01.10.2019

Höhle der Löwen: Marketing-Experten über die Startups aus Folge 5

Die Marketingexperten Maimuna Mosser (IKEA Austria) und Manfred Gansterer (Futura GmbH) beleuchteten die fünf Startups der aktuellen "Höhle der Löwen"-Folge aus strategischer Perspektive und bewerten das Marketingpotential der Produkte.
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Die Höhle der Löwen
Sarita Bradley (r.) aus München präsentiert mit "GoBunion" Hallux Strumpfware mit integrierten Zehenspreitzern. Investorin Dagmar Wöhrl nimmt das Produkt genau unter die Lupe.

In der Analyse von vergangener Woche nannten die Experten DeineStudienfinanzierung als ihren Favoriten bei „Die Höhle der Löwen“. Diese holten sich vor laufender Kamera zwar ein Investment, der Deal platzte jedoch daraufhin. Diese Woche beleuchten die Marketingexperten Maimuna Mosser (Chief Business Development Officer bei IKEA Austria und Vorstandsmitglied der Österreichischen Marketing-Gesellschaft) und Manfred Gansterer (Marketingexperte der Futura GmbH und Vorstandsmitglied der Österreichischen Marketing-Gesellschaft) die fünf Startups der aktuellen Höhle-der-Löwen-Folge aus strategischer Perspektive und bewerteten das Marketingpotenzial der Produkte schon vorab.


1. Brad Brat aus Bremen

Marvin Kruse ist bereits das dritte Mal in der „Höhle der Löwen”. Bei seinem ersten Pitch 2015 präsentierte der Bremer seinen Onlineshop Pfotenheld, bei dem es alles für 0 Euro gab. „Da gab es eine richtige Klatsche. Aber es ist ok. Ich habe eingesteckt und es hat mich besser gemacht”, blickt Marvin Kruse zurück. Mit Pitch Nummer zwei wollte er die Bratwurstrevolution einläuten: Brad Brat ist so dick, dass man sie zuerst in Scheiben schneidet und dann auf den Grill legt. „Wollte auch keiner – aber Euch hat es geschmeckt”, erinnert er sich. Doch das hat ihn nur noch mehr motiviert, und 2019 stellt er den „Löwen” sein neues Konzept vor: Raus aus dem Lebensmitteleinzelhandel, rein in das Franchisesystem.

Erste Erfolge kann Marvin Kruse bereits vorweisen. In Bremen und Oldenburg betreibt Marvin Kruse in 1A-Citylage bereits eigene Brad Brat-Geschäfte. Dort werden Burger und Bowls mit seinen Bratwurstscheiben angeboten. Alles wird selbst hergestellt – von der Bratwurst über die Saucen bis hin zum Brot. Der Gründer ist von seinem Konzept überzeugt: „Ich verspreche euch, so sexy wie bei mir im Brad Brat war Bratwurst heutzutage noch nie!” Mit einem Invest von 200.000 Euro möchte er nicht nur einen weiteren Store eröffnen, sondern ganz gezielt ins Franchisesystem einsteigen. Im Gegenzug bietet er zehn Prozent seiner Firmenanteile an.

Die Einschätzung der Experten

Marvin Kruse ist bereits zum dritten Mal in der Sendung. Bei seinem letzten Anlauf versuchte er es mit seiner „Bradwurst“, dieses Mal gleich mit einem Franchisesystem dafür. Beharrlich ist er auf jeden Fall. Das Wortspiel mit dem Markennamen ist gelungen, dem Produkt ein Gesicht zu geben ist eine zielführende Strategie.

Das Grundkonzept besteht aus Bratwurst und Pommes frites. Darüber hinaus wird auf zeitgemäße Rezepte und Zubereitung zurückgegriffen, sowie auf Nachhaltigkeit Rücksicht genommen. Klingt erst einmal recht vielversprechend. Zudem platzt Kruse als Gründer vor Selbstvertrauen und Motivation.

