Versorgungsgesetz“ trägt. Das erlaube Medizinern „Apps“ zu verschreiben. Nach dieser Info gesellte sich Glagau zu Maschmeyer, wurde aber auch von Wöhrl interessiert angesprochen.

Ein, zwei oder drei…?

Kofler lobte die Idee, meinte aber das Thema wäre außerhalb seines Investment-Horizonts. Er ging ohne Angebot. Dümmel zeigte sich vom Thema berührt und hielt einen Monolog darüber, wie sehr er seine vorab gegen Apps kritische Gefühlslage im Lauf des Pitches geändert habe. Währenddessen lief Wöhrl zwischen den Löwen herum und wollte ein Investoren-Triumvirat schaffen. Während Maschmeyer Interesse signalisierte, meinte Glagau, drei Löwen wären im zu viel. Er würde es auch alleine machen.

Ein Doppel-Angebot

Nachdem Dümmel weg war, eröffnete Glagau das Finale. Der Löwe pitchte und stellte seine Fähigkeiten als Investor vor. Er betonte, er würde es alleine machen, würde aber auch mit Maschmeyer kooperieren, der ihnen die Brücke in die USA schlagen würde. Jener meinte, drei Leute wären tatsächlich zu viel und schlug mit Glagau folgenden Deal vor: 150.000 Euro für 20 Prozent. Wöhrl ließ es dann bleiben.

Das Gegenangebot

Nach der Beratung kamen die Gründer mit einem Gegenangebot zurück. Sie würden für die genannte Summe zwölf Prozent Anteile abgeben. Glagau, der sich kompromisslos gezeigt hatte, würde bei diesem Vorschlag nicht mitmachen. Maschmeyer bediente sich diverser Metaphern, was das Wachsen des Startups betraf und bat die Gründer sich nochmal zu beraten.

Löwen bessern nach

Jene kehrten erneut zurück und lehnten wieder ab. Daraufhin gab es doch Bewegung aufseiten der Investoren. Sie erhöhten für 20 Prozent Beteiligung auf 200.000 Euro. Während der dritten Beratung schaltete sich Wöhrl wieder ein und schlug Maschmeyer vor, dass sie fünf Prozent Anteile kaufen würde, während der Multi-Investor seine zehn haben könnte. Vorausgesetzt die Gründer würden sich in dieser Hinsicht gesprächsbereit zeigen. Die Gründer lehnten Glagau und Maschmeyer ab. Daraufhin fragte die Familien-Investorin nach, ob ihre Idee von 15 Prozent möglich wäre. Auch das wurde abgelehnt, was Maschmeyer aussteigen ließ. Kein Deal für Aumio.

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Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

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