24.09.2019

Höhle der Löwen Folge 4: Georg Kofler rastet bei „Social Startup“ aus

In der vierten Folge der aktuellen Staffel von "Die Höhle der Löwen" ging es um Instant-Food, eine neuartige Nagelfeile und digitale Studienfinanzierung. Zudem konnte sich Investor Georg Kofler nicht im Zaum halten, redete sich in Rage und warf einem Startup "Heuchelei" vor.
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Höhle der Löwen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Judith Williams, Nils Glagau, deinestudienfinanzierung, LaRabollita, Instant, Georg Kofler
(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer - Bastian Krautwald, Alexander Barge und David Meyer präsentierten mit "deineStudienfinanzierung" eine Plattform, die das Investoren-Interesse erregte.
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Der Erste in der vierten Folge der aktuellen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ war Koch Fabian Zbinden. Der gebürtige Schweizer hat mit LaRibollita (mittlerweile in Instant Fresh umbenannt) ein Fertiggericht entwickelt.

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Die Instant Meals enthielten keine künstlichen Konservierungsstoffe, seien glutenfrei und vegan, pitchte der Gründer. Die Zubereitung sei einfach: Wasser kochen, aufbrühen und umrühren. Nach vier Minuten könnten die Mahlzeit gegessen werden. Die Verpackung könne man zudem klimaschonend im Altpapier entsorgen. Der Gründer wollte 42.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

LaRibollita: „Person vor Produkt“

Nach der Kostprobe, die allen Juroren mundete, meinte Carsten Maschmeyer, im Vergleich zu anderen Instant-Gerichten, sei LaRibollita „echtes Essen“. Der Gründer überzeugte mit seiner Einstellung und wurde vom Investor als Musterbeispiel für das Prinzip „Person vor Produkt“ gelobt. Jedoch sah Maschmeyer Probleme mit der Skalierbarkeit und stieg aus. Georg Kofler fiel es schwer, sich zu verabschieden, jedoch konnte er „dem Gründer nicht helfen“ und ging ebenfalls. Ralf Dümmel meinte indes, Zbindens Business sei ein „schweres Geschäft“, die 45 Tage-Haltbarkeit des Produkts wären ein Problem. Im Lebensmittelhandel seien im Sinne der Kühlketten-Lagerung die besten Plätze in Tankstellen oder Märkten hart umkämpft. Auch er ging ohne Deal-Angebot.

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(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Fabian Zbinden kämpfte um ein Investment für sein Startup „La Ribollita“ (Instant Fresh).

Den Investor mal unterbrechen

Der Gründer gab nicht auf und pitchte weiter. Zbinden meinte, er könne sein Produkt auch „aus dem Kühlschrank“ bekommen, wenn nötig, aber prinzipiell handele es sich um ein gesundes Produkt mit Vitaminen. Als Neo-Löwe Nils Glagau bereits ansetzte, sich ebenfalls als Investor zu verabschieden, unterbrach ihn Zbinden und argumentierte erneut in seinem Sinne. Dies brachte den Investor dazu, doch noch ein Angebot zu machen: 42.000 Euro für 20 Prozent Anteile – wie gefordert.

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Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl wollte ebenfalls dabei sein und beriet sich mit Glagau. Die beiden Löwen kamen schlussendlich mit einem neuen Angebot zurück: zweimal 13 Prozent für insgesamt 66.000 Euro. Der Gründer schlug ein. Deal für LaRibollita.

Sirplus: 11 Millionen Euro Bewertung

Die zweiten bei „Die Höhle der Löwen“ waren Raphael Fellmer und Martin Schott. Mit Sirplus wollen sie den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung angehen. Das Unternehmen hat einen Onlineshop für abgelaufene, noch essbare Lebensmittel und sogenannte „Rettermärkte“, wo bereits abgelaufene, aber noch verwertbare Lebensmittel vor Ort erstanden werden können. Die Gründer wollten 700.000 Euro für 6 Prozent Anteile.

5 Jahre Geldtsreik

Nach dem Pitch lobte Ralf Dümmel das Thema des Startups und wollte mehr von den Gründern wissen. CEO Raphael Fellmer erzählte, er hätte fünf Jahre im „Geldstreik“ gelebt. Der Gründer habe aus Protest gegenüber der Verschwendung von Lebensmittel und als Erinnerung daran, dass weltweit 800 Millionen Menschen an Unterernährung leiden, in diesem Zeitraum kein Geld angenommen oder ausgegeben und als „Mülltaucher“ davon gelebt, was andere (etwa Supermärkte) weggeschmissen hätten.

