17.05.2021

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um eine Anti-Migräne-Maske, ein Rad-Cockpit und Naturkosmetik aus Kaffeesatz. Zudem spielte ein österreichisches Startup musikalisch auf, vergoss dann aber Tränen.
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Marschpat, Höhle der Löwen
TVNOW / Frank W. Hempel - Markus Wenzl (l.), Patrick Rupprecht und Carina Eigner aus Österreich durften den Löwen ihr digitales Marschkapellenbuch Marschpat vorstellen.
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Der erste in der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – war Fabian Karau. Er hat mit mysleepmask eine Lösung gegen Migräne entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Schlafmaske, Ohrenstöpsel und Gelpads. Sie ist zu 100 Prozent blickdicht, besteht aus weichem Bio-Jersey. Durch die kopfumfassende Passform soll es kein Verrutschen geben und die Schaumstoffpolster an den Ohren sind dazu gedacht, das Herausfallen der Ohrstöpsel zu verhindern. Die integrierten Taschen im Nacken und der Stirn sind für die Gelpads, die je nach Bedarf kühlen oder wärmen. Mit der Unterstützung der Löwen möchte Fabian vielen Leidensgenossen weltweit einen besseren Schlaf ermöglichen und das Leben erleichtern. Sein Angebot lautete: 100.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Beste Maske?

Nach der Vorstellung des Produkts probierte so mancher Löwe die Maske aus. Medien-Profi Georg Kofler etwa gab zu, dass er regelmäßig Schlafmasken benutzt, weil er oft aufwache, wenn es hell wird. Er bezeichnete die mysleepmask als die beste, die er je gehabt hätte. Er wollte die verschiedenen Versionen zwar nach der Sendung dem Gründer abkaufen, aber zweifelte daran, dass es ein Massengeschäft werden könnte.

Fehlende Studien

Multi-Investor Carsten Maschmeyer arbeitete gemeinsam mit LEH-Experten Ralf Dümmel heraus, dass der Gründer sein Produkt aus medizinischen Gründen nicht als Anti-Migräne-Maske bezeichnen dürfe. Studien würden fehlen. Ersterer stieg aus. Familien-Investorin Dagmar Wöhrl wusste, dass der Bedarf an Schlafmasken ein sehr hoher sei. Sie wollte nicht investieren, aber ebenso wie Kofler Kundin werden. Zwischenzeitlich trafen sich Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg und Dümmel zur Beratung.

Höhle der Löwen, mysleepmask
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Die Investoren Georg Kofler (l.) und Nico Rosberg unterzogen der Schlafmaske für Migränepatienten von mysleepmask direkt einem Praxistest.

Der ehemalige Rennfahrer lobte die Maske, meinte aber, dass die Markenpositionierung noch geschärft werden müsste. Dümmel warf indes ein, dass der Gründer viel „Power“ hinter sich brauche. Er und Rosberg würde ihm in den verschiedensten Bereichen helfen können. Das Angebot: 100.000 Euro für satte 40 Prozent. Der Gründer fragte nach einer Aussicht auf „working capital“, was Dümmel schnell bejahte. Deal für mysleepmask.

Rad-Cockpit in der „Höhle der Löwen“

Die nächsten in der „Höhle der Löwen“ waren die Brüder Khesrau und Sohrab Noorzaie. Sie haben SMINNO gegründet und möchten den Komfort aus dem Auto auf das Zweirad bringen. „Wir haben das erste sprachgesteuerte Cockpit-System und die Freisprechanlage für Zweiräder auf den Markt gebracht. Das Cockpit-System besteht aus einer App und einer patentierten Smartphone-Halterung. Damit haben Fahrer Komfort und vor allem Sicherheit“, erklärten sie den Löwen. Die entwickelte und patentierte Halterung lässt sich am Fahrrad installieren und durch die spezielle Form sowie Materialien sollen Störgeräusche minimiert und die Lautsprecher des Handys verstärkt werden. Die dazugehörige sprachgesteuerte App bündelt Navigation, Musik, Tacho und Tracking auf einem Screen. Um sich am Markt etablieren zu können, benötigten die Brüder 500.000 Euro und boten15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

SMINNO
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Sohrab (l.) und Khesrau Noorzaie aus Kassel haben mit SMINNO ein Cockpitsystem plus App für Zweiräder entwickelt.

