07.06.2021

„Höhle der Löwen“-Finale: Bodybuilder-Gründerin und Löwen ohne Profitlust

Im Staffelfinale von "Höhle der Löwen" gab es diesmal eine Bodybuilder-Meisterin, AI für Blinde im Straßenverkehr und stylische Schürzen. Zudem pries ein Startup Kaffee im Tetra Pak an, während ein anderes so gut war, dass die Löwen einsteigen, aber nicht profitieren wollten.
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Höhle der Löwen, Christina Schwarz, Bodybuilderin, Bikini Klasse, FitOaty, Hafer
(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer -Christina Schwarz aus Aalen präsentierte mit "FitOaty" eine Frucht-Hafermahlzeit im To-Go-Becher.
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Die ersten in der vor der Sommerpause letzten Folge der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer Montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren Maren „Mary” Weiß (Sportwissenschaftlerin), Claus Weiß (Betriebswirt) und Stefan Hrubesch (ebenfalls Betriebswirt). Die Drei sind seit sechs Jahren auf unterschiedlichen Wegen in der Kaffeebranche unterwegs. 2018 konnte das Trio in der Münchner Innenstadt das erste gemeinsame All-Day-Breakfast-Café eröffnen. Der Fokus der Drei liegt aktuell neben dem Speiseangebot auf eigene Kaffee-Variationen im Mary´s Coffee Club – allen voran auf den Iced Coffee. Um den Kunden auch für zu Hause oder unterwegs „Mary’s”-Eiskaffee zu ermöglichen, entwickelten sie ihren eigenen Bio-Eiskaffee im Tetra Pak mit leichter Kokosmilch, Kokoswasser und 100 Prozent Arabica-Kaffee. In Bayern ist das Produkt bereits im Einzelhandel erhältlich. Um deutschlandweit zu expandieren, benötigten die Gründer 100.000 Euro und boten zehn Prozent ihrer Firmenanteile an.

Zwei Angebote an die Löwen

Den gefährlichen Moment der Kostprobe überstand das Trio gut. Cremig und „schmeckt nicht wirklich nach Kokos“ waren die lobenden Reaktionen der Löwen. Danach wurde klargestellt, dass sich ein Investor bei einem Einstieg an Mary’s Coffee Club beteiligen würde – alternativ wäre auch nur die Beteiligung am Tetra Pak-Getränk mit 30 Prozent Anteilsübernahme für die 100.000 Euro möglich.

Höhle der Löwen,
(c) TVNOW / Stefan Gregorowius – Maren „Mary“ Weiß stellte in der „Höhle der Löwen“ ihren Mary´s Iced Coffee Lifestyle Bio-Eiskaffee vor.

Medieninvestor Georg Kofler warf anschließend die große Konkurrenz im Kühlregal ein. Die Gründer führten als Reaktion ihre leicht gesüßte, vegane Variante in Bio-Qualität an. Trotz einer guten Argumentation stieg der Südtiroler als erster aus. Multi-Investor Carsten Maschmeyer war das Produkt zu nischig. Auch er ging ohne Angebot. Familien-Unternehmerin Dagmar Wöhrl sah bei ihrer Absage ein Problem zukünftiger Pläne der Gründer. Sie hatte den Eindruck, dass der Kokosnuss-Kaffee bereits als Marke etabliert worden ist und das Startup für andere geplante Produkte damit als „Coconut-Brand“ ein Problem bekäme.

Dümmel die Hoffnung

Beauty-Queen Judith Williams sah, trotz der Beteuerungen, dass Mary eine Kaffeemarke wäre, Probleme mit dem Marketing. Die Löwin ging. Ralf Dümmel hingegen hatte andere Gedanken als seine Kollegen. Das Produkt schmecke einfach gut, meinte er. Er bot die 100.000 Euro für die 30 Prozent an Coconut Mary. Deal für Mary´s Coffee Club.

