02.06.2025
SCHULWESEN

GoStudent-Report: Österreich Schlusslicht bei Zugang zu KI-Tools im Unterricht

"Das Bildungssystem muss reformiert werden. Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant, doch Schulen halten nicht Schritt." Diese deutlich Aussage folgt einem Bericht von GoStudent, der eine große Diskrepanz zwischen Schüler:innen und Schulwesen aufweist. Co-Founder Felix Ohswald warnt.
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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

Laut der GoStudent-Untersuchung geben 88 Prozent der befragten Lehrkräfte an, nicht im Umgang mit Künstlicher Intelligenz geschult zu werden – der höchste Wert in Europa (zum Vergleich: Deutschland: 62 Prozent; Italien: 66 Prozent, EU-Schnitt: 75 Prozent). Dementsprechend glauben auch bloß 44 Prozent der Lehrenden, dass KI künftig eine zentrale Rolle im Berufsleben der Schüler:innen spielen wird.

GoStudent: KI-Lernmethoden unterrepräsentiert

Der Report des heimischen Unicorns basiert auf einer Befragung von 5.859 Eltern und deren Kindern im Alter von zehn bis 16 Jahren, sowie 300 Lehrkräften aus sechs europäischen Ländern. Ein weiteres Resultat: „Das Bildungssystem in Österreich hinkt hinterher. Lediglich 52 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich fähig, KI-Kenntnisse zu unterrichten, da es an Schulungen, Materialien und Zeit fehlt.“

KI-basierte Lernmethoden scheinen in Österreich zudem noch etwas Exotisches zu sein: Nur 29 Prozent der Schüler:innen haben damit Erfahrung, obwohl 51  Prozent Interesse zeigen. Gleichzeitig fühlen sich knapp mehr als die Hälfte der Lehrer:innen (52 Prozent) ausreichend dazu qualifiziert, entsprechende Kompetenzen zu vermitteln – der niedrigste Wert in Europa. Zum Vergleich: Spanien liegt bei 86  Prozent und Deutschland bei 72.

Österreich Schlusslicht

Besonders alarmierend sei, dass nur noch zwei von zehn Kindern Zugang zu KI-Tools im Unterricht haben. Im Vorjahr waren es noch vier. Somit bildet Österreich zusammen mit Frankreich und Spanien die Schlussgruppe in Europa.

Trotz augenscheinlicher Lücken sei, so der Report weiter, die Sorge vor den Folgen erstaunlich gering: Nur 20 Prozent der Lehrkräfte glauben, dass Schüler:innen ohne Zugang zu KI langfristig im schulischen Lernen benachteiligt werden. Auch die Angst, selbst überflüssig zu werden, teilen nur wenige: Lediglich zehn Prozent befürchten, dass fehlende KI-Kompetenz ihre Rolle gefährden könnte.

Vonseiten der Eltern gibt es einen klaren Trend: 63 Prozent sagen, dass Schulen die Verpflichtung tragen, ihren Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Tools beizubringen. Es sind nämlich 86 Prozent der Schüler:innen, die bereits KI-Tools nutzen: 30 Prozent lernen den Umgang von ihren Freunden, 20 Prozent von ihren Eltern und jeweils 28 Prozent von Lehrkräften und sozialen Medien.

Warnung von GoStudent-Founder

„Wenn Schüler:innen sich KI selbst beibringen müssen, sind sie den Risiken allein ausgesetzt. Unsere Studie zeigt, dass 20  Prozent nicht wissen, was Deepfake-Videos sind, sowie zehn, dass KI Bilder erstellen oder verfälschen kann. Ohne Aufklärung werden diese Kinder im digitalen Raum verwundbar“, warnt Felix Ohswald, CEO und Mitbegründer von GoStudent.

Auch wenn der Anteil gering ist, sehen 27 Prozent der Lehrkräfte, die mit Schüler:innen mit Förderbedarf arbeiten, KI als eine Chance für individualisierte Unterstützung. Personalisierte KI-Lösungen könnten, GoStudent nach, gezielt fördern, Wissenslücken erkennen und besonders jenen helfen, die im aktuellen System oft übersehen werden.

