31.03.2023

hermone: Was der weibliche Zyklus mit der Vier-Tage-Woche zu tun hat

Philippa Zorn und Lucia Vilsecker verstehen den weiblichen Zyklus als Teil der Gesamtgesundheit, den sie mit ihrer hermone-App abdecken möchten. Eine Gesamtgesundheit könne erst erlangt werden, wenn auch ein Verständnis dafür da ist, wie dieser Zyklus funktioniert. Im brutkasten-Gespräch erklären die Gründerinnen, weshalb Unternehmen mit einem flexibleren Arbeitsmodell produktivere Mitarbeiterinnen bekommen.
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Die beiden Co-Gründerinnen von hermone Lucia Vilsecker und Philippa Zorn (v.l.) © Martina Trepczyk
Die beiden Co-Gründerinnen von hermone Lucia Vilsecker und Philippa Zorn (v.l.) © Martina Trepczyk

Wenn man den Begriff “weiblicher Zyklus” hört, denken die meisten vermutlich an die monatliche Periode. Dabei gehören zum Zyklus insgesamt ganze vier Phasen und die Periode ist nur eine davon. Symptome können Frauen in allen vier Phasen (Menstruation, follikuläre Phase, Eisprung, Lutealphase) spüren – positive wie negative. Die Produktivität am Arbeitsplatz können Lutealphase und Co. ebenso beeinflussen – positiv wie negativ. Dass das so ist und wie genau der Zyklus letztendlich Einfluss auf den Arbeitsalltag vieler Frauen nimmt, wissen allerdings die wenigsten. Für mehr Body Literacy in der Gesellschaft und in Unternehmen plädieren deshalb die hermone-Mitgründerinnen Lucia Vilsecker und Philippa Zorn. Mehr Wissen über zyklusbedingte Einschränkungen könne zwar auch negative Folgen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt haben, die beiden haben aber eine klare Meinung: “Wir könnten natürlich sagen ‘Frauen sind nicht gleich leistungsfähig’. Dann gehen uns allerdings 50 Prozent der Fachkräfte verloren. Den Zyklus kann man außerdem auch positiv nutzen.”

Mit hermone den Zyklus positiv nutzen

Genau dafür haben sie im März 2023 ihre hermone-App gelauncht. Diese deckt alle vier Phasen des weiblichen Hormonzyklus ab und konzentriert sich damit – entgegen dem Großteil der anderen Zyklusapps – nicht auf einen bestimmten Aspekt wie Fruchtbarkeit oder Menstruation. Ziel sei es, die Userinnen dabei zu unterstützen, ihre Symptome zu lindern und ihren Zyklus positiv nutzbar zu machen. Dabei fokussieren sie sich ganz bewusst auf alle Menstruierenden – also von der ersten Periode bis zur Menopause.

Eine Recherche über Letzteres war auch Auslöser für die Gründungsidee. Co-Founderin Lucia Vilsecker sei beim Lesen eines Artikels über den Hinweis gestolpert, dass es ratsam wäre, bereits vor der Menopause über den eigenen Hormonstatus Bescheid zu wissen, sodass man den eigenen “Normalzustand” kennt. Vilsecker bemerkte daraufhin, dass sie erstaunlich wenig über die verschiedenen Hormonphasen wusste. “Jetzt ist es mir gelungen, zwei Kinder auf die Welt zu bringen und dennoch weiß ich nicht, wie mein eigener Zyklus funktioniert und was hinter diesen Hormonen steckt, die ich kaum benennen konnte”, erklärt die Co-Founderin.

