18.05.2026
NACH EXIT

„Haben Business super gesund übergeben“: Michael Hurnaus verlässt Tractive

Im März verkündete Tractive den vielleicht größten Exit in der österreichischen Startup-Geschichte an Bending Spoons aus Italien. Nun ist der Deal durch und Gründer Michael Hurnaus kündigt an, sich zurückzuziehen. Wir sprachen mit ihm.
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Tractive
Michael Hurnaus | (c) Tractive.

Wie hoch die Summe genau ist, unterliegt weiterhin Stillschweigen. Doch billig haben Gründer Michael Hurnaus und die anderen Tractive-Anteilseigner das Scaleup beim Exit im März ganz sicher nicht hergegeben. Bereits im Herbst hatte es Gerüchte über einen Verkauf in Milliardenhöhe gegeben, die damals dementiert wurden. Eine wahrscheinliche Größenordnung lässt sich daraus durchaus ableiten.

„Ich bin heilfroh, dass das alles so gut geklappt hat“

Nun ist der Deal endgültig durch, wie Hurnaus heute via LinkedIn bekanntgab. Damit ist die italienische Bending Spoons, deren großflächige Akquise-Strategie nicht unumstritten ist (brutkasten berichtete), offiziell neue Eigentümerin. „Ich bin super happy, dass das Closing über die Bühne ist. Es fühlt sich wie eine sehr lange Zeit an, bis man alle regulatorischen Approvals bekommt. Ich bin heilfroh, dass das alles so gut geklappt hat. Jetzt schauen wir nach vorne“, sagt Hurnaus im Gespräch mit brutkasten.

Bending Spoons nimmt „das Lenkrad in die Hand“

Für ihn und seinen Co-Geschäftsführer Wolfgang Resinger bedeutet der Abschluss auch: Sie verlassen nach einer kurzen Übergangszeit das Unternehmen. Diese Entscheidung trafen die beiden bereits mit der Wahl des Käufers. „Bending Spoons macht das immer so bei Akquisitionen. Sie setzen sich schnell in den Fahrersitz und nehmen selbst das Lenkrad in die Hand. Das ist ein legitimer Ansatz“, erklärt Hurnaus. „Das fühlt sich gut an. Nach 14 Jahren ist vielleicht auch der richtige Zeitpunkt, wo ein neues Leadership Sinn machen kann.“

„Im April hatten wir wieder einen Rekord-Monat“

Die Übergabe werde nun bewusst kurz gehalten. Und der Gründer geht mit einem guten Gefühl. „Wir haben das Business super gesund übergeben. Im April hatten wir wieder einen Rekord-Monat. An uns soll es also nicht scheitern“, so Hurnaus.

Ein halbes Jahr für Familie und Freizeit

Und was will er jetzt machen? Er werde sich selbst zwingen, sich nicht sofort ins nächste Venture zu stürzen, aber er werde seinen Gründergeist nicht ewig zurückhalten können, schreibt er auf LinkedIn. Im Gespräch mit brutkasten stellt er aber klar: „Ich möchte die nächsten sechs Monate meiner Familie und meiner Freizeit widmen – das ist das wichtigste. was danach kommt, müssen wir schauen.“

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Das neue Labor von Sequestra ist weltweit einzigartig. | © sequestra

Es ist wohl eine der großen Fragen unserer Zeit: Wie kann der CO2-Gehalt in der Atmosphäre reduziert werden? Das Wiener Startup sequestra nimmt sich dieses Problems an. In seinem neu eröffneten und weltweit einzigartigen Labor erhebt es, wie viel CO2 in Schlacken, Aschen und Baurestmaterialien gebunden werden kann. Dadurch sollen die technologischen und monetären Nutzungsmöglichkeiten von diesen Materialen bewertet werden können. Kernstück ist die selbst entwickelte Analyseplattform Luma, die durch automatisierte Versuchsabläufe fundierte Daten über die CO2-Bindung und Materialumwandlung liefert.

„Maßnahmen zur CO2-Reduktion, sei es durch Verringerung industrieller Emissionen oder das Entfernen von CO2 aus der Atmosphäre, müssen durch transparente und wissenschaftlich fundierte Methoden belegt werden. Bei sequestra arbeiten wir an audit- und zukunftsfähigen Lösungen, welche das Rückgrat der Messung und Validierung von CO2-Bindung durch Mineralisierung bilden“, erklärt Chief Scientific Officer Matthias Ginterseder.

Ziel ist die globale Marktführung

Zu sequestras Kunden zählen Unternehmen z. B. aus der Stahl-, Zement- oder Bauindustrie. Die Absicht des Greentech-Startups ist klar. Es möchte globaler Marktführer im Feld der Messung und Optimierung von CO2-Mineralisierungsprozessen, also der Bindung von CO2 in z. B. mineralischen Reststoffen, werden. Mittelfristig will sequestra seine Messmethoden und Analysetechnologien zum Industriestandard entwickeln.

Sequestra untersucht wie viel CO2 in diversen Materialien gebunden werden kann. | © sequestra

2027 sollen Anlagen vermarktet werden

„Zurückblickend freuen wir uns sehr, sogar deutlich früher als ursprünglich geplant von unseren ersten Schritten der Technologieentwicklung bis zur Inbetriebnahme des kommerziellen Labors fortgeschritten zu sein“, sagt Roberto Lerche-Antoniazzi, Founder and Co-CEO von sequestra. Das Wiener Startup baut aktuell eine vorindustrielle Anlage am Standort Attnang-Puchheim. Ende 2027 möchte das Greentech-Unternehmen erste industrielle Anlagen zur CO2-Abbindung vermarkten.

Laut eigenen Angaben gehört die Firma zu den am schnellsten wachsenden Greentech-Unternehmen Mitteleuropas. Anfang des Jahres schloss sie eine Seed-Finanzierungsrunde über drei Millionen Euro ab. Überdies wurde sequestra durch die aufeinander aufbauende Förderprogramme der FFG unterstützt.

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