13.06.2024
GRÜNDERPAARE

Gründerschaft mit Liebe: Paare und ihr Weg zum gemeinsamen Startup

Wenn ein Paar ein Business betreibt, ist das Chaos programmiert, oder? Zwei Gründerpaare verraten, warum Liebe, Ehe, Familie und Gründung funktionieren können, wann man die Finger davon lassen sollte und welche Vorteile man als Gründerpaar genießt.
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Gründen als Paar, Gründerpaare,
(c) DevCraft/ Lanbiotic - (v.l.) Carola und Clemens Helm von DevCraft sowie Katrin Susanna Wallner und Patrick Hart von Lanbiotic.

*Dieser Artikel erschien zuerst in der neuen Ausgabe unseres Printmagazins. Eine Downloadmöglichkeit findet sich am Ende des Artikels.


Wie jeden Tag klingelt ihr Wecker um sechs Uhr morgens. Doch ihr Gehirn stellt nicht auf Autopilot: Ihr Beruf ist ihr Hobby. Während Mama den drei Schützlingen die letzten Brösel ihres morgendlichen Müslis von den Wangen wäscht, steht Papa unter der kalten Dusche und denkt nach. Nicht gezwungenermaßen – er muss morgens nicht brainstormen, er will. Die Wassertropfen fallen aus dem Duschkopf. Sie sind nicht warm, viel eher wie kalte Schneeflocken auf der Haut.

Und da ist er, der erste Shower Thought: „Wir expandieren jetzt nach Deutschland – und ich weiß auch, wie!“, ruft Patrick Hart seiner Partnerin und Mutter der gemeinsamen Kinder zu. Alle vier nicken, während sie Zahnpasta mit Minz-Menthol-Geschmack auf drei kleine Zahnbürsten drücken.

Shower Thoughts, Meetings und Brainstorming-Sessions

Morgendliche Szenarien wie diese sind für das Gründerpaar Wallner-Hart keine Seltenheit. Shower Thoughts, Meetings beim Zähneputzen oder Brainstorming-Sessions, wenn die Kinder schlafen: All das machen Katrin Susanna Wallner und Patrick Hart nicht, weil sie müssen, sondern weil sie einer ganz bestimmten Person helfen wollen.

Nämlich ihrem ältesten Sohn: Dieser litt an Neurodermitis. Er war blutig, offen, seine zarten Kinderhände juckten und brannten. Die chronische Hauterkrankung und das Leiden ihres Sohnes inspirierten das Elternpaar dazu, eine Lösung zu finden. Neurodermitis tritt meist bei Kindern und vorwiegend in Schüben auf, oft bessert sie sich mit zunehmendem Alter – oft bleibt sie aber auch ein Leben lang.

So haben die Medizinerin Wallner und der Soziologe Hart ihr bereits zweites Startup Lanbiotic im Jahr 2022 gegründet. Und zwar nicht nur, weil sie ein Paar sind, sondern weil sie es können: Ihre Skills ergänzen sich, und sie wissen: Mit ihrem Startup helfen sie einem jener Menschen, die ihnen am allerwichtigsten sind.

„Unser Sohn wollte wegen seiner Neurodermitis nicht mehr in die Schule gehen. Ich glaube, ich spreche vielen Eltern in ähnlichen Situationen aus der Seele: Wir waren verzweifelt und wollten nichts mehr, als ihm zu helfen“, so Hart. Auch er litt jeden Winter unter offenen, brennenden Stellen an seinen Händen.

„Ich habe viel wissenschaftlich recherchiert und bin dabei auf Probiotika gestoßen. Diese kennt man klassisch als zu schluckendes Arzneimittel für den Darm. Man kann sie aber auch topisch, also auf der Haut, anwenden. Und das ist auch durch vielversprechende wissenschaftliche Ergebnisse fundiert“, erzählt Wallner über ihren Rechercheprozess.