Die hohe Bewertung komme deshalb zustande, so Fellmer, da Sirplus im Vorjahr 1,2 Millionen Euro Umsatz mit über 100.000 Kunden erwirtschaftete, über ein starkes Wachstum verfüge und als Ziel in den nächsten fünf Jahren über 130 Millionen Euro Umsatz habe – und das bei geplanten 26 Millionen Euro Gewinn.

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TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Investor Georg Kofler redete sich bei einem Startup ziemlich in Rage.

Eklat bei der „Höhle der Löwen“: „Moralaposteln als obergierige Kapitalisten“

Dies löste bei einem Investor Verärgerung aus. Georg Kofler störte sich am „moralisierenden Schöngerede vom Geschäftsmodell“. Er meinte, die Gründer würden nicht Lebensmittel retten, sondern ganz billig einkaufen und teurer Weiterkaufen. Es sei ein normales „kaufmännisches Geschäft“, ihr Auftritt jedoch wirke nach „Moralaposteln, die die Welt retten wollen“. Die Bewertung lasse die beiden Unternehmer als „obergierige Kapitalisten“ erscheinen.

„Kein besserer Mensch“

Nach dieser Rage, stoppte Kofler nicht und hakte nach, ob Fellmer während des Geldstreiks Steuergeld angenommen oder öffentliche Zuwendungen bezogen hätte. Es schien, als ob er den jungen Mann demaskieren wollte. Der Gründer gab zu, mit dem erhaltenem Kindergeld die Krankenversicherung bezahlt zu haben. Dies brachte den Investor dazu, dem geknickten Founder an den Kopf zu werfen, er solle in seiner moralisierenden Art und Weise nicht so tun, als ob er ein besserer Mensch wäre. Er fände dies unglaubwürdig.

„Gieriger als der freie Kapitalist“

Und es ging weiter. Kofler schaffte es nicht, sich zurückzuhalten und ging erneut auf die Bewertung ein, die er als absurd bezeichnete. Sinngemäß meinte er, die Gründer würden etwas von „Geldstreik“ erzählen und nun versuchen rasch zu Multi-Millionären zu werden. Das sei „gieriger als der freie Kapitalist“, der sich dazu bekenne. Er stieg aus.

Multi-Millionäre sind per Sie

Wo man jetzt ein Ende des Ausbruchs vermuten hätte können, irrte man als Zuseher erneut. Fellmer bedankte sich für das Statement und dutzte den Investor dabei. Dessen Reaktion: “ Wir sind nicht per Du. Unter Multi-Millionären ist man eine Weile per Sie“.

Bruch in der Erzählung

Maschmeyer ließ die Gründer danach nicht zu Wort kommen. Er fand die Aktionen des Gründers interessant, machte aber einen Widerspruch aus. Noch nie habe es in der Sendung ein Startup gegeben, dass davon sprach 26 Millionen Euro Gewinn zu machen. Das sei ein enormer Bruch vom Geldstreik zu dieser Zahl. Deshalb sei auch er raus. Und auch Dümmel verabschiedete sich.

Welt mit Geld verändern

Danach erklärte Fellmer, das weltweit jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel vernichtet würden. Es sei nicht möglich, dies alles mit „freiwilligem Engagement“ zu retten. Es gehe dem Team nicht ums Geld, sondern darum die Welt nachhaltig mit Geld zu verändern. Das sah Glagau ein, die Bewertung sei aber abschreckend – die Gründer hätten scheinbar kein Interesse an Investoren, sagte er und war ebenfalls raus.

Kein Deal für Sirplus

Dagmar Wöhrl schließlich fragte nach, warum das Duo eigentlich in der Sendung sei. Man brauche Hilfe dabei, Sirplus „groß zu machen“, so die Antwort. Die Grand Dame der Pitch-Show meinte danach, mit mehr Ehrlichkeit in Sachen „Geld verdienen“ und einer gänzlich anderen Attitüde hätten beide mit Sicherheit einen Investor gefunden. Auch sie verabschiedete sich als mögliche Investorin. Kein Deal für Sirplus.

Sirplus kein Sozialverein

Im Interview danach kamen beide Gründer auf ihre Pitch-Fehler zu sprechen und meinten, die Geschichte mit dem Geldstreik wäre eventuell zu viel gewesen. Sie zeigten sich sichtlich überrollt von der Tirade Koflers und erklärten, die Erwähnung des Gewinns von 26 Millionen Euro hätte eigentlich dazu gedient, den Investoren zu zeigen, dass Sirplus eine gewinnbringende Unternehmung wäre und kein Sozialverein. Sie selber hätten entschieden, 80 Prozent der Einnahmen in nachhaltige soziale Projekte und Vereine zu reinvestieren. „Wir wollen uns nicht bereichern“, so Fellmer.

