03.09.2019

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

Beim Start der sechsten Staffel von "Die Höhle der Löwen" sah man Ski für Rollstühle, temporäre Tattoos aus dem Gel einer Amazonas-Frucht und Bratpulver, das das lästige Spritzen beim Braten reduzieren soll. Zudem gab es ein Novum seit dem bestehen der Sendung: Nach dem Platzen eines Deals sind zwei Investoren einem jungen Gründer hinter die Kulissen "nachgejagt".
/artikel/hoehle-der-loewen-jagende-investoren
Höhle der Löwen, Paudar, Sphery, Jagua for You, Wheel Blades, Skills 4 School, Marketing, Startup, TV, TV-Show, Carsten maschmeyer, Georg, Kofler, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Nils Glagau, Ralf Dümmel
(c)TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Rubin Lind sorgte bei Höhle der Löwen für ein Novum mit seiner SchulApp
sponsored

Den Anfang der ersten Folge der neuen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ machten Johannes Schmidt und Deniz Schöne. Ihr Startup Paudar bietet Bratfett in Pulver-Form, ergo „Bratpulver“, an. Das Produkt besteht zu 100 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen und ist vegan und halal. Es sei leicht zu dosieren und könne hoch erhitzt und statt Öl verwendet werden, sagen die Gründer. Die beiden Wirtschaftsingenieure und Hobbyköche wollten für ihr einfach zu dosierendes Fett, das lästige Spritzer reduziert, 125.000 Euro für 12,5 Prozent Anteile haben.

+++ KMU meet Startups & Corporates in Wattens | Tirol +++

Palmöl als Problem für Dagmar Wöhrl

Investor Georg Kofler brachte es auf den Punkt, dass – nach den stichhaltigen Argumenten der beiden Düsseldorfer Gründer – eigentlich nur der Geschmack des Fleischs zähle. Nach der Kostprobe, die die ganze Jury überzeugte, fragte die Unternehmerin und ehemalige Miss Germany Dagmar Wöhrl nach den Ingredienzien. Als Palmöl als Inhaltsstoff fiel, zeigte sich die Ex-Politikerin emotionalisiert, ließ sich aber durch das Founder-Duo beruhigen. Paudar würde nachhaltig bewirtschaftetes und zertifiziertes Palmöl verwenden.

Höhle der Löwen, Paudar, Sphery, Jagua for You, Wheel Blades, Skills 4 School, Marketing, Startup, TV, TV-Show, Carsten maschmeyer, Georg, Kofler, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Nils Glagau, Ralf Dümmel
c) TVNOW / Frank W. Hempel – Deniz Schöne (2.v.r.) und Johannes Schmidt (r.) präsentierten mit „Paudar“ ein pflanzliches Bratfett in Pulverform.

Video: Florian Kandler bewertet Paudar Bratpulver

Vier Investoren interessiert

Kofler war der erste, der mit ein Angebot herausrückte: 150.000 Euro für 20 Prozent lautete es. Neo-Investor Nils Glagau stieg in die Bieter-Runde ein und wollte 15  Prozent für 150.000 Euro. Ralf Dümmel bot ebenfalls 150.000 Euro für 20 Prozent und betonte, dass er seine ganze Power zur Verfügung stellen würde. Während Unternehmer Carsten Maschmeyer ausstieg, war Dagmar Wöhrl die vierte in der Runde, die bei Paudar mitmachen wollte. Auch sie bot die 150.000 Euro für 15 Prozent.

Wettbieten um Bratpulver

Als Maschmeyer bereits zur Zusammenfassung ansetzte, unterbrach ihn Kofler und verbesserte sein Angebot auf 250.000 Euro für 25 Prozent. Dies löste eine neue Angebotswelle aus. Dümmel blieb bei seiner Forderung einer 20-prozentigen Beteiligung und bot dafür 200.000 Euro. Auch Wöhrl ging plötzlich auf 200.000 Euro hoch. Daraufhin garantierte Kofler zusätzlich 250.000 Euro „Working Capital“, was alle anderen das selbe Versprechen abgeben ließ. Nach kurzer Beratungsphase entschieden sich die beiden Gründer für Ralf Dümmel, der seine Freude und Aufregung über den Deal zeigte, indem er Schmidt und Schöne seine nassen Handflächen beim Handschlag vorwies.

