07.06.2021

„Höhle der Löwen“-Finale: Bodybuilder-Gründerin und Löwen ohne Profitlust

Im Staffelfinale von "Höhle der Löwen" gab es diesmal eine Bodybuilder-Meisterin, AI für Blinde im Straßenverkehr und stylische Schürzen. Zudem pries ein Startup Kaffee im Tetra Pak an, während ein anderes so gut war, dass die Löwen einsteigen, aber nicht profitieren wollten.
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Höhle der Löwen, Christina Schwarz, Bodybuilderin, Bikini Klasse, FitOaty, Hafer
(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer -Christina Schwarz aus Aalen präsentierte mit "FitOaty" eine Frucht-Hafermahlzeit im To-Go-Becher.
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Die ersten in der vor der Sommerpause letzten Folge der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer Montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren Maren „Mary” Weiß (Sportwissenschaftlerin), Claus Weiß (Betriebswirt) und Stefan Hrubesch (ebenfalls Betriebswirt). Die Drei sind seit sechs Jahren auf unterschiedlichen Wegen in der Kaffeebranche unterwegs. 2018 konnte das Trio in der Münchner Innenstadt das erste gemeinsame All-Day-Breakfast-Café eröffnen. Der Fokus der Drei liegt aktuell neben dem Speiseangebot auf eigene Kaffee-Variationen im Mary´s Coffee Club – allen voran auf den Iced Coffee. Um den Kunden auch für zu Hause oder unterwegs „Mary’s”-Eiskaffee zu ermöglichen, entwickelten sie ihren eigenen Bio-Eiskaffee im Tetra Pak mit leichter Kokosmilch, Kokoswasser und 100 Prozent Arabica-Kaffee. In Bayern ist das Produkt bereits im Einzelhandel erhältlich. Um deutschlandweit zu expandieren, benötigten die Gründer 100.000 Euro und boten zehn Prozent ihrer Firmenanteile an.

Zwei Angebote an die Löwen

Den gefährlichen Moment der Kostprobe überstand das Trio gut. Cremig und „schmeckt nicht wirklich nach Kokos“ waren die lobenden Reaktionen der Löwen. Danach wurde klargestellt, dass sich ein Investor bei einem Einstieg an Mary’s Coffee Club beteiligen würde – alternativ wäre auch nur die Beteiligung am Tetra Pak-Getränk mit 30 Prozent Anteilsübernahme für die 100.000 Euro möglich.

Höhle der Löwen,
(c) TVNOW / Stefan Gregorowius – Maren „Mary“ Weiß stellte in der „Höhle der Löwen“ ihren Mary´s Iced Coffee Lifestyle Bio-Eiskaffee vor.

Medieninvestor Georg Kofler warf anschließend die große Konkurrenz im Kühlregal ein. Die Gründer führten als Reaktion ihre leicht gesüßte, vegane Variante in Bio-Qualität an. Trotz einer guten Argumentation stieg der Südtiroler als erster aus. Multi-Investor Carsten Maschmeyer war das Produkt zu nischig. Auch er ging ohne Angebot. Familien-Unternehmerin Dagmar Wöhrl sah bei ihrer Absage ein Problem zukünftiger Pläne der Gründer. Sie hatte den Eindruck, dass der Kokosnuss-Kaffee bereits als Marke etabliert worden ist und das Startup für andere geplante Produkte damit als „Coconut-Brand“ ein Problem bekäme.

Dümmel die Hoffnung

Beauty-Queen Judith Williams sah, trotz der Beteuerungen, dass Mary eine Kaffeemarke wäre, Probleme mit dem Marketing. Die Löwin ging. Ralf Dümmel hingegen hatte andere Gedanken als seine Kollegen. Das Produkt schmecke einfach gut, meinte er. Er bot die 100.000 Euro für die 30 Prozent an Coconut Mary. Deal für Mary´s Coffee Club.