Dieser startete im Corona-Lockdown – mit einer fünfköpfigen Familie im Gepäck: „Wir hatten ein Baby, ein Kleinkind und einen fünfjährigen Sohn. Wir haben versucht, unser erstes Unternehmen weiterzuführen, weil das auch unsere Existenzgrundlage war. Aber mich hat es nicht mehr losgelassen. Ich habe Tag und Nacht Studien gelesen, was es für ein riesiges Potenzial gibt, das bislang noch nicht genutzt wurde.“

Technisch gesehen macht Lanbiotic nämlich das äußerlich, was viele in Form von Darmprobiotika innerlich kennen: die Anwendung lebensfähiger probiotischer Bakterien.

Gründe nicht aus Beziehungsgründen!

Kennengelernt haben sich Katrin und Patrick bereits im Debattierklub zu Uni-Zeiten: „Ich hab mich relativ schnell in die Katrin verschaut“, erinnert sich Co-Founder Hart heute. Sein erstes Startup gründete das Paar 2017 – aus einem universitären Forschungsverein, heute die Interdisziplinäre Gesellschaft für Sozialtechnologie und Forschung (IGSF), die sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis um empirische Forschungsmethoden kümmert. Die IGSF läuft nach wie vor weiter.

Gemeinsam gegründet haben Katrin und Patrick allerdings nicht aus „Ehe-Gründen“, sondern weil es „wie die Faust aufs Auge passt“. Nach ersten Forschungsarbeiten der Medizinerin stieg auch der studierte Soziologe Hart in das Lanbiotic-Geschäft ein. Er befasste sich mit Online-Vertrieb und Strategie – und „wurde immer wichtiger, je näher wir an den Markt kamen.“

„Viele denken, es ist absolut absurd, sich als Jungfamilie selbstständig zu machen und in einem finanziellen Boot zu sitzen. Aber schon bei unserer ersten Gründung hatten wir das Gefühl, dass sich die Selbstständigkeit leichter in ein Familienleben integrieren lässt. In unseren Nine-to-five-Jobs war das schwieriger“, erzählt Mama Wallner und zwinkert: „Jetzt ist es nicht so schlimm, wenn mich die Kinder in der Nacht mal aufwecken. Dann kann ich auch gleich ein paar Ideen notieren.“

Eine Trennung zwischen Beruf und Familie ist mit Kindern und Startup zu Hause schwer möglich; das stört Familie Wallner-Hart aber nicht: „Ich glaube, ich spreche vielen Gründer
aus der Seele, wenn ich sage: Ein Startup ist ein Herzensprojekt. Seit wir selbstständig sind, haben wir keinen Tag mehr das Gefühl, dass wir arbeiten.“

Ein Privileg und eine Traumvorstellung – sowohl für Nine-to-five-Arbeitende als auch für Familienväter und -mütter, die sich wünschen, mehr Zeit für ihre Schützlinge und mehr Energie für ihren Job zu haben.

Ruhephasen und Beziehungsfähigkeit

Ruhephasen sind auch im Familien-Business kein Tabu: Wenn sich ein Partner regenerieren muss, so wird diese Grenze akzeptiert. Erstaunt ist Co-Founderin Wallner viel eher darüber, wie „wenig Ungleichheiten es bei unserem Bedürfnis nach Ruhephasen gibt. Oft sitzen wir abends da und schmieden Pläne. Es fühlt sich an, als hätten wir ein gemeinsames Hobby.“

Hart ergänzt lachend: „Oder dass wir beide auf die gleiche Weise verrückt sind!“ Denn als Entrepreneur „steht man hinter seinem Business und macht keine halben Sachen. Als Gründer
jeden Tag um 17 Uhr Schluss zu machen ist definitiv der falsche Ansatz.“

Wallner und Hart stellen implizit in Zweifel, wie gut Beziehungen zwischen Gründer
und Nichtgründer laufen können: „Ich sehe es als großen Vorteil, dass wir ein Paar sind, denn die besten Ideen kommen einem nicht, wenn man im Büro sitzt; sie kommen beim Duschen, Spazierengehen, Sporteln oder Fernsehen. Als Gründer brauchst du eine spezielle Persönlichkeit, und ich bin froh, dass wir sie beide haben.“