Schnee-Kufen für Rollstühle und Kinderwägen

Der zweite Pitch des abends kam von Patrick Mayer mit Wheelblades. Hierbei geht es um Schnee-Kufen für Rollstühle und Kinderwägen. Das Produkt soll anderen Menschen im Rollstuhl ein wenig Unabhängigkeit wiedergeben. Vor allem im Bereich Winter und Wintersport möchte der Gründer mit seinen Wheelblades betroffenen Sportlern neue Möglichkeiten eröffnen.

Schwerer Sportunfall im April 2000

Mit 21 Jahren hatte der Erfinder einen schweren Sportunfall und ist seitdem auf Gehhilfen und einen Rollstuhl angewiesen. Er hatte den Traum, ein professioneller Snowboarder zu werden und aus einer Notwendigkeit heraus schlussendlich 2008 die Idee zu Wheelblades. Seine Forderung: 100.000 Euro für 20 Prozent Firmenanteile.

Video: Florian Kandler bewertet Wheelblades

Kein Deal für Wheelblades

Investoren-Ikone Frank Thelen war voller Lob für die Produkte des Unternehmens, stieg aber dennoch aus, da das Business-Modell nicht sein Gebiet sei. Es kam infolge zu Diskussionen über Marketing-Möglichkeiten und deren Kosten. Dümmel meinte, man bräuchte mehrere Millionen um ein Produkt bekannt zu machen, was aber nicht zwangsweise bei Wheelblades nötig wäre. Der Gründer müsse in den Markt von Rollstühlen und Kinderwägen rein. Er stieg aus, so wie auch Dagmar Wöhrl, die auch keine Möglichkeit sah, zu helfen. Carsten Maschmeyer hatte zuviel Respekt vor dem Markt und stieg als letzter Investor aus. Kein Deal für Patrick Mayer.

+++ Pitch Doktor Florian Kandler analysiert wieder “Die Höhle der Löwen” +++

Temporäres Tattoo bei „Die Höhle der Löwen“

Die nächste im Bunde der Investoren-Suchenden war Janet Carstensen. Die Hamburgerin hatte die Idee zu einem natürlichen „Tattoogel“, das nach zwei Wochen wieder verschwindet. Für Jagua for You wollte die Gründerin 150.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Das Gel im Fläschchen wird aus der Frucht des Jenipapo-Baumes im Amazonas gewonnen. Bei den lokalen Einwohnern wird das Jagua seit Jahrhunderten zur temporären Körperbemalung genutzt. Mit dem Gel ließen sich temporäre Tattoos ohne Rückstände und Nebenwirkungen zeichnen, sagt die Gründerin.

Sie trumpfte damit auf, dass sie die Köpfe der Jury-Mitglieder als Tattoos auf ihrem Körper präsentierte und meinte, sie hätte dafür bloß die halbe Flasche gebraucht. Nachdem sich die Löwen als Künstler betätigt hatten und selbst Tattoo-Formen zu gestalten versuchten, meldete sich Home-Shopping-Expertin Judith Williams als Versuchskaninchen und ließ sich „tätowieren“.

Video: Florian Kandler bewertet Jagua for You

Vorteil der Kurzweiligkeit der Tattoos

Dann startete die übliche Gebotsrunde. Frank Thelen meinte zwar, bei Jagua for You handle es sich um ein gutes Produkt, stieg aber aus. Er würde ohne Tattoos sterben. Dem Rest der Jury gefiel der Gedanke der Kurzweiligkeit, womit sich Unentschlossene ein Tattoo auf Probe besorgen könnten. Dennoch stiegen auch Maschmeyer und Dümmel aus.

Zwei Löwen wollen mitmachen

Williams hingegen nannte die Gründerin einen „Schatz“ und bot die geforderte Summe für 30 Prozent Anteile. Daraufhin bekundete Nils Glagau sein Interesse und wollte für 150.000 Euro bloß 20 Prozent. Nach kurzer Überlegung und nachdem die Gründerin meinte, beide wären ihre Wunsch-Investoren, berieten sich beide Jurymitglieder und boten gemeinsam 150.000 Euro für 30 Prozent. Eine überglückliche Gründerin nahm an: Deal.

Gaming-Cube als Fitnessgerät

Der vorletzte Pitch des Abends kam von Sphery. Dabei handelt es sich um ein zertifiziertes Fitnessgerät mit Gaming-Elementen, den ExerCube. Jener verbindet Fitness mit Gamification  – auf wissenschaftlicher Forschungsbasis, wie die Gründer Stephan Niedecken, Helko Roth und Anna Martin-Niedecken betonen. Sie wollten eine halbe Million Euro für zehn Prozent Beteiligung.

