22.04.2024
MEDTECH

helpsole: Wiener Anti-Parkinson-Startup muss Konkurs anmelden

Seit 2020 will das Wiener Startup helpsole (Lellis GmbH) mit seiner smarten Schuhsole Parkinson-Patient:innen helfen.
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helpsole-Gründerin Ines Nechi
helpsole-Gründerin Ines Nechi beim Event "Von der Idee zur Zündung" | (c) der brutkasten

Das Wiener MedTech-Startup helpsole (Lellis GmbH) hat sich mit seinem Produkt eines sehr spezifischen Problems angenommen: dem Symptom „Freezing“ bei Parkinson-Patient:innen. Dabei handelt es sich um ein plötzliches Erstarren der betroffenen Person, das sie in ihrem Bewegungsablauf abrupt behindert. Im schlimmsten Fall stürzen die Patienten aufgrund einer derartigen Freezingsepisode, da sie gedanklich weiter gehen möchten, ihre Beine jedoch nicht mehr reagieren.

Im Zustand des Erstarrens benötigen betroffene Personen einen externen Reiz, um das Symptom des Freezings zu überwinden. Die Schuhsole von helpsole soll das Freezing dank verbauter Sensoren automatisch erkennen und den benötigten Reiz abgeben.

„2 Minuten 2 Millionen“-Deal nur vor der Kamera

Im Gründungsjahr 2020 trat das Startup mit der helpsole auch in der Puls4-Show „2 Minuten 2 Millionen“ auf. Vor der Kamera wurde man sich zwar mit Hans Peter Haselsteiner und Katharina Schneider über ein Investment einig. Laut einsehbaren Firmenbuchdaten kam es aber niemals zu einer Beteiligung der beiden. Dafür holte sich das Startup einige Monate nach der Ausstrahlung eine sechsstellige Förderung der FFG.

Aktuell hält Gründerin und CEO Ines Nechi 94 Prozent der Anteile. Die restlichen sechs Prozent entfallen auf CTO Alexander Dabsch. Die ursprünglich mit je rund einem Viertel beteiligten Co-Founder Philipp Lederle, Thomas Ferdinand Perktold und Andreas Müllner gaben ihre Anteile bereits 2022 ab.

Marktreife von helpsole nach hinten verschoben

2020 ging man beim Startup von einer Marktreife im Jahr 2021 aus. Der Zeitpunkt wurde jedoch immer weiter nach hinten verschoben. Anfang 2023 hieß es gegenüber brutkasten, helpsole werde „derzeit in einer ersten klinischen Studie validiert“. Dafür brachte das Startup mit „Tretkraft“ ein Nicht-Medizinprodukt für den Sportbereich auf Basis der Technologie auf den Markt.

Lellis GmbH meldet Konkurs an

Wie die Kreditschutzverbände KSV1870 und AKV heute mitteilen, reichte die Lellis GmbH nun einen Konkursantrag ein. Über die Insolvenzgründe und Details wie die Höhe der Passiva liegen in den Meldungen der beiden Verbände keine Informationen vor. Auch ob das Produkt helpsole in einer anderen Gesellschaft weitergeführt werden soll, ist somit unklar.

Statement von Gründerin Ines Nechi

Update:

Mittlerweile erreicht brutkasten ein Statement von Gründerin Ines Nechi, das hier im Wortlaut wiedergegeben wird:

„Die Entwicklung eines Medizinprodukts ist mit sehr vielen Risiken und noch mehr Ungewissheiten verbunden. Allem voran die Ungewissheit über die realen Kosten und ob das Produkt dann wirklich klinisch validiert werden kann. Natürlich kalkuliert man mit halbwegs realistisch Kosten, jedoch sind diese meist so hoch, dass man sie ohne Förderungen UND Investment nicht stemmen kann. Nicht als kleines Startup. 

Genau die fehlende Finanzierung war dann auch der Grund, warum wir Konkurs anmelden mussten, neben anderen persönlichen und personellen Gründen. Das Projekt liegt zur Zeit auf Eis. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir es zu einem späteren Zeitpunkt mit besserem finanziellen Background erneut in Angriff nehmen. Wir möchten uns auf diesem Weg noch bei allen Unterstützern bedanken, die an uns geglaubt haben und uns darin bestärkt haben, dieses Projekt zu verwirklichen.“

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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