Blinde im Straßenverkehr

Beim zweiten Auftritt in der „Höhle der Löwen“ wurde der Straßenverkehr für blinde Menschen zum Thema. 285 Millionen Menschen auf der Welt sind blind oder sehbehindert. „Nicht sehen zu können, bedeutet Unsicherheit und Abhängigkeit“, sagte Gerd Güldenpfennig (Diplom-Informatiker). Um sich sicher durch den Straßenverkehr bewegen zu können, benötigen die Menschen detaillierte und vor allem ganz präzise Informationen: Muss man eine Straße überqueren? Gibt es eine Überführung, um einer großen Straße auszuweichen? Gibt es zusätzliche Hindernisse? Macht die Straße einen leichten Bogen? Je mehr Informationen ein sehbehinderter Mensch hat, desto mehr Sicherheit und Unabhängigkeit bekommt er zurück, erklärte der Gründer.

Fußgängernavi in der „Höhle der Löwen“

Gemeinsam mit Stefan Siebert, Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, präsentierte Güldenpfennig den Löwen Routago – eine Fußgängernavigation speziell für Sehbehinderte und Blinde. Im Gegensatz zu anderen gängigen Navigationssystemen, deren Fokus auf dem Straßennetz für Autos liegt, berücksichtige „Routago Assist“, wie ein Fußgänger am Verkehr teilnehme. Die Wegführung kann in einer Routenvorschau „abgelaufen“ werden, um sich den Weg bereits vorab einzuprägen.

Höhle der Löwen, Routago
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Gerd Güldenpfennig (l.) und Stefan Siebert entwickelten mit Routago eine Fußgängernavigation für Menschen mit Sehbehinderung.

Via Voice-Over erhalten User genaue Weg-Anweisungen und durch eine Objekterkennung werden bestimmte Objekte im Videobild der Smartphone-Kamera identifiziert. Routago ist ein Startup-Unternehmen aus der Technologieregion Karlsruhe und Forschungspartner des KIT. Das Angebot an die Löwen: 600.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Inklusive Objekterkennung

Nach der Präsentation mit detaillierten und präzisen Angaben über einen fiktiven Weg, zeigten sich die Löwen höchst beeindruckt und voller Bewunderung. Danach ging es um die Sicherheit der gelieferten Daten und die Objekterkennung. Nachdem geklärt wurde, dass Routago „nur“ eine Zusatzsicherheit sein wolle, sowie nach einer weiteren erfolgreichen Demonstration, wie das Navi eine Person im Umfeld erkennt, ging es um Zahlen.

4 Millionen Euro Umsatz geplant

Das Startup plane innerhalb von drei Jahren über vier Millionen Euro Umsatz. Dümmel erklärte danach, dass er für Apps nicht der richtige Löwe sei. Anschließend wiesen die Gründer ihre Absicht aus, sich zu internationalisieren und ihr Angebot auszuweiten, etwa für Rollstuhlfahrer. Konzernchef Nils Glagau war nicht überzeugt und ging ohne Angebot. Wöhrl argumentierte ähnlich, sodass nur Kofler und Maschmeyer über blieben.

Mehr Kapital für Kundenakquise nötig

Die Gründer erzählten als letzten Versuch einen Löwen zu überzeugen von rund 360.000 Euro veranschlagtem Marketingbudget für eine Kundenakquise in der Größenordnung von 100.000 neuen Usern. Dies ließ die beiden restlichen Investoren beinahe unisono sagen, dass man selbst bei einem „zwei Millionen Euro-Budget“ es schwer hätte, dieses Ziel zu erreichen. Man müsse mit 100 Euro pro Kunden rechnen. Kofler ging aus diesem Grund. Maschmeyer nannte den Nutzungszweck des Startups sinnvoll, blieb aber auch ohne Vorschlag. Kein Deal für Routago.

