07.07.2025
INSOLVENZ

Hackabu: Wiener Growth-Hacking-Pionier mit bewegter Geschichte muss saniert werden

Hackabu legte nach der Gründung 2017 einen starken Start hin und wechselte dann zwei Mal den Besitzer. Nun wurde ein Sanierungsantrag gestellt.
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Florian Mott ist Geschäftsführer von Hackabu © brutkasten Media
Florian Mott ist Geschäftsführer von Hackabu © brutkasten Media

Nach der Gründung 2017 waren sie regerechte Shooting-Stars in der noch recht jungen österreichischen Startup-Szene: Alexander Meyer und Tamir Israely mit Hackabu. Dabei war das Unternehmen schon damals nicht wirklich ein Startup, sondern eine Agentur. Mit Growth Hacking setzte diese auf einen zu dieser Zeit neuen Trend und konnte schnell Referenzkunden wie A1, ÖBB, die Post oder easybank gewinnen.

Exit weniger als zwei Jahre nach der Gründung

Von Umsätzen sprachen die Gründer damals nur unter der Hand, doch ließen sie keinen Zweifel daran, dass es wirklich gut laufe. Entsprechend kam die Exit-Meldung Ende 2018 – also weniger als zwei Jahre nach der Gründung – eher überraschend. Alexander Meyer behielt damals zunächst noch einen Anteil am Unternehmen. Tamir Israely widmete sich mit dem Spin-out Indelve, das innerhalb von Hackabu gestartet worden war, einem neun Projekt. Neue CEO wurde wenige Wochen nach dem Exit Lorena Skiljan, heute bekannt als Nobile-Gründerin.

Kontroversieller Mehrheitseigentümer bis 2021

Mehrheitseigentümer wiederum wurde im Zuge des Exits eine später auf 360 Innovation Lab GmbH umbenannte Tochter der MyWorld-Gruppe. Das sorgte in der Szene zumindest unter der Hand vielfach für Kritik, war doch MyWorld der neue Name von Lyoness, dessen Geschäftsmodell von Gerichten als verbotenes Schneeballsystem eingestuft worden war, was unter anderem zu rund 400 verlorenen Prozessen geführt hatte.

Erneute Übernahme von Hackabu

Nach dem Verkauf wurde es medial eine Zeit lang eher ruhig um Hackabu – bis 2021 die nächste Übernahme folgte. Gemeinsam mit Partnern kaufte damals Florian Mott das Unternehmen und wurde mit einem Anteil von 30 Prozent auch Geschäftsführer. Auch er war als ehemaliger bwin-Marketing-Chef und Gründer des 3D-Druck-Startups mything in der heimischen Business- und Startup-Welt kein Unbekannter.

Antrag auf Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung gestellt

Heute führt Hackabu auf seiner Website zahlreiche große Namen als Referenzen an, darunter Volkswagen, Uniqa, Verbund, A1 oder die Zürich Versicherung. Dennoch kam es zuletzt zu finanziellen Problemen. Heute brachte Hackabu beim zuständigen Handelsgericht Wien einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung ein. Hierbei ist eine Quote von 30 Prozent zahlbar innerhalb von 24 Monaten vorgesehen.

„Mussten Forderungsausfälle in sechsstelliger Höhe erleiden“

CEO Florian Mott war für brutkasten dazu erreichbar. „Wir haben in den letzten Monaten leider durch Konkurse von Kunden Forderungsausfälle in sechsstelliger Höhe erleiden müssen. Das konnten wir nicht stemmen“, so Mott. Das Geschäft soll nun neben dem Sanierungsverfahren normal weiterlaufen. Der Kundenstamm bleibe vollständig erhalten, betont der CEO. „Der Plan ist nun, durch teilweises Outsourcing die Kosteneffizienz zu erhöhen, denn Fokus auf unsere Core-Dienstleistungen zu legen und auf bereits erfolgreiche Projekte im Bereich Automatisierung/AI aufzubauen“, sagt Mott.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Das Wiener Krypto-Unternehmen Bitpanda erweitert seine Plattformarchitektur. Mit der Einführung des sogenannten Model Context Protocol (MCP) und einer neuen API-Integration (Application Programming Interface) können Anleger:innen künftig externe KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude nutzen, um unter anderem ihre Portfolios per Spracheingabe zu steuern.

Investieren ohne Programmierkenntnisse

Im Kern handelt es sich bei dem MCP laut Bitpanda um ein offenes, standardisiertes Schnittstellenprotokoll, über das kompatible KI-Assistenten Anfragen in natürlicher Sprache verarbeiten und ohne Programmierung direkt mit API-Endpunkten interagieren können. Privatanleger:innen ohne technischen Hintergrund können dadurch in natürlicher Sprache Kontostände abrufen, Positionen im Blick behalten oder Trades vorbereiten, ohne eigenen Code schreiben zu müssen.

Bitpanda selbst bezeichnet diesen Schritt als „nächste strukturelle Entwicklungsstufe finanzieller Schnittstellen“, die sich von passiven Chatbots zu aktiven Werkzeugen wandeln. Für Entwickler:innen steht eine klassische API bereit, um maßgeschneiderte Finanzanwendungen zu programmieren.

Elf Werkzeuge für KI-Assistenten

Konkret stellt der Bitpanda-MCP-Server nach der Verbindung elf native Tools bereit, die sich in drei Kategorien gliedern: Für Markt- und Portfoliodaten stehen unter anderem Funktionen zum Abrufen von Kursen, verfügbaren Assets und der eigenen Portfolio-Historie bereit. Im Bereich Staking und Earn lassen sich zum Beispiel aktive Positionen einsehen sowie Staking- und Unstaking-Vorgänge auslösen.

Sicherheit und Systemlimits

Die Künstliche Intelligenz agiert jedoch nicht autonom. Jeder Systemzugriff erfordert laut Bitpanda einen API-Key mit individuell festgelegten Berechtigungen, sogenannten „Scopes“. Das Trading basiert auf einem Request-for-Quote-Modell (RFQ): Ein Trade muss von der KI zuerst als Preisangebot angefragt und anschließend vom Menschen oder durch vorab definierte Regeln ausdrücklich bestätigt werden.

Dadurch bleiben alle Aktionen innerhalb des regulierten MiCAR-Rahmens der EU, heißt es vom Unternehmen. Christian Trummer, Chief Scientist und Mitgründer von Bitpanda meint: „Agentic Finance kann zu einer zentralen Schnittstelle für Finanzdienstleistungen werden. Wir werden diese Entwicklung in Europa verantwortungsvoll mitgestalten.“

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