Blinde im Straßenverkehr

Beim zweiten Auftritt in der „Höhle der Löwen“ wurde der Straßenverkehr für blinde Menschen zum Thema. 285 Millionen Menschen auf der Welt sind blind oder sehbehindert. „Nicht sehen zu können, bedeutet Unsicherheit und Abhängigkeit“, sagte Gerd Güldenpfennig (Diplom-Informatiker). Um sich sicher durch den Straßenverkehr bewegen zu können, benötigen die Menschen detaillierte und vor allem ganz präzise Informationen: Muss man eine Straße überqueren? Gibt es eine Überführung, um einer großen Straße auszuweichen? Gibt es zusätzliche Hindernisse? Macht die Straße einen leichten Bogen? Je mehr Informationen ein sehbehinderter Mensch hat, desto mehr Sicherheit und Unabhängigkeit bekommt er zurück, erklärte der Gründer.

Fußgängernavi in der „Höhle der Löwen“

Gemeinsam mit Stefan Siebert, Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, präsentierte Güldenpfennig den Löwen Routago – eine Fußgängernavigation speziell für Sehbehinderte und Blinde. Im Gegensatz zu anderen gängigen Navigationssystemen, deren Fokus auf dem Straßennetz für Autos liegt, berücksichtige „Routago Assist“, wie ein Fußgänger am Verkehr teilnehme. Die Wegführung kann in einer Routenvorschau „abgelaufen“ werden, um sich den Weg bereits vorab einzuprägen.

Höhle der Löwen, Routago
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Gerd Güldenpfennig (l.) und Stefan Siebert entwickelten mit Routago eine Fußgängernavigation für Menschen mit Sehbehinderung.

Via Voice-Over erhalten User genaue Weg-Anweisungen und durch eine Objekterkennung werden bestimmte Objekte im Videobild der Smartphone-Kamera identifiziert. Routago ist ein Startup-Unternehmen aus der Technologieregion Karlsruhe und Forschungspartner des KIT. Das Angebot an die Löwen: 600.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Inklusive Objekterkennung

Nach der Präsentation mit detaillierten und präzisen Angaben über einen fiktiven Weg, zeigten sich die Löwen höchst beeindruckt und voller Bewunderung. Danach ging es um die Sicherheit der gelieferten Daten und die Objekterkennung. Nachdem geklärt wurde, dass Routago „nur“ eine Zusatzsicherheit sein wolle, sowie nach einer weiteren erfolgreichen Demonstration, wie das Navi eine Person im Umfeld erkennt, ging es um Zahlen.

4 Millionen Euro Umsatz geplant

Das Startup plane innerhalb von drei Jahren über vier Millionen Euro Umsatz. Dümmel erklärte danach, dass er für Apps nicht der richtige Löwe sei. Anschließend wiesen die Gründer ihre Absicht aus, sich zu internationalisieren und ihr Angebot auszuweiten, etwa für Rollstuhlfahrer. Konzernchef Nils Glagau war nicht überzeugt und ging ohne Angebot. Wöhrl argumentierte ähnlich, sodass nur Kofler und Maschmeyer über blieben.

Mehr Kapital für Kundenakquise nötig

Die Gründer erzählten als letzten Versuch einen Löwen zu überzeugen von rund 360.000 Euro veranschlagtem Marketingbudget für eine Kundenakquise in der Größenordnung von 100.000 neuen Usern. Dies ließ die beiden restlichen Investoren beinahe unisono sagen, dass man selbst bei einem „zwei Millionen Euro-Budget“ es schwer hätte, dieses Ziel zu erreichen. Man müsse mit 100 Euro pro Kunden rechnen. Kofler ging aus diesem Grund. Maschmeyer nannte den Nutzungszweck des Startups sinnvoll, blieb aber auch ohne Vorschlag. Kein Deal für Routago.