Die Gründer, wie man im Nachspann des Auftrittes sehen konnte, hatten eine gänzlich falsche Einschätzung der Jury-Mitglieder. Sie dachten, so Fellmer abschließend, die Erwähnung des sozialen Aspektes würde die Investoren nicht interessieren, und dass deren Augenmerk bloß auf nackte Zahlen ausgerichtet sei. Ein grober Fehler, wie das Duo am Ende einsah.

Mia Mia: Nagelfeile mit Metall-Gitter-Struktur

Der nächste auf der „Höhle der Löwen“-Bühne war der Diplomingenieur Davor Petrovic. Der Wiesbadener hat mit Mia Mia ein Unternehmen aufgebaut, das eine ergonomische Nagelfeile produziert. Das Produkt sei dank der Metallgitter-Stuktur sowohl für Maniküre als auch für Pediküre geeignet, pitchte Petrovic.

Zufällig manikürt

Seine Produktidee fiel Petrovic bei der Arbeit in die Hände: beim Hantieren mit Bauteilen für Rauchwarnmelder entdeckte der Entwicklungsingenieur plötzlich seine spiegelglatten Fingernägel – offenbar durch ein spezielles Edelstahl-Metallplättchen zufällig „manikürt“. Der Entwicklungsingenieur wollte von den „Höhle der Löwen“-Juroren für die Vermarktung seiner Entdeckung 90.000 Euro für 25 Prozent Anteile haben.

Skeptische Wöhrl

Die neue (Hobel)-Methode, Nägel zu feilen, weckte besonders das Interesse von Beauty-Expertin Judith Williams. Sie inspizierte die im Studio frisch gehobelten Fingernägel von Dümmel und gab dazu Feiltipps. Sie erkannte, dass die Mia Mia-Feile nicht geeignet wäre, an die Ränder des Nagels zu gelangen. Der Gründer gab zu, dass dies genau der nächste Optimierungspunkt sei, den er angehen würde. Dagmar Wöhrl zeigte sich skeptisch gegenüber der Behauptung, dass Mia Mia auch für Hornhaut-Entfernung nutzbar sei.

Investierender Dümmel

Williams meinte danach, das Produkt müsse weiterentwickelt werden. Der Gründer eroberte aber die Herzen der Jury mit Humor und Visionen und bekam von Williams das gewünschte Angebot. Auch Ralf Dümmel wollte mitmischen und bot ebenfalls 90.000 Euro für 25 Prozent. Er bekam dann auch den Deal.

Medibino: Kissen gegen Kopfverformungen

Die vorletzte in der vierten Folge von „Die Höhle der Löwen“ war Susanne Kluba. Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin entwickelte mit ihrem Startup Medibino ein Babykopfkissen, das Schädel- bzw. Kopfverformungen bei Babys verhindern soll. Seit vielen Jahren behandelt die Ärztin Babys und Kleinkinder mit lagebedingter Plagiozephalie am Universitätsklinikum Tübingen. Das ergonomische Babykopfkissen soll Kopfverformungen durch eine gleichmäßige Druckentlastung entgegenwirken. Der Babykopfschutz bestehe zudem aus hochwertigen und hautfreundlichen Materialien, pitchte Kluba. Die Gründerin und ihr Team wollten von den „Höhle der Löwen“-Investoren 350.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Die „Löwen“ nehmen den Babykopfschutz „Medibino“ genau unter die Lupe.

Rückenlage oder nicht Rückenlage

Das Kissen von Medibino sei verstellbar und wachse sozusagen mit dem Baby mit, sagte die Gründerin. Die Erfindung ist patentiert und seit 2018 als Medizinprodukt zugelassen. Neben dem Kinderbett könne der Babykopfschutz auch im Kindersitz oder Kinderwagen angewendet werden. Dagmar Wöhrl merkte jedoch gleich an, dass Babys nicht unbedingt auf dem Rücken schlafen sollten. Dem widersprach die Gründerin mit einer offiziellen Studie zur optimalen Lage von Babys. Von der pedriatischen Gesellschaft aus den USA kam 1992 die Empfehlung, Babys in Rückenlage liegen zu lassen, um die Gefahr des plötzlichen Kindstod zu minimieren, erklärte sie.

