13.09.2021

„Höhle der Löwen“: Gründer verärgern Georg Kofler mit ihrem 5G-Schutz

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" bekamen die TV-Juroren Klebeband-Kunst zu sehen, eine Handykette mit Desinfektionsmittel und eine Alternative zum Wohnmobil. Zudem trat eine Gründerin auf, deren Unternehmensweg mit einer schreckliche Tragödie begann, während zwei andere Founder bei Georg Kofler für Verärgerung sorgten.
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Höhle der Löwen, Kohpa, 5g, 5G-Schutz, Kohpa-protect, Kofler, Reichel, Helfer
TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Peter Helfer (l.) und Walter Reichel kreierten mit ihrem 5G-Schutz Kohpa-protect einen verärgerten Löwen.
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die immer montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – waren Jonathan Tenge, Paul Böhlhoff und Julian Hesse. Die drei haben mit portHy eine Handykette mit integriertem Desinfektionsmittelspender entwickelt. Bei zahlreichen Recherchen zum Thema ist den Gründern aufgefallen, dass 80 Prozent aller Infektionskrankheiten über die Hände übertragen werden.

„Doch das benötigte Desinfektionsmittel ist nicht immer direkt zur Hand. Stationäre Spender gibt es nicht überall oder sie sind nicht ausreichend befüllt. Tücher oder Fläschchen hat nicht jeder in seiner Tasche“, erklärten die drei Junggründer.

Handykette mit Hohlraum

Das Einzige, was man wirklich immer dabei habe, sei das Smartphone. Mit dieser Erkenntnis wurde die Idee zu ihrem Startup geboren. „Unser portHy ist immer griff- und einsatzbereit. Die Handykette hat einen komplett integrierten Hohlraum, der mit bis zu 35 ml Desinfektionsmittel befüllbar ist. Das reicht für ca. 600 Sprühstöße. So können unterwegs kinderleicht die Hände desinfiziert werden“, erzählte Tenge den Löwen.

Höhle der Löwen, portHy
TVNOW / Bernd-Michael Maurer – V.l.: Jonathan Tenge, Paul Böllhoff und Julian Hesse mit ihrem portHy, einer Handykette mit Desinfektionsspender.

Das Produkt gibt es in verschiedenen Farben und Ausführungen, inklusive des eigens produzierten wasserbasierten Lemongrass-Desinfektionsmittel. Neben der Variante für Einzelkunden gibt es auch eine b2b-Version. „Aus dem stylischen Accessoire der Handykette haben wir den wohl modischsten und diskretesten Desinfektionsmittelspender der Welt gemacht“, fuhr das Founder-Trio im Pitch fort und forderte 200.000 Euro für zehn Prozent ihrer Firmenanteile.

Ein Trend?

Nach der Vorstellung erhielten die Löwen die letzten noch nicht verkauften portHys zum Test. Multi-Investor Carsten Maschmeyer meinte, die Idee sei gut, aber er würde sich so etwas nicht umhängen. LEH-Experte Ralf Dümmel und Beauty-Queen Judith Williams sprachen daraufhin von einem Trend, der wohl an ihrem Kollegen vorbeigegangen sei.

Maschmeyer schafft Handyhüllen ab

Der ließ sich jedoch nicht umstimmen, erfuhr, dass man für die Nutzung der Handykette eine Smartphonehülle bräuchte und stieg aus. Er sei mit dem Startup Green MNKY verbandelt, das Folien fürs Handy produziere und dabei sei, die Hülle abzuschaffen. Zudem hätte er die „Nase voll“ vom Desinfizieren und Maske tragen – wenn Corona überstanden wäre, würde er beide Dinge nicht mehr machen wollen.

Auch Medien-Investor Georg Kofler sah es ähnlich und gab zu, dass er keine Handy-Hüllen mag. Nach der zweiten Absage, meinten Dümmel und Williams, dass das Produkt mit knapp 70 Euro – ohne Hülle, die man aber beim Startup erwerben kann – zu teuer wäre. Zudem sorgte sich die Investorin darum, dass durch die Restflüssigkeit an der Öffnung Flecken an der Kleidung entstehen würde, wenn der Schlauch da „herumhänge“.