Froh ist das Gründerpaar auch über sein Konfliktmanagement. Längerfristige Debatten könne man sich in „Startup-Kind-Familien“ nicht leisten. „Wir sind ja Menschen und haben Gefühle – eine strikte Trennung von Privatem und Beruflichem geht da nicht. Es wird immer einen Einfluss aufeinander haben. Deshalb ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und versuchen, zu funktionieren. Durch unser Unternehmen haben wir einen zusätzlichen Anreiz, miteinander gut auszukommen; gemeinsam haben wir Strategien gefunden, wie wir Konflikte direkt lösen.“ Mit daran beteiligt ist, dass sich das Paar nicht immer 24/7 sieht, sondern auch von verschiedenen Orten aus arbeitet; aber „immer an derselben Vision“.

So stehen Investoren zur Ehe

Viel diskutiert wird die Gründer-Paar-Thematik häufig auch bei Investor:innen: Häufig werfen Ehe und Gründung in Kombination ein negatives Licht auf ein Startup. Gründerin Wallner kontert aus Erfahrung: „Kritisch gesehen wird das Gründen als Paar häufig dann, wenn man nur gemeinsam gründet, weil man ein Paar ist – und man nicht an den Skills sieht, dass sich das Gründerpaar komplementiert.“

Hart ergänzt: „Ist die Partnerschaft der Grund, warum der Ehepartner einsteigt, oder ist sie ein Zusatz? Das ist für Investoren ein großes Kriterium. Wenn nur die Ehe der Grund der Kooperation ist, dann ist das Ganze problematisch.“

Bei bisherigen Pitches habe sich das Gründerduo stark auf sein Kompetenzprofil konzentriert – und die Beziehung nicht verheimlicht: „Unsere Fähigkeiten ergänzen sich, und die persönliche Geschichte unseres Sohns ist ja der Grund, warum wir gegründet haben. Ich habe das Projekt alleine gestartet, ich hätte mir aber theoretisch auch jemand anderen suchen können. Aber ich hätte es mit keinem lieber gemacht als mit dir!“, lächelt Wallner ihrem Mann zu.

In Zukunft will das Gründerduo sein Produktportfolio diversifizieren. Aktuell sind zwei Erzeugnisse von Lanbiotic zur medizinischen Pflege von Neurodermitis-geplagter Haut erhältlich – marktreif war Lanbiotic im November des Vorjahrs. „Mittlerweile sind wir auch in Deutschland tätig und haben Vertriebsanfragen aus anderen Ländern“, erzählt Wallner. Den Proof of Market hat sich Lanbiotic schon geholt; Cashflow ist vorhanden. „Jetzt habe ich endlich wieder einen ruhigen Schlaf“, lacht Mama Wallner.

Lehren einer Startup-Ehe

Beruhigt schlafen können Wallner, Hart und ihre Kinder allerdings nicht nur dank des Proof of Market und der klinisch erwiesenen Wirkung ihrer probiotischen Creme, sondern auch dank des harmonievollen Umgangs als Unternehmerfamilie. Dass das Gründen als Elternpaar funktionieren kann, zeigen die Wallner-Harts nicht nur mit gegenseitigem Verständnis, Arbeitsteilung und Resilienz, sondern auch durch ihre Skill-Kompatibilität.

Wenn uns das Paar Wallner-Hart eines lehrt, dann ist es also Folgendes: Gründen aus Motiven der Ehe-Räson heraus ist der falsche Ansatz. Private und berufliche Konflikte lassen sich gemeinsam und effizient lösen – und Arbeiten kann sich durchaus wie „ein supercooles Hobby“ anfühlen und den Kindern ein leichteres und gesünderes Leben bescheren.

