Gropyus: Weitere 100 Mio. Euro Investment für Wiener Scaleup
Das Wiener Scaleup Gropyus holt sich laut dem deutschen Handelsblatt zum dritten Mal eine 100-Millionen-Euro-Kapitalspritze. Profitabel will man spätestens 2028 werden.
Alle guten Dinge sind drei, lautet der altbekannte Spruch. Beim Wiener Scaleup Gropyus dürfte dieser nun auf 100 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunden zutreffen. Bereits 2023 schloss die Wiener AG rund um Delivery-Hero-Mitgründer Markus Fuhrmann erstmals eine Kapitalrunde in dieser Höhe ab, 2024 folgte eine weitere. Bei einer jetzt erfolgten Finanzierungsrunde wurde der investierte Betrag zwar offiziell nicht genannt, das deutsche Handelsblatt berichtet aber mit Bezug auf nicht konkret genannte ihm vorliegende Informationen von einem Volumen von abermals 100 Millionen Euro. Es ist die bislang mit Abstand größte Finanzierungsrunde in Österreich in diesem Jahr.
Diesmal kommt das Kapital laut Handelsblatt-Bericht neben Bestandsinvestor Vonovia – Deutschlands größtem Wohnungskonzern-, auch von Bestandsinvestor Semapa Next, dem Venture-Arm der portugiesischen Semapa Group. Mit einem Investment von 35 Millionen Euro in der aktuellen Runde wird das Semapa Group zum zweitgrößten Investor nach Vonovia. Neu hinzu kommt zudem der Pensionsfonds des US-Bundesstaats Michigan.
Zahlreiche Großaufträge mit Häusern vom Fließband
Gropyus baut Holz-Hybrid-Gebäude am Fließband – hochautomatisiert und entsprechend schnell. In den vergangenen Jahren konnten so schon eine ganze Reihe von Großprojekten umgesetzt werden – brutkasten berichtete etwa vergangenes Jahr von einem Projekt mit 158 Wohneinheiten in Berlin. Auftraggeber war, wie schon bei Projekten zuvor, die Vonovia-Tochter Buwog. Die Fertigungsanlage dafür wurde in Kooperation mit dem deutschen Konzern Kuka im baden-württembergischen (Deutschland) Richen errichtet, wie brutkasten berichtete.
In die Anlage floss laut Unternehmen damals bereits initial ein achtstelliger Betrag aus dem Gropyus-Budget. Doch der Kapitalbedarf bleibt hoch. Das nun aufgenommene Geld soll laut Handelsblatt-Bericht in den Ausbau der digitalen und automatisierten Planungs- und Bauprozesse und die technologische Weiterentwicklung fließen. „Wir wollen uns im Moment darauf konzentrieren, das Gesamtsystem zu perfektionieren, um unsere Produktionskapazitäten langsam hochfahren zu können“, wird Co-Founder Philipp Erler zitiert.
Laut Plan bis spätestens 2028 profitabel
Denn aktuell laufe die Fertigung noch im Einschichtbetrieb, mittelfristig soll aber auf drei Schichten aufgestockt werden. Dass man die Produktionskapazitäten zeitnah auf Vollauslastung hochfahren wolle, wurde bereits anlässlich der Kapitalrunde 2024 kommuniziert. Mittlerweile sind zahlreiche Großaufträge dazugekommen. Profitabel ist Gropyus aber noch nicht. Das soll laut Handelsblatt-Bericht „im Idealfall 2027, spätestens 2028“ der Fall sein.
Keiner gründet allein: Das Geheimnis hinter der Startup-Nation Estland
Estland hat mit einer Einwohnerzahl von 1,3 Millionen bereits zehn Unicorns hervorgebracht, was das Land zu einem europäischen Spitzenreiter bei den Unicorns pro Kopf macht. Estland setzt schon lange auf Digitalisierung und effiziente Unternehmensgründung. Doch es gibt noch andere, wichtige Erfolgsfaktoren im Startup-Ökosystem: Community, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe. Brutkasten war vor Ort, um sich selbst ein Bild davon zu machen.
Keiner gründet allein: Das Geheimnis hinter der Startup-Nation Estland
Estland hat mit einer Einwohnerzahl von 1,3 Millionen bereits zehn Unicorns hervorgebracht, was das Land zu einem europäischen Spitzenreiter bei den Unicorns pro Kopf macht. Estland setzt schon lange auf Digitalisierung und effiziente Unternehmensgründung. Doch es gibt noch andere, wichtige Erfolgsfaktoren im Startup-Ökosystem: Community, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe. Brutkasten war vor Ort, um sich selbst ein Bild davon zu machen.
Estlands Startup-Ökosystem setzt auf Netzwerk und Unterstützung. (c) Hannah Fasching
Dieser Beitrag ist im Rahmen von „eurotours 2026“ entstanden, einem Projekt des Bundeskanzleramtes, finanziert aus Bundesmitteln.
Im Krulli-Viertel, etwas außerhalb von Tallinns Innenstadt, stand früher ein Stahlwerk. Rund um die Altstadt haben sich im Laufe der Jahre einige urbane, innovative Zentren dort entwickelt, wo zuvor Handwerk betrieben wurde. Im Startup-Hub Ruum (Raum) in Krulli kommen an diesem Tag dutzende junge Founder:innen zusammen. Von der diskreten Art der Esten, der man im Alltag oft begegnet, merkt man hier nichts.
Die Gründer:innen sind hier alle im gleichen Raum. Jeder arbeitet für sich, aber niemand allein. Auf drei langen Schreibtischen wird an Visionen getüftelt. Die Programmierprogramme laufen auf Hochtouren, Skizzen werden gemalt. Kommt eine Frage auf, dreht man sich einfach zu seinem Nachbarn und fragt.