40-fache Unternehmensbewertung

Dass der Umsatz bisher nur 50.000 Euro in zweieinhalb Monaten betragen hatte, wurde, wie schon öfter in der Sendung, zum Problem für die Gründer. Die daran gemessene 40-fache Firmenbewertung argumentierten die drei Männer mit den vielen Anfragen von Kunden, die sie erreicht hätten. Sie würden auch mit 650.000 Euro Umsatz fürs erste Jahr rechnen. 2023 wollten sie die vier Millionen-Marke knacken.

Zweite Chance in der „Höhle der Löwen“

Konzernchef Nils Glagau warf ein, dass Corona einmal enden würde und er mit dieser Thematik kein Geld verdienen wolle. Dümmel als letzte Hoffnung setzte im Diskurs einen Schritt zurück, meinte, dass aktuell enorm viele Handyhüllen und auch Desinfektionsmittel verkauft würden, darüber brauche man nicht diskutieren. Allerdings störte ihn ebenso die Firmenbewertung. Zudem würden die Gründer seiner Meinung nach die angestrebten Ziele mit dem hohen Preis nicht erreichen.

Der letzte Löwe sandte das Trio hinter die Bühne, um mit einem neuen Angebot zurückzukehren. Die portHy-Erfinder zogen sich zurück und boten 15 Prozent. Dies war Dümmel zu wenig. Kein Deal für portHy.

„Höhle der Löwen“-Teilnehmerin erblindete jung bei Autounfall

Die zweiten in der „Höhle der Löwen“ waren die Founder von Frau Poppes, deren Gründer-Story mit einer Tragödie begonnen hatte. An einem verregneten Tag 1973, mit Frost auf den Straßen, fuhr Angelika Poppe nach einer Feier mit ihrem Gatten heim. Als ihnen plötzlich ein betrunkener Autolenker entgegenkam.

„Ich sah die Scheinwerfer auf mich zukommen und hörte nur meinen Mann schreien, ‚Brille runter‘. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich das geschafft habe. Ich hing nachher in der Scheibe“, erinnert sie sich an diesen fürchterlichen Tag. Links war ihr Auge gleich weg, das rechte wurde etliche Male operiert, ohne Erfolg. Die Gründerin erblindete mit 22 Jahren.

Die Rückkehr zur „Normalität“

Poppe kämpfte sich nach Depressionen zurück ins Leben und hat es sich nicht nehmen lassen, weiterhin für die Familie zu kochen: „Da ich nicht mehr nach Rezepten kochen konnte, habe ich vieles einfach ausprobiert. Dabei sind Klassiker, wie meine Frikadellen (Anm.: Fleischlaberl) herausgekommen, die ich immer wieder machen musste.“

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Angelika Poppe mit ihrem Frikadellen-Gewürzmix „Frau Poppes“.

Der neue Freund ihrer Tochter und Schwiegersohn Thomas Leiendecker, der seine Ausbildung beim Star-Koch Eckart Witzigmann absolviert hat, war sofort von den Kochkünsten beeindruckt. „Die Frikadellen sind unglaublich fluffig und perfekt abgestimmt. Mir war sofort klar, das kann nicht nur eine Rezeptur für ihre Küche sein, davon muss die ganze Welt erfahren“, dachte er.

So entwickelte er den Frau Poppes Frikadellen-Mix: „Eine Würzbasis, mit der jeder die perfekte Frikadelle à la Angelika zubereiten kann und das mit viel weniger Aufwand. Die Brotwürfel, die für die fluffige Konsistenz so wichtig sind, die ganzen Gewürze, Salz und Pfeffer sind in jeder Packung bereits enthalten“, erklärte er.