„Entrepreneurship weit weg“

Ähnlich geht es auch dem nächsten Beispiel von Gründerpaaren: Carola und Clemens Helm haben im Mai 2023 ihr Jungunternehmen DevCraft Academy gelauncht, mit dem Ziel, Junior-Software-Entwicklerauf das Senior-Developer-Level zu heben. Sie befinden sich seit acht Jahren im Bund der Ehe, vor der Hochzeit lebten sie bereits fünf Jahre als Paar. Aus ihrer Verbindung sind zwei Kinder entsprungen, die heute sechs und zehn Jahre alt sind.

Clemens war vor DevCraft bereits selbstständig und Co-Founder des Wiener Fintechs ChillBill, danach als CTO bei Medbee, einem Health-Tech, und in verschiedenen Projekten als Freelancer tätig. Für Carola waren die Startup-Welt und Entrepreneurship damals etwas, das „weit weg“ war; anfänglich noch unsicher, reifte jedoch ihre persönliche Entwicklung und es wuchs in ihr der Wunsch nach Selbstständigkeit, wie sie erzählt. „Eines Tages kam ich von einer Veranstaltung für Frauen heim und wusste: Ich möchte mich selbstständig machen“, erinnert sie sich. „Ich fragte Clemens, ob wir etwas gemeinsam angehen. So sind wir in den Prozess hineingefallen.“

Die „Schnapspartie“

Für die heutige Gründerin und ihren Ehemann war die Aufteilung des Alltags vor dem gemeinsamen Einstieg ins Startup-Wesen eine rationale Entscheidung. Wie bei vielen Paaren hatte sich der Wunsch nach zwei Kindern entfaltet und das „Ausschnapsen“ von Rollen rückte in den Fokus der beiden: Man musste bestimmen, wer mehr arbeitet und wer bei den Kindern bleibt. Die Aufgabe der Kinderbetreuung fiel am Ende auf Carola.

„Es war schlussendlich eine unbefriedigende Lösung“, sagt sie. „Ich wollte nie ‚nur‘ Mutter sein. Ich will niemanden verurteilen, aber ich habe mich nicht wohlgefühlt. In mir gab es immer das Gefühl, eigenes Geld verdienen und nicht abhängig sein zu wollen. Dieser Drang ist ganz stark geworden und die Selbstzweifel, die ich vorher hatte, haben sich aufgelöst.“

Die Entscheidung, wer sich mehr den Kindern widmet, unterlag bei beiden Foundern vor allem einer Prämisse: dem Thema Geld. „Es gab eine gewisse Schieflage in der Familie: Ich habe viel verdient und Carola deutlich weniger“, sagt Clemens. „Man muss in so einer Situation klären, was für alle fair ist, was der Beruf wert ist; muss auch spätere Pensionsansprüche bedenken. Und man muss ehrlich sein und sich fragen: Was ist, wenn es später einmal auseinandergeht? Auch, wenn man nicht an so etwas denken möchte.“

Carola weckte zu diesem Zeitpunkt das Bewusstsein in Clemens, dass Frauen in Partnerschaften viel Risiko eingehen. Deshalb nahmen sich beide Carolas Sorgen zur Brust und setzten sich mit dem Thema auseinander.

„Deswegen haben wir dann gegründet“, so Clemens weiter. „Mit einem Unternehmen ist es finanziell am fairsten. Wir arbeiten beide gleich viel, sind beide Geschäftsführer, besitzen beide gleich viele Anteile an der Firma und beziehen das gleiche Gehalt. Auch wenn hin und wieder eine Person mehr für die Familie, die andere mehr für das Startup abgestellt ist: Wir haben einfach gleiche Bedingungen hergestellt.“

Einbindung als Erfolgsformel

Ein wichtiger Punkt bei diesem Arrangement ist es, die Kinder einzubinden. Die beiden Nachkommen haben seit dem Gang beider Eltern ins Unternehmertum mitbekommen, dass Carola und Clemens mehr arbeiten als davor – und zeigen dafür Verständnis, wenn mal ein Meeting ansteht oder plötzlich Arbeit anfällt. „Auf der anderen Seite sind wir zu Hause präsent und nicht weg“, sagt Carola. „Es ist eine Herausforderung, vor allem, wenn ein Kind krank ist, aber es ist zu schaffen.“

Dass es funktioniert, liege vor allem daran, so Clemens, dass konkrete Tasks weiterhin aufgeteilt sind. Es blieb zwar dabei, dass Carola noch immer etwas mehr an Kinderbetreuung leistet, aber der Gang zum Kindergarten, verschiedene Veranstaltungen schulischer Natur, das Abholen – all das ist klar eingeteilt. „Es ist wichtig, eine Balance zu finden, die für beide passt“, sagt der Founder.