Bodybuilding-Meisterin in der „Höhle der Löwen“

Christina Schwarz war die nächste in der „Höhle der Löwen“. Sie ist leidenschaftliche Fitness-Athletin und nahm bereits an einigen Bodybuilding-Wettkämpfen erfolgreich teil – zweimal erster Platz, einmal zweiter und einmal dritter bei vier Teilnahmen. „Wenn man sich so viel mit Sport und seinem eigenen Körper auseinandersetzt, wird ein Thema ein essentiell wichtiger Bestandteil im Leben: gesundes Essen“, so die Betriebswirtschaftlerin. Wie viele andere Sportler setzte auch die Gründerin auf Haferflocken: „Denn die sind reich an Proteinen, Eisen und Zink. Sie sind voller Ballaststoffe, regen die Verdauung an und halten lange satt.“

Hafer To-Go

Für ein gesundes und vollwertiges Frühstück bereitete sich Schwarz morgens regelmäßig eine Haferbowl mit viel frischem Obst zu. Doch dafür benötigte sie eine gewisse Zeit und im hektischen Alltag war das oft nicht möglich. Deswegen hat sie FitOaty entwickelt: eine frische und sofort verzehrbare Frucht-Hafermahlzeit aus dem Kühlregal im To-Go-Becher aus recyceltem PET. Das spezielle Herstellungsverfahren, mit Druck statt Hitze, soll die Produkte länger haltbar machen und das ohne Vitaminverlust. Alle Sorten sind vegan, laktosefrei und ohne Zuckerzusatz. Um FitOaty als gesunde Frühstücksalternative auf dem Markt zu etablieren, benötigte die Gründerin 80.000 Euro und war bereit, 25 Prozent ihrer Firmenanteile abzugeben.

FitOaty
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Christina Schwarz möchte umständliche Frühstücksroutinen vereinfachen.

Nachdem sie den Löwen beim Pitch die umständliche Frühstücksroutine, die Zeit kostet, präsentiert hatte, gab es für die Investoren eine Kostprobe. Jene zeigten sich begeistert, Dümmel meinte sogar, er wäre nicht der typische Kunde für gesundes Essen, ihm schmecke es aber köstlich. Der LEH-Experte zog aber später eine grimmige Miene, als er hörte, dass das Produkt eine Kühlkette brauche.

Kofler bestellt 1.000 Stück FitOaty

Dies war auch der Grund warum Wöhrl und Williams gingen. Nachdem beide Löwinnen weg waren, schloss sich Dümmel mit derselben Argumentation an, als er ohne Angebot blieb. Kofler hingegen erklärte, dass er 1.000 Stück von FitOaty bestellen und sie unter seine Kollegen verteilen würde. Leider sah er im Startup keinen Investment-Case. Nils Glagau begann mit großen Komplimenten, meinte aber es wäre schwierig das Produkt zum Endverbraucher zu bringen. Er bot dennoch die geforderten 80.000 Euro für 25 Prozent. Deal für FitOaty.

Mila Cardi mit Style-Schürze

Die vorletzte in der „Höhle der Löwen“ war Lydia Walter. Sie ist Designerin, Schneiderin und Produktentwicklerin. Unter ihrem Künstlernamen Mila Cardi entwirft sie eigene Mode, die sie in ihrer Boutique in Nürnberg und im Onlineshop verkauft. Neben ihrer eigenen Kollektion hat die 35-Jährige eine stylische und praktische Schürze für zu Hause und den Gastronomiebereich entworfen. Der Stoff ist Wasser- und schmutzabweisend und so soll ihr Produkt belastbarer und langlebiger als herkömmliche Baumwollschürzen sein. Durch die Oberflächenbeschaffenheit kann das Kleidungsstück bei Beschmutzungen abgewischt werden und muss nicht sofort in die Waschmaschine. Ihr Design ermögliche es zudem, die Schürze zu allen Outfits zu tragen und durch die integrierte Kängurutasche mit beidseitigen Eingriffen lassen sich Arbeitsutensilien wie Block, Stift oder Handy verstauen und griffbereit halten. Die Forderung: 50.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile.