„Die Kreativität von Lehrkräften hilft Kindern, ihr volles Potenzial zu entfalten“, so Ohswald weiter. „Ihr pädagogisches Verständnis und ihre Ideen sind entscheidend dafür, wie Schüler:innen erfolgreich mit KI lernen können.“

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Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline
Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline

Wer zuhause technischen Support, etwa mit Internet, TV oder Smartphone braucht, bekommt vom Wiener Startup Helferline innerhalb weniger Stunden eine:n Techniker:in aus seinem flächendeckenden Netzwerk vermittelt. Das ist bereits seit der Gründung vor etwas mehr als zehn Jahren so, in denen mehr als 100.000 Personen das Service nutzten.

Zu diesem B2C-Angebot kam schon bald nach dem Start eine B2B2C-Schiene dazu. Mit A1, Magenta und Drei setzen die drei großen heimischen Mobilfunker ebenso bereits seit Jahren im Service auf Helferline, wie etwa MediaMarkt, Emporia, die Uniqa oder Assa Abloy.

„Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben“

Doch die betriebswirtschaftliche Realität hinter den großen Namen und beachtlichen Zahlen war über lange Zeit hinweg weniger rosig, wie die beiden Gründer, Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer, im Gespräch mit brutkasten im Büro im 9. Wiener Bezirk erzählen. „Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben und in denen wir das Glück hatten, dass auch unsere Mitarbeiter so sehr an die Idee geglaubt haben, dass sie mehrmals längeren Verzögerungen beim Gehalt zugestimmt haben“, sagt Schmidgruber.

„Wir konnten auch nicht, wie andere Tech-Unternehmen, Corona mitnehmen. Auf uns hat sich das negativ ausgewirkt, die Nachfrage nach Vor-Ort-Service ist zurückgegangen“, ergänzt Niederhofer. Und Jahre der Dauerkrise hätten ihre Spuren hinterlassen. „Die Belastung ging bei mir bis zum Burnout. Und irgendwann sind wir an den Punkt gekommen, an dem wir gesagt haben: Wenn es zu Weihnachten immer noch so aussichtslos ist, hören wir auf.“

Das war vor rund zwei Jahren. Mittlerweile schreibt das Unternehmen monatlich sechsstellige Gewinne. Was ist also in der Zwischenzeit passiert?

Eine Reihe von Gamechangern

„Wir haben damals bei einem Event Hansi [Anm. Hansmann] getroffen und sehr offen mit ihm über die schwierige Situation gesprochen. Ihm hat die Idee immer noch gefallen, er hat Potenzial gesehen und meinte, man kann immer noch was machen“, erzählt Schmidgruber. Schließlich stieg das Hansmann Family Office über einen Secondary in das Unternehmen ein. „Wir haben davor oft versucht, Kapital zu raisen, sind aber gescheitert. Die Zahlen haben nie entsprechend ausgesehen, wir hatten kein Hockeystick-Wachstum. Aber Hansi ist jemand, der Chancen erkennt und einfach anpackt, und hatte damit – wie so oft – den richtigen Riecher. Das hat uns den Atem gegeben, doch noch weiterzumachen“, sagt Niederhofer.

Doch das war nicht der einzige Gamechanger für Helferline. „In den letzten Jahren haben alle direkten Konkurrenten in Mitteleuropa aufgegeben bzw. ihr Geschäftsmodell geändert, dadurch mussten alle Firmen mit Bedarf an Vor-Ort-Service zu uns“, so Niederhofer. Und dieser Bedarf bestehe durchaus. „Über Jahre hinweg haben die Anbieter immer mehr auf Plug & Play und do it yourself gesetzt und den Field Service abgebaut. Das hat sich als nicht richtig herausgestellt. Der Bedarf ist weiterhin da – auch in der Telekom-Branche. Auch 2026 kennen sich immer noch nicht alle mit Technik aus“, sagt der Gründer.