Kein Palmöl oder Konservierungsstoffe

Aktuell gibt es vier verschiedene Geschmacksrichtungen im Sortiment. „Alle sind zu hundert Prozent aus natürlichen Zutaten. Wir verzichten auf Konservierungsstoffe, Palmöl und Geschmacksverstärker.“ Für ein Investment von 150.000 Euro boten Angelika Poppe und Thomas Leiendecker 20 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Während des Pitches begann Poppe im Studio zu kochen, während Leiendecker erklärte, dass er kulinarisch schwer zu beeindrucken sei, seine Schwiegermutter es aber geschafft hätte. Danach zeigte er, wie man die Gewürzbasis benutzt. Beutelinhalt in eine Schüssel, lauwarmes Wasser hinein und acht Minuten quellen lassen. Danach die Würfel kneten, Ei und 500 Gramm Faschiertes dazu.

Der 8,5 Millionen Euro Plan

Die folgende Kostprobe hielt, was vorher versprochen war. Alle Löwen waren hin und weg, bevor es in die Gesprächsrunde ging. Dort erfuhr man, dass die Gründerin und der Gründer bis 2024 8,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften wollten. Maschmeyer stieg dennoch als erster aus, da er nicht in Food-Startups investiere.

Auch Glagau verabschiedete sich als möglicher Partner, er wäre nicht der Richtige für das Duo, so sein Argument. Familien-Investorin Dagmar Wöhrl nannte Poppe ein riesiges Vorbild. Auch das Produkt sei massentauglich. Sie bot exakt die gewünschte Summe. Ralf Dümmel meinte danach, die Gründer hätten tatsächlich den Speisenklassiker perfektioniert. Er sah eine große Zukunft für Frau Poppes, versprach sein ganzes Team zur Unterstützung und offerierte das gleiche wie seine Vorgängerin.

Angelika Poppe eine Inspiration

Anschließend nannte Judith Williams Poppe eine Inspiration. Sie fand die Marke interessant und ausbaufähig, sagte aber als Investorin ab. Nach kurzer Beratung mit der Tochter von Poppe wurde Dümmel mit an Board genommen. Deal für Frau Poppes.

Alternative zum Wohnwagen

Der nächste in der „Höhle der Löwen“ war Hannes Trautmann. Er hat mit Miniatouring eine günstigere Alternative zum Wohnmobil entwickelt. Die Idee zu seinem kompakten Caravan begann 2017, als er durch Europa gefahren ist. „Es war eigentlich alles nahezu perfekt. Aber es hat mich eine Sache gestört: und das war das Zelt. Ich hatte die Probleme, die man so kennt. Unbequemer Schlaf, kein Strom, kein Stauraum. Das war nicht ideal für einen Roadtrip“, erinnert er sich.

Wohnmobil oder Wohnwagen waren schon aus finanziellen Gründen keine Möglichkeit. Also entwickelte Trautmann seine eigene Lösung: einen leichten Camper mit einem Leergewicht von 250 Kilogramm. „Weil er so kompakt ist, kommt man damit überall durch. Ich kann damit durch kleine Gassen fahren, kann die Passstraßen in den Alpen hochfahren, Feldwege, matschige Wege – es ist überhaupt kein Limit mehr gesetzt“, erklärte er den Löwen.

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Hannes Trautmann aus Hösbach war auf der Suche nach einem Mentor.

Im Camping-Anhänger gibt ein integriertes Küchenmodul, für Sonnen- und Regenschutz eine ausziehbare Markise, der Innenraum verfügt über ein Bett inklusive Lattenrost sowie Beleuchtung, Steckdosen, verschiedene Stauraummöglichkeiten und ein Rollo zum Verdunkeln. Die gesamten Ausbauten werden aus regional nachwachsenden Hölzern in Mainz hergestellt. Das Angebot von Trautmann an die Investoren lautete: 95.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile.

