20.09.2021

„Höhle der Löwen“: E-Bike-Startup ruft 16 Millionen Euro Bewertung aus

In dieser Folge von "die Höhle der Löwen" ging es um stylische E-Bikes, Protein-Bier und in Stein versteckte Blumen. Zudem hatte ein grüngewandter Gründer die Zeichen der Zeit erkannt, während eine junge Gründerin mit ihrem Charme und ihrer Gewitztheit überzeugte.
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Novus, Höhle der Löwen
RTL / Bernd-Michael Maurer Erik Dimter (l.) und Tristan Brümmer mit hoher Firmenbewertung in der Show.
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die immer montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – waren René Renger und Marcus Weidig. Sie präsentierten den Investoren ein E-Motorrad namens Novus, das sie als das erste Premium-Elektro-Leichtkraftrad der Welt bezeichnen. Der Motor des Gefährts wurde aus dem Rahmen herausgenommen und im Hinterrad platziert. An dessen Stelle befinden sich jetzt nur noch die Batterie und die Elektronik. Mit 75 Kilogramm sei es um die Hälfte leichter als vergleichbare Fahrzeuge. Und das bei 40 PS.

App und LED-Ring

Der Vollkarbonrahmen von Novus ist wie eine Nussschale hohl. Dadurch soll allen elektrischen Komponenten Schutz geboten werden. Zudem ist er die tragende Struktur und gibt dem Motorrad seine Gestalt. Mithilfe der optionalen Novus-App kann das Motorrad per LED-Ring gestartet und für Daten wie Geschwindigkeit, Reichweite und Ladestand sowie die integrierte Navigation genutzt werden.

Novus
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Novus war für Investor Carsten Maschmeyer einen genauen Blick wert.

Während dem Pitch sorgten die Gründer mit einer Anekdote gleich für Unterhaltung und Bewunderung, als sie erzählten, dass sie 2019 auf der CES in LAS Vegas waren und am zweiten Tag sich Mitarbeiter von Elon Musk gemeldet hätten. Der Tesla-Gründer wollte damals gleich den Novus-Prototypen kaufen. Schweren Herzens und mit angetrunkenem Mut lehnten die Beiden das Angebot ab, weil sie die Vision haben, aus Novus „die wirklich große Mobilitätsmarke“ zu machen. Mit ihrem aktuellen Vorserienprototyp stehen die Gründer auch kurz vor der Serienproduktion. Die Forderung: 1,6 Millionen Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

Der vergessliche Rosberg

Nach dem Pitch wollte Rosberg scherzhalber die Gründer ärgern, indem er sich „beleidigt“ stellte, da die beiden zwar in Las Vegas gewesen waren, aber nicht auf seinem Greentech Festival in Berlin. Dieser „Schuss“ ging nach hinten los, da die beiden jungen Männer den Löwen mit ihrer Gegenfrage „Kannst du dich nicht mehr an uns erinnern?“ in Verlegenheit brachten. Er wäre sogar zwei Sekunden neben dem Motorrad gestanden.

Nach dieser Erheiterung erfuhr Familien-Investorin Dagmar Wöhrl, dass das Grund-Fahrzeug 30.000 Euro kostet, bei Herstellungskosten von rund 18.000 Euro. Und weiter, dass man bis 2024 8,8 Millionen Euro Umsatz erreichen möchte. LEH-Experte Ralf Dümmel stieg als erster aus. Er war beeindruckt, sah sich aber nicht in dem Geschäftsfeld beheimatet. Familien-Investorin Dagmar Wöhrl sah es ähnlich und ging auch ohne Angebot.

Novus: „Das heißeste Gerät der Sendung“

Beauty-Queen Judith Williams nannte Novus das „heißeste Gerät“, das sie in der Höhle der Löwe gesehen hätte. Aber auch sie ging ohne Offerte. Somit blieben Multi-Investor Carsten Maschmeyer und Nico Rosberg über. Zweiter hielt sich zurück und bestand darauf, dass sein Kollege den Anfang machte.

Jener stellte nochmal Fragen, bei denen man das Gefühl bekam, er wog die Gründer. Ihm gefiel alles sehr gut, jedoch wenn es um konkrete und fassbare Dinge gehe, blieben die Founder etwas schuldig, meinte er. Nach diesem Abschied, erklärte Rosberg, er tue sich schwer, bei so einem Kapitalaufwand direkt im Studio zu entscheiden. Trotz Versuchen der Gründer Argumente zu bringen, stieg der Ex-Rennfahrer aus. Kein Deal für Novus.