Produkt für Fitness-Studio gedacht

Beim Training mit ExerCube sei der gesamte Körpereinsatz bei diversen Spielen gefragt. Zusätzlich solle das Produkt Teilnehmende kognitiv herausfordern und dabei das Gehirn trainieren. Das Fitnessprodukt, wie die Jury anmerkte, sei mit Maßen von 3 x 2 x 2,80 Metern eher für den Einsatz in Fitnessstudios geeignet.

Höhle der Löwen, Paudar, Sphery, Jagua for You, Wheel Blades, Skills 4 School, Marketing, Startup, TV, TV-Show, Carsten maschmeyer, Georg, Kofler, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Nils Glagau, Ralf Dümmel
c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Investor Georg Kofler testet den „ExerCube“ von Sphery.

Bewertung zu hoch

Nachdem Georg Kofler eher „gemütlich“ versuchte, die sportlichen Herausforderungen des Cubes zu meistern und seine Kollegen dabei amüsierte, zeigten sich die Investoren skeptisch. Das umsatzlose Unternehmen und dessen Bewertung irritierte Maschmeyer, der auch den Namen und das Logo des virtuellen Produktes in Frage stellte. Es hätte am Markt enormen Erklärungsbedarf, daher wäre der ausgerufene Unternehmenswert zu hoch.

Am Trend vorbei?

Auch Dagmar Wöhrl stieg aus. Sie meinte der Preis, damit ein Fitness-Studio den ExerCube erwerbe, wäre mit 20.000 Euro ebenfalls zu hoch angesetzt. Kofler hingegen meinte, es gebe innovative Trainings-Center, die sich so eine Art Technologie leisten könnten. Allerdings ginge das „Sozial-Konzept“ des Produktes am Trend der Zeit vorbei. Gemeinsame Kurse und Gemeinschafts-Trainings wären jetzt modern. Und ihr Produkt sei für Einzel-Trainings gedacht. Daher müsse er aussteigen. Kein Deal für Sphery.

Schul-App als Abschluss der ersten Folge von „Die Höhle der Löwen“

Den Abschluss des Staffel-Debüts bildete der 19-jährige Rubin Lind. Er hat eine Lern-App namens Skills4School entwickelt, die Lehrer und Schüler miteinander vernetzt und die wissbegierigen Kleinen bei der Prüfungsvorbereitung unterstützen soll.

700.000 Euro gesucht

Passend zum Lernplan können mit der Skills4School-App alle Inhalte interaktiv gestaltet und der Lernfortschritt permanent beobachtet werden. Lehrende haben zudem die Option, Themenfelder zu bestimmten, Übungen auszuwählen und Schüler für das Portal freizuschalten. Durch einen Lernalgorithmus wird der individuelle Lernfortschritt ermittelt und angepasst. Für 14 Prozent Anteile wollte der Entwickler 700.000 Euro haben.

Verlust von 17.000 Euro im Monat

Der souveräne Auftritt des jungen Entrepreneurs beeindruckte die Jury-Mitglieder sichtlich. Dann nannte der Gründer Zahlen: 20.000 „monthly active User“, von denen 11 Prozent „converted“ wurden und für das Service zahlen (10 Euro im Monat), sowie die Listung im iOS-Store führen zu rund 15.000 Euro Einnahmen im Monat. Das allerdings bei monatlichen Verbindlichkeiten von 32.000 Euro.

„80er-Jahre-Technologie“ als Problem

Daraufhin wurde der junge Gründer von Frank Thelen, dessen Steckenpferd Apps sind, mit harten Fragen getestet. Die Nutzung eines Tomcat-Java-Servers (Open-Source-Webserver) nannte der Investor „80er-Jahre“ und zeigte offen seine Skepsis darüber. Lind ließ sich nicht verunsichern und entgegnete, dass alles gut funktioniere.

Silicon Valley im Kopf

Glagau und Dümmel lobten den Gründer, meinten aber sie könnten nicht helfen. Thelen störte sich an der Unternehmensbewertung, worauf der junge Mann entgegnete, er sei womöglich von seinem Silicon Valley Ausflug inspiriert worden. Daher diese Forderung. Dies sorgte für Amüsement unter den Löwen und sie erklärten Lind, man dürfe nicht den US-Markt als Referenz nehmen. Kofler stieg daraufhin als nächster aus.