Von Berlin bis nach Wien

Mit dieser Erkenntnis war Vilsecker nicht die Einzige. Nachdem sie mit mehreren Freundinnen über deren Wissenslücken sprach, sei Philippa Zorn die Erste gewesen, die viele ihrer Fragen beantworten konnte. Vilsecker und Zorn kannten sich da bereits seit Jahren, da sie in der Vergangenheit in anderen Jobs gut zusammengearbeitet hatten – für sie ein weiteres Zeichen, das für die Gründung von hermone sprach. Thomas Miksits-Dioso, den Vilsecker von ihrer Zeit beim österreichischen Getränkestartup all i need kennt, ist als CBDO der Dritte im Bunde des Founderteams. Außerdem ist das Startup bereits in zwei Ländern vertreten: Der Hauptsitz befindet sich in Berlin, die Tochtergesellschaft in Wien, wo die Oberösterreicherin Lucia Vilsecker lebt.

Ein Bewusstsein für die Korrelation zwischen Zyklusphasen

Hermone möchte Nutzer:innen dabei unterstützen, ein Bewusstsein für die Korrelation zwischen dem eigenen Wohlbefinden und den verschiedenen Zyklusphasen aufzubauen. Zwar können sie damit keine Krankheiten heilen, bei starken Beschwerden könne hermone aber eine Hilfestellung bieten und die Möglichkeit, mit einem umfangreichen Zyklustracking zum Gynäkologen bzw. zur Gynäkologin zu gehen. Zugleich betonen die beiden Gründerinnen, dass sich ihre App nicht ausschließlich auf negative Beschwerden konzentriert, sondern ebenso positive Effekte dokumentiert werden können. Es geht eben um den Gesamtüberblick.

Die dabei erhobenen Daten werden anonymisiert verarbeitet (soweit man seine Zustimmung dafür geben möchte) und sollen im weiteren Schritt für Forschungszwecke genutzt werden – denn auch das Gender Data Gap wollen Zorn und Vilsecker schließen. Mit ihrem Konzept haben sie bereits erste Business Angels überzeugen können. In der Pre-Seed-Finanzierungsrunde hat hermone insgesamt eine Million Euro von Albert Schmidbauer und dem Smart Family Office eingesammelt.

Workshops für Unternehmen für verbesserte Produktivität

Zyklussymptome hängen außerdem eng mit der Produktivität im Arbeitsalltag zusammen. Studien zufolge kann es zu einem Produktivitätsverlust von bis zu 10,2 Tagen im Jahr kommen. Damit sind keine Krankenstände gemeint, sondern eben die verminderte Produktivität, wenn man trotz starker Symptome arbeitet. Zorn und Vielsecker plädieren dafür, dass man Zeitpläne von weiblichen Angestellten flexibler gestalten sollte, sodass die Arbeitsleistung ideal eingesetzt werden kann. Zorn verweist dabei beispielhaft auf den Versuch der Vier-Tage-Woche im Vereinigten Königreich:

Als Arbeitgeber hat man vielleicht zunächst Sorge, dass Konzepte wie die Vier-Tage-Woche zu weniger Produktivität führen. Bei dem Experiment ist aber das genaue Gegenteil passiert. Das ist für mich das beste Beispiel dafür, dass es nur positive Auswirkungen haben kann, wenn man seinen Angestellten vertraut und ihnen einen gewissen Rahmen gibt, in dem sie auch ihre eigenen Bedürfnisse erfüllen können. Das gilt für mich auch für den Zyklus und dessen Auswirkungen.

Als weitere Ziele sind deshalb auch Workshops in Unternehmen geplant, wofür Zorn und Vilsecker bereits eine Coaching-Weiterbildung absolviert haben. Momentan ist die hermone-App noch kostenlos zugänglich, auf lange Sicht werde man zu einer Bezahlversion übergehen und gegebenenfalls auch Kooperationen mit anderen Unternehmen im FemTech-Bereich angehen. Vorerst konzentriert sich hermone aber auf den Aufbau einer Community, der sie bei ihrem physischen und emotionalen Wohlbefinden unter die Arme greifen können.