48 Topfpflanzen, Liebe und eine Idee

Der zweite Teilnehmer in der „Höhle der Löwen“ hatte die Idee zu seinem Startup seiner Freundin zu verdanken. „Sie liebt Pflanzen. Ich habe mal durchgezählt: Wir haben 48 Topfpflanzen, alle in unterschiedlichen Töpfen. Von Plastik bis Beton steht alles bei uns herum. Sie alle sehen unnatürlich aus und haben keinen weiteren Nutzen“, begann Jeffrey Javelona seinen Pitch.

Steine spalten für Blumen

Deshalb hat er gemeinsam mit seinem Co-Gründer Valentin Muckle einen neuen Pflanzenübertopf entwickelt. Botanyia sehe zwar aus wie ein schöner Naturstein, sei aber viel mehr als das. Javelona bezeichnete sein Produkt als die cleverste Blumenabdeckung der Welt. Denn, es ist möglich den Stein in zwei Hälften zu zerteilen und mittels des integrierten Magnetverschlusses wieder über der Pflanze zu schließen.

Botanyia
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Jeffrey Javelona (l.) und Valentin Muckle präsentierten die Blumentopfabdeckung Botanyia.

Neben der natürlichen Optik habe Botanyia noch weitere Funktionen: „Er schützt die Erde vor Sonnenstrahlung und verhindert somit das zu schnelle Austrocknen. Dadurch muss die Pflanze deutlich weniger gegossen werden”, erklärte Javelona.

Sandstein und Marmor

Aktuell gibt es das Produkt in den Ausführungen Sandstein- und Marmoroptik mit zwei verschiedenen Öffnungen. Ausgeliefert wird der Stein mit einem weiteren Pflanzentopf, einem Untertopf und Kokoserde. Um den Markt zu erobern, benötigten die Gründer 100.000 Euro und boten dafür 20 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Nach dem Pitch erklärten sie den hohen VK-Preis von rund 60 Euro mit Materialkosten und hohem Arbeitsaufwand, da Botanyia handgefertigt werde. Muckle und Javelona war bekannt, dass dies zu teuer sei, deshalb würden sie eine skalierbare, maschinelle und hohe Produktionszahl ins Auge fassen, um den Preis auf rund 35 Euro zu drücken.

Drei Absagen in der „Höhle der Löwen“

Konzernchef Nils Glagau wollte es dennoch nicht wagen und stieg aus. Auch für Medienprofi Georg Kofler war das Startup noch zu früh dran. Maschmeyer fand es fair, dass die Gründer zugaben, noch nicht so viel wert zu sein, wie sie forderten, dennoch ging auch er ohne Angebot. Er glaubte nicht daran, dass Kunden darauf so richtig anspringen würden.

Williams zweifelte an dem Produkt, fand keine Leidenschaft in sich und ließ schließlich Dümmel als letzte Hoffnung über. Jener widersprach seinen Kollegen und sah es ganz anders. Er nannte es den hübschesten Übertopf, den er je gesehen hätte. Zudem fand er die Ehrlichkeit der Gründer großartig. Er bot 100.000 Euro für 30 Prozent. Und die Garantie, dass sie in Baumärkte hineinkommen würden. Kein Zögern bei Javelona und Muckle. Deal für Botanyia.

Mobiler Arbeitsplatz in der „Höhle der Löwen“

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Wo werden wir arbeiten? Dies sind Fragen, die sich der nächste Kandidat in der „Höhle der Löwen“ gestellt hat. Karsten Kossatz hat independesk gegründet und erklärte in der Show: „Mit meinem Startup treffe ich den Nerv der Zeit. Nach Monaten im Homeoffice, in Quarantäne und im Lockdown schaffen wir einen mobilen Arbeitsplatz, der nicht in den eigenen vier Wänden ist.“

Kossatzs Gedankengang ist folgender: Nicht jeder hat ein voll ausgestattetes Arbeitszimmer zu Hause. Das WLAN ist nicht stabil, die Kinder toben im Hintergrund und der eigene Arbeitsplatz ist wahlweise am Küchentisch, auf der Wohnzimmercouch oder auf der Bettkante zwischen Bügelbrett und Wäschekorb. Und auch mit Arbeitszimmer falle vielen Menschen nach Monaten im Homeoffice die Decke auf den Kopf.

independesk, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Karsten Kossatz trifft mit independesk, einer digitalen Plattform für Desksharing, den Nerv der (Arbeits)Zeit.

Genau hier möchte independesk ansetzen: Über die digitale Plattform kann jeder in seiner Nähe einen Schreibtisch in professioneller Umgebung buchen. Ein weiteres Plus: Durch das Wegfallen von langen Arbeitswegen und das tägliche Pendeln mit dem Auto werde die Umwelt geschont. „Studien sagen, wir könnten 5,4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, wenn wir nur an zwei Tagen pro Woche auf den Arbeitsweg verzichten“, sagte der Gründer.

