01.04.2026
GASTBEITRAG

Gericht oder Mediation: Eine strategische Entscheidung für Unternehmen

Gastbeitrag: Franziska Mensdorff-Pouilly, Juristin und Mediatorin, zeigt, dass in Unternehmenskonflikten oft reflexartig zu rechtlichen Schritten gegriffen wird – statt vorab strategisch abzuwägen, ob Mediation oder Gerichtsverfahren zielführender ist. In ihrem Gastbeitrag erläutert sie, welche Faktoren Unternehmen berücksichtigen sollten – von Erfolgsaussichten und Kosten über Verfahrensdauer bis hin zu Auswirkungen auf Geschäftsbeziehungen und Liquidität – und warum eine fundierte Entscheidung gerade für Startups und junge Unternehmen entscheidend ist.
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Mediation, Franziska Mensdorff-Pouilly
© zVg - Franziska Mensdorff-Pouilly.

Wenn ein Konflikt eskaliert, passiert in vielen Unternehmen fast automatisch dasselbe: Die Rechtsabteilung bzw. der Anwalt wird eingeschaltet und rechtliche Schritte werden vorbereitet. Das ist in vielen Situationen der richtige erste Schritt.

Seltener erfolgt jedoch eine ebenso frühzeitige, nüchterne und strategische Abwägung, welches Instrument der Konfliktlösung tatsächlich sinnvoll ist. Ist ein Gerichtsverfahren der richtige Weg, oder gibt es eine Alternative, die schneller, flexibler oder ressourcenschonender zum Ergebnis führt? Aus meiner Erfahrung von beiden Seiten des Verhandlungstisches – als Parteienvertreterin und heute als Mediatorin – weiß ich: Mediation wird oft zu spät in Betracht gezogen, wenn Positionen bereits verhärtet sind und der Handlungsspielraum enger geworden ist. Dieser Beitrag soll helfen, eine solche Abwägung früher und informierter zu treffen.

Konflikte unternehmerisch betrachten – nicht nur juristisch

Gerade bei Startups und jungen Unternehmen kann der Weg zu Gericht nachteilige Folgen haben. Ein mehrjähriges Gerichtsverfahren bedeutet in diesen Phasen gebundene Managementkapazität, Reputationsrisiken, operative Unsicherheit und belastete Beziehungen, oft genau zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen diese Ressourcen dringend anderswo braucht. Wer zwei Jahre prozessiert, riskiert, den Anschluss an Markt und Produktentwicklung zu verlieren, unabhängig davon, wie der Rechtsstreit am Ende ausgeht.

Folgende Kernfragen sollte man sich demnach stellen:

  • Wie hoch ist die realistische Erfolgswahrscheinlichkeit vor Gericht, inklusive Instanzenzug und Rechtsmittelrisiken?
  • Was kostet ein Verfahren unter Berücksichtigung von Prozesskosten, Anwaltskosten, externer Berater, Inhouse-Kosten und sonstiger Barauslagen? Wie hoch sind die zu erwartenden Prozesskosten der Gegenseite? Wer trägt welche Kosten je nach Erfolgsquote (z. B. 60/40)? Was sind dazu im Vergleich die Kosten einer Mediation?
  • Ist ausreichend Liquidität gegeben, um diese Kosten bis zum Ende des Verfahrens auszulegen und ggf. teilweise oder vollständig zu tragen? Gibt es die Möglichkeit von Prozessfinanzierung?
  • Wie lange dauert ein Gerichtsverfahren (im Vergleich zu einer Mediation)?
  • Was hat ein Gerichtsverfahren mit einem Geschäftspartner für Auswirkungen auf das operative Geschäft oder die laufende Geschäftsbeziehung?
  • Benötige ich zwingend ein Urteil (als Präzedenzfall oder Exekutionstitel), oder wäre eine einvernehmliche Lösung ebenfalls zielführend?
  • Welche Rolle spielen Vertraulichkeit und Reputationsrisiken? Ist eine öffentliche Auseinandersetzung für das Unternehmen oder die Beteiligten nachteilig? Gibt es die Möglichkeit das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen (etwa als Schiedsverfahren oder Mediation)?
  • Und grundsätzlich: Sind beide Seiten gesprächsbereit?