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Die „Innovator of the Year“-Kategorie Startups wird durch die Österreichische Notariatskammer unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Startups“

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Ablatic AI

Die Ablatic-AI-Gründer vl. Florian Zimmermann (CEO) und Julian Mauerkirchner (CTO) | (c) Ablatic AI
Die Ablatic-AI-Gründer vl. Florian Zimmermann (CEO) und Julian Mauerkirchner (CTO) | © Ablatic AI

Aktuell schießen sehr viele KI-Startups aus dem Boden. Doch nur ein winziger Bruchteil davon baut ein eigenes KI-Modell. Ablatic AI aus Linz ist eines davon. Im September ging es mit seinem Large Language Model Talos an den Start, das in mehreren Benchmark-Tests mit der Weltklasse mitspielt. In einer Kategorie übertraf man sogar OpenAIs Flagship-Modell GPT-5.6 Sol. Das gelang mit einem kleinen Team und bislang ohne VC-Kapital. Trainiert wird das Modell in der AI Factory Austria AI:AT im Rahmen des EuroHPC-Programms.

Aitiologic

Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | © Aitiologic

Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum, die Gründer von Aitiologic, holten heuer 6,4 Mio. Euro in einer Seed-Runde, angeführt von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“, die zellfreie DNA im Blut untersucht und die Daten mit KI auswertet. Die Technologie geht auf die Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück und wurde vom Startup exklusiv lizenziert. Zudem holte man Gordon Sanghera, den Mitgründer des britischen DNA-Sequenzierungs-Spinoffs Oxford Nanopore Technologies, an Bord. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, bis zum Börsengang in London.

Diamens

Diamens
Das Team von Diamens (v.l.n.r.): Clara Ganhör, Marlene Rezk-Füreder, Angelika Lackner, Peter Oppelt und Eva Scharnagl | © Diamens

Das HealthTech-Unternehmen aus Linz entwickelt einen nicht-invasiven Selbsttest zur Diagnose von Endometriose, der auf Menstruationsblut basiert und Frauen operative Eingriffe ersparen soll. Im März 2026 sicherte sich das Team rund um Clara Ganhör ein sechsstelliges Investment, um die Produktentwicklung und wichtige klinische Tests weiter voranzutreiben. Das Jahr 2026 war zudem für Diamens besonders erfolgreich, da das Spinoff den S&B Award sowie den Edison-Preis in Oberösterreich gewann. Hinzu kam eine Nominierung für den EY-Scaleup Award in der Kategorie BioTech und Spin-off.

Iono Robotics

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Das Linzer Deep-Tech-Startup Iono Robotics von Gründer und CEO Ümit Bas hat heuer in der Tabakfabrik Linz seinen humanoiden Roboter „Workmate“ erstmals öffentlich präsentiert. Das System soll in knapp zwei Jahren in Serienproduktion gehen und ist speziell für den industriellen Einsatz konzipiert. Erste Pilotkund:innen sind bereits an Bord. Gedacht ist „Workmate“, wie der Name nahelegt, als Unterstützung in Arbeitsumgebungen, konkret in Branchen wie Industrie, Logistik, Handel und Service. Punkten soll er dabei unter anderem mit einer im Kopf integrierten Drohne, die aus der Luft die Umgebung noch besser erfassen kann.

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Das Tiroler Startup REPS von Gründer Alfons Huber macht Straßen zu Kraftwerken: Sein Road Energy Production System wandelt die Bremsenergie von Lkw über Platten in der Fahrbahn in Strom um. Seit November 2025 läuft die erste kommerzielle Anlage im Hamburger Hafen, über 115.000 Lkw haben dort in sechs Monaten rund 6.700 Kilowattstunden erzeugt. Im Mai holte sich REPS 23,6 Millionen US-Dollar mit einem britischen VC-Fonds im Lead, nur acht Monate nach dem 1,3-Millionen-Seed. Mit dem Kapital will das Unternehmen aus Mils, an dem auch Elisabeth Köstinger beteiligt ist, international ausrollen. Über 90 Interessenten aus der Hafen- und Logistikbranche stehen laut eigenen Angaben in Gesprächen.