„Zu klein“?

Nach dem Pitch meinte Wöhrl, der Preis von knapp 90 Euro und 80 Euro für die Männer-Version der Schürze wäre zu hoch. Sie erfuhr zudem, dass man mit einem Einstieg in eine noch nicht gegründete GmbH, den Namen, die Schürze und allgemein in eine Idee investieren würde. Maschmeyer war das Ganze „zu klein“ und er ging als erster Löwe ohne Angebot. Danach versicherte die Gründerin Glagau und Wöhrl, dass sie die Schürzen auf Wunsch individualisieren könne, damit sie zum jeweiligen Gastro-Betrieb passen.

Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Lydia Walter (r.) aus Nürnberg möchte mit Miss.Pinny, der funktionalen Designer-Schürzem das verstaubte Image der Küchenkleidung ändern.

Glagau ging dennoch als nächster, er sehe in der Szene momentan wenig Chancen, das Kleidungsstück anzubringen. Die Gründerin argumentierte erneut mit der Möglichkeit ihr Produkt anpassen zu können, was bei Dümmel wenig half. Nachdem auch er ohne Angebot geblieben war, verabschiedete sich auch Kofler. Die letzte Löwin der Runde, Wöhrl, meinte abschließend, Walter sei zu sehr am Anfang. Kein Deal für Miss.Pinny.

„Elefanten verlieren 30 Fußballplätze Lebensraum pro Minute“

Den Abschluss der „Höhle der Löwen“-Staffel bildete Chris Kaiser. Der Tourismusmanager hat schon viel von der Welt gesehen. Da sein Vater Tropenarzt ist, wuchs er unter anderem in Kamerun und Tansania auf. Nach der Schule hatte er verschiedene Jobs in der Tourismusbranche und mittlerweile auf fünf Kontinenten gelebt und dort Geld verdient. „Besonders beeindruckend waren die fünf Jahre in Thailand, weil ich dort im engsten Kontakt mit Elefanten zusammengearbeitet habe“, erklärte der 33-Jährige. „Für mich sind Elefanten die wundervollsten Geschöpfe auf diesem Planeten. Aber sie haben ein riesengroßes Problem: der Verlust von Lebensraum. Pro Minute verlieren wir 30 Fußballfelder an Regenwald.“

Über 100.000 Bäume gepflanzt

Und genau hier setzt sein Startup an. B’n’Tree – mit Beteiligung von Paul Blazek, CVO des oberösterreichischen Software-Startups Combeenation – ist eine Affiliate-Vermittlungsplattform, die mit verschiedenen Reisebuchungsportalen zusammenarbeitet und für jede Buchung einen Baum pflanzt. Das helfe beim Ausgleich der Emissionen, schaffe Arbeit für lokale Kommunen und Lebensraum für bedrohte Tierarten. Seit dem Start von B’n’Tree konnten über 100.000 Bäume in 13 verschiedenen Ländern gepflanzt werden. Um möglichst schnell skalieren zu können und sein Business mit der Marke „Click A Tree“ auch über die Touristikbranche hinaus auszubauen, benötigte Chris 75.000 Euro und war bereit zehn Prozent der Anteile abzugeben.

Höhle der Löwen, B'n'Tree, Click a Tree
(c) TVNOW / Stefan Gregorowius – Chris Kaiser macht mit B´n`Tree Bäume pflanzen zum Geschäftsfeld.

Nach einem leicht episch gestalteten Pitch, erklärte Kaiser, dass seine Firma keine Non-Profit Organisation sei, auch keine weitere Firma, die nebenbei Bäume pflanzt, sondern den Ansatz neu schaffen und das Thema kommerziell angehen will. An keiner Stelle der Wertschöpfungskette würde auf Freiwilligenarbeit gesetzt. Man würde karitative Arbeit mit dem Kapitalismus verbinden. Und damit den „Karitalismus“ erfinden.