Nach dem Pitch legte sich Wöhrl gleich zur Probe ins Bett und meinte, es wäre „toll“. Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg zeigte sich von der Küche begeistert. Kofler hingegen war als einziger Löwe kritisch unterwegs. Er meinte, ein Auto und dieser Anhänger dazu, das wäre doch viel umständlicher als ein Wohnmobil. Dies konterte der Gründer mit dem Preisaspekt. Ein großer Van würde 50.000 Euro kosten, seiner rund 8.600 Euro.

Der Anhängerbauer in der „Höhle der Löwen“

Bisher hatte Trautmann 26 Stück des Miniatouring verkauft und damit 210.000 Euro Umsatz erwirtschaftet. Er betonte, dass nicht der Verkauf das Problem gewesen wäre, sondern das Bauen des Anhängers. Er hatte jeden Camper ganz alleine gefertigt, was die Löwen – auch Kofler – zu beeindrucken schien. Der Südtiroler war danach zwar fasziniert, hatte aber Probleme, zu erkennen, wie aus diesem Liebhaber-Projekt eine Firma werden sollte, die Millionen-Umsätze machen könnte. Er ging.

Dem Gründer war bewusst, dass er es nicht mehr alleine schaffe, wie er betonte, die Firma müsste von seiner Abhängigkeit wegkommen. Rosberg lobte die Eloquenz von Trautmann, aber auch er tat sich schwer, einen möglichen „Exit“ zu erkennen. Die zweite Absage.

USP Gewicht

Nils Glagau sprach danach die große Konkurrenz an. Der Founder warf ein, dass es keine Anhänger direkt aus Deutschland gebe, zudem wäre das leichte Gewicht seines Campers sein USP. Vor allem für Solo-Reisende. Der Konzernchef glaubte jedoch nicht daran, dass die Zielgruppe für den Miniatouring groß genug wäre. Ein Löwe weniger.

Maschmeyer wollte indes wissen, was mit den 95.000 Euro passieren sollte. Der Gründer plante zwar Maschinen zu besorgen, aber eigentlich sei er auf einen Partner aus, der sein Fachwissen mitbringe. Eine Art Mentor. Danach meinte der Multi-Investor, der Gründer sei hochbegabt, kommunikationsstark und trotzdem selbstreflexiv. Jedoch wäre der Camping-Bereich nicht seins.

Wöhrl erkannte die Fähigkeiten des jungen Mannes, sah in sich aber nicht die geeignete Person, um zu helfen. Der Founder gab nicht auf, erklärte nochmal, was er bereit sei zu lernen. Es half nichts. Kein Deal für Miniatouring.

Papier, das heizt und … schützt

Die vorletzten in der Höhle der Löwen waren Walter Reichel und sein Kollege Peter Helfer. Die beiden Papiermacher präsentieren den Löwen mit Kohpa ein nachhaltiges Papier mit recycelten Kohlenstofffasern. Der Clou dabei: Durch die im patentierten Papier verarbeiteten Kohlenstofffasern, gelte die Erfindung laut Gründern als das erste stromleitende Papier der Welt, das zudem auch noch elektromagnetische Strahlung „abwehren“ kann und bedingt durch das Mischungsverhältnis der Kohlenstoff- und Papierfasern sehr stabil sei.

Ihr neuartiges Material könne vielfältig eingesetzt werden. Mit Kohpa– therm etwa, das 25 Euro pro Quadratmeter kostet und als eine Art „Tapete“ gedacht ist, die Wandflächen erwärmen kann: „Unser Papier wird mit einem Metallstreifen versehen und kann an den elektrischen Strom angeschlossen werden. Die somit dünnste und leichteste Flächenheizung der Welt kann zwischen 35 und 60 Grad warm werden“, erklärte Helfer den Löwen.

