27.04.2026
FINANZIERUNG

Generative Process Intelligence: Vorarlberger Startup Noreja holt 1,1 Millionen Euro

Noreja hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,1 Millionen Euro erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Kapital will das Spinoff der WU Wien seine „Generative Process Intelligence“-Plattform ausbauen und in Marketing sowie Vertrieb investieren.
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(v.l.) Jan Sprengnetter, Gordana McNamara, Lukas Pfahlsberger, Philipp Waibel, Jan Mendling & Markus Neumayr (c) Noreja

Das 2021 als WU-Wien-Spinoff gegründete Tech-Startup Noreja hat sich erfolgreich eine Millionenfinanzierung gesichert. Hinter dem Unternehmen stehen die drei Gründer Lukas Pfahlsberger, Philipp Waibel und Jan Mendling. Mit dem nun aufgenommenen Kapital in Höhe von 1,1 Millionen Euro plant das im Vorarlberger Hohenweiler ansässige Unternehmen gezielte Investitionen in das eigene Wachstum und den Aufbau neuer Strukturen.

KI-Agenten für Geschäftsprozesse

Noreja entwickelt eine Softwarelösung im Bereich der „Generative Process Intelligence“. Die technologische Basis der Plattform bilden Knowledge-Graphen. Diese helfen der Künstlichen Intelligenz laut Unternehmensangaben dabei, komplexe Unternehmensprozesse zu erfassen und zielgenaue Analysen zu Schwachstellen oder Ineffizienzen zu liefern. Im nächsten Schritt sollen autonome KI-Agenten die identifizierten Optimierungsaufgaben übernehmen.

Laut Noreja-Mitgründer Jan Mendling benötigt Künstliche Intelligenz ein tiefes Verständnis des Prozesskontexts, um echten Mehrwert in Unternehmen zu schaffen. „Noreja stellt genau diese kontextuellen Strukturen bereit und macht Geschäftsprozesse für KI systematisch verständlich“, so Mendling.

Expertise für die Skalierung

An der aktuellen Runde beteiligten sich sowohl bestehende als auch neue Business Angels. Zu den Kapitalgebern zählen Markus Neumayr, Jan Sprengnetter sowie Martin Kaiser. Zudem verstärkt Gordana McNamara das Team künftig als Advisorin und Fractional-CCO.

Für die Wachstumsphase setzt Noreja auf komplementäre Stärken: Markus Neumayr und Martin Kaiser liefern den Branchenzugang, während Jan Sprengnetter Skalierungsexpertise und Gordana McNamara strategisches Go-to-Market-Wissen einbringen.

Frisches Kapital für Vertrieb und Wachstum

Neben der technologischen Produktweiterentwicklung soll das Geld laut dem Startup vorwiegend in den Ausbau der eigenen Strukturen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Customer Success fließen. „Mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Finanzierungsrunde schaffen wir die Grundlage für die nächste Wachstumsphase von Noreja“, erklären die beiden Co-Founder Lukas Pfahlsberger und Philipp Waibel. Das Ziel sei es, die Lösung zu einer der führenden Plattformen in diesem Segment auszubauen.

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Impeto Impact Gründer Jim Lefébre © Jim Lefébre

Ein Fully-Merchant-BESS (Battery Energy Storage System) ist ein Batteriespeicher, der seine Erlöse vollständig am freien Strommarkt erwirtschaftet, ohne langfristige Verträge, feste Einspeisevergütungen oder staatliche Garantien. Durch den steigenden Anteil an z.B. Photovoltaik und Windkraft kommt es im Netz häufig zu Überschussenergie und starken Preisschwankungen – etwa Negativpreisen zur Mittagszeit im Sommer. Speicherbetreiber:innen nutzen das für Arbitrage: Sie kaufen Strom, wenn er günstig ist, und verkaufen ihn, sobald die Preise wieder steigen. Zusätzlich lässt sich mit einer Batterie auch Regelenergie zur Netzstabilisierung anbieten.