Die Webseite ist an und für sich in Ordnung, aber besonders im Franchisebereich fehlen viele Informationen. So gibt es keinerlei Hinweise zu wichtigen Themen wie den geltenden Voraussetzungen für Franchisenehmer, Standorte oder Investitionsvolumen – gerade diese Informationen wären ein Zeichen von Professionalität. Die Karte auf der Webseite zeigt drei Standorte, im Franchisevideo ist aber von vier die Rede (Hamburg fehlt auf der Karte). Apropos Video: Die Anzahl der Views auf YouTube ist eher deprimierend. Social Media ist vorhanden, die Interaktion auf Facebook und den drei Instagram-Accounts (wo ist Hamburg?) allerdings äußerst überschaubar.

Marketing-Tipp

Marvin kämpft gegen viele Franchisesysteme – auch im Bereich der Bratwurst. Beharrlichkeit und Selbstbewusstsein sind wichtig für Gründer – Professionalität und Disziplin aber ebenso.

2. Protect Pads aus Luxemburg

Adel Adrovic und Jill Audrit sind nicht nur Lebenspartner, sondern auch Businesspartner. Als parlamentarische Mitarbeiter einer Fraktion beschäftigen sie sich oft mit den großen Problemen des Landes. „Aber auch nach Feierabend feilen wir an Lösungen – auch wenn die Probleme dann etwas kleiner aussehen, wie zum Beispiel beim Staubsaugen”, erzählt Jill Audrit. Die Luxemburgerin ärgerte sich immer wieder über die dabei entstehenden Schrammen und Macken an Möbeln, Türrahmen oder Türzargen.

Um dieses Problem zu beheben, entwickelten sie ein Stoßschutzpolster, welches einfach am Staubsaugergehäuse, an der Bodendüse, sowie am Akkusauger oder Saugroboter angebracht werden kann. Der Protect Pad dämpft die Stöße und bewahrt so Möbel und Wände vor den unschönen Kratzern. Er ist individuell anpassbar und leicht anzubringen. Jetzt möchten sie mit ihrer Erfindung zuerst den deutschen Markt erobern und später europaweit expandieren. Dafür benötigen die Gründer 85.000 Euro und bieten 15 Prozent der Firmenanteile an.

Die Einschätzung der Experten

Jeder kennt und versteht das Problem – Schrammen und Beschädigungen an Möbeln, Türrahmen oder Türzargen durch den Staubsauger. Hier wurde ein Stoßschutzpolster entwickelt, welches einfach am Staubsaugergehäuse, an der Bodendüse, sowie am Akkusauger oder Saugroboter angebracht werden kann, um die unbeliebten Schrammen zu verhindern.

Das Erscheinungsbild der Webseite ist in Ordnung, SEO-technisch gäbe es aber etliche Verbesserungen. Vor allem hätten wir uns einige Videos gewünscht, die das Produkt „live in action“ zeigen. Auch die einfache Handhabung kann als Video besser dargestellt werden als mit Bildern. Als wir beim Produkt selbst auf die Videoanleitung geklickt haben, lief dort zu unserer Überraschung ein Tutorial, wie man Brot schnell und einfach entrindet. Bis jetzt ist uns der Zusammenhang hierzu unklar. Im Shop war der Artikel auch nicht verfügbar und Produktbewertungen gibt es auch keine. Social Media gibt es – Facebook und Instagram finden aber praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Schade.

Marketing-Tipp

Eine Bewertung fällt hier ohne Finanzkennzahlen richtig schwer, denn Konkurrenzprodukte gibt es genügend. Eine Erfindung ist die eine, die effektive und zielgerichtete Kommunikation eines Produktes die andere Seite der Medaille. Ohne Kommunikation geht es einfach nicht, hier gibt es noch einen enormen Aufholbedarf.