Judith Williams ließe es sich nach der Präsentation nicht nehmen aus dem Studio hinauszugehen und selbst ein paar Runden zu drehen. Sie zeigte sich begeistert, wie hoch die Klangqualität mit SMINNO sei. Dies hatte einen positiven Effekt auf den Rest der Löwen, die dann erfuhren, dass das Gerät der Brüder für knapp 60 Euro verkauft wird, Jahreslizenz für die App inkludiert. Danach koste die Software pro Monat vier Euro oder 24 Euro für jedes weitere Jahr.

Fördert SMINNO die Ablenkung?

Für Kofler war die Erfindung eine, die Radfahrer zu sehr ablenken und zu mehr Telefonieren animieren würde. Er stieg aus. Williams hingegen, die die Gründer großartig fand, bedauerte, dass die Tech-Branche nicht ihr Bereich wäre. Nach dieser Absage störte sich Maschmeyer an der Firmenbewertung aufgrund des geringen Umsatzes von 70.000 Euro im Vorjahr. Ähnlich dachte Glagau und folgte als nächster ohne Angebot. Auch Dümmel sah sich als letzter Löwe nicht im App-Bereich beheimatet. Trotz positiver Grundstimmung kein Deal für SMINNO.

Kosmetik aus Kaffeesatz

Kaffee ist das beliebteste Getränk in Deutschland. Der entstandene Kaffeesatz gehört für viele in den Müll, aber nicht für den dritten in der „Höhle der Löwen“ Julian Köster. Für sein Startup mellow NOIR extrahiert der Chemieingenieur aus dem Kaffeesatz das Kaffeeöl und stellt daraus eine Naturkosmetik-Linie zur Hautpflege her. Sein Produkt versorge die Haut mit wichtigen Fetten und soll die Kollagenproduktion anregen, die Haut bei der schnellen Regeneration unterstützen und oxidativen Stress mildern. Alles ist vegan, tierversuchsfrei, fair produziert und in Glas und Papier verpackt. Darüber hinaus wird pro verkauftem Produkt ein neuer Baum zur Aufforstung zerstörter Wälder gespendet. 100.000 Euro für 20 Prozent lautete sein Angebot an die Löwen.

mellow NOIR, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Julian Köster nutzt für seine Naturkosmetik von mellow NOIR“ Kaffeeöl.

Das Startup vertreibt einen Facial Moisturiser als Tages- und Nachtfluid mit Ectoin, niedermolekularer Hyaluronsäure und Vitamin E, einen Concentrated Booster mit straffendem Hyaluron Serum und Kirschblütenextrakt. Und ein Vitamin C-Serum gegen frühzeitige Hautalterung mit 1.5 Prozent natürlichem Vitamin C aus Acerola und Shea Butter. So soll die Haut 24 Stunden gepflegt werden können, straffer wirken und weniger trocken sein.

Nach dem Pitch hieß es Händeschmieren und Schnuppern für die Löwen, die sich im Laufe des Gesprächs immer interessierter an der Idee des Gründers zeigten und auch angenehm empfanden, wie konservativ Köster seine Umsatzplanung anlege (467.000 Euro im dritten Jahr). Glagau war der erste der ging, es sei nicht sein Bereich. Wöhrl hatte sich danach entschlossen schweren Herzens kein Angebot zu machen, auch sie wäre die falsche Partnerin.

Zwei Angebote und Fingerspitzengefühl

Williams lobte anschließend mellow NOIR als das beste Kosmetikprodukt seit Showbeginn. Auch Kofler fand daran gefallen. Er bot 100.000 Euro für 30 Prozent Anteile. Dümmel fand den Ansatz „Nachhaltigkeit“ toll und meinte, er würde den Gründer in die Kaufhäuser bringen. Er „matchte“ Koflers Angebot.

Danach widersprach Williams Dümmel. Kosmetik sei ein Fingerspitzengefühl-Geschäft. Sie empfände es gefährlich flächendeckend mit dem Produkt hinauszugehen. Man müsse an der Brand und Glaubwürdigkeit arbeiten. Es gehe um Storytelling. Sie bot 100.000 Euro für 35 Prozent. Köster nahm die Dame der Runde mit ins Boot. Deal für mellow NOIR.

