09.03.2017

Hälfte der ATX-Unternehmen kooperieren bereits mit Startups

Die Wiener Investment-Gesellschaft Venionaire Capital befragte 14 von 20 an der Wiener Börse im ATX notierten Unternehmen zur Zusammenarbeit mit Startups.
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(c) fotolia.com - ra2 studio

Dass Corporate Innovation auch in Österreich ein immer größeres Thema wird, schlägt sich auch statistisch nieder. Bei einer Befragung der Wiener Investment-Gesellschaft Venionaire Capital unter den 20 an der Wiener Börse im ATX notierten Unternehmen kamen zwar nur 14 Antworten zurück. Diese zeigen aber einen eindeutigen Trend auf: Jedes zweite befragte Unternehmen arbeitet bereits mit Startups zusammen, rund zwei Drittel der Konzerne beteiligen sich regelmäßig bei Innnovationswettbewerben.

+++ Dossier: Corporate Innovation +++

Österreich schließt bei Corporate Innovation international auf

Mit diesem stärker werdenden Interesse der Top-Konzerne an Startups schließt Österreich international auf. Wie eine Studie der Business School INSEAD und 500 Startups aus dem Jahr 2016 zeigt, beschäftigen sich bereits mehr als zwei Drittel der internationalen Top 100 Unternehmen mit dem Thema. Globale Player suchen jedoch nicht nur die Zusammenarbeit mit Startups, sondern sie beteiligen sich auch aktiv mit Wagniskapital. Heimische Konzerne waren dahingehend bisher noch zögerlich, aber auch hier zeichnen sich Veränderungen ab, wie die aktuelle Befragung zeigt.

Bereitschaft zu Venture Capital-Investitionen steigt

(c) Venionaire Capital: Berthold Baurek-Karlic

So gab die Mehrheit der befragten Unternehmen an, sich in ausgewählten Fällen bei Startups beteiligen zu wollen. Überlegungen der Konzerne gibt es auch hinsichtlich eigener Accelerator-Programme und Corporate Venture Fonds: „Bei Corporate Venture Fonds hängt die Offenheit sehr vom Ausmaß der strategischen Ausrichtung der Häuser ab. International kennen wir sowohl gemeinsame als auch eigenständige Vehikel von Konzernen mit ganz unterschiedlichen Strategien“, erklärt Berthold Baurek-Karlic, Gründer und Geschäftsführer von Venionaire Capital. Man arbeite daher auch bei Venionaire an unterschiedlichen Modellen für die Kunden.

+++ Gastkommentar: Baurek-Karlic von Venionaire beleuchtet die US-Trends im Energiesektor +++

„Schneeball-System“ führt zu mehr Engagement

Ausnahmslos alle Unternehmen, die angaben, bereits mit Startups zusammengearbeitet zu haben, wollen ihre Aktivitäten in diesem Bereich weiter intensivieren. Konzerne, die noch nicht mit Startups zusammen gearbeitet haben, sehen Corporate Startup Engagement zumindest als potentiellen Bestandteil ihrer Digitalisierungsstrategie. Baurek-Karlic vergleicht die momentane Entwicklung mit einem Schneeball-System: „Die Professionalisierung der Startup-Teams bringt wachsendes Interesse von Investoren und Unternehmen, deren Interesse fördert neue Gründer, die wiederum neue Player anziehen.“

Besonderes Interesse an Artificial Intelligence

Die Motive, die die ATX-Unternehmen für die Zusammenarbeit mit Startups nennen, decken sich mit jenen in der globalen Studie von INSEAD und 500 Startups: Etablierte Unternehmen erwarten sich dadurch mehr innovative Ideen bei gleichzeitig weniger Innovationskosten, die Möglichkeit neue Produkte zu testen und ein Abfedern der Bedrohungen durch neue digitale Geschäftsmodelle. Besonders interessiert sind die heimischen Unternehmen momentan an Artificial Intelligence, aber auch Big Data und Industry 4.0 sind für sie relevante Themen.

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Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Quantencomputing nach wie vor eine Zukunftstechnologie. In der Breite ist diese definitiv noch nicht angekommen. Entsprechend sind auch viele Startups in dem Feld noch die klassische Wette auf die Zukunft, wie sie im Hightech-Bereich üblich ist: massive Forschungsausgaben und noch keine Umsätze. Dass es aber nicht so sein muss, beweist das Innsbrucker Quanten-Scaleup ParityQC.

Dieses legte nun seinen Jahresabschluss für 2025 vor. Als GmbH und „kleine Kapitalgesellschaft“ gelten dabei eingeschränkte Berichtspflichten – so muss etwa die Gewinn- und Verlustrechnung nicht veröffentlicht werden. Aus dem Bericht lässt sich der Gewinn aber (im Gegensatz zum Umsatz) genau ableiten.

1,46 Millionen Euro Gewinn mit nur 27 Mitarbeiter:innen

ParityQC stand demnach 2025 bei einem Bilanzgewinn von knapp über drei Millionen Euro. Abzüglich des Gewinnvortrags ergibt sich ein Jahresüberschuss von etwa 1,46 Millionen Euro – und das mit 27 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jahr 2024 hatte das Scaleup einen Gewinn von rund 1,36 Millionen Euro zu Buche stehen.

Die Umsätze lassen sich dagegen – wie erwähnt – nicht aus dem Bericht ableiten. Bekannt ist, dass ParityQC an mehreren Großaufträgen im Quantenbereich beteiligt ist. Brutkasten berichtete zuletzt Ende Juni über einen 35-Millionen-Euro-Deal mit der deutschen Cyberagentur, der Innovationsabteilung des deutschen Verteidigungsministeriums.

Fast 14 Millionen Euro liquide Mittel

Neben den Gewinnen sind auch die liquiden Mittel, die aus dem Bericht hervorgehen, beachtlich. Diese betrugen mit Abschluss 2025 fast 14 Millionen Euro und damit fast 93 Prozent der Bilanzsumme von rund 15 Millionen Euro. Mit rund 12,6 Millionen Euro Eigenkapital kommt ParityQC zudem auf eine Eigenkapitalquote von 83,7 Prozent. Und schließlich: Kapitalrücklagen von 9,49 Millionen Euro, die schon 2024 zu Buche standen, blieben unangetastet.

Eine logische Ableitung aus all den Zahlen: Das Kapital aus der großen (nicht konkret bezifferten) Finanzierungsrunde 2024 – brutkasten berichtete – wurde kaum bis gar nicht gebraucht. Auch das ist für Scaleups im Hightech-Bereich alles andere als üblich.

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