„Steig doch aus, Frau!“

Wie erwähnt, ist es bei dieser Thematik so, dass für viele Investoren gründende Paare bzw. Eheleute ein rotes Tuch sind. Es gibt medial zahlreiche Beispiele, in denen Kapitalgeber schonungslos erklären, dass sie nicht in Personen investieren, die eine Liebesbeziehung pflegen – man habe schlechte Erfahrungen damit gemacht. Die Startup-Plattform Business Insider nannte im Jänner 2019 einen Fall, in dem ein Financier sogar eine Gründerin aufforderte, aus ihrem Startup auszusteigen, damit er investiert.

Zwar mag hier auch eine gewisse Misogynie eine Rolle spielen, doch aus den meisten Beispielen lässt sich eine irrationale Sorge der Kapitalgeber:innen herauslesen: Was, wenn es kracht und sich das Paar trennt? Abgesehen davon, dass auch Founder:innen ohne amouröse Anziehung in unüberwindbaren Zwistigkeiten auseinandergehen können, entgehen solch kurzsichtiger Argumentation wesentliche Punkte, die eine „Gründerschaft mit Liebe“ mit sich bringt.

Wie Clemens sagt: „Als Paar ist es für mich einfacher. Man kennt sich jahrelang und kann auf einer persönlichen Ebene einschätzen, ob man das (Anm.: die Gründung) gemeinsam durchziehen möchte. Bei anderen Partnern ist die persönliche Ebene ein Risikofaktor. Ich selbst habe das Gefühl, dass wir durch die berufliche Verbandelung noch besser miteinander kommunizieren können, weil man mehr an Lösungen interessiert ist.“

Das Streit-Problem

In diesem Sinne hat das VC-Magazin im Februar 2023 berichtet, dass Streitigkeiten im Gründerteam mit 65 Prozent das höchste Risiko für den Bestand eines Startups darstellen. Wenn man sich hier die Ursachen für Streit näher ansieht, so könnte man gar argumentieren, dass Personen mit einer innigen Beziehung zueinander Vorteile beim Gründen haben.

Im Bericht des deutschen Schwestermagazins von brutkasten werden nämlich der Psychologe Howard Markman und die Therapeutin Esther Perel zitiert, die Gründe für Zwist in drei Gruppen unterteilen: „Erstens geht es um Macht und Kontrolle – wer hat das Sagen in Fragen rund um Geld, Mitarbeitende oder Zukunftspläne? Zweitens liegt die Ursache oft in der Fürsorge und dem Vertrauen. Vertrauen ist die Grundlage für eine funktionierende Beziehung“, heißt es darin.

Und weiter: „Drittens geht es um Respekt und Anerkennung. Jahrelang haben beide Gründer Überstunden gemacht, jetzt wird nur einer von beiden in der Presse erwähnt, zu Podiumsdiskussionen oder auf Konferenzen eingeladen oder in einen Beirat berufen. Das führt dazu, dass der andere Gründer sich fragt: Bin ich und meine Arbeit wichtig?“

Zudem arbeitet ein Artikel-Abschnitt, der Lösungen für Konflikte thematisiert, einen bemerkenswerten Tipp heraus.