Geschäftsmodell erweitert

Da sich der Fokus rein auf die Buchungsbranche nicht lohnen würde – pro Buchung gibt es für das Startup rund vier Euro Einnahmen, bei Pflanzungskosten für einen einzelnen Baum für 3,5 Euro – hat Kaiser sein Geschäftsmodell erweitert und „Click a Tree“ gegründet. Privatkunden und Firmen aus jeder Industrie könnten damit ab Verkaufspreisen von (damals) fünf Euro mitmachen.

Der „Mark Thunberg“ der Show

Glagau empfand das Ganze als zu schwammig und ging relativ rasch ohne Angebot. Danach erklärte der Gründer die Vorteile der Authentizität eines Unternehmens wie seines. Wenn plötzlich Mark Zuckerberg anfinge Bäume zu pflanzen, so würden die Leute schnell „geenwashing“ schreien. Würde Greta Thunberg für die gleiche Aktion Geld verlangen, so hieße es wohl „Kapitalistin“. Man bräuchte eine Mischung aus beiden. Er selbst sei dieser „Mark Thunberg“.

Einzigartiges Angebot

Dies erheiterte die Löwen. Dümmel ging dennoch als nächster, er könne dem Gründer nicht helfen. Maschmeyer und Williams zogen sich indes zur Beratung zurück. Die Investorin erklärte danach, dass Nachhaltigkeit bei ihr ein wichtiges Thema sei, zudem hätte sie Kaiser überzeugt. Sie und ihr Kollege würden gerne investieren, aber mit B’n’Tree keinen Gewinn machen wollen. Maschmeyer erklärte die Idee: Beide Löwen würden 75.000 Euro für 25,1 Prozent bieten. Aber später ihre Anteile an die ersten Mitarbeiter im Rahmen eines Mitarbeiter-Beteiligungsprogramms abgeben. Und irgendwann nur ihr Investment zurückfordern.

Die Rückkehr des Glagau

Danach änderte Glagau seine Meinung. Je länger er den Gründer erlebe, desto mehr würde ihn ihm passieren, sagte er. Er bot gemeinsam mit Kofler schließlich 100.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

Mentor nicht zu erreichen

Am Ende wollte sich Kaiser mit Blazek beraten, erreichte seinen Mentor aber nicht. So war er gezwungen alleine eine Entscheidung zu treffen und nahm Maschmeyer und Williams mit an Board. Deal im Staffelfinale für B’n’Tree.

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Bernhard Krick, Geschäftsführer der Bybit Payments GmbH | (c) Bybit

Anfang August erhielt die Bybit Payments GmbH von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Konzession als E-Geld-Institut, nach rund neun Monaten Verfahren. Laut Geschäftsführer Bernhard Krick gibt es die Lizenz zwar seit rund 25 Jahren, durchschritten hätten das Verfahren aber erst zwei Marktteilnehmer. Mit der Konzession baut die nach eigenen Angaben gemessen am Handelsvolumen zweitgrößte Kryptobörse der Welt ihre EU-Zentrale in Wien weiter aus. Die Schwestergesellschaft Bybit EU GmbH hält bereits seit Mai 2025 eine MiCAR-Zulassung. Im Interview spricht Krick über das Verfahren, die Standortwahl und die Frage, ob am Ende eine Banklizenz steht.


Die Bybit Payments GmbH hat von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Wie lange hat das Verfahren gedauert und was waren rückblickend die größten Hürden?

