Das Wiener MedTech-Startup helpsole (Lellis GmbH) hat sich mit seinem Produkt eines sehr spezifischen Problems angenommen: dem Symptom „Freezing“ bei Parkinson-Patient:innen. Dabei handelt es sich um ein plötzliches Erstarren der betroffenen Person, das sie in ihrem Bewegungsablauf abrupt behindert. Im schlimmsten Fall stürzen die Patienten aufgrund einer derartigen Freezingsepisode, da sie gedanklich weiter gehen möchten, ihre Beine jedoch nicht mehr reagieren.

Im Zustand des Erstarrens benötigen betroffene Personen einen externen Reiz, um das Symptom des Freezings zu überwinden. Die Schuhsole von helpsole soll das Freezing dank verbauter Sensoren automatisch erkennen und den benötigten Reiz abgeben.

„2 Minuten 2 Millionen“-Deal nur vor der Kamera

Im Gründungsjahr 2020 trat das Startup mit der helpsole auch in der Puls4-Show „2 Minuten 2 Millionen“ auf. Vor der Kamera wurde man sich zwar mit Hans Peter Haselsteiner und Katharina Schneider über ein Investment einig. Laut einsehbaren Firmenbuchdaten kam es aber niemals zu einer Beteiligung der beiden. Dafür holte sich das Startup einige Monate nach der Ausstrahlung eine sechsstellige Förderung der FFG.

Aktuell hält Gründerin und CEO Ines Nechi 94 Prozent der Anteile. Die restlichen sechs Prozent entfallen auf CTO Alexander Dabsch. Die ursprünglich mit je rund einem Viertel beteiligten Co-Founder Philipp Lederle, Thomas Ferdinand Perktold und Andreas Müllner gaben ihre Anteile bereits 2022 ab.

Marktreife von helpsole nach hinten verschoben

2020 ging man beim Startup von einer Marktreife im Jahr 2021 aus. Der Zeitpunkt wurde jedoch immer weiter nach hinten verschoben. Anfang 2023 hieß es gegenüber brutkasten, helpsole werde „derzeit in einer ersten klinischen Studie validiert“. Dafür brachte das Startup mit „Tretkraft“ ein Nicht-Medizinprodukt für den Sportbereich auf Basis der Technologie auf den Markt.

Lellis GmbH meldet Konkurs an

Wie die Kreditschutzverbände KSV1870 und AKV heute mitteilen, reichte die Lellis GmbH nun einen Konkursantrag ein. Über die Insolvenzgründe und Details wie die Höhe der Passiva liegen in den Meldungen der beiden Verbände keine Informationen vor. Auch ob das Produkt helpsole in einer anderen Gesellschaft weitergeführt werden soll, ist somit unklar.

Statement von Gründerin Ines Nechi

Update:

Mittlerweile erreicht brutkasten ein Statement von Gründerin Ines Nechi, das hier im Wortlaut wiedergegeben wird:

„Die Entwicklung eines Medizinprodukts ist mit sehr vielen Risiken und noch mehr Ungewissheiten verbunden. Allem voran die Ungewissheit über die realen Kosten und ob das Produkt dann wirklich klinisch validiert werden kann. Natürlich kalkuliert man mit halbwegs realistisch Kosten, jedoch sind diese meist so hoch, dass man sie ohne Förderungen UND Investment nicht stemmen kann. Nicht als kleines Startup. 

Genau die fehlende Finanzierung war dann auch der Grund, warum wir Konkurs anmelden mussten, neben anderen persönlichen und personellen Gründen. Das Projekt liegt zur Zeit auf Eis. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir es zu einem späteren Zeitpunkt mit besserem finanziellen Background erneut in Angriff nehmen. Wir möchten uns auf diesem Weg noch bei allen Unterstützern bedanken, die an uns geglaubt haben und uns darin bestärkt haben, dieses Projekt zu verwirklichen.“