R-Space Technologies

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Viele Raumfahrt-Startups scheitern daran, dass sie ihre Technologien vor dem Markteintritt nie im All testen können. R-Space, mit Sitz am Flughafen Wien-Schwechat, will diese Hürde abbauen und bietet mit ihrem eigens entwickelten Satelliten In-Orbit-Tests als Rundum-Service an. Das Ziel: Firmen innerhalb von nur sechs Monaten ins All zu bringen. Ende 2026 soll die erste Mission an Bord einer Rakete des deutschen Herstellers Isar Aerospace mit Technologien von drei Partnerunternehmen starten. Das 2021 gegründete Unternehmen will damit die Weichen für die nächste Generation europäischer Raumfahrt stellen; die nächsten drei Satelliten sind laut eigenen Angaben bereits in Vorbereitung.

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Straion
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Der KI-Boom bringt eine neue Geschwindigkeit mit sich. Auch für etablierte Unternehmen führt daher kein Weg an KI-generiertem Code vorbei. Dieser birgt aber bekanntlich (noch) erhebliche Risiken. Das Linzer Startup Straion nimmt sich des Problems an und sorgt mit seiner Anwendung dafür, dass der KI-generierte Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen erfüllt. Damit konnte sich das Startup dieses Jahr auch ein 1,1-Mio.-Euro-Investment sichern.

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Das Wiener Space-Tech-Startup Tumbleweed hat dieses Jahr bewiesen, dass der Zugang zum Weltall in Rekordgeschwindigkeit möglich ist: Die Hardware für die erste Orbit-Mission „Oasis Alpha“ wurde in unter neun Monaten fertiggestellt und war laut eigenen Angaben bereits frühzeitig ausgebucht. Am 7. Juli 2026 feierte das Unternehmen einen weiteren Meilenstein, als der Satellit im Rahmen einer SpaceX Transporter-17-Mission erfolgreich in eine erdnahe Umlaufbahn gebracht wurde.

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Die Turn-Motion-Gründer v.l. Chien-hua Huang, Georg Popp und Manuel Lachmayr | (c) Stefan Fuertbauer
Die Turn-Motion-Gründer v.l. Chien-hua Huang, Georg Popp und Manuel Lachmayr | © Stefan Fuertbauer

Das Wiener Startup Turn-Motion von Georg Popp, Chien-hua Huang und Manuel Lachmayr fertigt maßgeschneiderte Orthesen mit KI und 3D-Druck, bis zu 15 Stück in der Zeit, die bisher für eine einzige gebraucht wurde. Die Gründungsgeschichte ist persönlich: Popp erkrankte als Kind an Polio und sollte laut Prognose den Rollstuhl kaum verlassen können. Heuer holte sich das Startup sein erstes privates Kapital, und das mit Signalwirkung: Noctua Science Ventures, der Spinoff-Fonds von Speedinvest und TU Wien, führte die Pre-Seed-Runde an, sein erstes bekanntes Investment überhaupt. Mit dabei sind das Wiener Tech-Scaleup Squer und drei Business Angels.

zone14

Tobias Gahleitner, Lukas Grömer und Simon Schmiderer (v.l.n.r.) von zone14 | © zone14

Das Wiener Startup zone14 von Simon Schmiderer, Tobias Gahleitner und Lukas Grömer baute sein Engagement im heimischen Fußball aus und schloss heuer eine Partnerschaft mit dem Wiener Sport-Club. Das Team will mit seiner Technologie Video- und Performance-Analysen im Fußball breiter zugänglich machen und konnte neben dem Hernalser Kultklub auch Ex-ÖFB-Kapitän Marc Janko als strategischen Investor für sich gewinnen. Die Technologie des Startups ist in über zehn Ländern verfügbar: Mehr als 200 Systeme sind global im Einsatz – von flächendeckenden Ausstattungen ganzer Ligen wie der ersten Profiliga Zyperns bis hin zu Traditionsvereinen wie dem SK Rapid, dem FK Austria Wien und dem SV Darmstadt 98.

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