Der eigentliche Lizenzierungsprozess mit der FMA war naturgemäß intensiv und hat sich über einen Zeitraum von rund neun Monaten erstreckt. Wir haben jedoch bereits deutlich davor mit dem Aufbau der lokalen Gesellschaft, der Infrastruktur sowie aller compliance-relevanten Agenden begonnen. Obwohl es die Lizenz seit rund 25 Jahren gibt, haben erst zwei Marktteilnehmer diesen Prozess durchschritten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Fülle an Informationen über die eigene Organisation, Prozesse und geplanten Produkte so aufzubereiten, dass sie den hohen Anforderungen der FMA entsprechen und ein klares, transparentes Bild vermitteln. Dabei steht man grundsätzlich auch immer unter einem gewissen Zeitdruck. Unsere Mitarbeiter:innen haben hier eine sehr gute Arbeit geleistet.

Rückblickend war der Prozess zwar anspruchsvoll, aber immens wertvoll. Er hat dazu beigetragen, unsere europäischen Strukturen weiter zu professionalisieren. Die E-Geld-Konzession ist eine wichtige Grundlage für die nächste Phase der Expansion unseres Geschäfts in Europa.

Warum hat Bybit die EMI-Lizenz ausgerechnet in Österreich beantragt? Länder wie Litauen oder Luxemburg gelten in Europa als die klassischen Standorte für E-Geld-Institute.

Wien ist für uns der Standort unserer EU-Zentrale. Von hier aus decken wir MiCAR, E-Geld und MiFID ab. Uns war wichtig, einen Standort mit einem europaweit respektierten Regulator zu wählen. Die FMA bietet dabei die perfekte Balance: streng in der Aufsicht, was für eine Organisation wie uns, die weltweit auf Compliance ausgerichtet ist, kein Problem, sondern ein Vorteil ist, und gleichzeitig kommunikativ, pragmatisch und effizient im Austausch. Wien ist zudem ein zentraler Standort in Europa mit attraktiver Infrastruktur und hoher regulatorischer Kompetenz. Von hier aus können wir langfristige europäische Strukturen aufbauen, mit einem verlässlichen Partner vor Ort, und unser Geschäft in den Märkten ganz Europas steuern.

Die FMA gilt als strenge Aufsicht. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Vergleich zu anderen Jurisdiktionen, in denen Bybit tätig ist?

Eine strenge Aufsicht ist aus unserer Sicht kein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Wenn man langfristig in einem regulierten europäischen Markt tätig sein möchte, ist Klarheit darüber, welche Anforderungen gelten, ein wesentlicher Vorteil. Unsere Erfahrung ist, dass die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden naturgemäß intensiv und detailliert ist, und das erwarten wir auch. Wir sehen Regulierung nicht als einmalige Eintrittshürde, sondern als laufenden Prozess, der sehr wichtig für die gesamte Branche ist. Die FMA sehen wir als eine durchaus fordernde, aber vor allem als eine sehr kompetente Behörde, die auch einen sehr guten Ruf in Europa genießt.

In der Aussendung zur Lizenz heißt es, konkrete Termine für die Produkteinführung würden in Kürze bekannt gegeben. Können Sie schon konkreter werden: Welche Dienste starten zuerst, und wann rechnen Sie mit dem Marktstart in Österreich und im restlichen EWR?

Die konkreten Produktneuerungen, Marktstart und Rollout-Phasen werden wir, wie versprochen, zeitnah kommunizieren. Was wir jedoch jetzt bereits sagen können: Unser Ziel ist es, die neue Lizenz schrittweise für den Ausbau eines umfassenderen Payment-Angebots in Europa zu nutzen. Wir haben bereits um das Passporting der Lizenz für den EWR angesucht. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da die relevanten nationalen Behörden in Europa dies bestätigen müssen. Wir verfolgen dabei bewusst einen stufenweisen Ansatz, können aber bereits jetzt sagen: Bybit.eu wird bald viel mehr sein als eine reine Krypto-Plattform und wird sich zu einer universellen Finanzlösung entwickeln.