Höhle der Löwen, Paudar, Sphery, Jagua for You, Wheel Blades, Skills 4 School, Marketing, Startup, TV, TV-Show, Carsten maschmeyer, Georg, Kofler, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Frank Thelen, Nils Glagau, Ralf Dümmel
c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer -Entwickler Rubin Lind wurde von den Investoren wieder zurück ins Studio geholt.

Ein Vorschlag von zwei Löwen

So blieben am Ende Carsten Maschmeyer und Frank Thelen über. Der Tech-Investor stieg aus, da die beiden genannten Gründe – Bewertung und veraltete Technologie – trotz des grandiosen Pitches des Gründers zu groß wären. Maschmeyer hingegen gab dem Gründer eine weitere Chance, wenn er sich dazu bringen ließe einen gänzlich anderen Deal zu akzeptieren. Er bot plötzlich gemeinsam mit Kofler die gewünschten 700.000 Euro für 30 Prozent. Nach kurzem Telefonat versuchte Lind zu verhandeln und brachte einen Gegenvorschlag: 25 Prozent für die vereinbarte Summe.

+++ HDL: Marketing-Experten bewerten die heutigen Kandidaten +++

Nein zu 700.000 Euro

Das wollten die Investoren nicht durchgehen lassen und wollten 28 Prozent. Die Folge: Der junge Gründer „pfiff“ auf 700.000 Euro und lehnte überraschend ab. Lind ging ohne frisches Kapital und hinterließ „traurige“ Investoren. Doch nicht für lange. Es gab ein Novum in der Show.

Ja zu 700.000 Euro

Normalerweise „laufen“ Gründer Geldgebern nach, dieses Mal war es anders. Sie holten den Entwickler nochmal ins Studio und korrigierten ihr Angebot auf 25,01 Prozent für 700.000 Euro. Doch noch ein Deal für Skills4School. Nachtrag: wie aktuell bekannt ist, ist der Deal noch nicht unter Dach und Fach. Wie eine Sprecherin von Georg Koflers „Social Chain Group“ der Bild-Zeitung mitteilte, sei man noch in der Abstimmungsphase: „Skills4School wurde am letzten Drehtag aufgezeichnet. Eine Beteiligung braucht dann ihre Zeit zur Abstimmung“, wird sie dort zitiert.


⇒ Wheelblades

⇒ Skills4School

⇒ Paudar Bratpulver

⇒ Jagua for You

⇒ Sphery

⇒ Zur Website der Startup-Show

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
27.05.2026

Cyclops: US-Stablecoin-Startup errichtet EU-Headquarter in Wien – Austro-Amerikaner als Gründer

Alex Wilson, in den USA geboren und mit einer Mutter aus Innsbruck aufgewachsen, baut mit Cyclops.io eine Stablecoin-Infrastruktur exklusiv für die Payments-Industrie. Wien wird neben Miami der einzige zweite Standort des US-Unternehmens weltweit – und zugleich das EU-Headquarter. Im brutkasten-Interview erklärt der Co-Founder und Co-CEO, warum die Wahl auf Österreich fiel.
/artikel/cyclops-us-stablecoin-startup-errichtet-eu-headquarter-in-wien
27.05.2026

Cyclops: US-Stablecoin-Startup errichtet EU-Headquarter in Wien – Austro-Amerikaner als Gründer

Alex Wilson, in den USA geboren und mit einer Mutter aus Innsbruck aufgewachsen, baut mit Cyclops.io eine Stablecoin-Infrastruktur exklusiv für die Payments-Industrie. Wien wird neben Miami der einzige zweite Standort des US-Unternehmens weltweit – und zugleich das EU-Headquarter. Im brutkasten-Interview erklärt der Co-Founder und Co-CEO, warum die Wahl auf Österreich fiel.
/artikel/cyclops-us-stablecoin-startup-errichtet-eu-headquarter-in-wien
Jonas Jünger (Managing Director, Cyclops Europe) und Alex Wilson | (c) Martin Pacher

Es ist eine Art Homecoming: Alex Wilson, Co-Founder und Co-CEO des US-Stablecoin-Startups Cyclops, wuchs in den USA mit zwei Sprachen und zwei Kulturen auf. Mit seinem Vater sprach er nur Englisch, mit seiner Mutter – einer Tirolerin aus Innsbruck – ausschließlich Deutsch. Die Sommerferien verbrachte er bei den Großeltern in Österreich, Weihnachten ging es zum Skifahren nach Kitzbühel. „Ich hatte das Glück, sozusagen mit zwei Heimatländern aufzuwachsen“, erzählt Wilson im brutkasten-Gespräch.