Arbeiten am Fernsehturm

Angeboten werden einzelne Schreibtische und Meetingräume in Agenturen oder Unternehmen, die zeit- oder tageweise ungenutzt sind, genauso wie Arbeitsplätze in Cafés, Restaurants, Hotels, Coworking-Spaces oder an besonderen Orten, wie beispielsweise auf dem Berliner Fernsehturm. Aktuell sind im independesk-Portfolio mehrere hundert Locations. Um sein Angebot weiter auszubauen, benötigte der Founder 150.000 Euro und bot dafür 15 Prozent der Firmenanteile.

Kossatz trat grün wie die Hoffnung ins Studio, zeigte wie eine Reservierung funktioniere und erklärte, dass der gemeine Deutsche am Tag im Schnitt 44 Minuten an Arbeitsweg verschwende. Danach stimmten ihm Maschmeyer und Wöhrl zu und nannten die von ihm propagierte Arbeitswelt die Zukunft.

Von Hamburg bis München

In fünf Monaten hat Kossatz 1.300 Nutzer und mehr als 120 Buchungen verwirklicht. Nach Berlin plane er einen baldigen Rollout nach Hamburg, München, Köln, Düsseldorf und Frankfurt. Mit einer internationalen Perspektive.

Während Maschmeyer und Medienprofi Kofler tuschelten, ging – mit großem Lob – Dümmel ohne Angebot. Beide sich beratenden Löwen erzählten dann von ihrer Idee einer virtuellen Arbeitswelt und boten 150.000 Euro für 25,1 Prozent Anteile.

Nicht die einzige Löwin

Dagmar Wöhrl hatte auch an der Idee Gefallen gefunden und bot ebenfalls 150.000 Euro, allerdings für 18 Prozent. Glagau startete seinen Monolog mit einem Lob des Kleidungsstils von Kossatz, sprach von „New Work“ und Nachhaltigkeit und offerierte ebenfalls 150.000 Euro für 15 Prozent. Das wiederum rief Maschmeyer und Kofler auf den Plan. Sie verbesserten ihr Angebot auf 251.000 Euro für 25,1 Prozent.

Wöhrl erklärte daraufhin, dass, wenn der Gründer skalieren wolle, es ja klar sei, dass diese 150.000 Euro nicht reichen würden. Zudem hätte sie gute IT-Leute an der Hand, die ihm helfen würden. Sie bot dann 200.000 Euro für 18 Prozent, mit der Aussicht auf mehr.

Gründer fordert mehr als vorher

Kossatz zog sich zu einem Telefonat zurück, kehrte wieder und wollte nach einem Pep-Talk seines Gesprächspartners verhandeln. 25,1 Prozent Anteile abzugeben, wären zu so einem frühen Zeitpunkt zu viel. Er fragte Maschmeyer und Kofler, ob sie bereit wären, jeweils 100.000 Euro zu investieren und dabei je 7,5 Prozent zu erhalten – inklusive eines Vorkaufsrecht bei der nächsten Runde, die zu einer Sperrminorität führen könne.

Während die beiden sich berieten, sprach Dümmel etwas erbost an, dass dieses Neuangebot doch über dem ursprünglichen liegen würde. Danach erklärte Kofler, dass er die Sorge des Gründers verstehe und schlug, auch im Namen Maschmeyers, vor, das Angebot anzunehmen. Allerdings mit einem „Discount“ von 20 Prozent bei der nächsten Finanzierungsrunde. Deal für independesk.

Oh Sneaker, my Sneaker….

Die nächste und jüngste Gründerin der Staffel präsentierte in der „Höhle der Löwen“ eine Lösung für ein Alltagsproblem unter Schuhliebhabern: Glossy Dreams (in der Sendung noch Glossy Seams) von Lina Bouhmidi soll dreckigen Schuhen neuen Glanz verleihen.

Weiße Sneaker erfreuen sich in der Szene großer Beliebtheit, allein in Deutschland würden 600 Millionen Euro pro Jahr für diese Art des Schuhwerks ausgegeben. Doch ein Problem gebe es laut der Gründerin: Die Schuhe lassen sich zwar säubern, aber die weißen Nähte bleiben auf Dauer schmutzig. Mit den gängigen Produkten auf dem Markt war die Jura-Studentin nicht zufrieden. So hat sie in der Garage ihres Vaters ein kleines Labor aufgebaut und über neun Monate an dem neuen Schuhpflegeprodukt getüftelt.

Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Lina Bouhmidi widmet sich mit Glossy Dreams Sneakernähten.

„Das Problem war, eine Konsistenz zu entwickeln, die intensiv an der Naht haftet, die Naht umhüllt und eine gebrauchte Naht reinigt, sodass auch bereits getragene Sneaker davon profitieren und der Stift nicht nur als Vorbeugung dient“, erklärte Bouhmidi.

40 Sekunden und alles wie neu?

Mit Glossy Dreams hat sie daher einen Imprägnierstift (unter anderem mit Latex, Öl und Wasser) entwickelt, der ganz einfach in der Handhabung sein soll: Vor der Anwendung die Verschmutzungen an den Schuhen mit einem Tuch entfernen und mit dem Stift die Nähte gezielt und punktuell imprägnieren. Die Naht wird mit einem weißen Schutzfilm umhüllt, sodass zukünftiger Schmutz daran abperlt. Nach 40 Sekunden Einwirkzeit kann man die Reste abwischen und die Naht sehe aus wie neu.

Aktuell gibt es Glossy Dreams in den Farben Weiß und Schwarz. Vertrieben wird über ihren Onlineshop. Um ihr Ziel zu erreichen, benötigte sie 75.000 Euro und wollte dafür 12 Prozent ihrer Firmenanteile abgeben.

Die putzenden Löwen

Nach dem Pitch wurden die Löwen dazu eingeteilt, schmutzige Sneaker zu reinigen. Maschmeyer zeigte sich als erster Investor überzeugt. Danach gewann Bouhmidi einiges an Sympathie, als sie von ihren zwei Jobs erzählte, um ihr Projekt zu finanzieren und allgemein mit ihrem Enthusiasmus überzeugte. Zudem berichtete sie von einer „Power Point“-Präsentation für ihre Eltern, die allerdings davon etwas überfordert waren, wie die Gründerin erklärte. Dann aber meinten, „mach nur“.

Glagau stieg mit Tipps aus, das Branding zu verfeinern. Er störte sich am Namen, der wenig aussage und stieg aus. Kofler widersprach zwar, alles wäre toll, aber die Schuhpflege sei nicht sein Metier.

Williams als Sneaker-Liebhaberin hatte ein Problem mit der Performance des Produkts. Es sei nicht schlecht, aber etwas müsse noch passieren, meinte sie. Trotz guter Versuche die Löwin zu überzeugen, stieg jene äußerst charmant aus.

Maschmeyer als Versicherung

Dann trafen sich die Blicke von Dümmel und Maschmeyer. Der LEH-Experte meinte, die Gründerin brauche noch sehr viel Hilfe. Deshalb und mit seinen Fachleuten im Hintergrund bot er 75.000 Euro für 30 Prozent. Maschmeyer erklärte, dass er bis zum Ende gewartet hatte, um zu sehen, ob ein Kollege einsteigen würde. Ohne Deal hätte er sie nie gehen lassen, weil sie die stärkste junge Gründerin der Sendung gewesen sei. Er stieg aus und Dümmel bekam den Deal.

Bier für Sportler in der „Höhle der Löwen“

Das Ende der „Höhle der Löwen“ gehörte dem Gründer-Duo Erik Dimter und Tristan Brümmer. Sie brachten den Löwen JoyBräu mit – funktionale Biere, die besonders für Sportler geeignet sein sollen. Entstanden ist ihre Idee 2015 in Singapur.

„Erik und ich waren für eine große Reederei im Auslandseinsatz. Als begeisterte Sportler haben wir gemeinsam nach der Arbeit jeden Tag trainiert“, so Tristan. „Zur Unterstützung des Muskelaufbaus haben wir uns anschließend immer einen klebrigen, übersüßten und manchmal künstlich schmeckenden Proteinshake herunter gequält.“

Höhle der Löwen, JoyBräu
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Erik Dimter (l.) und Tristan Brümmer haben mit „JoyBräu“ alkoholfreies Proteinbier erfunden.

Dazu muss es doch eine Alternative geben, dachten sich die Gründer. Und kombinierten die Vorteile eines Proteinshakes mit dem Geschmack eines frisch gebrauten Bieres. Nach zweieinhalbjähriger Forschungsarbeit gemeinsam mit einem Team der TU Berlin entsprang JoyBräu.

In ihrem Sortiment bieten die Gründer drei verschiedene alkoholfreie Produkte an: „Proteinbier + Zitrone“ mit 15 Gramm Protein und 100 Prozent natürlicher Zitrone, das „Proteinbier Light“ mit sieben Gramm Protein und 63 Kalorien pro Dose, sowie das „isotonische Vitaminbier“ mit den Vitaminen C, B12 und B9.

