09.05.2023

Google ändert wegen ChatGPT jetzt seine Publikationsstrategie grundlegend

ChatGPT hat bei Google einiges auf den Kopf gestellt. Ein umfassender Bericht der Washington Post lässt vermuten, dass Google nun beginnt, seine Strategie zu ändern.
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Für Google wird es aufgrund von ChatGPT enger.
Für Google wird es aufgrund von ChatGPT enger.

ChatGPT hat nicht den Diskurs zum Thema Künstliche Intelligenz verändert, sondern auch die Unternehmensstrategie von Google über den Haufen geworden. Der große Verlierer: die Forschung und die Öffentlichkeit.

Keine Papers vor Veröffentlichung

Über mehrere Jahre hatte Google im AI-Bereich stets offen mit seinen Ergebnissen und Entwicklungen mit der Welt der Forschung kommuniziert. Seit 2019 sind so über 500 Papers von Google-Mitarbeiter:innen und Wissenschaftler:innen zum Thema AI entstanden. Doch mit dem Aufkommen von ChatGPT fand dieser Austausch sein Ende.

Denn so geht Google davon aus, dass der Chatbot vom US-amerikanischen Startup OpenAI nur Dank der eigenen Transparenz entstanden ist. Jeff Dean, Googles langjähriger Leiter der künstlichen Intelligenz, meint etwa, dass das OpenAI mit Google mithalten konnte, weil es die Arbeiten der Suchmaschinenplattform-Mitarbeiter:innen las. Damit soll nun Schluss sein. Man will Papers und Inhalte erst öffentlich machen, sobald die Forschungen abgeschlossen und die Produkte bereits publiziert sind.

„Open AI hat Google geschlagen“

Brian Kihoon Lee, ehemaliger Google-Gehirnforscher, nennt den Strategiewechsel als den Übergang von „Friedens- in Kriegszeiten“. Mit mehr Wettbewerb würde sich selbstverständlich auch das Kalkül ändern, meint Lee auf seinem Blog.

Von anderen Google-Mitarbeiteter:innen wird nun der Verdacht geäußert, dass die neue Strategie auch dazu führen könnte, dass unliebsame oder kontroverse Papers leicht stillschweigend zurückgehalten werden können. So gab es bereits 2020 von den Leitern des Ethical AI-Teams, Timnit Gebru und Margaret Mitchell eine umfassende Aufarbeitung über die Schäden von KI. Derartige Ausführungen könnten nun leichter unter den Teppich gekehrt werden, befürchten Mitarbeiter:innen laut einem Bericht der Washington Post.

Im Livestream des vierteljährlichen Treffens der Forschungsabteilung des Unternehmens hatte letztlich ein Mitarbeiter der Suchmaschinen-Plattform drastische Worte gefunden und die aktuellen Entwicklungen, wie folgt zusammengefasst: „OpenAI hat uns in unserem eigenen Spiel geschlagen“.

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Markus Fuhrmann, CEO und Gründer von Gropyus | (c) Gropyus
© Gropyus - Gründer Markus Fuhrmann.

Das Wiener Scaleup Gropyus holte im März des heurigen Jahres zum dritten Mal in seiner Firmengeschichte ein 100-Mio.-Euro-Investment – brutkasten berichtete. Nun vermeldet man einen Führungswechsel.

Gropyus-Gründer wechselt nach sieben Jahren in den Aufsichtsrat

Der langfristig geplante Übergang in die nächste Wachstumsphase ist nach der turnusmäßigen Hauptversammlung abgeschlossen: Nach sieben Jahren als Gründer und CEO beziehungsweise Co-CEO wechselt Markus Fuhrmann als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat von Gropyus.

Dieser Schritt begann bereits vor 15 Monaten mit der Ernennung von Mitgründer Philipp Erler zum Co-CEO, heißt es laut Aussendung. Erler führt nun als alleiniger CEO das Unternehmen. Auch der Aufsichtsrat des Unternehmens wird neu aufgestellt: Daniel Riedl bleibt Aufsichtsratsvorsitzender, während Markus Fuhrmann die Funktion des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden von Harald Mahrer übernimmt, der den Aufsichtsrat ebenso wie Thomas Kretschmar verlässt.

