24.11.2020

Happyr: Warum Nicola Filzmoser gegen Migräne bei Kindern kämpft

Happyr Health-Gründerin Nicola Filzmoser hat am eigenen Leib erfahren, was Migräne bei Kindern bedeutet. Sie möchte daher gemeinsam mit Co-Founder Cornelius Palm eine neues Bewusstsein über Folgen und Umgang schaffen.
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(c) Pradeep Singh - Happyr Health-Gründerin Nicola Filzmoser bekämpft Migräne seit ihrer Kindheit.

„In Österreich leiden 11,3 Prozent der Bevölkerung an episodischer Migräne, wobei die größte Häufigkeit zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr besteht. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer“, schreibt die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG). Rund drei Prozent aller Kinder unter sieben Jahren leiden unter Migräne, bei 15-jährigen Mädchen steigt der Anteil auf bis zu 15 Prozent.

Aura und ihre Rolle bei Migräne

Welche Gründe das Auftreten einer Migräne hat, ist nicht geklärt, Wissenschaftler sprechen aber von einer genetische Prädisposition. Was aber klar ist: Es handelt sich nicht nur um einen starken Kopfschmerz, wie viele vermuten, sondern Migräne gibt es in verschiedensten Formen. Von den eher bekannten Symptomen, treten vor allem in Kindern auch Bauchschmerzen und Übelkeit auf. Viele, die an Migräne leiden, sind licht- und lärmempfindlich. Manche erfahren eine sogenannte „Aura“, ein Zustand, der vor der Migräne-Attacke auftritt und durch Lichtblitze, Gerüche, Taubheitsgefühl in den Gliedern, Benommenheit und Sprachstörungen definiert wird.

Der Kampf gegen eine unsichtbare Krankheit

Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit sind die Folgen eines Anfalls, zudem werden rund 40 Prozent der Kinder während eines Vorfalls von Bauchschmerzen heimgesucht. Wenn Kinder mehrmals pro Jahr an Bauchschmerzen ohne klare Ursache leiden, spricht man von einer abdominellen Migräne. Nicola Filzmoser, die gemeinsam mit Cornelius Palm das „Cambridge-based“ Migräne-Startup für Kinder Happyr Health gegründet hat, kämpft seit rund zwei Jahrzehnten gegen diese in der breiten Gesellschaft noch nicht anerkannte Krankheit.

Die Alumna des Jahres der FHWien der WKW kann sich erinnern, wie die Migräne mit dem sechsten Lebensjahr in ihre Welt trat. Es handelte sich anfangs um die abdominelle Migräne, mit unterschiedlichen Symptomen, was für Kinder nicht untypisch ist. „Heute sind es eher die bekannten Symptome: starke Kopfschmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit“, sagt sie.

Schmerzmittel als Mittel dagegen

Ihre Eltern taten viel, besuchten mit ihr verschiedene Ärzte, Neurologen und griffen auch zu Akupunktur, später dann auch zu den klassischen Schmerzmitteln wie Ibuprofen: „Mit 21 nahm ich Triptane, spezielle Migräne-Medikamente“, erinnert sie sich und weiß, dass es auch für Kinder Medikamente gibt: „Viele Medikamente sind jedoch erst ab dem Jugendalter zugelassen und bringen auch nicht immer die erwünschte Erlösung von dem Schmerz.“

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(c) Pradeep Singh – Nicola Filzmoser und Cornelius Palm setzen auf Bewusstseinsbildung bei Kinder-Migräne.

Filzmoser gibt einen großen Einblick in ihre Expertise und eröffnet dabei ein weiteres Feld, dessen sich viele bei Kindern und Migräne nicht bewusst sind oder zu wenig beachten: soziale Hürden, auf die das Kind aufgrund der Migräne stößt.

Zu wenig Recherche bei Migräne und Folgen

In dieser Hinsicht gebe es noch zu wenig Recherche, so die Gründerin, die Migräne bei Kindern als „die unsichtbare Krankheit“ bezeichnet. Sie ruft dazu auf, dass man die Problematik dahinter langsam beginnen müsse zu verstehen.

„Hass auf den eigenen Körper“

„Es handelt sich nicht nur um ein körperliches Problem, sondern da spielen Emotionen mit rein und Soziales“, sagt sie. Filzmoser erwähnt Angststörungen und den „Hass auf den eigenen Körper“; berichtet aus ihrer Erinnerung von einem geplanten Schulausflug, wo anfangs die Vorfreude überwog, dann jedoch Angst je näher die Abreise kam. Gestillt von der Sorge um mögliche Schmerz-Episoden, ohne den Beistand der Eltern.