Bodybuilding-Meisterin in der „Höhle der Löwen“

Christina Schwarz war die nächste in der „Höhle der Löwen“. Sie ist leidenschaftliche Fitness-Athletin und nahm bereits an einigen Bodybuilding-Wettkämpfen erfolgreich teil – zweimal erster Platz, einmal zweiter und einmal dritter bei vier Teilnahmen. „Wenn man sich so viel mit Sport und seinem eigenen Körper auseinandersetzt, wird ein Thema ein essentiell wichtiger Bestandteil im Leben: gesundes Essen“, so die Betriebswirtschaftlerin. Wie viele andere Sportler setzte auch die Gründerin auf Haferflocken: „Denn die sind reich an Proteinen, Eisen und Zink. Sie sind voller Ballaststoffe, regen die Verdauung an und halten lange satt.“

Hafer To-Go

Für ein gesundes und vollwertiges Frühstück bereitete sich Schwarz morgens regelmäßig eine Haferbowl mit viel frischem Obst zu. Doch dafür benötigte sie eine gewisse Zeit und im hektischen Alltag war das oft nicht möglich. Deswegen hat sie FitOaty entwickelt: eine frische und sofort verzehrbare Frucht-Hafermahlzeit aus dem Kühlregal im To-Go-Becher aus recyceltem PET. Das spezielle Herstellungsverfahren, mit Druck statt Hitze, soll die Produkte länger haltbar machen und das ohne Vitaminverlust. Alle Sorten sind vegan, laktosefrei und ohne Zuckerzusatz. Um FitOaty als gesunde Frühstücksalternative auf dem Markt zu etablieren, benötigte die Gründerin 80.000 Euro und war bereit, 25 Prozent ihrer Firmenanteile abzugeben.

FitOaty
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Christina Schwarz möchte umständliche Frühstücksroutinen vereinfachen.

Nachdem sie den Löwen beim Pitch die umständliche Frühstücksroutine, die Zeit kostet, präsentiert hatte, gab es für die Investoren eine Kostprobe. Jene zeigten sich begeistert, Dümmel meinte sogar, er wäre nicht der typische Kunde für gesundes Essen, ihm schmecke es aber köstlich. Der LEH-Experte zog aber später eine grimmige Miene, als er hörte, dass das Produkt eine Kühlkette brauche.

Kofler bestellt 1.000 Stück FitOaty

Dies war auch der Grund warum Wöhrl und Williams gingen. Nachdem beide Löwinnen weg waren, schloss sich Dümmel mit derselben Argumentation an, als er ohne Angebot blieb. Kofler hingegen erklärte, dass er 1.000 Stück von FitOaty bestellen und sie unter seine Kollegen verteilen würde. Leider sah er im Startup keinen Investment-Case. Nils Glagau begann mit großen Komplimenten, meinte aber es wäre schwierig das Produkt zum Endverbraucher zu bringen. Er bot dennoch die geforderten 80.000 Euro für 25 Prozent. Deal für FitOaty.

Mila Cardi mit Style-Schürze

Die vorletzte in der „Höhle der Löwen“ war Lydia Walter. Sie ist Designerin, Schneiderin und Produktentwicklerin. Unter ihrem Künstlernamen Mila Cardi entwirft sie eigene Mode, die sie in ihrer Boutique in Nürnberg und im Onlineshop verkauft. Neben ihrer eigenen Kollektion hat die 35-Jährige eine stylische und praktische Schürze für zu Hause und den Gastronomiebereich entworfen. Der Stoff ist Wasser- und schmutzabweisend und so soll ihr Produkt belastbarer und langlebiger als herkömmliche Baumwollschürzen sein. Durch die Oberflächenbeschaffenheit kann das Kleidungsstück bei Beschmutzungen abgewischt werden und muss nicht sofort in die Waschmaschine. Ihr Design ermögliche es zudem, die Schürze zu allen Outfits zu tragen und durch die integrierte Kängurutasche mit beidseitigen Eingriffen lassen sich Arbeitsutensilien wie Block, Stift oder Handy verstauen und griffbereit halten. Die Forderung: 50.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile.