Dort heißt es: „Wenige Gründerteams setzen sich präventiv mit der Frage auseinander, wie sie im Konfliktfall miteinander umgehen wollen. In Beteiligungsverträgen sind meist nur Leaver-Klauseln enthalten, die der Gesellschafter ziehen kann. Wie ein guter Ehevertrag sollte auch ein Gründungsvertrag in guten Zeiten geschrieben werden.“

Im Gegensatz dazu warnte der Cleverly-Founder Fredrik Harkort, der das Edutech mit seiner Frau Julia gegründet hat, davor, als Paar zu gründen, wenn die Beziehung nicht auf einer soliden Basis beruht. Dies tat er im GQ-Magazin im März 2023, wo er weiters betont, dass man als Paar ein paar gemeinsame Jahre gemeistert haben sollte, „die nicht nur einfach waren, sondern in denen es auch miteinander bestandene Belastungsproben gab“. Das erhöhe die Chance, auch beim gemeinsamen Unternehmen zusammenzuhalten, wenn es einmal schwierig werden sollte.

Außerdem hätten er und seine Frau „ein blindes Verständnis füreinander“ entwickelt: „Das ist wie bei einem Fußballteam, bei dem sich die Spieler blind Pässe zuspielen können, weil sie genau wissen, wo der andere sich hinter ihrem Rücken gerade bewegt“, so sein Beispiel.

Die zwei Welten des Alltags

Im Gegensatz zu Patrick Hart und Katrin Susanna Wallner sehen die Helms Privates und Entrepreneurship als zwei unterschiedliche Welten. „Als Familie ist vieles sehr emotional, man muss stark auf Kinder eingehen, die noch nicht rational denken“, sagt Carola. „In Unternehmen hat Emotion wenig Platz. Da geht es mehr um strategische Vernunft und Zahlen. Da sind die Diskussionen anders.“

Meinungsverschiedenheiten setze man einen extrem strukturierten Tagesablauf entgegen. „Kinder wecken, Schule und Kindergarten – es ist immer der gleiche Ablauf, der nicht emotional ist“, ergänzt Clemens. „Da gibt es wenig Abweichung, und danach startet der Beruf. Abends ist die Zeit für ‚emotionale Themen‘. Von dieser Situation aus gibt es keinen Übergang ins Unternehmertum. Wir haben einen Routine-Modus entwickelt.“

Auch die berühmte Frage nach dem „Abschalten vom Beruf“ stellt sich bei dem Gründerpaar nicht. Wo andere versuchen, den Job im Büro zu lassen, ist es bei den Helms anders, weil ihnen die Firma gehört. „Das Interesse an Arbeitsthemen ist da“, sagt Carola. „Wir haben kein Problem damit, darüber auch mal später zu reden.“

Oder wie Clemens betont und damit das Hauptargument für gründende Paare liefert: „Wenn die Kinder im Bett sind, erledigen wir gewisse Dinge; drehen Videos und dergleichen. Das ist nicht belastend, weil wir all diese Sachen sehr gerne machen.“

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Biogena, Börse, Aktien
Albert Schmidbauer, Gründer und CEO von Biogena | (c) Biogena.

Biogena-Gründer Albert Schmidbauer setzte sich jüngst gegen das Ende der Sachbezugsbefreiung für E-Dienstwagen ein – brutkasten berichtete. Nun beschleunigt der Salzburger Mikronährstoff-Hersteller seinen Weg in Richtung Kapitalmarkt. Über die Biogena Good Vibes AG läuft derzeit eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit einem geplanten Volumen von bis zu 25 Millionen Euro.

Biogena und die Unternehmensbewertung

Der Ausgabepreis für neue Aktien liegt bei 4,803 Euro. Insgesamt sollen rund vier bis fünf Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Die Gesellschaft positioniert die Maßnahme als zentralen Baustein ihrer langfristigen Kapitalmarktstrategie und bereitet parallel die Handelbarkeit im Direct Market Plus der Wiener Börse vor. Im Zuge der Kapitalmaßnahme rückt auch die Unternehmensbewertung stärker in den Fokus und soll bei rund 475 Millionen Euro liegen.