Kein Deal für Medibino

Nachdem diese Thematik besprochen war, stieg zunächst Nils Glagau aus. Er zeigte sich skeptisch aufgrund der neuen Erkenntnisse und fand in Wöhrl eine Nachahmerin. Zwei Investoren waren damit draußen. Die Gründerin betonte daraufhin ihre Kompetenz und dass sie sich mit dem Thema über ein Jahrzehnt beschäftigt und darin habilitiert habe. Ralf Dümmel verließ den Lage-Diskurs und stieg aufgrund der zu hohen Firmenbewertung aus. Georg Kofler empfand das Produkt als „sinnvoll und liebenswert“, Medizinprodukte seien aber nicht sein Feld. Auch er ging ohne Investment.

Am Ende blieb Carsten Maschmeyer über, der selbst einmal Medizin studiert hatte. Er lobte die Dental- und Human-Ärztin „als Charakter“, jedoch sei diese Erfindung wenig innovativ. Auch er stieg aus und Medibino blieb bei „Die Höhle der Löwen“ ohne Investor über.

Digitale Studenfinanzierungs-Erleichterung

Den Abschluss der vierten Folge von „Die Höhle der Löwen“ bildeten David Meyer, Alexander Barge und Bastian Krautwald. Die Berliner kreierten mit DeineStudienfinanzierung eine digitale Plattform, die bei Studierenden Klarheit bei der Studienfinanzierung schaffen soll. Sie soll Studierende unter anderem bei der Antragstellung unterstützen, um Verschuldungen während des Studiums zu vermeiden. Umfasst werden dabei folgende Punkte: Überprüfung des Anspruchs auf BAföG, Studienkredit und Bildungsfonds Brain Capital, Berechnung der Höhe eines BAföG-Anspruchs, Formblätter erhalten und einreichen, und online Verträge unterschreiben.

+++ Finanzierung per Bootstrapping: Eine Anleitung für Neo-Gründer +++

Halbe Million Euro gesucht

In Deutschland hätten im vergangenen Jahr 250.000 Studierende ihr Studium aufgrund mangelnder finanzieller Mittel abgebrochen. Das führten die Gründer unter anderem auf Unwissenheit und die Bürokratie zur Beantragung von finanziellen Mitteln zurück. Sie wollten von den „Höhle der Löwen“-Juroren für ihre Online-Antragshilfe eine halbe Million Euro für 12,5 Prozent Beteiligung.

Williams‘ Studienabbruch

Dagmar Wöhrl hatte Probleme, die Idee aufzugreifen und stieg gleich am Anfang aus. Der Rest zeigte sich interessiert. Ralf Dümmel wollte seine Kollegen schocken und tat so, als ob er investieren möchte, wusste aber zu seinem Leidwesen nicht, wie er dem Trio helfen könne. Williams erzählte von ihrem Studienabbruch aufgrund einer Krankheit und den finanziellen Hürden, es danach wieder aufzunehmen. Sie erkenne die Sinnhaftigkeit der Plattform, stieg aber aus, da ihr das Know-How fehle, sagte sie.

Thelen: „Digitalisierung von Dokumenten eine Herzensangelegenheit“

Tech-Investor Frank Thelen nannte die Digitalisierung von Dokumenten eine „Herzensangelegenheit“, in die er viel Geld und Zeit investiert habe. Er fände, es brauche mehr Leute, die in Ruhe studieren könnten. Bezüglich der hohen Firmenbewertung erzählten die Gründer von einer bereits getätigten Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von drei Millionen Euro. Dabei seien Investoren wie Christian Gaiser, Kaufda-Gründer oder Lucas von Cranach, CEO & Founder von Onefootball.

Der „bescheidene“ Georg beim fünften „Höhle der Löwen“-Pitch

Thelen war beeindruckt und warb für sich als Partner mit seinem Netzwerk und Tech-Team. Jedoch wollte er 20 Prozent für 500.000 Euro haben. Medien-Investor Georg Kofler nannte sich in der Selbst-Darstellung bescheidener als Thelen und bot schlicht 500.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Vorteil, einen Thelen zu haben

Die Gründer kamen mit einem Gegenangebot zurück. Aufgrund des bestehenden Investorenkreises könnte man für die halbe Million nicht mehr als 15 Prozent abgeben. Es gebe bestehende Absprachen. Thelen meinte, wenn er 17,5 Prozent Anteile bekäme, würde er den Investoren die Vorteile seines Einstiegs schon noch erläutern. Halbe-Million-Deal für die DeineStudienfinanzierung.

Anmerkung der Redaktion: Wie wir vom Gründer-Trio erfuhren gelang die Vereinbarung mit den Bestandsinvestoren letztendlich nicht – mehr dazu hier!


⇒ LaRibollita

⇒ Sirplus

⇒ Mia Mia

⇒ Medibino

⇒ DeineStudienfinanzierung

⇒ DHDL-Folgen zum Nachsehen auf TVNOW

⇒ DHDL

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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