Jetzt kehrt der Austro-Amerikaner mit seinem aktuellen Unternehmen nach Wien zurück. Vergangene Woche eröffnete Cyclops.io seinen neuen Standort in der Bundeshauptstadt – das EU-Headquarter und gleichzeitig die einzige weitere Niederlassung neben dem Hauptsitz in Miami.

Repeat Founder: Von Giving Block zu Shift4 zu Cyclops

Wilson ist kein Newcomer. Gemeinsam mit seinen Mitgründern Pat Duffy und David Johnson startete er bereits 2018 das Krypto-Startup The Giving Block, eine Plattform, über die Non-Profit-Organisationen Krypto-Spenden entgegennehmen können. „2018 hat man uns angeschaut, als wären wir verrückt“, erinnert sich Wilson. „Aber wir sind dabeigeblieben.“ Das Unternehmen wurde 2022 an den börsennotierten US-Zahlungsdienstleister Shift4 verkauft. Wilson übernahm dort die Verantwortung als Head of Crypto und Head of Stablecoin – und sammelte über drei Jahre lang Erfahrung an der Schnittstelle von Krypto und traditionellem Payments-Business.

Genau diese Jahre wurden zum Ausgangspunkt für Cyclops. „Wir haben bei Shift4 Produkte für Pay-with-Crypto, Stablecoin-Settlement und Stablecoin-Payouts gebaut – mit einem Flickenteppich an bestehenden Lösungen. Es war viel schwieriger, als es hätte sein müssen“, so Wilson. Auf dem Markt habe es zwar viele Krypto-Infrastruktur-Anbieter gegeben, aber keiner sei wirklich auf die Payments-Branche spezialisiert gewesen: „Auf den Websites stand vielleicht: ‚Wir bedienen zehn Industrien, eine davon ist Payments.‘ Aber wenn man unter die Haube schaut, war das Produkt für eine Bank, einen Broker oder einen Payments-Anbieter identisch.“

Cyclops will diese Lücke schließen und fokussiert sich ausschließlich auf Zahlungsdienstleister (PSPs) – ein Hyperfokus, den die Gründer bereits bei The Giving Block (nur Non-Profits) verfolgt hatten. „Wir sind sehr B2B“, betont Wilson. Cyclops ist also keine Kryptobörse für Endkund:innen, sondern eine Infrastruktur-Plattform für Payments-Unternehmen, die ihren Händler-Kund:innen Krypto- und Stablecoin-Funktionalitäten anbieten wollen – ohne selbst zum Krypto-Unternehmen werden zu müssen.

Alex Wilson im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur | brutkasten

Warum Wien? FMA, Bitpanda – und der Talent-Pool

Bei der Standortwahl in Europa habe man einen umfassenden Prozess durchlaufen, betont Wilson: „Wir haben uns Deutschland, Irland, Malta und andere Länder angesehen.“ Ausschlaggebend für Österreich sei am Ende der MiCA-Pfad der Finanzmarktaufsicht (FMA) gewesen: „Die FMA hat einen der klarsten Wege zur Lizenz aufgezeigt. Es gibt viele Länder, die zwar ein MiCA-Framework haben, aber bisher kaum Lizenzen vergeben haben.“

Wilson nennt explizit auch Bitpanda als wichtigen Faktor: „Bitpanda hat hier großartige Vorarbeit geleistet. Danach sind KuCoin, Bybit, Bitget und viele andere gekommen. Das hat eine Community aufgebaut und uns die Tür geöffnet.“

Hinzu komme der Talent-Pool: „Wien ist ein Hub für große Finanzdienstleister. Das ist genau das Profil, das wir für Compliance-, Legal- und Regulatory-Rollen brauchen.“ Die meisten lokalen Hires sollen aus diesen Bereichen kommen, während Vertrieb und Marketing eher remote organisiert werden.

Der persönliche Bezug habe geholfen, sei aber nicht der Hauptgrund gewesen: „Wir hätten Österreich nicht gewählt, wenn die Rahmenbedingungen nicht gepasst hätten.“

Zehn Mitarbeiter:innen bis Jahresende, MiCA-Lizenz erwartet

Aktuell beschäftigt Cyclops weltweit rund 30 Mitarbeiter:innen, das lokale Team in Wien startet in kleiner Besetzung. Bis Ende 2026 soll der Wiener Standort auf rund zehn Mitarbeiter:innen wachsen. Geleitet wird das Büro von Managing Director Jonas Jünger, dazu wurden bereits ein MLRO und ein Deputy MLRO eingestellt – beides regulatorisch verpflichtende Compliance-Funktionen. Die MiCA-Lizenz selbst erwartet Wilson „hoffentlich bis Ende des Jahres“.