Mögliche Auslöser

Einfacher erklärt: Probleme der Konzentration, Stress- und Prüfungssituationen, eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten und allgemein große Veränderungen sind mögliche Trigger für anfällige und auf Migräne sensible Kinder. Da braucht es einen bestimmten Zugang, wie Filzmoser erklärt – und sie gibt einen Einblick in ihre Handhabe.

Migräne-Symptome in den Griff bekommen

„Es geht darum, Stress und den Umgang mit Symptomen in den Griff zu bekommen“, so die Gründerin, „Im Vergleich zu früher weiß ich heute, dass mein Verhalten das Problem ist. Man muss rechtzeitig Pausen machen und sich trotz Anzeichen nicht denken, das schaffe ich jetzt noch. Ähnlich verhält es sich bei Kindern, wo zum Beispiel Tests und Aufgaben sie daran hindern, Erholungsphasen einzulegen, wenn nötig.“

Routine wichtig

Filzmoser kennt Studien, die bescheinigen, dass Kinder perfektionistisch agieren und Angststörungen und Depressionen die Folge sein können. „Die emotionale Komponente ist hier sehr wichtig“, sagt sie und rät zu einer geordneten Routine: regelmäßiges Frühstücken zwecks Glukosespiegel, Snacks bereithalten, wenn benötigt, ein ordentlicher Schlafrhythmus. „Es ist wichtig Kindern den Umgang mit Migräne beizubringen.“

Der „Seelenpartner“

All ihre Befassung mit dem Thema aus persönlicher Betroffenheit führte Filzmoser dazu ihren Co-Founder Cornelius Palm kennenzulernen, der fünf Jahre an abdominalen Schmerzen und auch an sozialen Implikationen litt.

Sie tauschten sich aus und entschieden, etwas in einem Bereich zu starten, wo sie einen positiven „Impact“ auslösen konnten. Und so entstand Happyr Health.

AR-Avatar bei Happyr Health

Die Software des Startups arbeitet mit Techniken aus dem Bereich Storytelling und Gamification, wodurch Kinder motiviert werden, sich mit ihrer Migräne und ihrem emotionalen Wohlbefinden zu beschäftigen. Die Inhalte wurden von Psychologen und Migräne-Experten mitentwickelt. Aus den Berichten der Kinder, sowie über ein allgemeines Dashboard kann die App einzelne Migräneauslöser kategorisieren und verstehen.

(c) Happyr Ltd – Für Filzmoser spielt die emotionale Komponente bei Migräne eine große Rolle.

Finanziert haben sich die beiden Gründer durch Crowdfunding, bei dem über 10.000 britische Pfund (knapp über 11.000 Euro) zusammenkamen, über diverse Teilnahmen an Competitions und gewonnene Awards. Im Frühjahr möchte das Unternehmen in eine nächste Finanzierungsrunde gehen. Ein privater Investor ist noch nicht an Board, wie Filzmoser verrät.

Prototyp in Arbeit

Die Gründerin und ihr Partner arbeiten zudem an einem Prototypen mit einem Migräne-Tracker, und – das sei der Unterschied zu anderen Trackern – emotionalem Wohlbefinden als Thema. „Wir wollen gerade dafür ein Bewusstsein schaffen“, sagt sie.

Tester gesucht

Der erste Teil der App ist da und wird mit ausgewählten Familien und Ärzten getestet. Die Testphase soll bis ins nächste Jahr laufen; im Frühjahr soll die „native App“ gelauncht werden. Interessierte Testpersonen könnten sich noch beim Startup melden.

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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AI Summaries

Happyr: Warum Nicola Filzmoser gegen Migräne bei Kindern kämpft

  • Rund drei Prozent aller Kinder unter sieben Jahren leiden unter Migräne, bei 15-jährigen Mädchen steigt der Anteil auf bis zu 15 Prozent.
  • Nicola Filzmoser, die gemeinsam mit Cornelius Palm, das „Cambridge-based“ Migräne-Startup für Kinder Happyr Health gegründet hat, kämpft seit rund zwei Jahrzehnten gegen diese in der breiten Gesellschaft noch nicht anerkannte Krankheit.
  • Filzmoser kennt Studien, die bescheinigen, dass Kinder perfektionistisch agieren und Angststörungen und Depressionen die Folge sein können.
  • Die Testphase soll bis ins nächste Jahr laufen; im Frühjahr soll die „native App“ gelauncht werden.

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