„Zu klein“?

Nach dem Pitch meinte Wöhrl, der Preis von knapp 90 Euro und 80 Euro für die Männer-Version der Schürze wäre zu hoch. Sie erfuhr zudem, dass man mit einem Einstieg in eine noch nicht gegründete GmbH, den Namen, die Schürze und allgemein in eine Idee investieren würde. Maschmeyer war das Ganze „zu klein“ und er ging als erster Löwe ohne Angebot. Danach versicherte die Gründerin Glagau und Wöhrl, dass sie die Schürzen auf Wunsch individualisieren könne, damit sie zum jeweiligen Gastro-Betrieb passen.

Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Lydia Walter (r.) aus Nürnberg möchte mit Miss.Pinny, der funktionalen Designer-Schürzem das verstaubte Image der Küchenkleidung ändern.

Glagau ging dennoch als nächster, er sehe in der Szene momentan wenig Chancen, das Kleidungsstück anzubringen. Die Gründerin argumentierte erneut mit der Möglichkeit ihr Produkt anpassen zu können, was bei Dümmel wenig half. Nachdem auch er ohne Angebot geblieben war, verabschiedete sich auch Kofler. Die letzte Löwin der Runde, Wöhrl, meinte abschließend, Walter sei zu sehr am Anfang. Kein Deal für Miss.Pinny.

„Elefanten verlieren 30 Fußballplätze Lebensraum pro Minute“

Den Abschluss der „Höhle der Löwen“-Staffel bildete Chris Kaiser. Der Tourismusmanager hat schon viel von der Welt gesehen. Da sein Vater Tropenarzt ist, wuchs er unter anderem in Kamerun und Tansania auf. Nach der Schule hatte er verschiedene Jobs in der Tourismusbranche und mittlerweile auf fünf Kontinenten gelebt und dort Geld verdient. „Besonders beeindruckend waren die fünf Jahre in Thailand, weil ich dort im engsten Kontakt mit Elefanten zusammengearbeitet habe“, erklärte der 33-Jährige. „Für mich sind Elefanten die wundervollsten Geschöpfe auf diesem Planeten. Aber sie haben ein riesengroßes Problem: der Verlust von Lebensraum. Pro Minute verlieren wir 30 Fußballfelder an Regenwald.“

Über 100.000 Bäume gepflanzt

Und genau hier setzt sein Startup an. B’n’Tree – mit Beteiligung von Paul Blazek, CVO des oberösterreichischen Software-Startups Combeenation – ist eine Affiliate-Vermittlungsplattform, die mit verschiedenen Reisebuchungsportalen zusammenarbeitet und für jede Buchung einen Baum pflanzt. Das helfe beim Ausgleich der Emissionen, schaffe Arbeit für lokale Kommunen und Lebensraum für bedrohte Tierarten. Seit dem Start von B’n’Tree konnten über 100.000 Bäume in 13 verschiedenen Ländern gepflanzt werden. Um möglichst schnell skalieren zu können und sein Business mit der Marke „Click A Tree“ auch über die Touristikbranche hinaus auszubauen, benötigte Chris 75.000 Euro und war bereit zehn Prozent der Anteile abzugeben.

Höhle der Löwen, B'n'Tree, Click a Tree
(c) TVNOW / Stefan Gregorowius – Chris Kaiser macht mit B´n`Tree Bäume pflanzen zum Geschäftsfeld.

Nach einem leicht episch gestalteten Pitch, erklärte Kaiser, dass seine Firma keine Non-Profit Organisation sei, auch keine weitere Firma, die nebenbei Bäume pflanzt, sondern den Ansatz neu schaffen und das Thema kommerziell angehen will. An keiner Stelle der Wertschöpfungskette würde auf Freiwilligenarbeit gesetzt. Man würde karitative Arbeit mit dem Kapitalismus verbinden. Und damit den „Karitalismus“ erfinden.