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3. AER aus Stuttgart

Wer beeindruckende Luftaufnahmen machen will, musste bislang viel Geld für teure Drohnen in die Hand nehmen. AER soll die günstige Alternative für spektakuläre Fotos und Videos aus der Vogelperspektive sein. Einfach die GoPro in den „Wurfpfeil“ legen und schon kann man die Kamera sorglos durch die Luft werfen, da sie durch AER in der Luft stabilisiert und vor dem Aufprall geschützt wird. Das wasserfeste Material soll auch einen Einsatz im Wassersport möglich machen. Außerdem kann es in der Gruppe als Gemeinschaftsspiel genutzt werden.

Auch Profis konnten die drei Gründer Arne Kronmeyer, Levin Trautwein und Hedda Liebs für ihr Produkt begeistern: Diverse Bundesligavereine nutzen AER zur Erstellung ihres Social Media-Contents, er kam bereits bei Werbespots und dem Red Bull Extremsportevent Klippenspringen zum Einsatz und es wurde sogar für eine Actionszene für einen deutschen Kinofilm damit gedreht. Weitere Produkte sind bereits in Planung. Das Angebot an die „Löwen”: 10 Prozent Unternehmensanteile für 150.000 Euro.

Die Einschätzung der Experten

AER soll die günstige Alternative für spektakuläre Fotos und Videos aus der Vogelperspektive sein. Es handelt sich um keine Drohne, sondern eine Hülle für GoPro Kameras in Form einer kleinen, zerlegbaren „Fliegerbombe“.

Die Webseite ist sehr gut gemacht und macht Lust auf das Produkt. Endlich einmal eine Webseite, die auf dem Smartphone mühelos angesehen werden kann.  Am Anfang mag man denken, „echt jetzt?“ aber je länger man eintaucht – auf YouTube und insbesondere Instagram – umso mehr kommt Begeisterung auf.

AER kostet 79 Euro, was auf den ersten Blick nicht überteuert wirkt. Allerdings muss man sagen, dass es auch schon einige billige Drohnen im Preisbereich von 10 bis 20 Euro gibt. Aus unserer Sicht ist AER dennoch interessant – vielleicht weniger als Drohnenalternative – sondern viel mehr als Lifestyleprodukt. Unserer Meinung nach wird auf diesen Bereich auch der Fokus gerichtet. Für ein abschließendes Urteil würden wir jedoch gerne noch die Verkaufszahlen sehen.

Marketing-Tipp

Der Auftritt von AER ist auf alle Fälle tiptop. Man müsste den Community-Aspekt noch stärker herausarbeiten und der digitalen Gemeinschaft Themen-Challenges geben, um die vielseitige Anwendbarkeit des Produktes noch stärker herauszuarbeiten.

4. Camping Butler aus Mönchengladbach

Camping boomt: Allein in Deutschland gibt es über 3000 Campingplätze, im Jahr 2016 gab es über 140 Millionen Übernachtungen in Campingmobilen und der Freizeitmobilmarkt wächst weiterhin. Doch eine Sache macht keinem wirklich Spaß: Das Entleeren und Säubern der Camping-Toilette. Mit dem „Camping Butler“ wollen die Erfinder Simon Freutel (37, Physiker) und Ralf Winkelmann (35, Maschinenbautechniker) jetzt sprichwörtlich „aus Scheiße Gold machen“. Sie haben einen Automaten entwickelt, der die Reinigung von Camping-Toiletten-Kassetten übernimmt. Der Camper vermeidet so beim Austausch der Kassetten den Kontakt zu unangenehmen Gerüchen und Fäkalien. Für die Produktion brauchen die beiden Gründer ein Investment von 200.000 Euro und bieten zehn Prozent ihrer Firmenanteile an. Riecht das nach einem Deal?

Die Einschätzung der Experten

„Aus Scheiße Gold machen“, das klingt doch verlockend. Im Fall von Camping Butler ist es wortwörtlich gemeint. Sie haben einen Vollautomaten entwickelt, der die Reinigung von Camping-Toiletten-Kassetten übernimmt. Klingt eigentlich nach einer guten Idee – denn wer will sich schon gerne die Hände schmutzig machen?