Ein Sauerstoffverdränger in der „Höhle der Löwen“

Weinhändler und Erfinder Hubert Koch war der nächste in der „Höhle der Löwen“. Er hat jahrelang nach einer Lösung gesucht und nun ein Produkt entwickelt, mit dem man den Sauerstoff aus der Weinflasche verdrängt und dadurch der Wein länger haltbar bleiben soll. Die Winemaster Bottle besteht im Wesentlichen aus diesen Komponenten: Einer Glasflasche, einem verschiebbaren Flaschenboden und einem Ventilverschluss. Der angebrochene Wein wird einfach in den Winemaster umgefüllt und der Flaschenboden nach oben gedrückt, sodass der Sauerstoff durch den Ventilverschluss entweichen kann. So soll man den Wein deutlich länger genießen können. Um mit seiner Idee Erfolg zu haben und im Handel gelistet zu werden, benötigte Hubert Koch 100.000 Euro und wollte dafür 30 Prozent seiner Firmenanteile abgeben.

Winemaster
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Hubert Koch will mit seiner Winemaster Bottle Weine länger frisch halten.

Durch einen verschiebbaren Flaschenboden und ein Ventil im Verschluss kann der Sauerstoff aus der Flasche herausgedrückt und vom Wein separiert werden. Dafür muss lediglich das Ventil herunter- und der Flaschenboden nach oben gedrückt werden. So nimmt der Wein und nicht Luft den Großteil des Flascheninneren ein, der Rebensaft kommt weniger in Berührung mit Sauerstoff und oxidiert weniger stark. Damit soll der Trunk nicht mehr nur kurz, sondern gegenüber vielen anderen Systemen deutlich länger haltbar gemacht werden können.

Ein Angebotsregen in der „Höhle der Löwen“

Der Gründer hat eine „erste Initialmenge“ von 200.000 Stück des Winemaster bestellt und bezeichnete sich beim Vertrieb als „völlig talentfrei“. Williams verabschiedete sich als erste, sie wolle sich nicht mit Weinen beschäftigen. Glagau und Wöhrl, die sich besprochen hatten, boten 100.000 Euro für 30 Prozent. Auch Dümmel hatte angebissen, nannte das Produkt zwar erklärungsbedürftig, wollte aber ebenfalls mit 100.000 Euro für 30 Prozent Beteiligung einsteigen. Kofler, der zugab, anfangs skeptisch gewesen zu sein, reihte sich ein und machte das gleiche Angebot. Koch entschied sich für Ralf Dümmel. Deal für Winemaster.

Startup aus Österreich

Die letzten Gäste in der „Höhle der Löwen“ kamen aus Österreich und sorgten für eine Premiere: Eine echte Marschkapelle spielte auf. Die Gründer Patrick Rupprecht, Carina Eigner und Markus Wenzl von Marschpat aus Niederösterreich präsentierten den Investoren ihr digitales Notenbuch. „Wir digitalisieren und revolutionieren die Blasmusik und holen diese endlich ins 21. Jahrhundert“, erklärte Eigner, während Rupprecht, Initiator von Marschpat, ergänzte: „Das digitale Notenbuch kann noch viel, viel mehr. Mit dazugehöriger Vereins- und Notenverwaltung erleichtern wir das Musizieren, Marschieren und Organisieren erheblich.“

Marschpat digitalisiert Noten

Schwere Notenbücher, für jedes Instrument einzeln kopierte oder im Internet mühsam zusammengesuchte Notenblätter sollen nun der Vergangenheit angehören. Marschpat bietet Blasmusikern die Möglichkeit Noten von bekannten Verlegern und Komponisten digital anzuzeigen und zu managen. Kapellen und Blasmusikvereine können darüber hinaus ihre Mitglieder, Auftritte und Proben mit Marschpat organisieren. Mit einem Investment von 300.000 Euro wollte das Trio die Entwicklung von neuen Features beschleunigen und die Vertriebsmaßnahmen intensivieren. Im Gegenzug boten sie 20 Prozent ihrer Firmenanteile an.

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Markus Wenzl (l.), Patrick Rupprecht und Carina Eigner aus Österreich stellten ihr Marschkapellenbuch „Marschpat“ vor.

Die Noten der jeweiligen Lieder lassen sich über das Marschpat für das passende Instrument auswählen. Auch Events können erstellt werden, bei dem nicht nur die einzelnen Notenstücke sichtbar sind, sondern auch die Namen der Musiker und Musikerinnen angezeigt werden. Nach dem Pitch wollte Williams wissen, warum der Marschpat besser als der Kindle oder das iPad sei, bei dieser Konkurrenz bräuchte man es doch nicht. Die Gründer argumentierten, mit der Anti-Spiegelfunktion und damit, dass ihr Gerät wasserfest, stoßfester und leichter als das Apple-Produkt sei.