Helery und Liisa haben Ruum gegründet. (c) Hannah Fasching
Größen, die helfen
Wo gerade noch enthusiastisch miteinander diskutiert und ausgetauscht wurde, herrscht plötzlich Stille. Jeder nimmt einen Stuhl und setzt sich in den Teil des Raums, wo üblicherweise Präsentationen abgehalten werden.
Taavet Hinrikus nimmt vorne Platz. Hinrikus ist CEO und Gründer des FinTechs Wise. Außerdem hat er Skype mitaufgebaut – der Chatdienst wurde ebenfalls in Estland gegründet. Laut Forbes hat er ein Vermögen von 1,2 Milliarden Euro, sein Unternehmen ist mittlerweile in London stationiert. Bei seinem kurzen Tallinn-Aufenthalt nimmt er sich die Zeit und kommt in den Ruum. Er beantwortet Fragen der jungen Founder:innen, gibt Tipps und lässt sich auf Diskussionen ein.
„Wir brauchen immer mehr Menschen, die sich im Unternehmertum versuchen. Einige von ihnen werden erfolgreich sein, das ist großartig. Andere werden einfach daraus lernen und besser werden. Was auch immer sie als Nächstes tun, ich betrachte es als einen wichtigen Teil des Wachstums des Ökosystems, etwas zurückzugeben“, so Hinrikus im Interview mit brutkasten.
Etwas zurückgeben will auch Hedi Mardisoo, sie ist Founderin und Mitglied der Estonian Founder Society. „Vorstandsmitglied bei der Founders Society zu sein, ist meine Art, etwas zurückgeben. Zeit und Energie hineinzustecken, um sicherzustellen, dass die nächsten Generationen wachsen können und dieselbe Aufmerksamkeit und Hilfe bekommen, die ich bekommen habe, als ich sie brauchte in meinen ersten Gründungsjahren.“
Die Estonian Founders Society entstand im Jahr 2009, als eine Gruppe von Early-Stage-Gründer:innen – allesamt Absolvent:innen eines Startup-Leadership-Programms – beschloss, in Verbindung zu bleiben. Ihre Mission: Sowohl Erfolge als auch Misserfolge miteinander zu teilen, die alltäglichen Herausforderungen des Startup-Lebens gemeinsam zu meistern und wertvolle Beziehungen unter den Gründer:innen aufzubauen.
Zurück im Ruum. Liisa Jõerüüt, Founderin des Hubs, erklärt, welcher Gedanke hinter dem Projekt steht: „Unser Ausgangspunkt war es, kluge Köpfe in einem Raum zusammenzustecken und zu sehen, welche Magie dabei herauskommt. Wir wollen diesen Raum schaffen, in dem Menschen andere Menschen studieren können, während sie komplexe Lösungen bauen.“
Die Mentalität, etwas uneigennützig weiterzugeben, sei in Estland schon lange verankert. „Es ist hier einfach üblich, seine Zeit und seinen Rat zu geben und nicht wirklich sofort etwas zurückzuerwarten. Ich denke, wir alle glauben an die Gemeinschaft und wollen, dass Estland auch als Ganzes erfolgreich ist“, so Liisa Jõerüüt.
Caius ist einer der Gründer:innen, die den gemeinschaftlichen Aspekt hier wertschätzen. Gerade frisch die Schule beendet, arbeitet der 19.-Jährige hier an seinem Startup zur Verbesserung von Videografie. Der Fakt, dass es hier manchmal laut wird, stört ihn nicht. „Du musst dich immer mit Menschen umgeben, die klüger sind als du. Nur so kann man was lernen.“
In alten Fabriksvierteln wie hier in Telliskivi entstehen heute innvoative Kreativzentren. (c) Hannah Fasching
Wenige Menschen, großes Netzwerk
Anders als AustrianStartups in Österreich, ist Startup Estonia nicht als Verein, sondern staatlich organisiert. Das Hauptziel: ein qualitatives Startup-Umfeld zu schaffen und zu erhalten. „Estland ist im Vergleich so klein. Wir sind also gut miteinander vernetzt. Daher macht es Sinn, dass jeder Gründer jemanden kennt, der wieder jemanden kennt, der den Kontakt hat, den man gerade braucht“, beschreibt Getter Voitka von Startup Estonia das Zusammenspiel.
Bei regelmäßigen Roundtables mit dem Ministerium, einflussreichen Gründer:innen und dem Business-Angel-Netzwerk wird versucht, Lösungen für aktuelle Probleme zu finden. „Wir können dadurch auch die Gesetzgebung oder Finanzierungsmöglichkeiten anstoßen“, erklärt Voitka. Deep Tech, Defence und Heath Tech seien die Brachen, die in Estland gerade besonders boomen würde.
Vertrauen als Basis
Nachdem alle Fragen vom Wise-Gründer Taavet Hinrikus im Ruum beantwortet wurden, gibt es ein gemeinsames Mittagessen. Der Drang zum Gründen ist in Estland groß, der Drang zum Helfen auch. Auch wenn das Volk im ersten Moment diskret erscheint, steht Vertrauen im Vordergrund. Vertrauen in den digitalen Staat und Vertrauen in die Community. In den innovativen Zentren Tallinns weiß man, warum sich Estland, das vor bald 40 Jahren noch vor dem Nichts stand, so schnell zum digitalen und wirtschaftlichen Pionier in Europa entwickelt hat. Die Erfolgsformel: Gemeinsam an Lösungen arbeiten, Hilfe annehmen und irgendwann selbst etwas zurückgeben.
Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.