Die Webseite ist ansprechend, dort findet man auch weitere Produkte. SEO-technisch gäbe es dennoch viel zu optimieren. Überrascht hat uns, dass wir keine Präsenz auf sozialen Kanälen finden konnten, dabei wäre ein Targeting speziell auf Campingfreunde so naheliegend. Es ist schade, dass hier kommunikativ nicht mehr getan wird. Der Videocontent ist nicht verfügbar, stattdessen erscheint ein Hinweis, dass der Uploader sein Youtube-Konto geschlossen hat. User möchten keine langen Texte lesen, sondern lieber Videos ansehen. Youtube ist ein weiterer kostengünstiger Marketingkanal, auf dem mit genauem Targeting auf Camping-Interessierte kostengünstig Reichweite aufgebaut werden kann.

Der Blick auf die Referenzen hat uns allerdings etwas ernüchtert, insgesamt sind bislang nur  drei Standorte zu finden. Beim Konkurrenten CamperClean gibt es Standorte in ganz Europa in hoher Zahl.

Aus der Onlinepräsenz konnten wir keinen echten USP herauslesen, warum genau Camping Butler deutlich besser für Betreiber von Campingplätzen sein sollte – abgesehen von ergänzenden Produkten. Das riecht etwas nach Preiskampf und weniger nach wünschenswerter Skalierung für Investoren.

Marketing-Tipp

Hier muss klar an einem differenzierbaren USP gearbeitet werden. Sobald dieser erkenn- und skalierbar ist, sollte er auf verschiedenen Kanälen einfach mittels Storytelling herausgearbeitet werden.

Wien – La dolce Vita: Das war das ÖMG Sommerfest 2019

5. GoBunion aus München

Sarita Bradley (35) trägt gerne hohe Schuhe, doch nach einem langen Tag können die Füße am Abend schon mal schmerzen. Ungesundes Schuhwerk oder eine vererbbare Bindegewebsschwäche sind die häufigsten Ursachen für die Verkrümmung des großen Zehs. Auch unter dem Fachbegriff Hallux Valgus oder Ballenzeh bekannt – auf englisch Bunion. „Das sieht nicht nur unästhetisch aus, sondern kann auch unangenehme Schmerzen verursachen und führt im schlimmsten Fall zu einer Fuß-OP“, weiß die Münchnerin. Auch sie selbst hat eine Tendenz zum Hallux Valgus, ist aber mit den bisherigen Produkten aus den Sanitätshäusern nicht glücklich: „Entweder sind sie zu unpraktisch, ineffektiv oder zu unschön.“

Deswegen hat sie GoBunion entwickelt. Von außen sehen ihre besonderen Strumpfwaren wie ganz normale Strümpfe aus, doch im Inneren befindet sich ein Softgel-Zehentrenner. Durch das Separieren und Dehnen der Großzehe soll er schmerzlindernd sein und die Krümmung entlasten. Der Strumpf ist einfach anzuziehen, der integrierte Zehentrenner kann nicht verrutschen und ist von außen nicht sichtbar. „Ich bin mir sicher, dass ich sehr vielen Frauen ein gutes Stück Lebensqualität zurückgeben kann”, so Sarita Bradley. Um ihr Produkt breitflächig an die Frau zu bringen, benötigt die Gründerin 150.000 Euro und bietet dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Die Einschätzung der Experten

GoBunion will das Wundermittel gegen schmerzhafte und überbeanspruchte Füße sein. Von außen sehen die besonderen Strumpfwaren wie ganz normale Strümpfe aus, doch im Inneren befindet sich ein Softgel-Zehentrenner, der Hallux vorbeugen soll. Eine tolle Idee, allerdings ergibt sich dennoch für uns daraus nicht der Produktname.

Die Webseite performed durchschnittlich, wirkt aber aufgrund der Ähnlichkeit zu Seiten mit medizinischem Inhalt ein wenig langweilig. Social Media gibt es, aber Interaktion findet dort kaum statt. Das finden wir sehr schade, wo doch die Zielgruppe für dieses Produkt so groß und eindeutig ist. Schade ist auch, dass laut Webshop aktuell kein Produkt in keiner Größe verfügbar ist.