Die Bybit Card ist in Europa bereits verfügbar. Was ändert sich durch die EMI-Lizenz konkret für das Kartenprogramm? Wird die Bybit Payments GmbH die Kartenausgabe künftig selbst übernehmen?

Die Bybit Card wird auch in Zukunft eines unserer zentralen Produkte bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir jedoch keine konkreten Änderungen an bestimmten Produkten vorwegnehmen oder bekanntgeben. Was wir sagen können: Die Lizenz gibt uns generell zusätzliche strategische Flexibilität, um unser europäisches Dienstleistungsangebot im Zahlungsverkehr weiterzuentwickeln sowie attraktiver zu gestalten.

Auf Bybit.eu setzen Sie bei Stablecoins bislang auf regulierte Token von Circle wie EURC. Die EMI-Lizenz würde der Bybit Payments GmbH grundsätzlich auch die Emission eines eigenen E-Geld-Tokens erlauben. Ist ein eigener Euro-Stablecoin ein Thema für Sie?

Stablecoins und andere tokenisierte Zahlungsinstrumente beobachten wir auf dem europäischen Markt sehr genau. Gerade MiCAR schafft hier einen neuen regulatorischen Rahmen, der in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung digitaler Zahlungsmittel haben wird. Aktuell liegt unser Fokus jedoch darauf, unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu bestehenden regulierten und qualitativ hochwertigen Produkten zu ermöglichen. EURC ist dafür ein gutes Beispiel. Wir schließen grundsätzlich keine strategischen Optionen in diesem Bereich aus, haben derzeit aber nichts anzukündigen.

Bybit EU GmbH und Bybit Payments GmbH sind bewusst getrennte Gesellschaften mit unterschiedlichen Lizenzen. Warum diese Struktur, und was bedeutet die Trennung im Alltag konkret für die Kundinnen und Kunden?

Die Trennung folgt einer klaren regulatorischen und auch organisatorischen Logik. Die Bybit EU GmbH und die Bybit Payments GmbH verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle und verfügen über unterschiedliche regulatorische Berechtigungen. Deshalb ist es sinnvoll, diese Aktivitäten auch gesellschaftsrechtlich, organisatorisch und in Bezug auf die Regulatorik und das Risikomanagement klar voneinander abzugrenzen. Für die Kundinnen und Kunden wird sich das positiv auswirken, da wir in der Zukunft über eine gemeinsame Finanzplattform und App neue innovative Möglichkeiten im Zahlungsverkehr anbieten werden. Die Kunden werden die volle Transparenz haben, welche Dienstleistung sie von welchem Unternehmen beziehen.

Sie betonen, dass die EMI-Lizenz keine Banklizenz ist. Ist eine Banklizenz der nächste logische Schritt für Bybit in Europa, oder schließen Sie das aus?

Für uns ist die EMI-Lizenz der logische Schritt, um unsere Kompetenz im Zahlungsverkehr in Europa aufzubauen. Wir verfolgen das Ziel, ein globales Finanz-Ökosystem aufzubauen, das den Zugang zu einer modernen Bank-, Investitions- und Zahlungsverkehrsinfrastruktur für alle Kundengruppen bietet. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass wir kontinuierlich evaluieren, welche regulatorischen Strukturen und Partnerschaften für unsere langfristige Strategie sinnvoll sind. Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus. Aktuell liegt unser Fokus aber klar auf dem erfolgreichen Aufbau und der Skalierung unseres regulierten Geschäfts in Europa.

Mit regulierten Zahlungsdiensten tritt Bybit in direkte Konkurrenz zu Neobanken wie Revolut und N26, aber auch zu anderen Kryptobörsen mit Payment-Ambitionen in Europa. Womit wollen Sie sich in diesem Feld differenzieren?

