25.08.2025
STRATEGIE

Heizma will mit Stellenabbau und Umstrukturierung Wachstum beschleunigen

Das Wiener Startup Heizma trennte sich von 30 Prozent seiner Belegschaft. Welche Gründe dahinterstecken und was das für den Wachstumskurs bedeutet, erklären die Co-Founder gegenüber brutkasten.
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Heimzma
© Alissar Najjar - Alexander Valtingojer, Michael Kowatschew und Valentin Perkonigg von Heizma.

Gegründet im März 2024, beschäftigte das Wiener Startup Heizma nur neun Monate später bereits 70 Mitarbeiter:innen und wickelte Aufträge im Wert von rund zehn Millionen Euro ab. Mit diesem Tempo sorgte das auf Wärmepumpen- und Photovoltaik-Installationen spezialisierte Unternehmen von Alexander Valtingojer, Michael Kowatschew und Valentin Perkonigg für Aufsehen in der heimischen Gründerszene.

Bis April 2025 kam Heizma ohne externes Kapital aus. Erst im Frühjahr holten sich die Gründer ein Investment von 2,5 Millionen Euro, um die Expansion zu beschleunigen (brutkasten berichtete). Nur wenige Monate später folgte nun der Abbau des Teams um rund 30 Prozent.

Personalabbau um 30 Prozent

„Wir haben uns entschieden, uns von 30 Prozent unseres Teams zu trennen, um effizienter zu operieren, obwohl unsere Installationen pro Woche derzeit steigen“, erklärt Co-Founder Michael Kowatschew gegenüber brutkasten. Besonders betroffen sei der Bereich Sales Development (SDR), in dem der Erstkontakt zu Kund:innen stattfindet. Viele dieser Mitarbeiter:innen seien in Teilzeit beschäftigt gewesen.

„Mittlerweile läuft dieser Prozess durch AI stark automatisiert ab, und wir haben uns entschieden, keine Teilzeitkräfte mehr zu beschäftigen“, so Kowatschew weiter. In Summe sei der Headcount um 30 Prozent gesunken, auf Vollzeitbasis gerechnet (FTE) entspreche der Abbau rund 20 Prozent.

Trotz der Kürzungen sieht der Co-Founder keinen Grund zur Sorge: „Wir stellen weiterhin aktiv ein und begrüßen jeden Monat neue Mitarbeiter:innen bei Heizma – nur an anderen, für uns relevanteren Stellen. Unsere Handwerkeranzahl hat sich nicht wirklich geändert und unsere Installationen pro Woche steigen aktuell sogar wieder”, so Kowatschew. „Klingt vielleicht hart, aber genau das ist für uns die Stärke eines Startups: Wir können und müssen große Änderungen umsetzen, wenn sie uns strategisch weiterbringen.“

Vereinfachte Struktur

Parallel zu den Personalmaßnahmen baut Heizma auch die Unternehmensstruktur um. Bisher setzte das Startup auf eine dezentrale Strategie und gründete mehrere eigenständige GmbHs: Heizma Nord, Ost, Wien und Süd (brutkasten berichtete). Nun wurden diese in der Heizma Installations GmbH zusammengeführt.

Der Grund: “Weniger Komplexität, weniger Overhead und deutlich einfachere Standardisierung unserer Prozesse“, so Kowatschew. Durch diese Umstellung seien weitere Stellen weggefallen. „Für einige Mitarbeiter:innen war das natürlich eine harte Veränderung, aber genau das macht ein Startup aus – man muss sich trauen, Dinge grundlegend zu ändern, wenn man aus den Learnings besser werden will.“

Management bleibt unverändert

Wie ein anderes Medium zunächst fälschlicherweise berichtete [Anm.: mittlerweile adaptiert], soll sich Co-Founder Alexander Valtingojer aus der Geschäftsführung zurückziehen. Kowatschew stellt klar: „Alex ist schon seit 2024 rechtlich nicht Geschäftsführer, das hat aber nichts mit seiner Funktion im Unternehmen zu tun. Er ist zu 100 Prozent fokussiert auf Heizma, wie Valentin und ich, und ist Teil des Managements, wie seit der Gründung.”

Auch Valtingojer selbst betont gegenüber brutkasten: „Wir sind alle noch voll bei Heizma dabei und dafür, dass es ein schwieriges Jahr rund um die Förderungen war, läuft es eigentlich sehr gut.“

Blick nach vorn

Für 2025 peilen die Gründer einen achtstelligen Jahresumsatz an. „Wir sind immer noch am Anfang der Reise und werden die Elektrifizierung von Einfamilienhäusern weiterhin beschleunigen, indem wir sie mit Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlage, Speicher, Wallbox und Energiemanagement-Systemen ausstatten. Es geht gerade erst los“, so Kowatschew.

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Rendering der geplanten AI Heat Factory in Helsinki | (c) OnZero
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Mit seinem Konzept, die Abwärme von Servern zum Heizen zu nutzen, ist das Wiener Unternehmen OnZero auch innerhalb Österreichs nicht alleine – brutkasten berichtete etwa über die beiden Tiroler Startups Serwas, das ebenfalls KI-Abwärme nutzt, und 21energy, das Bitcoin-Mining-Heizschwammerl für den Privatgebrauch anbietet. Das Projekt, mit dem OnZero nun an die Öffentlichkeit ging, hat aber eine andere Größenordnung.

AI Heat Factory in Finnland geplant

Die Rede ist von einer „AI Heat Factory“ in der finnischen Hauptstadt Helsinki mit einer jährlichen Wärmeproduktion von rund 525.000 Megawattstunden. Damit sollen nicht weniger als 70.000 Haushalte per Fernwärme beheizt werden. Gleichzeitig soll damit der große Bedarf an Rechenleistung für KI besser gedeckt werden. „Wir haben OnZero mit dem klaren Ziel gegründet, die Kosten für KI zu senken, indem wir eine leistungsstarke KI-Infrastruktur mit der effizienten Rückgewinnung und produktiven Nutzung von Serverwärme kombinieren“, erklärt Ali Siddiqui, CEO von OnZero.

Finnischer Partner Helen nutzt Server-Abwärme schon seit 2010

Das Wiener Unternehmen kooperiert für das Projekt, dessen Start für kommendes Jahr geplant ist, mit dem finnischen Energieunternehmen Helen. Dieses bringt Erfahrungswerte mit: Bereits seit 2010 nutzt man die Abwärme von Serverzentren für die Fernwärme. Im neuen Projekt will man gemeinsam bis zu 99 Prozent der Server-Abwärme durch ein wasserbasiertes System einfangen und nutzen, heißt es in einer Aussendung. „Unser Ziel ist es, die Energieerzeugung durch Verbrennung bis 2040 auslaufen zu lassen, und die Nutzung von Abwärme spielt eine wichtige Rolle dabei“, kommentiert Tuukka Toivonen, COO für Strategie und M&A bei Helen.

Investor und ehemaliger pakistanischer Botschafter in den USA als CEO

OnZero geht auf das von Alexander Dietrich und Vlado Stanic gegründete Wiener Startup Blockbase zurück, das auf Krypto-Mining aufbaute. Die beiden sind nach wie vor als Geschäftsführer des Unternehmens eingetragen. Dieses befindet sich aber mittlerweile über eine Holding überwiegend im Besitz ausländischer Investoren, die das C-Level stellen. CEO Ali Siddiqui hält über seine Gesellschaft den größten Anteil. Der Investor war unter anderem pakistanischer Botschafter in den USA. CFO ist der frühere Steyr-Motors-CFO Christoph Cerar, COO ist der internationale Manager Stephen Smith.

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