20.03.2026
LAUNCH

Grazer Startup Taceo startet Netzwerk für vertrauliche Datenverarbeitung

Nach der 5,5-Millionen-US-Dollar-Seed-Runde im vergangenen Jahr startet das Grazer Startup Taceo offiziell sein Netzwerk für vertrauliche Datenverarbeitung , dessen Server von unabhängigen Institutionen wie der Technischen Universität Graz und der Tschechischen Technischen Universität in Prag betrieben werden.
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Das Taceo-Founderteam | © Taceo

Im vergangenen Jahr sicherte sich das Grazer Krypto-Startup Taceo in einer Seed-Runde 5,5 Millionen US-Dollar und entwickelte eine datenschutzfreundliche Technologie für das Krypto-Projekt „World“ (Tools for Humanity) mit (brutkasten berichtete). Nun geht das 2022 gegründete Unternehmen einen Schritt weiter und startet das „Taceo Network“, eine digitale Infrastruktur für vertrauliche Datenverarbeitung.

World nutzt eigene Infrastruktur von Taceo

Das Identitätsprojekt World agiert dabei als erster großer Kunde, der seine Applikationen direkt über dieses neue Netzwerk von Taceo laufen lässt. Während das Startup die Technologie anfangs lediglich mitentwickelt hatte, erfolgt der Betrieb nun über die eigene Infrastruktur. Diese unterstützt laut Unternehmensangaben mittlerweile die Verifizierung von fast 18 Millionen Nutzerinnen und Nutzern in 160 Ländern in produktiven Umgebungen. Das System ermöglicht die Ausführung sensibler Logik für Identitäts- und Zahlungsanwendungen, ohne dass dabei Rohdaten offengelegt werden müssen.

Universitäten betreiben Server-Netzwerk

Um eine Zentralisierung der Daten bei einem einzelnen Betreiber zu verhindern, setzt Taceo auf ein dezentrales Netzwerk aus Servern, die als sogenannte Nodes fungieren. Diese geografisch verteilten Server werden von unabhängigen Forschungseinrichtungen betrieben, darunter die Technische Universität Graz und die Tschechische Technische Universität in Prag. Wie Geschäftsführer Stefan Plank gegenüber brutkasten erklärt, übernehmen die Universitäten diese Rolle, da sie kein geschäftliches Interesse an den verarbeiteten Daten haben. Weder die Betreiber der Server noch Taceo oder World erhalten Zugriff auf die sensiblen Informationen.

Fokus auf Stablecoins und Gehaltszahlungen

Neben dem Identitätsbereich und der IT fokussiert sich das Startup als zweites Standbein auf den Finanzsektor, insbesondere auf den Bereich Stablecoins. Ein konkreter Anwendungsfall ist dabei die Abwicklung von Gehaltszahlungen. Derzeit sind auf der Blockchain basierende Transaktionen mit Stablecoins für die Öffentlichkeit einsehbar. Taceo entwickelt hierfür einen „Privacy Layer“, der sicherstellt, dass die sensiblen Gehaltsdaten der Unternehmen vertraulich bleiben, obwohl die Transaktion weiterhin „on chain“ abgewickelt wird.

Geschäftsmodell und geplante Series A

Das Geschäftsmodell für das Taceo Network basiert auf einer Kombination aus einer festen Grundgebühr und einer nutzungsbasierten Abrechnung. Letztere richtet sich nach der Datenmenge, die über das Netzwerk verarbeitet wird. Mit dem Launch der neuen Infrastruktur und der Erweiterung der Anwendungsbereiche plant Taceo noch in diesem Jahr eine Series-A-Finanzierungsrunde.

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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