Vergleicht man GoBunion mit Konkurrenzprodukten auf Amazon, so sieht man, dass es viele Mitbewerber gibt, die zudem meist viele gute Bewertungen haben. Allerdings hatte bis jetzt niemand die Idee, Socken zu verwenden. Das ist auch der Grund, warum wir die Socken sehr gerne getestet hätten, um den USP beurteilen zu können.

Marketing-Tipp

Hier gilt das Gleiche wie bei einem der vorherigen Tipps: Eine Erfindung ist die eine, die effektive und zielgerichtete Kommunikation eines Produktes die andere Seite der Medaille. Ohne Kommunikation geht es einfach nicht. Das Thema muss emotionaler transportiert werden, nicht so medizinisch. Und es braucht Videos, um zu zeigen, wo die Vorteile gegenüber der Konkurrenz liegen. Auf Instagram gibt es Videocontent, der ansatzweise auf die Anwendung eingeht – dieser Content gehört direkt auf die Webseite. Man darf nämlich nicht davon ausgehen, dass sich der User auch auf die Social Media-Kanäle bemüht.


Favorit der Experten in Folge 5/2019 von “Die Höhle der Löwen”

Ohne die Finanzzahlen zu kennen fällt es uns sehr schwer, einen persönlichen Favoriten für diese Folge zu nennen. AER macht einen sehr professionellen Job in punkto Produktmarketing. Allerdings hängt dies stark von der Lifestyle-/Community-Idee ab. GoBunion könnte eine deutlich angenehmere Produktvariante gegenüber der Konkurrenz sein, allerdings konnten wir uns leider nicht persönlich von den Vorteilen des Produktes ein Bild machen. Und Marvin mit seiner Bradwurst ist ein Traum. Wenn er es diesmal wieder nicht schaffen sollte – Marvin, gib nicht auf und komm wieder! Am Ende wurde Menderes bei DSDS für sein Durchhaltevermögen auch belohnt.

==> BradBrat

==> Protect Pads

==> AER

==> Camping Butler

==> GoBunion

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Jonas Jünger (Managing Director, Cyclops Europe) und Alex Wilson | (c) Martin Pacher

Es ist eine Art Homecoming: Alex Wilson, Co-Founder und Co-CEO des US-Stablecoin-Startups Cyclops, wuchs in den USA mit zwei Sprachen und zwei Kulturen auf. Mit seinem Vater sprach er nur Englisch, mit seiner Mutter – einer Tirolerin aus Innsbruck – ausschließlich Deutsch. Die Sommerferien verbrachte er bei den Großeltern in Österreich, Weihnachten ging es zum Skifahren nach Kitzbühel. „Ich hatte das Glück, sozusagen mit zwei Heimatländern aufzuwachsen“, erzählt Wilson im brutkasten-Gespräch.

Jetzt kehrt der Austro-Amerikaner mit seinem aktuellen Unternehmen nach Wien zurück. Vergangene Woche eröffnete Cyclops.io seinen neuen Standort in der Bundeshauptstadt – das EU-Headquarter und gleichzeitig die einzige weitere Niederlassung neben dem Hauptsitz in Miami.

Repeat Founder: Von Giving Block zu Shift4 zu Cyclops

Wilson ist kein Newcomer. Gemeinsam mit seinen Mitgründern Pat Duffy und David Johnson startete er bereits 2018 das Krypto-Startup The Giving Block, eine Plattform, über die Non-Profit-Organisationen Krypto-Spenden entgegennehmen können. „2018 hat man uns angeschaut, als wären wir verrückt“, erinnert sich Wilson. „Aber wir sind dabeigeblieben.“ Das Unternehmen wurde 2022 an den börsennotierten US-Zahlungsdienstleister Shift4 verkauft. Wilson übernahm dort die Verantwortung als Head of Crypto und Head of Stablecoin – und sammelte über drei Jahre lang Erfahrung an der Schnittstelle von Krypto und traditionellem Payments-Business.