Dieses Geschäftsfeld zeichnet sich zum einen durch hohe Gewinnchancen bei stark schwankenden Strompreisen, aber auch volles Risiko bei fallenden Marktpreisen oder geringer Volatilität aus. Hinzu kommt, dass ein Speicher gleichzeitig auf fünf Erlösmärkten agiert – darunter Day-Ahead und Regelenergie –, die permanent miteinander konkurrieren und sich gegenseitig Kapazitäten streitig machen. Diese unsichere Dynamik führt für Betreiber:innen wiederum zu erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten bei Banken. Hier setzt Impeto Impact mit seinem Tool BESS-Invest an.

Modellrechnungen statt Live-Einsatz

„Man kann eigentlich immer nur in einem Markt handeln. Also muss man in der Modellierung entscheiden, in welchem Markt der Strom gekauft und verkauft wird, um letztlich einen plausiblen Business Case zu erteilen“, erklärt Jim Lefébre, Gründer von Impeto Impact. Sein laut eigenen Angben komplett eigenfinanzierte Produkt soll jetzt mehr Transparenz für Investor:innen bringen und setzt bei der Modellierung auf sogenanntes Forwardtesting. „Backtesting beantwortet, was gewesen wäre“, erklärt der Gründer. „Für eine Investitionsentscheidung mit 15 Jahren Laufzeit braucht der Markt eine Antwort auf das, was kommt.“

BESS Invest soll eine fünfjährige Markthistorie mit eigenen Projektionsannahmen zu Preistrends, Reserve-Erlösen und Volatilität verknüpfen. Laut Unternehmensangaben entstünden aus diesem Zusammenspiel simulierte Marktpfade in 15-Minuten-Auflösung – bis hinunter zum eigentlichen Lastprofil der Batterie. Das Modell würde dabei eine Ergebnisbandbreite vom konservativen bis zum optimistischen Szenario abbilden. Verändere sich die Marktlage, ließe sich dies über erneute Simulationen jederzeit anpassen. Dabei handelt es sich laut Lefèbre ausdrücklich um Modellrechnungen und Schätzungen zur Plausibilisierung, nicht um eine Live-Optimierung.

BESS Invest Dashboard © Impeto Impact

Verzicht auf KI

Ursprünglich entstand die Idee aus Lefèbres eigenem Beratungsgeschäft: Der Markt für Großspeicher sei dynamisch, die Kapitalmobilisierung stocke jedoch mangels Transparenz, so Lefèbres Erkenntnis. Gemeinsam mit Jonas Puck von der WU Wien wurde daraus zunächst das Whitepaper „Charging Ahead“ aus dem schlussendlich das Tool mithilfe von Pilotkund:innen aus dem Kreis großer Energieversorger hervorging.

Auf Künstliche Intelligenz wird verzichtet: „Wir arbeiten bei unseren Simulationen strikt ohne KI, weil eine KI auch halluzinieren kann“, so Lefèbre. Ein geschlossener Algorithmus soll stattdessen nachvollziehbare Ergebnisse hervorbringen.

Vor der Gründung war Lefèbre unter anderem ÖVP-Pressesprecher ehe er 2017 bis 2019 die Position des Pressesprechers im Justiz- und später im Finanzministerium übernahm. Anschließend war er in diversen Positionen für Montana Tech Components des Investors Michael Tojner, sowie den Batteriehersteller Varta tätig. Bis heute vertritt er zudem die von Tojner mitgegründete eXplore!-Initiative. Außerdem fiel Lefébre in der Vergangenheit beim brutkasten mit seinem Corona-Test-Startup auf.

Co-Location und Expansionspläne

Vertrieben wird BESS Invest im Lizenzmodell mit drei Paketstufen, wahlweise als Monatslizenz oder als Berechnungskontingent im 50er-Block. Bislang modelliert die Software den reinen Speicherbetrieb. Als nächsten Schritt will das Team die Integration von Co-Location-Projekten und Industrieanwendungen angehen. Außerdem plant Lefèbre die Expansion nach Deutschland und perspektivisch in Richtung Südosteuropa.

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