Gärung ohne Alkohol

„Unsere funktionalen Biere sind weltweit einzigartig und das liegt an unserem innovativen Herstellungsverfahren. Auf unsere spezielle Hefe haben wir sogar ein Patent. Diese hat die besondere Eigenschaft, dass sie während der Gärung Geschmack, aber keinen Alkohol produziert. Das ist eine absolute Neuheit und macht unsere Biere so besonders“, meinte Dimter.

Zudem ermögliche ihr spezieller Brauprozess das Einbringen funktionaler Inhaltsstoffe wie Vitamine und Proteine. Seit dem Markteintritt wurden die Gründer mit internationalen Preisen wie z.B. dem „FIBO Innovation & Trend Award“ und dem „Superior Taste Award“ ausgezeichnet. Ihr Angebot: 300.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

Hohe Kosten als „nettes“ Problem

Nach der Kostprobe des Proteinbier Light meinte Maschmeyer freundlich, es schmecke wie Radler „in bitter“. Williams lobte das Getränk, während Glagau meinte, es schmecke nicht wie Bier. Sei aber dennoch erfrischend. Das Vitaminbier wiederum erinnerte alle Löwen vom Geruch her an das beliebte Getränk. Das Lemon-Bier weckte größtenteils auch Begeisterung im Studio.

Seit 2018 hatte das Startup mehr 1,5 Millionen Euro umgesetzt. 2020 allerdings nur rund mit 325.000 Euro. Die Schließung der Fitnessstudios wäre unter anderem das Problem gewesen. Der eigentliche Grund allerdings lag woanders: Die Gründer erzählten, dass sie sich in dieser schweren Zeit von Lockdown und Kurzarbeit nicht von ihren Mitarbeitern trennen hätten wollen und diesen großen Kostenblock mitgeschleppt haben. Konkret: 625.000 Euro Personalkosten bei 17 Mitarbeitern. Mittlerweile hätten sie sieben.

Respekt von Wöhrl

Dümmel stieg aufgrund der Firmenbewertung aus. Wöhrl rechnete dem Duo hoch an, dass es versucht hätte, die Mitarbeiter während der Krise zu halten. Allerdings sei der Markt an alkoholfreien Bieren zu groß. Nach dieser Absage gab Maschmeyer zu, dass ihm seine innere Stimme sagte, die Founder wären nur aus Marketingzwecken in der Show. Dem widersprachen Dimter und Brümmer. Man brauche akut einen Distributionspartner, sagte sie.

Williams sah die Bewertung ebenfalls als „zu scharf“ an und stieg aus. Der letzte Löwe, Glagau, ärgerte sich. Er fand die Marke „cool“, mochte den Trend, den die Gründer erkannt hätten und hob ihre Ehrlichkeit hervor. Er glaube eigentlich an diese Produktkategorie, ließ sich zusichern, dass es keine „Leichen im Keller“ gebe und bot die 300.000 Euro für 25 Prozent. Mit dem Zusatz, dass er die fünf Prozent abgeben würde, wenn er zu bestimmende „Milestones“ nicht erreiche. Die Gründer kehrten mit dem Vorschlag zurück, aus den fünf Prozent, die an Meilensteine gekoppelt sind, sieben zu machen. Deal für JoyBräu.

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Bild KI-generiert

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Der Fokus im österreichischen KI-Diskurs ist meist auf die AI-Mächte in Übersee und im Osten beschränkt. Dabei wäre ein Blick zum Nachbarkontinent im Süden bemerkenswert und würde Möglichkeiten für die heimische Innovationsszene bieten.

Afrika ist gesamtkontinental schwer zu fassen, dennoch lässt sich festhalten: Die KI-Entwicklung befindet sich hier in einer Phase vergleichbar mit dem unerwarteten Boom der Telekommunikation und des mobilen Bezahlens in den frühen 2000er-Jahren.

Das ist auch die Analogie von Kwame Odame-Darkwah, Consultant des Distributed AI Research Institute (DAIR) und Fellow des International Strategy Forum (ISF), einer von Eric und Wendy Schmidt gegründeten globalen Fellowship an der Schnittstelle von Technologie, Geopolitik und Demokratie: „Ein bekanntes Beispiel aus der frühen Mobilfunkära zeigt, wie schwierig es ist, die Verbreitung neuer digitaler Infrastrukturen linear vorherzusagen. Anfang der 80er-Jahre wurde das Potenzial von Mobiltelefonie deutlich unterschätzt. Afrika wurde später zu einem der stärksten Gegenbeispiele zu solchen Annahmen; nicht, weil der Kontinent einfach bestehende Modelle kopierte, sondern weil mobile Netze, Mobile Money, digitale Durchdringung und finanzielle Inklusion eigene Leapfrogging-Dynamiken entwickelten. Beim Roll-out von KI sehen wir heute eine ähnliche Möglichkeit. Der Ausgangspunkt ist infrastrukturell herausfordernd, aber das Wachstum kann sehr schnell kommen, wenn die Technologie reale lokale Probleme löst“, sagt Odame-Darkwah.