Genau diese Jahre wurden zum Ausgangspunkt für Cyclops. „Wir haben bei Shift4 Produkte für Pay-with-Crypto, Stablecoin-Settlement und Stablecoin-Payouts gebaut – mit einem Flickenteppich an bestehenden Lösungen. Es war viel schwieriger, als es hätte sein müssen“, so Wilson. Auf dem Markt habe es zwar viele Krypto-Infrastruktur-Anbieter gegeben, aber keiner sei wirklich auf die Payments-Branche spezialisiert gewesen: „Auf den Websites stand vielleicht: ‚Wir bedienen zehn Industrien, eine davon ist Payments.‘ Aber wenn man unter die Haube schaut, war das Produkt für eine Bank, einen Broker oder einen Payments-Anbieter identisch.“

Cyclops will diese Lücke schließen und fokussiert sich ausschließlich auf Zahlungsdienstleister (PSPs) – ein Hyperfokus, den die Gründer bereits bei The Giving Block (nur Non-Profits) verfolgt hatten. „Wir sind sehr B2B“, betont Wilson. Cyclops ist also keine Kryptobörse für Endkund:innen, sondern eine Infrastruktur-Plattform für Payments-Unternehmen, die ihren Händler-Kund:innen Krypto- und Stablecoin-Funktionalitäten anbieten wollen – ohne selbst zum Krypto-Unternehmen werden zu müssen.

Alex Wilson im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur | brutkasten

Warum Wien? FMA, Bitpanda – und der Talent-Pool

Bei der Standortwahl in Europa habe man einen umfassenden Prozess durchlaufen, betont Wilson: „Wir haben uns Deutschland, Irland, Malta und andere Länder angesehen.“ Ausschlaggebend für Österreich sei am Ende der MiCA-Pfad der Finanzmarktaufsicht (FMA) gewesen: „Die FMA hat einen der klarsten Wege zur Lizenz aufgezeigt. Es gibt viele Länder, die zwar ein MiCA-Framework haben, aber bisher kaum Lizenzen vergeben haben.“

Wilson nennt explizit auch Bitpanda als wichtigen Faktor: „Bitpanda hat hier großartige Vorarbeit geleistet. Danach sind KuCoin, Bybit, Bitget und viele andere gekommen. Das hat eine Community aufgebaut und uns die Tür geöffnet.“

Hinzu komme der Talent-Pool: „Wien ist ein Hub für große Finanzdienstleister. Das ist genau das Profil, das wir für Compliance-, Legal- und Regulatory-Rollen brauchen.“ Die meisten lokalen Hires sollen aus diesen Bereichen kommen, während Vertrieb und Marketing eher remote organisiert werden.

Der persönliche Bezug habe geholfen, sei aber nicht der Hauptgrund gewesen: „Wir hätten Österreich nicht gewählt, wenn die Rahmenbedingungen nicht gepasst hätten.“

Zehn Mitarbeiter:innen bis Jahresende, MiCA-Lizenz erwartet

Aktuell beschäftigt Cyclops weltweit rund 30 Mitarbeiter:innen, das lokale Team in Wien startet in kleiner Besetzung. Bis Ende 2026 soll der Wiener Standort auf rund zehn Mitarbeiter:innen wachsen. Geleitet wird das Büro von Managing Director Jonas Jünger, dazu wurden bereits ein MLRO und ein Deputy MLRO eingestellt – beides regulatorisch verpflichtende Compliance-Funktionen. Die MiCA-Lizenz selbst erwartet Wilson „hoffentlich bis Ende des Jahres“.

Damit reiht sich Cyclops in eine wachsende Liste internationaler Krypto-Unternehmen ein, die Österreich als Tor zum europäischen Markt wählen. Nach Bitpanda, Bybit, KuCoin, Cryptonow und 21bitcoin geht das nächste Unternehmen den MiCA-Lizenzweg über die FMA – mit dem Unterschied, dass es sich bei Cyclops nicht um eine Kryptobörse handelt.