Bybit ist gemessen am Handelsvolumen die zweitgrößte Krypto-Asset-Plattform der Welt und bietet bereits heute weltweit über 80 Millionen Kundinnen und Kunden viel mehr als reines Krypto-Trading an. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das enorme Volumen im Krypto-Derivate- und Futures-Handel auf der globalen Bybit-Plattform. Mit unserem „Compliance-First-Ansatz“ wird Bybit einer der relevantesten Player in Europa werden. Der entscheidende Faktor ist, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zu bekommen. Unser Ansatz geht daher über das reine Krypto-Trading weit hinaus. Wir verbinden die Welten der digitalen Assets und Web3-Produkte mit den traditionellen Finanzdienstleistungen.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Bybit aktuell in Wien, und wie verändert der Aufbau der Payments-Sparte den Standort? Wird derzeit Personal gesucht?

Aktuell beschäftigen wir in Wien rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Ausbau der Payments-Sparte stärkt den Standort zusätzlich, da ein reguliertes Payment-Geschäft weitere spezialisierte Funktionen benötigt, etwa in den Bereichen Produktmanagement, Legal und Compliance, Risk, Finance, Operations und Technology. Hier sind wir derzeit auch auf der Suche und heißen jede Bewerbung willkommen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit beim Aufbau des europäischen Zahlungsverkehrsgeschäfts, und wie werden die Kundengelder der Bybit Payments GmbH abgesichert?

Sicherheit und Vertrauen bilden das Fundament des Finanzgeschäfts. Beim Aufbau der Bybit Payments GmbH wurden deshalb regulatorische Anforderungen an Governance, Risikomanagement, IT-Sicherheit und den Umgang mit Kundengeldern von Beginn an berücksichtigt. Die Kundengelder des E-Geld-Instituts werden entsprechend den regulatorischen Vorgaben geschützt und bei einer Bank zu 100 Prozent treuhänderisch verwahrt. Für die Bybit.eu-Plattform gelten zudem dieselben strengen regulatorischen Anforderungen an IT-Sicherheit wie für Banken.

Bybit hat kürzlich seinen Risiko- und Sicherheitsbericht für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen in der Sicherheitsarbeit, und was bedeutet das für Nutzerinnen und Nutzer in Europa?

Wir setzen modernste Technologien ein, um Muster schneller zu erkennen, Auffälligkeiten frühzeitig zu identifizieren und potenzielle Risiken effizient zu analysieren. Unser Anspruch ist es, im Bereich Sicherheit immer einen Schritt voraus zu sein, ganz nach dem Credo: Prävention statt Nachsorge. Künstliche Intelligenz ist in der präventiven Sicherheitsarbeit im Zahlungsverkehr ein fixer Bestandteil. Für Nutzerinnen und Nutzer in Europa bedeutet das im Alltag vor allem, dass der Zahlungsverkehr reibungslos und sicher abläuft. Der große europäische Vorteil ist dabei der rechtliche Rahmen. Dank strenger Gesetze wie der DSGVO und dem neuen KI-Gesetz gibt es in Europa klare Leitplanken, die die Privatsphäre aller am Zahlungsverkehr beteiligten Personen schützen.

Wo steht Bybit.eu in drei Jahren?

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen in drei Jahren eine der führenden regulierten Plattformen für digitale Finanzdienstleistungen in Europa sein. Krypto und Blockchain wollen wir dabei immer weniger als eigenständige oder alternative Systeme betrachten, sondern die Brücke zwischen der Welt digitaler Assets und traditionellen Finanzdienstleistungen weiter stärken und direkt verbinden. Entscheidend ist Vertrauen: Ein verlässlicher institutioneller Rahmen und klare Regulierungen bilden die Basis, damit immer mehr Unternehmen sowie Kundinnen und Kunden auf diese Technologien setzen. Im Idealfall ist Bybit EU in drei Jahren eine vertrauenswürdige, regulierte All-in-one-Finanzplattform, auf der digitale und traditionelle Finanzdienstleistungen zusammenkommen und nahtlos in den Alltag unserer Kundinnen und Kunden integriert sind.

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