O2 wird zum großen Hebel

Und ein Großauftrag in genau diesem Bereich war es schließlich auch, der bei Helferline zum großen Hebel wurde. „Ende vergangenen Jahres haben wir mit einem riesigen Projekt für O2 begonnen. Der Anbieter schenkt jedem Neukunden einen Helferline-Einsatz – und das bei zehntausenden Neukunden im Monat“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer ergänzt: „Mit diesem Angebot will O2 sich vom Wettbewerb absetzen und die Nummer 1 im Bereich Kundenzufriedenheit werden.“

Helferline habe die Aktion unter anderem einen Auftritt in deutschlandweiten TV-Spots und indirekte Werbung auf der Titelseite der Bild-Zeitung gebracht. Die Kapazitäten in kurzer Zeit für einen derartigen deutschlandweiten Auftrag auszubauen, sei aber alles andere als einfach gewesen, erzählt Schmidgruber und zeigt auf den „Schlachtplan“, der zur Erinnerung noch immer an der Bürotür im 9. Bezirk hängt: „Wir haben ja ein Freelancer-Modell. Wir mussten innerhalb weniger Wochen hunderte neue Techniker rekrutieren, onboarden und auf die Plattform bringen, um das Projekt abbilden zu können.“

Niederhofer führt aus: „Es war letztlich ein großer Team-Effort: Wir haben jede Menge Growth Hacks genutzt, haben Techniker als Promotoren an technische Unis geschickt, jedes schwarze Brett genutzt, Flyer verteilt und sogar Bierflaschen beklebt.“ Die teuerste Maßnahme sei das Engagement der größten deutschen Tech-Influencer gewesen. „Die haben uns dann auch über Nacht tausende Bewerbungen gebracht“, erklärt Niederhofer.

Doch bei diesem einen Großauftrag sollte es nicht lange bleiben. Gerade als das O2-Projekt in trockenen Tüchern war, sei bereits der nächste gekommen, erzählen die Gründer – und zwar auf ungewöhnliche Weise. „Es kam eine Mail an Alex [Anm. Niederhofer] herein, die auf den ersten Blick extrem nach Spam aussah“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer führt aus: „Da schreibt jemand, der meint, er arbeitet bei Starlink und sie suchen jemanden, der die Installation für die Starlink-Satellitenschüsseln in ganz Europa übernimmt.“

Entgegen des ersten Impulses habe man die Mail ernstgenommen. „Wir haben uns gefragt: Ist es realistisch, dass unsere Techniker in Zukunft Sat-Schüsseln installieren, obwohl wir zu dem Zeitpunkt noch niemanden hatten, der das machen konnte? Sollen wir uns das trauen?“, erzählt Schmidgruber. Die beiden haben die Frage mit Ja beantwortet – ohne zu ahnen, was auf sie zukommen wird. Die Kooperation mit dem Musk-Unternehmen war von Anfang an nicht mit den europäischen Kooperationspartnern vergleichbar.

Niederhofer bringt ein Beispiel: „In einem Call wurde kurz darüber gesprochen, ob wir theoretisch die Logistik für Ersatzteile übernehmen könnten und wer unser Logistikpartner sei. Ein paar Tage später ruft mich unser Logistiker aus Deutschland an: Drei LKWs von Starlink stehen vor der Halle und wollen jetzt tonnenweise Hardware ausladen. Ohne jede Vorankündigung. Es gab zu dem Zeitpunkt weder einen Vertrag noch sonst etwas Schriftliches. Wir haben das dann mit den Amerikanern geklärt, die Ware übernommen und ein paar Tage später die erste Installation durchgeführt.“

Kurios sei auch gewesen, wie Helferline zu dem Auftrag kam: „Die amerikanischen Mitarbeiter haben einfach bei Claude eingegeben, welches Unternehmen im DACH-Raum diese Montagen am besten durchführen könne – und Claude hat geantwortet: Helferline“, erzählt Niederhofer. Das Service lief an. „Mittlerweile installieren wir in Deutschland und Österreich vierstellig Starlink-Schüsseln pro Monat – und es könnte bald fünfstellig werden“, sagt Schmidgruber. Und inzwischen installiert man schon erste Starlink-Antennen in Frankreich und den Niederlanden.

„Das war noch lange nicht alles“

Und die Welle an neuen Aufträgen reiße seitdem nicht ab. Weitere, teilweise noch größere Projekte seien bereits in der Pipeline oder unterschrieben und werden gerade vom mittlerweile 40-köpfigen Team umgesetzt. „Wir mussten so viele Hürden überwinden und sind einfach nur dankbar, dass wir jetzt eine so positive und spannende Zeit erleben dürfen“, sagt Niederhofer. Und Schmidgruber verspricht: „Aber das war noch lange nicht alles.“

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