Kwame Odame-Darkwah | Foto bereitgestellt

Afrika umfasst 55 Länder mit diversen Entwicklungsständen. Faktoren wie der Zugang zu Elektrizität beeinflussen Industrialisierung und Automatisierungsmöglichkeiten weiterhin. „Andererseits merkt man im Austausch mit Regierungsvertretern und Akteuren aus dem Privatsektor eine große Begeisterung. Diese wollen von bloßem Enthusiasmus zu konkretem Handeln übergehen“, so Odame-Darkwah.

OpenAI und Anthropic in Afrika

Auf staatlicher Ebene entstehen Partnerschaften mit lokalen wie internationalen Unternehmen. OpenAI etwa hat eine starke Präsenz bei afrikanischen Regierungen und bietet Zugangsstufen wie „Lower-Cost-Access“ für Studierende in Schwellenländern. Anthropic arbeitet mit der Regierung von Ruanda zusammen, um KI-Systeme in das Bildungssystem zu integrieren.

„Eine übergreifende kontinentale KI-Strategie wird von der Afrikanischen Union vorangetrieben, die mit der ‚Agenda 2063‘ verknüpft ist“, erklärt Odame-Darkwah. Diese Strategie zielt auf Wohlstand, Einheit und nachhaltiges Wachstum bis 2063. „Auch im Privatsektor entstehen zunehmend sogenannte Talent-Hubs.“

Afrika zwischen individuellem Handeln und Kontinental-Agenda

Während Europa auf eine einheitliche Herangehensweise setzt, kristallisiert sich in Afrika eine Mischform heraus: eine kontinentale Strategie als Rahmen, ergänzt durch nationale Ansätze. „Ein weiteres Beispiel ist der südafrikanische Entwurf einer nationalen KI-Policy, der auf mehr als drei Jahren gesellschaftlicher Konsultation basiert“, erklärt Odame-Darkwah. „Er steht im Einklang mit der Strategie der Afrikanischen Union, ist aber zugleich auf die spezifischen Bedürfnisse Südafrikas zugeschnitten. Auch Ghana hat inzwischen seine nationale KI-Strategie vorgestellt.“

Zentrales Thema ist die Datensouveränität. Afrikanische Datensätze sind in globalen KI-Modellen unterrepräsentiert; gleichzeitig wollen Regierungen Ausbeutung verhindern. „Afrikanische Regierungen machen nun Souveränitätsansprüche geltend, indem sie Gesetze erlassen, die sicherstellen, dass einheimische Datensätze nicht ausgebeutet werden. Sie verlangen beispielsweise, dass Daten von lokalen Bankkunden auch in Rechenzentren innerhalb des Landes verbleiben“, so Odame-Darkwah.

Wunsch nach Unabhängigkeit

Initiativen wie die „Africa’s AI Factory“ des Telekom-Milliardärs Strive Masiyiwa zielen auf lokale Rechenzentren und GPU-Infrastruktur. Auch Startups mischen mit: Terra aus Nigeria baut eine KI-gestützte nationale Verteidigungsinfrastruktur auf und konnte prominente Backer aus dem Silicon Valley gewinnen.

Die im Juli 2024 verabschiedete „Continental Artificial Intelligence Strategy“ der Afrikanischen Union sowie ergänzende Initiativen positionieren KI gezielt als Treiber sozioökonomischen Fortschritts: durch massive Investitionen, lokale Expertise, digitale Infrastruktur und afrikanische Datensätze – um technologische Abhängigkeiten zu vermeiden und ethisch fundierte Governance-Strukturen zu etablieren.

60-Milliarden-AI-Fonds

Verstärkt wird dies durch die „Africa Declaration on Artificial Intelligence“ und einen geplanten Africa AI Fund von rund 60 Milliarden US-Dollar, die explizit das Leitprinzip „KI mit Afrika, durch Afrika und für Afrika“ verfolgen, wie Carnegie Europe im September 2025 beschrieb. Laut dem „Daily Africa AI Intelligence Report“ von April 2026 ergänzt das Africa AI Policy Lab diesen Ansatz, indem es eine „Dekolonisierung der KI“ vorantreibt und kontextspezifische, auf afrikanischen Werten wie Ubuntu basierende Regulierungsmodelle entwickelt.