„Die im Prospekt genannte Bewertung basiert nicht auf einer losgelösten Marketingannahme, sondern auf einer internen Unternehmensbewertung nach den Grundsätzen des Fachgutachtens KFS/BW“ (Anm.: zentrales Fachgutachten des Fachsenats für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen – KSW – zur Unternehmensbewertung in Österreich), erklärt Schmidbauer. „Zusätzlich wurde diese Bewertung mit branchenspezifischen Transaktionsdaten für Nahrungsergänzungsmittel in Österreich und Deutschland plausibilisiert. Wichtig ist die genaue Einordnung: Der Angebotspreis beträgt 4,803 Euro je Aktie. Auf dieser Basis wird die Emittentin aktuell mit rund 450 Mio. Euro bewertet. Die oft genannten rund 470 bis 475 Mio. Euro lassen sich wirtschaftlich als Größenordnung nach vollständiger Kapitalerhöhung erklären: 450 Mio. Euro bestehende Bewertung plus bis zu 25 Mio. Euro Bruttoemission ergibt rund 475 Mio. Euro.“

Bewertungsfaktoren

Die Bewertung stützt sich aus Sicht von Schmidbauer auf mehrere Faktoren: Biogena erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von rund 124,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag bei rund 19,1 Mio. Euro, was einer EBITDA-Marge von etwa 15,3 Prozent entspricht. In der bereinigten Pro-Forma-Betrachtung steigt das EBITDA auf rund 19,8 Mio. Euro, die Marge liegt dann bei rund 15,9 Prozent.

„Dazu kommt eine sehr starke Substanz. Das im Konzernabschluss ausgewiesene Eigenkapital beträgt (laut Prospekt) rund 298,9 Mio. Euro. Das ist für die Kapitalmarkteinordnung wesentlich, weil Biogena nicht nur über Wachstumsfantasie, sondern auch über eine bereits erhebliche Eigenkapitalbasis verfügt“, so Schmidbauer weiter. „Ein weiterer entscheidender Bewertungsfaktor ist die bereits vorhandene Skalierungsfähigkeit. Die bestehenden Fertigungskapazitäten in Koppl und am neuen Spezialproduktionsstandort Liefering reichen bereits für rund 500 Mio. Euro Umsatz. Die Anlage ist aktuell zu weniger als 25 % ausgelastet. Das heißt: Ein wesentlicher Teil der industriellen Basis für das geplante Wachstum ist bereits vorhanden und muss nicht erst vollständig neu aufgebaut werden.“

Somit erklärte sich die Bewertung – zusammenfassend gesagt – aus dem Zusammenspiel von „heutiger Ertragskraft, hoher Eigenkapitalbasis, bestehender Produktionskapazität für rund 500 Mio. Euro Umsatz und einer klaren Wachstumsplanung“.

In anderen Worten: Der Konzernumsatz von Biogena soll von 156,65 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 502,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2029/2030 steigen. Diese Zahlen sind ausdrücklich Planwerte des Managements, keine Garantie und keine bindende Prognose, wie Schmidbauer betont.

E-Commerce und D2C

Die Planung verteilt sich im Kern auf folgende steuerbare Wachstumskanäle: E-Commerce und D2C: E-Commerce soll laut Prospekt von 96,4 Mio. Euro Umsatz 2025/2026 auf 233,2 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Getragen werden soll das durch Performance-Marketing, CRM, Subscription-Modelle, höhere Wiederkaufraten und eine stärkere Fokussierung auf Deutschland.

„Das ist ein zentraler Punkt: Biogena will nicht nur über Handel wachsen, sondern über die direkte Kundenbeziehung. Über 70 % der Umsätze werden bereits heute über das Web abgewickelt, und Biogena zählt laut Prospekt rund 1 Mio. Kundinnen und Kunden aus 70 Ländern sowie mehr als 500.000 registrierte Nutzer im Biogena Club“, präzisiert Schmidbauer.

Biogena mit Apothekenkanal

Zudem soll der neu aufzubauende Apothekenkanal in der DACH-Region laut Planung bis 2029/2030 einen Umsatzbeitrag von 163,3 Mio. Euro leisten, davon 129,0 Mio. Euro in Deutschland. „Das ist strategisch wichtig, weil Biogena damit neben dem starken D2C-Geschäft einen zweiten großen Skalierungskanal aufbaut: Apotheken schaffen Reichweite, Vertrauen und Zugang zu gesundheitsbewussten Kunden“, so der Founder weiter.