Dem Gremium gehören weiterhin Philip Grosse (CFO Vonovia), Emmanuel Thomassin (CFO Wise), Fredrik Nordh (CEO Thisbe), Ricardo Pires (Chairman Semapa Next und CEO Semapa Group) sowie Claudia Ungar-Huber (Head of Subsidiaries and Transaction Management, Vienna Insurance Group) an.

Rechtsstreit mit früherem Aufsichtsratschef

Gropyus befindet sich unterdessen in einem Rechtsstreit mit dem früheren Investor und Aufsichtsratschef Florian Fritsch. Das Unternehmen bestätigte gegenüber dem „Standard“, dass es 2022 aufgrund von Hinweisen auf ein mögliches Fehlverhalten eine interne Untersuchung zu früheren Kostenabrechnungen durch Fritsch eingeleitet habe. Dabei soll es dem Bericht zufolge unter anderem um Urlaube, Beraterkosten und weitere Ausgaben gehen. Der Tageszeitung zufolge soll auch Mahrer – bisheriger Gropyus-Aufsichtsratsvize – in die Causa involviert sein.

100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche in Umsetzung

Mit den aktuellen Neuerungen hat Gropyus eigenen Angaben nach eine entscheidende Unternehmensphase abgeschlossen und tritt nun in die nächste Entwicklungsstufe ein: Skalierung und operative Exzellenz. Der Wechsel in der Führung schaffe dafür klare Verantwortlichkeiten.

Fuhrmann hat Gropyus seit der Gründung unternehmerisch und strategisch geprägt und dessen Aufbau, Finanzierung, strategische Ausrichtung und Partnerschaften vorangetrieben. Das Unternehmen aus Wien entwickelt und baut schlüsselfertige Mehrfamilienhäuser in nachhaltiger Holzbauweise. Rund 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche befinden sich eigenen Angaben zufolge derzeit in verschiedenen Umsetzungsphasen.

„Ich bin stolz darauf, was wir bei Gropyus in den vergangenen sieben Jahren aufgebaut haben. Aus einer ambitionierten Idee ist eine industrielle und digitale Plattform für den Wohnungsbau entstanden, die sich bereits in realisierten Projekten bewährt. Mit der Ernennung von Philipp Erler zum Co-CEO haben wir im vergangenen Jahr den geplanten Übergang eingeleitet. Nun wechsle ich in den Aufsichtsrat und werde Gropyus weiterhin bei strategischen Fragen und der Wachstumsfinanzierung beratend begleiten. Philipp kennt das Unternehmen seit der Gründung und ist der Richtige, um Gropyus in die Zukunft zu führen“, kommentiert Fuhrmann diesen Schritt.

„In die nächste Phase führen“

CEO Erler ergänzt: „Ich danke Markus Fuhrmann herzlich für sein Vertrauen und für die gemeinsamen Jahre, in denen wir Gropyus von der Idee bis zu den ersten realisierten Gebäuden aufgebaut haben. Ohne seine Vision, seinen unternehmerischen Mut und seine Fähigkeit, Menschen für ein ambitioniertes Ziel zu gewinnen, wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Ich freue mich, Gropyus jetzt gemeinsam mit unserem starken Vorstandsteam in die nächste Phase zu führen. Gleichzeitig ist es für das Unternehmen sehr wertvoll, dass Markus uns als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender mit seiner Erfahrung, seinem strategischen Blick und seinem außergewöhnlichen Netzwerk weiterhin eng begleiten wird. Abschließend danke ich Harald Mahrer und Thomas Kretschmar für ihre Begleitung und den immer konstruktiven Austausch während dieser wichtigen Phase der Unternehmensentwicklung.“

Auch Aufsichtsratsvorsitzender Daniel Riedl äußert sich zum Wechsel: „Markus Fuhrmann hat Gropyus mit unternehmerischem Weitblick und großer Entschlossenheit von einer wegweisenden Idee zu einem technologisch führenden und wachstumsstarken Unternehmen entwickelt. Dafür gebührt ihm unser großer Dank und tiefer Respekt.“ Es sei ein starkes Signal, dass Fuhrmann dem Unternehmen als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender erhalten bleibe. Mit Erler übernehme zudem eine erfahrene Führungspersönlichkeit die operative Gesamtverantwortung – für die nächste Wachstumsphase sei das „eine hervorragende Konstellation“.

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