Codeswitching

Doch wo liegen die größten Hebel im Alltag? Unter anderem in der Sprache: Viele Menschen wachsen zweisprachig auf und wechseln fließend zwischen Amtssprache (Englisch, Französisch) und lokaler Sprache – eine Art „Codeswitching“.

Odame-Darkwah dazu: „Der gemeinsame Nenner ist der Zugang zu KI-Modellen in lokaler Sprache, die den Kontext nicht nur auf Englisch oder Französisch, sondern in den indigenen Sprachen des Kontinents verstehen. Wenn man KI-Agenten hat, die darauf trainiert sind, Menschen etwa über WhatsApp in einer lokalen Sprache zu antworten, kann man seine Dienstleistungen massiv ausbauen.“

Emerging Markets im Fokus

Deepali Nangia, Speedinvest-Partner Emerging Markets Fintech und „EIF Empowering Equity“-Mentor, wuchs in Indien auf und kennt die Dynamik von Schwellenmärkten. Sie baut den Bereich Emerging Markets bei Speedinvest auf, mit Fokus auf Afrika.

Deepali Nangia | Foto bereitgestellt

Die afrikanischen Portfoliounternehmen setzen laut ihr verstärkt KI ein – für Kreditwürdigkeitsprüfungen, Forderungsmanagement, Automatisierung. „Zum Beispiel nutzt unser Portfoliounternehmen Leta, eine Logistiksoftware-Firma in Kenia, KI zur Optimierung von Fahrzeugauslastung und Fahrereinsatz und trainiert seine Modelle anschließend anhand von Dispatcher-Feedback weiter“, erklärt Nangia. „Außerdem wird KI eingesetzt, um Bestellungen für Lieferungen, die per E-Mail oder in anderen Formaten eingehen, in Echtzeit zu erfassen, wodurch die manuelle Eingabe reduziert wird.“

Zu wenig grundlegende KI-Technologie

Agnes Aistleitner Kisuule indes ging 2019 nach Uganda. Sie bemerkte Fintech-Aktivität, aber zu wenig Early-Stage-Kapital. Mit Selma Ribica gründete sie 2022 First Circle Capital. Unterstützt wurde sie u. a. von Michael Ströck (Calm/Storm Ventures), PSPDFKit-Gründer Peter Steinberger, Hermann Futter und Oskar Obereder.

„Wenn man heute auf afrikanische Märkte blickt, zeigen sich spannende Entwicklungen vor allem in Ländern wie Südafrika, Ägypten und Marokko sowie punktuell in Subsahara-Afrika“, sagt sie. „Allerdings gibt es insgesamt noch zu wenig Aktivitäten und vor allem deutlich weniger Kapital als in Europa. Was derzeit aufgebaut wird, ist häufig weniger fundamental; viele Startups arbeiten eher mit sogenannten ‚LLM Wrappers‘ – also Anwendungen auf bestehenden Modellen – statt an grundlegender KI-Technologie.“

Regulierung sei oft schwach oder schwer umzusetzen. „Ein wichtiger Grund ist, dass es oft an technischem Wissen und Kapazitäten fehlt. KI spielt in politischen Diskussionen noch keine große Rolle und Regeln werden deshalb häufig nicht durchgesetzt. Oft wird KI einfach laufen gelassen.“ Es gebe Ausnahmen, etwa Kenia, wo ein Datenerfassungsprojekt zum Schutz von Identitäten gestoppt wurde. „Aus afrikanischer Sicht wirkt Europa teilweise überreguliert, während KI in Afrika eher als Chance gesehen wird, besonders wegen der jungen Bevölkerung.“

Kleiner Markt, globales Mindset

Aistleitner Kisuule weiter: „Vor allem im Fintech-Bereich gibt es Investitionen; andere Bereiche sind weniger entwickelt. KI-Tools wie Claude können lokalen Startups helfen, weil die Kosten sinken und der Einstieg leichter wird. Auch Chinas Einfluss wächst, obwohl chinesische KI wegen Sprachproblemen noch weniger genutzt wird. Die Konkurrenz zwischen China und den USA ist aber deutlich spürbar.“