Außerdem sollen Stores, Labs und Plaza-Konzepte laut Prospekt von 37,2 Mio. Euro 2025/2026 auf 86,5 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Sie werden von Biogena als Beratungs-, Erlebnis- und Vertrauenszentren verstanden und mit Diagnostik-, Biohacking- und Longevity-Angeboten verbunden. „Hier liegt der Unterschied zu reinen Online-Supplement-Marken: Biogena baut physische Orte, an denen Gesundheit messbar, beratbar und erlebbar wird.“

Deutschland als wichtigster Markt

Deutschland bleibt dabei der wichtigste Wachstumsmarkt. Der Umsatz dort soll von 58 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 335,5 Mio. Euro bis 2029/2030 steigen. Nach der Planung des Managements soll der Marktanteil in Deutschland von derzeit rund 0,7 Prozent auf etwa drei Prozent ebenfalls wachsen.

Dieses Wachstumspotenzial ergibt sich auch aus der noch vergleichsweise geringen Markenbekanntheit, wie Schmidbauer beschreibt. Während der gestützte Bekanntheitsgrad in Österreich bei 42 Prozent liege, betrage er in Deutschland erst acht Prozent. Der deutsche Markt sei damit nicht nur größer, sondern biete auch beim Markenaufbau noch deutliches Potenzial.

Wie Schmidbauer erklärt, ist Biogenas Internationalisierung somit vor allem über diesen Markt konkretisiert. Dazu kommen bestehende internationale Grundlagen: Die bereits erwähnten Kunden aus 70 Ländern, D2C als zweiter großer Hebel und die starke Web-Abwicklung, was den Umsatz betrifft.

Biogena als Health-Ökosystem mit starker Vertikalisierung

„Das zeigt, dass Biogena schon heute eine direkte Kundenbeziehung hat und nicht ausschließlich vom stationären Handel abhängig ist. Digitale Gesundheitsservices sind der strategische Differenzierungshebel. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen unter anderem in Webshop 3.0 bzw. World of Biogena, Wellbeing Checks & Longevity-Systemlösungen, Biogena ONE, E-Commerce-Marketing Deutschland sowie den weiteren Ausbau der Plaza-Konzepte fließen“, sagt Schmidbauer. „Damit wird deutlich: Biogena verkauft nicht nur Nahrungsergänzungsmittel. Das Modell entwickelt sich in Richtung eines integrierten Health-Ökosystems aus Produkt, Diagnostik, Beratung, Biohacking, digitalen Services, Club-Modell und stationärer Erlebniswelt.“

Zwischen Consumer Health, Supplement Brand und Longevity-Plattform

Zur Frage der Positionierung zur Konkurrenz meint Schmidbauer, dass Biogena im Vergleich zu vielen Consumer-Health-Unternehmen stärker vertikal integriert sei. „Die Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt selbst“, erklärt er. „Gleichzeitig verfügt sie über ein eigenes Wissenschafts- und Entwicklungsteam mit rund 20 akademischen Expertinnen und Experten sowie über mehr als 729 geschützte Marken, vor allem in der Europäischen Union.“

Im Vergleich zu jungen Longevity- oder Supplement-Startups habe Biogena bereits eine „substanzielle Umsatzbasis“, ein positives hohes EBITDA, eine starke Eigenkapitalbasis, eigene Produktionskapazitäten, rund 30.000 Partnerärzte und Therapeuten im B2B-Bereich sowie eine große B2C-Kundenbasis, zieht Schmidbauer sein Fazit: „Biogena steht zwischen klassischem Consumer Health, Premium Supplement Brand und moderner Longevity-Plattform. Der Unterschied liegt in der Kombination aus Wissenschaft, eigener Produktion, direkter Kundenbeziehung, ärztlichem Partnernetzwerk, digitalen Gesundheitsservices. Und physischen Gesundheitsorten.“

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