17.10.2025
AUTOMATISIERUNG

Gurkerl: Lager in Wien wird „modernster E-Food-Standort Europas“

Die tschechische Gurkerl-Mutter Rohlik wählt das Lager in Wien-Liesing als Startpunkt für die nächste Automatisierungsoffensive. Zwei neue Systeme wurden nun implementiert.
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Die AutoStore-Technologie wird im Gurkerl-Lager erstmals zur Sortierung der fertigen Bestellungen nach Routen eingesetzt | © Frank Helmrich
Die AutoStore-Technologie wird im Gurkerl-Lager erstmals zur Sortierung der fertigen Bestellungen nach Routen eingesetzt | © Frank Helmrich

Nicht weniger als der „modernste E-Food-Standort Europas“ soll das Gurkerl-Zentrum im 23. Wiener Bezirk Liesing werden, heißt es vom tschechischen Mutterunternehmen Rohlik. Dafür sorgen sollen zwei weitere Automatisierungsschritte, die nun implementiert werden. Damit werde „einer der letzten manuellen Arbeitsschritte in der Lagerlogistik von Gurkerl weitgehend automatisiert“.

Vollautomatische Sortierung und neuer Kommissionierroboter

Konkret werden Bestellungen nun „in höchster Geschwindigkeit“ vollautomatisch nach Lieferroute sortiert und für die Zustellung vorbereitet, heißt es von Gurkerl. Dafür kooperiert die kürzlich geschaffene Rohlik-Tech-Tochter Veloq, die für die Software sorgt, mit dem Hardware-Anbieter AutoStore. Die zweite Neuerung ist ein KI-gestützter Kommissionierroboter des Unternehmens Sereact, der die Kommissionierung deutlich beschleunigen und präzisieren soll.

Neuer robotischer Kommissionierarm von Sereact im Gurkerl-Lager | © Frank Helmrich
Neuer robotischer Kommissionierarm von Sereact im Gurkerl-Lager | © Frank Helmrich

600 kommissionierte Artikel pro Stunde

Damit komme man nun auf eine durchschnittliche Bearbeitungszeit pro Bestellung von 30 Minuten und 94 Prozent „perfekte Lieferungen“ ohne Verspätung, Reklamation oder Ersatzprodukt. 70 Prozent der Bestellungen würden vollständig automatisch abgewickelt, man komme auf 600 kommissionierte Artikel pro Stunde und bis zu 5.000 Auftragspositionen pro Tag pro Kommissionierroboter. Bis Jahresende sollen zudem fünf weitere Kommissionierroboter installiert werden, um künftig bis zu 8.000 Bestellungen täglich abwickeln zu können. Aktuell liefere Gurkerl rund 100.000 Bestellungen pro Monat im Großraum Wien aus.

„Entscheidender Schritt auf dem Weg zur operativen Profitabilität“

Die Neuerungen seien „ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur operativen Profitabilität, die Gurkerl noch im laufenden Jahr erreichen will“, heißt es vom Unternehmen. Insgesamt erhöhe das Unternehmen damit seine Lagerproduktivität deutlich und spare über 100 Stunden manueller Arbeit pro Tag.

Auch Kund:innen sollen profitieren

Profitieren sollen von der Effizienzsteigerung aber nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Kund:innen. Die Automatisierungsoffensive bringe eine höhere Warenverfügbarkeit, schnellere Auftragsabwicklung und langfristig kürzere Lieferzeiten, heißt es von Gurkerl. Gleichzeitig sinke die Fehlerquote auf ein Minimum – „Bestellungen werden vollständig, pünktlich und ohne Ersatzprodukte zugestellt“, so das Versprechen.

Rohlik-Tochter Veloq und Partner AutoStore mit gemeinsamen Angebot für andere Player

Mit den Neuerungen am Standort Wien fällt auch der Startschuss für einen neuen Geschäftszweig von Rohlik. Die Software-Tochter Veloq will mit Hardware-Partner AutoStore gemeinsam künftig auch andere E-Food-Player mit der kombinierten Lösung versorgen. „Der Wiener Standort markiert dabei den Beginn einer neuen Generation leistungsstarker E-Food-Logistikzentren, die künftig international in Partnerschaft mit AutoStore entstehen sollen“, heißt es von Gurkerl.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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