Damit reiht sich Cyclops in eine wachsende Liste internationaler Krypto-Unternehmen ein, die Österreich als Tor zum europäischen Markt wählen. Nach Bitpanda, Bybit, KuCoin, Cryptonow und 21bitcoin geht das nächste Unternehmen den MiCA-Lizenzweg über die FMA – mit dem Unterschied, dass es sich bei Cyclops nicht um eine Kryptobörse handelt.

Funding: Acht Millionen im Rücken – und mehr in Vorbereitung

Bereits im Oktober 2025 schloss Cyclops eine Finanzierungsrunde über acht Millionen US-Dollar ab, öffentlich kommuniziert wurde sie aber erst Anfang März 2026 – zeitgleich mit dem Stealth-Launch. Investoren waren Castle Island Ventures, F-Prime sowie strategisch Shift4 Payments selbst – also der ehemalige Arbeitgeber, der nun gleichzeitig Anchor-Kunde des Startups ist.

Im brutkasten-Interview bestätigt Wilson, dass aktuell eine weitere strategische Runde über zehn Millionen US-Dollar von Payments-Unternehmen geschlossen wird – noch vor einer formellen Series A, die im kommenden Jahr angepeilt wird. „Wir hatten gar nicht geplant, jetzt zu fundraisen“, so Wilson. „Aber nach dem Stealth-Launch im März waren wir überwältigt vom Inbound – von Kunden, Partnern, aber auch Investoren. Das hat unseren Zeitplan nach vorne gezogen.“

Zu den ersten Kunden zählen unter anderem Blue Origin – wer ein Ticket für einen Weltraumflug des Jeff-Bezos-Unternehmens kaufen möchte, kann die Zahlung über Cyclops in Krypto abwickeln – sowie der New Yorker Helikopter-Service Blade.

EU einfacher als USA – aber Mindset-Frage in Österreich

Wilson, der den US-Lizenzprozess parallel durchläuft, sieht in der EU-weiten MiCA-Regulierung einen klaren Vorteil gegenüber dem US-System: „In den USA brauchen wir Money-Transmitter-Lizenzen in rund 50 Bundesstaaten. In Europa ist es eine hohe Mauer statt 50 kleinen – aber dafür ein einheitlicher Ansatz.“

Kritischer äußert sich der Co-Founder zum unternehmerischen Klima in Österreich und der EU: „Man denkt bei Österreich nicht automatisch an Entrepreneurship. In den USA verbindet man Startup mit Hustle, Silicon Valley. Hier gibt es viele bürokratische Hürden – beim Firmen-Setup, beim Office-Lease, bei den Papier-Anforderungen.“ Es brauche aber nicht nur Vereinfachung der Prozesse, sondern auch einen kulturellen Wandel: „Wenn du wirklich ein Startup-Hub sein willst, musst du in der Schule anfangen, Unternehmertum zu vermitteln. Du musst Risikobereitschaft fördern.“

Gleichzeitig sieht Wilson Chancen in der europäischen Souveränitäts-Debatte: „Wenn man Innovation wie Stablecoins und Blockchain richtig nutzt, kann man digitale Souveränität tatsächlich neu denken – Wallets, Private Keys, alles lässt sich anders organisieren als im traditionellen System.“

Ausblick: B2B-Stablecoins und Agentic Payments

Für 2026 und 2027 erwartet Wilson, dass sich der Stablecoin-Markt primär im B2B-Segment entwickelt – konkret bei der Abwicklung von Merchant-Settlements: „Statt Wire Transfer oder SEPA werden Payments-Unternehmen zunehmend in USDC oder EURC abrechnen. Sieben Tage die Woche, auch an Wochenenden und Feiertagen. Das modernisiert Treasury-Prozesse, gerade für global agierende Unternehmen.“

Zum Hype-Thema Agentic Payments – also KI-gestützte, automatisierte Zahlungen – äußert sich Wilson zurückhaltend, aber überzeugt: „Das ist das Buzzword des Jahres, aber es steckt etwas Echtes dahinter. Wir bauen AI-first, weil wir glauben, dass die Welt dort hingeht. Ob das in einem, zwei, fünf oder zehn Jahren wirklich skaliert – wir müssen bereit sein.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Gründer-jagende Investoren und temporäre Tattoos