Wer diese Parameter kennt und einordnet, trifft eine fundierte Entscheidung für den geeigneten Streitbeilegungsmechanismus und hat bereits entscheidende Grundlagen für das jeweilige Verfahren gelegt.

Vorbereitung: der unterschätzte Hebel

Viele Unternehmen steigen ohne ausreichend Vorbereitung in eine Mediation ein. Sie verstehen den Mediationsprozess als Gelegenheit, die Position der Gegenseite auszuloten, und gehen davon aus, dass eine vertiefte rechtliche und wirtschaftliche Analyse später – vor einem möglichen Gerichtsverfahren – immer noch erfolgen kann.

Dieser Zugang verschenkt Potenzial. Gerade weil Mediation ein Verhandlungsprozess ist, entfaltet sie ihre Stärke nur dann, wenn beide Seiten ihre eigene Ausgangsposition bereits realistisch eingeordnet haben.

Was konkret zu klären ist:

  • Wie ist die eigene Rechtslage realistisch einzuschätzen?
  • Was passiert konkret, wenn keine Einigung erzielt wird?
  • Welche Zugeständnisse sind wirtschaftlich vertretbar?

Eine Einigung, die auf den ersten Blick unattraktiv erscheint, sieht nach einer vollständigen Kosten-Risiko-Analyse oft anders aus – nicht notwendigerweise wünschenswert, aber wirtschaftlich vertretbar. Wer diese Analyse erst vornimmt, wenn die Mediation gescheitert ist, stellt mitunter fest: Die eigene Position ist schwächer als angenommen, die Kosten höher als kalkuliert. Chancen, die in der Mediation bestanden hätten, sind mitunter vergeben.

Wer sitzt im Raum – und mit welcher Rolle?

Gerichtsverfahren und Mediation folgen unterschiedlichen Herangehensweisen. Vor Gericht tragen in erster Linie die Anwälte den Fall vor: Sie präsentieren Fakten, Argumente und Rechtspositionen, die am Ende von einem Gericht bewertet und rechtlich eingeordnet werden. In der Mediation verschiebt sich der Fokus. Es geht nicht darum, eine Position zu verteidigen, sondern darum über Lösungen zu verhandeln, die wirtschaftliche, strategische und operative Aspekte einbeziehen können.

Gespräche, Interessen und mögliche Kompromisse stehen stärker im Mittelpunkt als juristische Argumentationslinien. Es lohnt sich daher auch, das Setup im Raum bewusst zu gestalten. In der Mediation rücken demnach die Parteien selbst stärker in den Mittelpunkt des Gesprächs. Damit das funktioniert, brauchen sie eine gute Vorbereitung: ein klares Briefing, ausreichend Entscheidungsmandat und gleichzeitig die Möglichkeit, sich bei Bedarf mit ihren Anwälten oder anderen Beratern abzustimmen.

Je klarer die Rollen im Raum definiert sind – und je weniger die Mediation zur bloßen Vorwegnahme oder Fortsetzung eines möglichen Gerichtsverfahrens wird –, desto effizienter kann der Verhandlungsprozess verlaufen.

Was ein Mediator konkret tut

Auch wenn ein Konflikt im Kern wirtschaftliche oder rechtliche Fragen betrifft, spielen oft weitere Faktoren eine Rolle. Am Tisch sitzen immer Menschen. Missverständnisse in der Kommunikation, unterschiedliche Erwartungen oder beschädigtes Vertrauen können einen Konflikt ebenso blockieren wie die rechtliche oder wirtschaftliche Ausgangslage.

Der Mediator strukturiert den Prozess und hält den roten Faden. Er stellt gezielte Fragen, wo er Unklarheiten oder Missverständnisse vermutet, und macht diese sichtbar, bevor sie den Prozess blockieren. Er benennt und kanalisiert Emotionen im Raum – sachlich, ohne therapeutischen Anspruch – damit sie die Lösungsarbeit nicht überlagern.

Er hilft dabei sichtbar zu machen, welche Erwartungen und Interessen tatsächlich im Raum stehen, was den Beteiligten wichtig ist und welche Punkte eine Einigung derzeit verhindern. Und er hält den Blick beider Seiten konsequent auf das gerichtet, was am Ende zählt: eine Vereinbarung, die in der Praxis trägt.

