29.06.2022

goUrban: Wiener Mobility Startup erhält Investment in Millionenhöhe

Elevator Ventures, aws Gründerfonds und Uniqa Ventures investieren gemeinsam in das Wiener Mobility Startup goUrban, das seine SaaS-Plattform für New-Mobility-Lösungen in mittlerweile mehr als 100 Städten anbietet. Mit dem frischen Kapital soll das Team von 50 auf über 150 Mitarbeiter:innen ausgebaut werden.
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goUrban
Die Gründer Bojan Jukić und Jonathan Gleixner (v.l.) | (c) goUrban Website

Ursprünglich startete das 2016 gegründete Wiener Mobility Startup goUrban mit einer Sharing-Plattform für E-Mopeds in Wien. Kurz nach dem Marktstart im Jahr 2018 eröffnete sich jedoch für das Unternehmen ein noch viel größeres Geschäftsmodell, das noch im gleichen Jahr zum (Teil-)Pivot führte. „Die damals am Markt verfügbare Software erfüllte unsere Erwartungen nicht. Also begannen wir, unsere eigene Software zu entwickeln, und wurden zur digitalen Mobilitätsplattform“, wie Jonathan Gleixner, CEO und Co-Founder von goUrban, erläutert.

Die Entwicklung der SaaS-Plattform im B2B-Bereich

Die Mobility-SaaS-Plattform erfüllt mittlerweile zahlreiche Use-Cases. So ermöglicht das Startup im B2B-Bereich seinen Kund:innen beispielsweise den Zustand ihrer Flotte in Echtzeit zu überwachen, Beziehungen zu ihren Kund:innen zu pflegen oder datengestützte Entscheidungen für eine optimale Nutzung zu treffen. Zum Kundenkreis zählen neben Micromobility-Anbietern auch klassische Autovermietungen oder Unternehmen, die ihre Flotten digital managen wollen. Heute agiert das Startup mit seiner Plattform in über 100 Städten und vernetzt für seine Kund:innen weltweit insgesamt 30.000 Fahrzeuge. Zudem konnte das Unternehmen seit Beginn der Pandemie laut Gleixner seinen Umsatz jedes Jahr verdreifachen.


Jonathan Gleixner, CEO und Co-Founder von goUrban, zu Gast bei Editor’s Choice

Wir waren bis jetzt im Stealth-Mode unterwegs

Jonathan Gleixner, CEO und Co-Founder von goUrban

goUrban schließt Investition in Millionenhöhe ab

Am Mittwoch gab goUrban nun den Abschluss einer Pre-Series-A-Investment-Runde in Millionenhöhe bekannt. Als Investoren beteiligen sich Elevator Ventures und Uniqa Ventures, die Corporate-VC-Einheiten von Raiffeisen Bank International AG und Uniqa Insurance Group AG. Dritter Investor im Bunde ist zudem der aws Gründerfonds. Über die exakte Höhe der Investmentsumme wurde allerdings Stillschweigen vereinbart.

Thomas Muchar, Managing Director von Elevator Ventures, über die jüngste Beteiligung: „Uns hat sowohl das außergewöhnliche Gründerteam als auch die Skalierbarkeit der Plattform, die es ermöglicht, Lösungen von Drittanbietern zu integrieren, überzeugt. Wir wollen mit unserem Investment einen Beitrag zur Reduktion des Verkehrsaufkommens in den Städten leisten.“

Verdreifachung des Teams geplant

Mit der Investmentrunde soll primär die Weiterentwicklung der Technologie und der Mitarbeiter:innenaufbau, 75 Prozent davon im Tech- und daneben im Sales-Bereich sowie im Marketing, vorangetrieben werden. „Das achtstellige Budget nach dem Investment ermöglicht uns nun auch eine Verdreifachung des Teams von 50 auf 150 Mitarbeiter:innen bis Jahresende“, so Gleixner über die nächsten Schritte.

Aktuell verfügt das Startup über Standorte in Wien und Novi Sad (Serbien). Wie Gleixner weiters ausführt soll sich die Plattform ab 2023 zur größten Software-Firma im Bereich von Shared Mobility entwickeln. Dabei verfolgt das Startup die Vision, dass sich Mobilität langfristig von Besitz zu einem flexiblen Service transformiert. „Mit einer  zunehmenden Urbanisierung der Gesellschaft wird sich die Mobilität in den nächsten zehn Jahren mehr verändern als in den vergangenen 130 Jahren. Shared Mobility ist in der Form nicht mehr aufzuhalten“, so Gleixner.


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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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