Funding: Acht Millionen im Rücken – und mehr in Vorbereitung

Bereits im Oktober 2025 schloss Cyclops eine Finanzierungsrunde über acht Millionen US-Dollar ab, öffentlich kommuniziert wurde sie aber erst Anfang März 2026 – zeitgleich mit dem Stealth-Launch. Investoren waren Castle Island Ventures, F-Prime sowie strategisch Shift4 Payments selbst – also der ehemalige Arbeitgeber, der nun gleichzeitig Anchor-Kunde des Startups ist.

Im brutkasten-Interview bestätigt Wilson, dass aktuell eine weitere strategische Runde über zehn Millionen US-Dollar von Payments-Unternehmen geschlossen wird – noch vor einer formellen Series A, die im kommenden Jahr angepeilt wird. „Wir hatten gar nicht geplant, jetzt zu fundraisen“, so Wilson. „Aber nach dem Stealth-Launch im März waren wir überwältigt vom Inbound – von Kunden, Partnern, aber auch Investoren. Das hat unseren Zeitplan nach vorne gezogen.“

Zu den ersten Kunden zählen unter anderem Blue Origin – wer ein Ticket für einen Weltraumflug des Jeff-Bezos-Unternehmens kaufen möchte, kann die Zahlung über Cyclops in Krypto abwickeln – sowie der New Yorker Helikopter-Service Blade.

EU einfacher als USA – aber Mindset-Frage in Österreich

Wilson, der den US-Lizenzprozess parallel durchläuft, sieht in der EU-weiten MiCA-Regulierung einen klaren Vorteil gegenüber dem US-System: „In den USA brauchen wir Money-Transmitter-Lizenzen in rund 50 Bundesstaaten. In Europa ist es eine hohe Mauer statt 50 kleinen – aber dafür ein einheitlicher Ansatz.“

Kritischer äußert sich der Co-Founder zum unternehmerischen Klima in Österreich und der EU: „Man denkt bei Österreich nicht automatisch an Entrepreneurship. In den USA verbindet man Startup mit Hustle, Silicon Valley. Hier gibt es viele bürokratische Hürden – beim Firmen-Setup, beim Office-Lease, bei den Papier-Anforderungen.“ Es brauche aber nicht nur Vereinfachung der Prozesse, sondern auch einen kulturellen Wandel: „Wenn du wirklich ein Startup-Hub sein willst, musst du in der Schule anfangen, Unternehmertum zu vermitteln. Du musst Risikobereitschaft fördern.“

Gleichzeitig sieht Wilson Chancen in der europäischen Souveränitäts-Debatte: „Wenn man Innovation wie Stablecoins und Blockchain richtig nutzt, kann man digitale Souveränität tatsächlich neu denken – Wallets, Private Keys, alles lässt sich anders organisieren als im traditionellen System.“

Ausblick: B2B-Stablecoins und Agentic Payments

Für 2026 und 2027 erwartet Wilson, dass sich der Stablecoin-Markt primär im B2B-Segment entwickelt – konkret bei der Abwicklung von Merchant-Settlements: „Statt Wire Transfer oder SEPA werden Payments-Unternehmen zunehmend in USDC oder EURC abrechnen. Sieben Tage die Woche, auch an Wochenenden und Feiertagen. Das modernisiert Treasury-Prozesse, gerade für global agierende Unternehmen.“

Zum Hype-Thema Agentic Payments – also KI-gestützte, automatisierte Zahlungen – äußert sich Wilson zurückhaltend, aber überzeugt: „Das ist das Buzzword des Jahres, aber es steckt etwas Echtes dahinter. Wir bauen AI-first, weil wir glauben, dass die Welt dort hingeht. Ob das in einem, zwei, fünf oder zehn Jahren wirklich skaliert – wir müssen bereit sein.“

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