Geschäftsmodell erweitert

Da sich der Fokus rein auf die Buchungsbranche nicht lohnen würde – pro Buchung gibt es für das Startup rund vier Euro Einnahmen, bei Pflanzungskosten für einen einzelnen Baum für 3,5 Euro – hat Kaiser sein Geschäftsmodell erweitert und „Click a Tree“ gegründet. Privatkunden und Firmen aus jeder Industrie könnten damit ab Verkaufspreisen von (damals) fünf Euro mitmachen.

Der „Mark Thunberg“ der Show

Glagau empfand das Ganze als zu schwammig und ging relativ rasch ohne Angebot. Danach erklärte der Gründer die Vorteile der Authentizität eines Unternehmens wie seines. Wenn plötzlich Mark Zuckerberg anfinge Bäume zu pflanzen, so würden die Leute schnell „geenwashing“ schreien. Würde Greta Thunberg für die gleiche Aktion Geld verlangen, so hieße es wohl „Kapitalistin“. Man bräuchte eine Mischung aus beiden. Er selbst sei dieser „Mark Thunberg“.

Einzigartiges Angebot

Dies erheiterte die Löwen. Dümmel ging dennoch als nächster, er könne dem Gründer nicht helfen. Maschmeyer und Williams zogen sich indes zur Beratung zurück. Die Investorin erklärte danach, dass Nachhaltigkeit bei ihr ein wichtiges Thema sei, zudem hätte sie Kaiser überzeugt. Sie und ihr Kollege würden gerne investieren, aber mit B’n’Tree keinen Gewinn machen wollen. Maschmeyer erklärte die Idee: Beide Löwen würden 75.000 Euro für 25,1 Prozent bieten. Aber später ihre Anteile an die ersten Mitarbeiter im Rahmen eines Mitarbeiter-Beteiligungsprogramms abgeben. Und irgendwann nur ihr Investment zurückfordern.

Die Rückkehr des Glagau

Danach änderte Glagau seine Meinung. Je länger er den Gründer erlebe, desto mehr würde ihn ihm passieren, sagte er. Er bot gemeinsam mit Kofler schließlich 100.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

Mentor nicht zu erreichen

Am Ende wollte sich Kaiser mit Blazek beraten, erreichte seinen Mentor aber nicht. So war er gezwungen alleine eine Entscheidung zu treffen und nahm Maschmeyer und Williams mit an Board. Deal im Staffelfinale für B’n’Tree.

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Bereits seit der Veröffentlichung des Ministerialentwurfs zu einer neuen Paketsteuer im Mai trifft diese in der öffentlichen Diskussion auf Kritik. Vorgesehen ist eine Abgabe von zwei Euro pro zugestelltem Paket, die ab dem 1. Oktober 2026 von großen Online-Handelsplattformen mit einem Jahresumsatz ab 100 Millionen Euro eingehoben werden soll. Nachdem das vorparlamentarische Begutachtungsverfahren zum Gesetzesentwurf am 26. Mai 2026 offiziell geendet hat, geht die Vorlage im nächsten Schritt in die Debatte und finale Abstimmung im Nationalrat.

Mit den prognostizierten Einnahmen von jährlich rund 280 Millionen Euro will die Bundesregierung die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel teilweise gegenfinanzieren. Zudem wolle man den lokalen stationären Handel gegenüber den internationalen E-Commerce-Riesen stärken, so die Argumentation. Und auch der Umweltschutzaspekt wird seitens der Regierung ins Treffen geführt. Diese Begründung lassen viele Kritiker:innen aber nicht gelten.