Was dabei möglich wird, geht oft über das hinaus, was ein Gericht entscheiden kann: eine individuelle, wirtschaftliche Lösung; konkret, umsetzbar und von allen Seiten mitgetragen. Das kann die Fortsetzung einer Geschäftsbeziehung sein – oder eine einvernehmliche Beendigung mit klaren Modalitäten. Kurz: es entsteht die Möglichkeit, die Ursache eines Konflikts zu bearbeiten, und nicht nur seine Symptome.

Fazit:

Mediation ist nicht für jeden Konflikt das richtige Format. Die Frage, ob sie sinnvoll sein könnte, lohnt sich jedoch früh, bevor Positionen sich verhärten und Verfahren Ressourcen binden, die im Unternehmen an anderer Stelle gebraucht werden.

Gerichtsverfahren und Mediation setzen unterschiedliche Rahmenbedingungen für den Umgang mit einem Konflikt. Während gerichtliche Verfahren auf eine rechtliche Klärung zugeschnitten sind, eröffnet die Mediation einen Raum für Verhandlungen, in dem neben juristischen auch wirtschaftliche, operative oder strategische Aspekte einbezogen werden können.

Im ungünstigsten Fall investiert man einige Stunden und weiß anschließend präziser, warum eine Einigung nicht möglich ist. Im besten Fall lassen sich Zeit, Ressourcen und Managementaufmerksamkeit für das freihalten, worauf es im Unternehmen tatsächlich ankommt. Die Entscheidung zwischen Gerichtsverfahren und Mediation sollte daher keine spontane Reaktion auf einen eskalierenden Konflikt sein, sondern eine bewusste strategische Weichenstellung.

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Der Web Summit in Lissabon | (c) martin pacher / brutkasten

Für viele Gründer:innen aus Österreich ist der Web Summit in Lissabon im November ein Fixpunkt im Kalender. Was am Ende dabei herauskommt, ist jedoch oft Zufall.

„Viele Startups sind nicht gut vorbereitet. Die fangen ein, zwei, drei Tage vorher an, machen vielleicht das eine oder andere Meeting aus und verlassen sich darauf, dass sie zum Österreicher-Abend gehen“, sagt Andreas Jaritz im Gespräch mit brutkasten. Der Serial Founder, der unter anderem das Remote-Work-Startup Emma Wanderer mitgegründet hat und heute in Lissabon lebt, kennt beide Seiten. Mit seinem eigenen Startup war er selbst am Web Summit im Fundraising unterwegs und kam mit zwei Investoren bis zur Due Diligence.

Aus dieser Erfahrung ist nun ein Programm entstanden. Gemeinsam mit Jasper Ettema, Gründer von JET Growth und Initiator der Startup Investment Academy, startet Jaritz heuer das „Lisbon Launchpad“. Die Idee: Startups sollen nicht „kalt“ in den Web Summit gehen, sondern mit ausgearbeiteter Sales-Strategie, geschärftem Pitch und bereits geknüpften Kontakten. “80 Prozent des Erfolgs solcher Veranstaltungsteilnahmen liegt in der Vorbereitung. Wir zeigen den Teilnehmer:innen wie sie das beste aus ihre Teilnahme machen.” 

Zwei Online-Sessions, fünf Tage Lissabon, dann der Summit

Das Programm läuft in drei Phasen. Am 2. Oktober gibt es einen zweistündigen Online-Kick-off, am 23. Oktober eine weitere Online-Session. Vom 4. bis 9. November arbeiten die Teams dann vor Ort in Lissabon mit den Coaches am Markteintritt in Portugal, Sales-Pipeline und Fundraising. Direkt im Anschluss, vom 9. bis 12. November, nehmen sie am Web Summit teil und setzen um, was sie in den Tagen zuvor erarbeitet haben.