Die 5G-Angst

„Unser zweites Produkt Kohpa– protect kann elektromagnetische Strahlung abschirmen. Dieses Material wird heute im ökologischen Hausbau verwendet. Bildlich gesprochen wird das ganze Haus eingewickelt, damit Elektro-Smog wie 5G oder Funk die Menschen nicht belastet”, meinte Reichel überzeugt. Die Forderung: 200.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Peter Helfer (l.) und Walter Reichel sorgten mit ihrem 5G-Protector für Diskussionen unter den Löwen.

Als während des Pitches klar wurde, dass das Papier der Gründer Strom tatsächlich leitet, merkte man es in den Köpfen der Investoren rasseln. Alle griffen zum Notizblock oder blickten gebannt in Richtung der Sprecher. Auch als es ums Testen von Kohpa ging, staunte fast das ganze das „Höhle der Löwe“-Team.

Dann allerdings erklärten die Gründer, dass der größte Teil ihrer Käufe beim „Abschirmmaterial“ läge, die Heizungsidee noch hinten anstehe. Maschmeyer stellte daraufhin die Frage, die dann für große Diskussionen sorgen sollte: „Was wird genau abgeschirmt?“, lautete sie. Zu starke „elektromagnetische Strahlung“, antwortete Reichel und aktivierte damit Medien-Profi Georg Kofler.

„Sekten fürchten 5G-Strahlung“

Der meinte, dass es doch selbstverständlich wäre, dass wir solche Strahlungen überall hätten. Da brauche man doch keinen „Protect“. Sekten würden glauben, irgendwelche Strahlungen würden von überall daherkommen, so der Südtiroler.

Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg war anderer Meinung. Der Ex-Rennfahrer brachte 5G ins Spiel und erzählte als Beispiel, dass Städte wie Genf und Brüssel aktuell zuerst nachforschen wollen würden, ob Probleme für Menschen auftreten könnten. (Anm.: der brutkasten hat im Vorjahr dem Thema 5G einem Faktencheck unterzogen.).

„Lächerlich“

Dies brachte Kofler nicht zum Schweigen. Im Gegenteil setzte er weiter seine Ablehnung gegen „solche Verschwörungstheorien“ fort und sagte: „Alle wollen Digitalisierung und meinen, bei 5G kommt jetzt Strahlung rein. Das ist doch lächerlich“, sprach der Investor und hörte, wie Rosberg und auch Maschmeyer Kohpa-protect in der Anwendung dennoch als interessant empfanden.

Wissenschaftlich erwiesen?

Als Helfer dann von wissenschaftlich erwiesen sprach, lachte Kofler und sagte, dass bei dem Thema soviel „Hokuspokus“ herrsche und viele Leute in die Irre geführt werden. Er selbst sei vor Jahrzehnten darauf hereingefallen, deutete er an. „Allerdings finden heute die Strahlungsdiskurse jenseits von Experten statt“, vollendete der Investor abschließend seine Tirade.

Maschmeyer erzählte danach von einem Nachbarn, der einst einen „Wünschelrutengänger“ ins Haus geholt hatte. Der „Strahlungsjäger“ soll dann ausgerufen haben, wer im Schlafzimmerbett liegen würde, bekäme Krebs. Die Nachbarin, so der Clou des Löwen, war zweimal an Unterleibskrebs operiert worden. Mit diesem Beispiel zeigte sich der TV-Juror als Befürworter, dass man dieser „negativen Energie“ der Strahlung Aufmerksamkeit senden sollte.

Tripple-Beratung wegen Kohpa

Der bisher zuhörende Nils Glagau stieg danach als erster aus. Er wäre nicht begeistert. Als die Gründer erwähnten, dass sie vor ein paar Jahren ein „sechs-Millionen Euro“-Angebot für die Patente abgelehnt hätten, zogen sich Wöhrl und Maschmeyer zur Beratung zurück. Rosberg folgte.

Kofler meinte indes, dass man im Heizungsbereich große Konkurrenz habe und stieg unspektakulär aus. Das Trio, das sich beraten hatte, bot schlussendlich 200.000 Euro für jeweils elf Prozent. Reichel und Helfer gaben die 33 Prozent ab. Deal für Kohpa.