Saas-Modell

Den Marschpat gibt es in verschiedenen Größen und Versionen für daheim und fürs Orchester. Das Kernprodukt ist die Software, das Startup arbeitet aber mit einem SaaS-Modell, das 17,90 Euro pro Monat kostet. Beim Abo werden die Noten zur Verfügung gestellt und die Software laufend aktualisiert. Für Vereine gibt es die extra die Möglichkeit auf ein günstigeres Vereins-Abo-Modell zurückzugreifen.

Als die Gründer ein Beispiel brachten, indem ein Blasmusikverein in diesem Modell 23 Euro im Monat für alle Musiker zahlen müsste, die Privatperson aber 17.90 Euro, sorgte das für leichte Verwirrung unter den Löwen. Glagau merkte an, dass es dann von Kundenseite schlauer wäre, sich zusammenzutun und einen Verein zu gründen. Aufgeklärt wurde das Ganze dann von Eigner, die erzählte, dass man einmalig 100 Euro Anschaffungskosten fürs Gerät zahlen würde, exklusive des Abo-Preises für die Software.

Verhandlungen mit Verlegern am Laufen

Glagau verstand dennoch das Geschäftsmodell nicht und stieg aus. Das bisher umsatzlose Startup wies sich dann als „early stage“ aus, da man noch (zum Zeitpunkt der Aufzeichnung) mit Verlegern über Musik-Lizenzen verhandele. Williams kannte die Szene aus ihrem Musikstudium etwas, nannte die Verleger mühsam und stieg aus. Danach ergriff Eigner emotionalisiert das Wort und erzählte von ihrem bisherigen Weg. Sie kämpfte mit feuchten Augen, was von den Investoren honoriert wurde, aber nicht verhinderte, dass Dümmel als nächster ging.

Harte Kritik von Kofler

Danach griff Maschmeyer den hohen Unternehmenswert auf. Die Gründer erklärten, dass die Web-App und Software fertig seien und viel Arbeit drin stecke. Zudem beinhalte der Business-Plan einen zukünftigen Umsatz von zwei Millionen Euro. Maschmeyer zweifelte daran und meinte, die Firma sei noch keine 1,5 Millionen Euro wert. Auch er ging ohne Angebot. Kofler meinte abschließend, dass die unternehmerische Gesamtkompetenz des Teams ihn nicht gänzlich überzeugte. Nicht Eigner, aber beide Herren müssten da etwas nachlegen, vor allem was die Beantwortung der Fragen beträfe. Der Südtiroler hätte sich gewünscht, dass die geforderte Summe nicht bei 300.000 Euro, sondern bei 50.000 Euro gelegen hätte, weil sie so früh dran wären. Dann hätte er Lust gehabt einzusteigen. Maschmeyer und Williams erwiesen sich nachher bei traurigen Gründern und einer tränenerfüllten Gründerin als tröstende Löwen und wünschten den Niederösterreichern viel Erfolg. Dennoch, kein Deal für Marschpat.

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vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten

Es ist wieder soweit: Die halbjährliche Trilogie der EY-Reports zur Startup-Finanzierung in Österreich wird mit der gewohnten Hiobsbotschaft komplettiert. Während die allgemeine Investment-Statistik Zyklen unterliegt, die sich in der langfristigen Betrachtung durchaus aufwärts bewegen, zeigt sich beim Female Startup Funding Index, den EY gemeinsam mit Female Founders und Fund F herausbringt, immer das gleiche Bild: Verbesserungen und Verschlechterungen passieren im Prozentpunkt-Bereich auf konstantem Keller-Niveau.

94,9 Prozent des Kapitals an rein männliche Teams

Die konkreten aktuellen Zahlen: Von den statistisch erfassten 472 Millionen Euro Risikokapital für österreichische Startups im ersten Halbjahr 2026 flossen 94,9 Prozent an rein männliche Founding-Teams, gemischte Teams erhielten 4,8 Prozent des Kapitals und rein weibliche Teams lediglich 0,3 Prozent; der Frauenanteil unter den Gründer:innen von Startups mit Investment im ersten Halbjahr liegt bei nur 13 Prozent; nur drei der 95 für den Index analysierten Startups mit Finanzierung haben ein ausschließlich weibliches Founding-Team; und bei Finanzierungen über zehn Millionen Euro gibt es kein einziges Gründungsteam mit weiblicher Beteiligung.

Fassl: „Der Aufschwung hat ein Geschlecht“

„2026 ist das Kapital zurück: 472 Millionen Euro Risikokapital für Österreichs Startups, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr, und so viele Finanzierungsrunden wie nie zuvor. Bei Frauen ist davon nichts angekommen. Während rein männliche Teams fast das gesamte Volumen einsammelten, gingen 0,3 Prozent des Geldes an rein weibliche Teams – rund 1,4 Millionen Euro im gesamten Halbjahr. Damit ist klar: Der Aufschwung hat ein Geschlecht“, kommentiert Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F und Co-Gründerin von Female Founders.