Jasper Ettema und Andreas Jaritz, die Initiatoren des „Lisbon Launchpad“ | Foto: zur Verfügung gestell

Inhaltlich stützt sich das Launchpad auf drei Säulen. Erstens die Sales-Strategie mit Ideal Customer Profiles, Buyer Personas, Outreach-Nachrichten und dem Aufbau einer konkreten Pipeline. Zweitens das Fundraising: Finanzierungsbedarf ableiten, Investor:innen-Personas entwickeln, Pitch und One-Pager erstellen. Nach eigenen Angaben erhalten die Teilnehmer:innen dazu Zugang zu einer Investor:innen-Liste mit mehr als 2.500 Einträgen zu über 1.800 europäischen Investor:innen. Drittens der Markteintritt in Portugal und darüber hinaus, etwa in Richtung Südamerika und Afrika, wofür lokale Expert:innen eingebunden werden.

„Ich habe das bei großen Events immer sehr strategisch gemacht. Wie viele Termine machst du aus? Wie sorgst du dafür, dass du nichts dem Zufall überlässt?“, sagt Jaritz. Genau dieses Vorgehen soll im Launchpad vermittelt werden. Die Coachings finden laut Programmbeschreibung in Gruppen- und Einzelformaten statt, jeweils mit einem theoretischen Teil und einer direkten Umsetzung für das eigene Startup. “Wir nehmen dieses Erfolgsformat aus der Startup Investment Academy mit, wo wir einen 100-Prozent-Promotor-Score erreichen haben,” sagt dazu Ettema.

Pitching Night bei den COREangels

Der wohl größte Anreiz liegt in den beiden Side Events, die während der Tage in Lissabon stattfinden. Bei einer Partner Night geht es um den Markteintritt in Portugal, Südamerika und Afrika. Bei einer Investment Night pitchen die Teilnehmer:innen vor Business Angels aus lokalen Netzwerken, darunter den COREangels, einer Angel-Investment-Vereinigung, die laut Jaritz in in mehreren Ländern mit über 300 Angels aktiv zwischen 50.000 und 250.000 Euro investiert. 

Dazu kommt ein weiteres Element, das Jasper Ettema  erst kürzlich fixieren konnte: Jenes teilnehmende Startup, das den höchsten Grad an „Investment Readiness“ erreicht, kommt auf die Shortlist des Investment Committees der COREangels und darf dort pitchen. Ettema und Jaritz wollen außerdem österreichische Business Angels und Investor:innen zu den Side Events nach Lissabon bringen.

Dass die beiden Initiatoren mit dem Format nicht bei null starten, zeigen die Zahlen der Startup Investment Academy in Graz, auf der das Launchpad aufbaut. “Von den 28 Startups, die bislang teilgenommen und gegründet haben, sind laut Ettema alle noch aktiv, sieben davon haben mittlerweile ein Funding abgeschlossen, und eines machte bereits einen Exit. Jaritz selbst war mit dem Grazer Startup FreyZein Teilnehmer der Academy.

Unterstützung durch Advantage Austria, Förderung über GO International

Unterstützt wird das Launchpad von der Wirtschaftskammer Österreich und Advantage Austria in Lissabon. Die Idee zum Programm entstand laut den beiden im Austausch mit Günther Schabhüttl, der die Außenwirtschaft in Lissabon vertritt. Für die Teilnehmer:innen relevant ist vor allem die Förderschiene: Laut Programmbeschreibung können die Kosten für Launchpad und Web Summit inklusive Beratungs- und Reisekosten je nach Situation des Startups über den Internationalisierungsscheck des GO-International-Programms der Wirtschaftskammer Österreich zu 50 Prozent gefördert werden.

Was es kostet

Das Paket umfasst die beiden Online-Sessions, fünf Tage Gruppen- und Einzelcoaching in Lissabon, die Side Events, alle Methoden und Vorlagen. Anreise und Übernachtungen müssen die Teilnehmer:innen selbst organisieren. Für Einzelgründer:innen kostet die Teilnahme 2.990 Euro exklusive Umsatzsteuer, für Zweierteams 4.990 Euro.

Wer sich informieren will, kann dies in drei Online-Info-Calls am 15. September (17 Uhr), am 23. September (17 Uhr) und am 28. September (13 Uhr) tun. Die Anmeldung läuft über die Website des Programms.

Kontakt: 

Jasper Ettema

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