Neue Kunst in der „Höhle der Löwen“

Den Abschluss der „Höhle der Löwen“ bildeten Timm Benjamin Zolpys, Mohamed Ghouneim, Stephan Meissner und Nicolas Lawin. Den Löwen präsentieren die vier Gründer ihr Tape Art Kit. Dabei handelt es sich um eine moderne Kunstform, bei der aus verschiedenfarbigen und unterschiedlich breiten Klebebändern Bilder oder Kunstwerke entstehen.

Gemeinsam mit Ghouneim hat Zolpys vor über zehn Jahren das „Klebeland“, ein Fachgeschäft für Klebebänder, gegründet. Dieses hatte damals die Künstler im Team Meissner und Lawin angezogen, die viel mit dem Klebestreifen arbeiten: „Mit dem Klebeband, das man im Baumarkt kaufen kann, konnten wir nicht viel anfangen. Wir brauchen vor allem verschiedene Farben in verschiedenen Breiten. Und das haben wir damals nur im Klebeland gefunden,” erzählte Meissner.

Beide Artisten waren mit ihrer Kunst schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. „Wir waren zum Beispiel in Japan und haben ganze Räume gestaltet, haben in Taiwan eigene Ausstellungen gehabt oder in New York auf den Straßen geklebt“, sagte Lawin im Studio. Um die Kunst auch Zuhause auszuprobieren, haben sich die vier zusammengetan und das Tape Art Kit auf den Markt gebracht.

Auch für Kinder geeignet

Die Kits bestehen aus unterschiedlich vielen Farben, Breiten und Materialien wie Gewebeband, klebende Folien und Papierband – letzteres sei auch für das Kinderzimmer geeignet, da es rückstandslos abziehbar ist. Zusätzlich bieten die vier Männer in ihrer gegründeten „Tape Art Academy“ kostenpflichtige Workshops für Jung und Alt an. Um das Tape Art Kit auf dem Markt zu etablieren, benötigten die Gründer 100.000 Euro und waren bereit dafür 12,5 Prozent ihrer Firmenanteile abzugeben.

TVNOW / Bernd-Michael Maurer – V.l.: Stephan Meissner, Nicolas Lawin, Mohamed Ghouneim und Timm Benjamin Zolpys, das Tape Art-Team.

Nach dem Pitch klebten die Löwen bunt darauf los und hatten sichtlich Spaß an der neuen Kunstform. 2019 hatten die Gründer über 200.000 Boxen verkauft, zeigten aber im Diskurs mit den Löwen Probleme, aktuelle Umsatzpläne zu erläutern. Weil das Quartett die Zahlen nicht im Griff habe, ging Maschmeyer ohne Angebot.

Zwei weitere Absagen

Nils Glagau zweifelte daran, dass sich die Idee großflächig durchsetzen könne. Zudem könne er nicht die Kanäle bieten, die die Gründer bräuchten. Nach dieser Absage, sah es Dümmel ähnlich und blieb auch ohne Intentionen einzusteigen.

Georg Kofler ließ sich danach zusichern, dass die Gründer eine Lieferkapazität von einer halben Million Stück stemmen könnten, wäre die Nachfrage da. Er hätte Lust auf eine große Social Media-Kampagne mit den Foundern. Und bot 100.000 Euro für 18 Prozent. Lifestyle-Expertin Williams folgte mit 100.000 Euro für nur 15 Prozent.

Nein!? – Doch!! – Ohh!!!

Während der Beratung der vier jungen Männer, die sehr lange zu dauern schien, plauderten die verbliebenen Löwen, als sich plötzlich Judith Williams erhob. Sie ging auf das Tape Art-Team hinter der Bühne zu und lockte es zurück ins Studio. Es gab plötzlich ein neues Angebot: Beide wollten nicht mehr alleine sein und boten 150.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung. Eine weitere Beratung war nicht mehr nötig. Deal für Tape Art.

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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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