Dobrocka: „wird nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben“

Auch unter Gründer:innen heimischer Startups und Scaleups im Logistik-Bereich, die für brutkasten erreichbar waren, herrscht breite Ablehnung gegenüber der Paketabgabe. Dabei ist es nicht die Zielsetzung, die kritisiert wird. „Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert über Maßnahmen zu diskutieren, die den österreichischen Markt vor einer Flut an ausländischen Sendungen schützen und österreichische Unternehmer stärken. Aber diese Maßnahme tut das nicht“, meint etwa Petra Dobrocka, Co-Founderin und CCO des Wiener Logistik-Scaleups byrd. „Selbst wenn ein heimischer Händler die Ware in Österreich verpackt und mit der österreichischen Post an einen österreichischen Kunden schickt: Sobald der Verkauf über einen Marktplatz wie Amazon läuft, greift die Steuer.“ Die Maßnahme werde letztlich „nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben.“

Braith: „Emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen“

Ähnlich argumentiert auch Storebox-Co-Founder und CEO Johannes Braith. Er führt zusätzlich eine ökologische Perspektive ins Treffen. „Wir brauchen aus meiner Sicht weniger Symbolpolitik und mehr intelligente Steuerung. Wenn Politik Lenkungswirkung ernst meint, dann sollte sie emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen und nicht pauschal jede Form des Versandhandels verteuern“, so der Gründer. Das Gesetz unterscheide nämlich zu wenig zwischen emissionsintensiven und emissionsarmen Zustellmodellen. Klassische Haustürzustellung sei ineffizient und verursache Retourenverkehr und Parkdruck, meint Braith und führt Click-&-Collect-Modelle mit gebündelter Anlieferung ins Treffen, wie sie auch sein Unternehmen umsetzt.

Weiß: EU-Regelung statt „Alleingang“

Georg Weiß, Co-Founder und CEO des Wiener Logistik-Scaleups Quivo, würde in dem Zusammenhang lieber eine europäische Lösung sehen. „Auf EU-Ebene gibt es ja auch Vorschläge, etwa Zölle für Kleinpakete unter 150 Euro einzuführen, um den europäischen Markt vor Billigprodukten zu schützen. Das halte ich für die sinnvollere Maßnahme, als aus Österreich heraus einen Alleingang zu machen und eine Zwei-Euro-Paketgebühr einzuführen“, so der Gründer gegenüber brutkasten.

AustrianStartups: Nachteile für Startups und Scaleups befürchtet

Kritik an der Paketsteuer kommt auch von AustrianStartups. „Wer Österreich als Innovationsstandort stärken will, kann nicht gleichzeitig die Vertriebskanäle innovativer Unternehmen im E-Commerce belasten. In der aktuellen Form würde der Entwurf vor allem Startups, Scaleups und KMUs treffen, die über Plattformen verkaufen oder aus Österreich versenden“, meint man dort. Auch befürchtet man potenzielle Probleme für Scaleups in der Branche, weil ein gleitender Übergang bei der Umsatzschwelle fehle: „Für Scaleups, die gerade die 100-Millionen-Euro-Grenze überschreiten, bedeutet das einen abrupten Kostenschock in genau der Phase, in der sie skalieren wollen.“

Kaminski: „Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll“

Zudem hebt AustrianStartups eine besondere Problematik im Secondhand- und Refurbishment-Bereich hervor und zitiert dazu refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski: „Bei einem refurbishten iPhone beispielsweise ist der Produktpreis zwar relativ hoch, aber die Marge für Refurbisher ist sehr gering. So eine Abgabe kann nicht einfach weitergegeben werden. Das Resultat: Preise im Reuse-Bereich steigen, neue Billigwaren nicht. Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Falls die Abgabe kommt, braucht es zwingend eine Ausnahmeregelung für Secondhand und Refurbished.“

AustrianStartups forderte daher bereits im Mai „eine Rücknahme des Entwurfs in seiner aktuellen Form“. Sollte dies nicht passieren jedenfalls aber eine „Prüfung eines EU-weiten Rahmens statt eines österreichischen Alleingangs“ und eine Ausnahmeregelung für Secondhand, Refurbished und Reuse.

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