Agnes Aistleitner Kisuule | (c) First Circle Capital

Nangia ergänzt: „In der Regel muss Regulierung mit der Innovation Schritt halten, denn Unternehmer warten auf niemanden. Eine leichte Regulierung ist kurzfristig hilfreich, um schnell zu entwickeln und zu iterieren.“ Langfristig brauche es Compliance, Leitplanken und Datenschutz – auch für Folgefinanzierungen. „Einige afrikanische Märkte arbeiten deshalb derzeit an KI-Gesetzen und -Rahmenwerken, darunter Kenia, Ruanda, Ägypten, Nigeria und andere.“

Es bestehe digitale Abhängigkeit; lokale Infrastruktur und stabile Energieversorgung seien nötig. „Rechenzentrum-Infrastrukturen sind kapitalintensiv und müssen finanziert werden. Hinzu kommt die Koordination über verschiedene Rechtsräume hinweg sowie die Sicherstellung hochwertiger, strukturierter Daten für das Training von Modellen. Veränderungen kommen – aber angesichts des Umfangs und der erforderlichen Investitionen wird es Zeit brauchen, diese digitale Abhängigkeit zu reduzieren“, so Nangia.

Folgen für Österreich

Mit all diesen unterschiedlichen Entwicklungen im afrikanischen KI-Sektor im Hinterkopf stellt sich die Frage, was das für die österreichische Innovationsszene bedeutet und welche Chancen sich für die heimische Startup-Welt erschließen lassen.

Odame-Darkwah sieht klare Ansatzpunkte: „Es gibt das Gesundheitswesen, die Bildung, die Landwirtschaft – das sind die Kerndienstleistungen, auf die jeder Bürger angewiesen ist. Die Bereitstellung dieser Dienste über mobile Netzwerke ist eine großartige Möglichkeit für Zusammenarbeit. Generell gibt es in fast allen afrikanischen Branchen die Chance, Werte zu schaffen. Man trifft auf Regierungen, die so viel wie möglich digitalisieren wollen, und auf eine digital sehr versierte Bevölkerung.“

Der Bericht „Global VCs Entering African AI Markets“ von „aireports.africa“ (Juni 2025) zeigt einen deutlichen Aufschwung: Obwohl diese Summe nur ein Prozent der globalen KI-Investitionen 2022/23 war, flossen rund 641 Millionen US-Dollar in über 100 Deals. Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Microsoft, Google und IBM steigen verstärkt ein. Im Zentrum: Fintech, Agtech, Healthtech. Dabei bleiben jedoch strukturelle Hürden bestehen, etwa der Frühphasen-Fokus, fehlende Cloud-Infrastruktur, und eine unklare Regulierung; zudem gehen nur rund zwei Prozent des Kapitals an von Frauen geführte Startups.

Afrika unter prüfenden Blicken

Nangia verweist an dieser Stelle auf Unternehmen wie Moove, LemFi oder Taptap Send, die weit über Afrika hinaus skalieren. „Manche unserer europäischen Portfolio-Unternehmen prüfen Afrika als potenziellen Wachstumsmarkt. Wir erwarten, dass sich dieser Trend verstärkt, da Schwellenmärkte nicht länger ignoriert werden können. Es gibt noch andere Wege der Zusammenarbeit mit Europa jenseits von Kapital: Wir bringen jahrelanges Skalierungs-Know-how und Erfahrung ein und unterstützen Gründer sowie Fonds.“ Mit dem Micro GP Summit in Wien bringt Speedinvest etwa Erst- und Zweitfondsmanager weltweit zusammen.

Afrika blickt auf große Märkte, aber …

Für Aistleitner Kisuule hingegen können kleinere europäische Märkte wie Österreich in Afrika perspektivisch tatsächlich eine wichtige Rolle spielen; aktuell sei diese aber noch begrenzt, warnt sie. Hohe Markteintrittskosten, begrenzte Rechenkapazitäten in vielen afrikanischen Märkten sowie die noch frühe Entwicklungsphase zahlreicher Ökosysteme stellen heute zentrale Herausforderungen dar.

„In den nächsten zehn Jahren könnte sich dies allerdings ändern“, sagt sie. Südafrika sei weit entwickelt, besonders in Healthtech. Fintech bleibe der spannendste Sektor. Chancen für österreichische Startups sieht sie bei Prozessautomatisierung, Analytics und Enabler-Technologien.

„Die Regulierung wird sich kurzfristig nicht grundlegend verändern, während die Dynamik auf der Innovationsseite hoch ist“, fasst Aistleitner Kisuule zusammen. „Insgesamt ist es aber noch ‚too soon to say‘, wie sich das Kräfteverhältnis langfristig entwickeln wird. Zugespitzt gesagt spricht aktuell vieles dafür, stärker auf die Innovationsgeschwindigkeit afrikanischer Märkte zu setzen als auf europäische Regulierungskompetenz.“

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