Dass die Schieflage auch in einem starken Marktumfeld bestehen bleibt, habe mehrere Gründe, analysieren die Studienautor:innen: Große Finanzierungsrunden würden häufig von etablierten Venture-Capital-Fonds getragen, die auf bestehende Netzwerke, frühere Investmenterfolge und bekannte Muster zurückgriffen. Gleichzeitig zeige sich seit Jahren, dass Gründerinnen insbesondere beim Zugang zu Investorennetzwerken und großen Wachstumsfinanzierungen häufiger auf Hürden stoßen. Genau diese späten Finanzierungsphasen hätten jedoch den größten Einfluss auf die Verteilung des investierten Kapitals. „Das Problem beginnt nicht erst bei der Finanzierung, wird dort aber besonders sichtbar“, kommentiert Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.

Fürst: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ“

Wie oben erwähnt, liegt der Frauenanteil unter den Gründer:innen jener Startups, die erfolgreich eine Finanzierung erhalten haben, bei rund 13 Prozent (31 von insgesamt 248 Gründer:innen). Eine weitere Aufschlüsselung: Von den insgesamt 95 erfassten Startups mit Investment im ersten Halbjahr, deren Gründungsteam bekannt ist, haben 72 ein ausschließlich männliches Founding-Team (76 Prozent), weitere 20 ein gemischtes Team (21 Prozent) und lediglich drei ein rein weibliches Gründungsteam (3 Prozent). Dabei handelt es sich um Factorymaker, Faund Social Dating Club und Recruitiverse.

Natascha Fürst, CEO von Female Founders, leitet daraus ab: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ: Es gründen genug Frauen – das Problem ist, wer von ihnen ans Kapital kommt.“ Die Studie zeige kein Problem an der Gründungsbasis, sondern ein strukturelles Versagen des Kapitalmarkts. „Und das lässt sich nicht wegdiskutieren“, so Fürst.

Lisa-Marie Fassl legt nach: „Noch nie saßen so viele Frauen in finanzierten Gründungsteams wie jetzt: 13 Prozent. Und trotzdem floss fast das komplette Kapital an rein männliche Teams. Mehr Frauen am Tisch heißt offensichtlich nicht mehr Geld für Frauen. Wer glaubt, dass das der nächste Aufschwung von selbst reguliert, hat die letzten vier Jahre die Augen zugemacht. Es wird Zeit, dass wir aufhören, eine rationale, wirtschaftliche Diskussion emotional zu führen. Denn als Standort lassen wir Rendite auf dem Tisch liegen, nachweislich, Jahr für Jahr.“

Keine Frau in Gründungsteams mit Investments über 10 Mio. Euro

Konkret lag bei Startups mit Finanzierungen bis zu einer Million Euro der Gründerinnenanteil bei 17 Prozent. Bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro waren acht der insgesamt 75 Gründer:innen Frauen (11 Prozent). Bei allen analysierten Finanzierungen über zehn Millionen Euro bestanden die bekannten Gründungsteams ausschließlich aus Männern.

„Dass Gründerinnen bei kleineren Runden sichtbar sind, bei größeren Tickets aber praktisch verschwinden, zeigt sehr deutlich, wo die größte Herausforderung liegt: beim Zugang zu Wachstumskapital. Dort entscheidet sich letztlich, welche Unternehmen zu internationalen Champions werden“, analysiert Florian Haas.

Health-Sektor sticht positiv heraus

Deutliche Unterschiede beim Gender Investment Gap zeigen sich übrigens auch im Branchenvergleich: Hier sticht vor allem der Health-Sektor heraus, in dem insgesamt 17 Startups eine Finanzierung erhielten. Dort lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent. Unter den insgesamt 48 Gründer:innen dieser Unternehmen befanden sich elf Frauen. Demgegenüber weisen mehrere technologieintensive Bereiche keine einzige Gründerin unter den finanzierten Startups auf, darunter SpaceTech/NewSpace, FinTech/InsurTech, Education, DefenseTech sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

„Gerade der Bereich Health zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven in Gründungsteams zusammenkommen“, kommentiert Natascha Fürst. „Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsfaktor. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel führen zu besseren Produkten, neuen Märkten und nachhaltigeren Unternehmen.“

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